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Semantik der Metapher 09:13 min

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Transkript Semantik der Metapher

Hi, ich bins, Tim! Wir betreten in diesem Video das weite Feld der Metaphern, eine bunte Landschaft mit vielen unterschiedlichen Begriffen und Ansätzen, von denen ich euch ein paar fundamentale vorstellen werde. Außerdem schauen wir uns an, wie Metaphern funktionieren und wie wir sie klassifizieren können. Möge der sonnenreiche Fluss der Erkenntnis mit euch sein! Was ist eine Metapher? Das aus dem Griechischem stammende Wort wird im Bereich der Rhetorik verwendet und heißt wörtlich “Übertragung”. Ein Wort wird also nicht in seiner wörtlichen Bedeutung verwendet, sondern in seiner übertragenen. Metaphern kommen nicht nur in der Literatur vor, wir verwenden sie unbewusst auch in unserer Alltagssprache. Wir können uns ohne sie nicht vollständig ausdrücken. Manche sagen sogar, dass unser Denken auf Metaphern aufbaut und und die Metapher daher das Wesen und den Kern von Sprache und Kommunikation darstellt.

Ich will euch erst einen Gedanken von Nietzsche näher bringen, der großen Anklang in der Linguistik gefunden hat: Metaphern entstehen aus einer Verbindung von zwei Wörtern, die ähnlich zueinander sind. Das eine Wort wird durch das andere ersetzt, denn sie teilen gemeinsame Merkmale. Nach Nietzsche ist das aber das Prinzip jeglicher Wortbildung: Wir setzen Dinge gleich, die nur ähnlich sind, wir verallgemeinern, wobei wir manche Eigenschaften einfach weglassen und nur die Gemeinsamkeiten zu den wichtigen Merkmalen zählen. Wenn ich sage: “Tim ist ein Mensch”, dann setze ich “Tim” mit “Mensch” gleich und reduziere “Tim” dabei auf diejenigen Eigenschaften, die alle Menschen teilen, wie eine bestimmte körperliche Veranlagung und psychologische Verhaltensstrukturen. Das, was mich aber als Individuum ausmacht, lasse ich weg. Da alle Worte mehr oder weniger abstrakt sind, brauchen wir also immer Metaphern zu unserer Wortbildung. So ist “Hund” eine Gleichsetzung von allen individuellen Hunden, “Baum” bezeichnet ein Ding, das eine möglichst große Übereinstimmung an äußeren Merkmalen mit anderen Dingen hat. Dazu gehören z.B. “vom Boden wachsen”, “Wurzel”, “Rinde”, “Ast” und einiges mehr. Sprache ist also in ihrem Kern metaphorisch, d.h. alle Worte sind über solche Gleichsetzungen gebildet. Wir definieren Worte über die Formel x = y. Doch kommen wir zu dem, was wir konkret unter “Metapher” verstehen. Zur Metapher gehören immer mindestens zwei Worte, die nichts miteinander zu tun haben, die aus zwei verschiedenen Bedeutungsfeldern stammen. Der Dichter Verlaine redet in einer berühmten Metapher von der “Landschaft der Seele”. Obwohl “Landschaft” eigentlich nicht zum Bedeutungsfeld von “Seele” gehört, können sich die meisten vorstellen, was gemeint ist. Am Anfang sagte ich mit Nietzsche, dass sich Metaphern über Ähnlichkeit begründen. Die Ähnlichkeiten zwischen “Seele” und “Landschaft” sind, dass sie beide ‘weit’ und ‘vielfältig’ sind und viele ‘unterschiedliche Dinge enthalten’. Eine Metapher definiert sich allerdings auch über die Disparität, also Unähnlichkeit der zwei Worte. Gerade dadurch, dass die zwei Worte nicht gleich, sondern nur ähnlich, d.h. bis zu einem gewissen Grad auch unterschiedlich sind, erzeugt die Metapher einen Zugewinn an Bedeutung. Die Bedeutungseinheiten überschneiden sich. Der mittlere Teil stellt die Metapher dar. In unserem Beispiel ist die “Landschaft” der “Bildspender”, weil er der “Seele”, um die es eigentlich geht, Eigenschaften hinzugibt, die die “Seele” nicht hat. Die Seele ist daher auch der “Bildempfänger”. Der Zugewinn an Bedeutung entsteht aber nur dadurch, dass von beiden Seiten das Nicht-Übereinstimmende der beiden einzelnen Bedeutungen mitgedacht wird. Dieses Nicht-Übereinstimmende nennt man auch den Kontext. Der Kontext ist somit das Wichtigste bei einer Metapher: Durch ihn erhält sie den Zugewinn an Bedeutung, durch ihn wird aber auch das Bild festgelegt und in eine Richtung gelenkt. Der Kontext besteht dabei nicht nur aus dem bildspendenden Bereich und dessen Bedeutungsumfeld, sondern auch aus den Sätzen, die die Metapher umgeben, dem sogenannten Ko-Text. In unserem Beispiel des “sonnenreichen Flusses der Erkenntnis” geben Sonne und Fluss die Bilder von Leben, Wachsen und Fruchtbarkeit mit. Sage ich jedoch “Der sonnenreiche Fluss der Erkenntnis, der alles verbrennt und überschwemmt”, kehrt sich die Metapher durch den angehängten Satz in sein Gegenteil und wirkt nicht mehr kreativ sondern destruktiv. Die Bedeutung von Metaphern hängt also vor allem von Kontext und Kotext ab.

Wie können wir Metaphern nun untersuchen und einteilen? Hier gibt es fünf übliche Kategorien. 1. Wir untersuchen Metaphern auf den Bildspenderbereich, schauen uns also an, welche Bedeutung das Wort hat, das Bedeutung hinzubringt. In unseren Beispielen wäre das der “sonnenreiche Fluss” oder die “Landschaft” 2. Wir sehen uns den Bildempfängerbereich an, also das Wort, das eigentlich gemeint ist, und das einen Bedeutungszuwachs erhält. Das wären bei uns die “Erkenntnis” und die “Seele” 3. Wir untersuchen, wie die beiden Seiten zusammenwirken, wie sie sich also semantisch überschneiden. Dabei betrachten wir die Gemeinsamkeiten in ihren Bedeutungen. Wie oben schon gesagt, wären die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Seiten der “Landschaft” und der “Seele” die Eigenschaften ‘weit’, ‘vielfältig’ und “unterschiedliche Dinge enthaltend’, wobei man diesen Katalog an Eigenschaften noch fortsetzen kann. 4. Wir ordnen Metaphern nach syntaktischen Kategorien, also nach welchen grammatikalischen Regeln sie zusammenhängen. Das funktioniert über 1. Gleichsetzungen wie x = y: “Der Mensch ist ein Wolf” 2. über Prädikate, bei dem die Metapher ein Verb ist, das aus einem anderen Bedeutungsbereich kommt wie z.B. “das Gebäude kratzt an den Wolken” 3. über Attribute, die meist metaphorische Adjektive sind wie z.B. “der sonnenreiche Fluss” 4. über Genitivkonstruktionen wie z.B. “die Landschaft der Seele” oder “des Mundes Röselein” und 5. über Kompositionen, also Aneinandersetzung von zwei Worten wie z.B. “Weltuntergang” oder “blutrot”. 5. Wir kategorisieren nach stilistischen Merkmalen. Hier untersuchen wir, wie häufig und in welchem Bereich die Metapher auftritt. Die Metapher “Der Geist fliegt” ist z.B. eindeutig dem Religiösen zuzuordnen, da sie häufig in christlichen Gedankengängen vorkommt. Da der Raum, in dem geflogen wird, der Himmel ist, der keine Grenzen besitzt und daher frei ist, wird auch der Geist mit dem Himmel und daher mit Freiheit verbunden.

Wir fassen also zusammen: 1. Metaphern übertragen Bedeutung von einem Wort auf ein anderes 2. Die Linguistik sagt, dass wir ohne Metaphern weder denken noch sprechen können 3. Die Rhetorik sagt, dass die Metapher zwei Worte in Verbindung bringt, die aus unterschiedlichen Bedeutungsfeldern stammen. 4. Nicht nur die Literaturwissenschaft sagt, dass Metaphern nicht nur über Ähnlichkeit sondern auch Disparität gebildet werden und über den Kontext und Kotext einen Bedeutungsgewinn bekommen 5. Wir können Metaphern nach fünf Kategorien untersuchen, nämlich nach Bildgeber, Bildempfänger, semantischer Übereinstimmung, syntaktischem Aufbau und stilistischen Eigenheiten.

Das wars von mir, möge die Metapher in allen sprachlichen Niederungen ein Kompass und Stecken für euch sein!

3 Kommentare
  1. Vreni

    Hallo,
    gerne kannst du dir ebenfalls dieses Video zum Thema ansehen:
    http://www.sofatutor.com/deutsch/videos/die-metapher?topic=675
    Sollten danach noch Fragen offen sein, kannst du dich auch an den Hausaufgaben-Chat (Mo-Fr, 17-19 Uhr) wenden. Ich hoffe, das hilft dir weiter!
    Beste Grüße

    Von Vreni Striggow, vor mehr als einem Jahr
  2. Default

    sehr kompliziert erklärt, ich fands nicht so gut

    Von Akwesterburg, vor mehr als einem Jahr
  3. Default

    gut erklärt

    Von Maritwin, vor etwa 3 Jahren