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Merkmale einer Kurzgeschichte 06:51 min

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Transkript Merkmale einer Kurzgeschichte

Ah das Brot, Quell des Lebens! Mhm. Das erinnert mich an eine Kurzgeschichte. Aber was sind eigentlich Kurzgeschichten? Kurzgeschichten sind eine weitverbreitete Form der modernen Literatur. Man kann Kurzgeschichten als knappe Erzählungen definieren, die Momentaufnahmen beschreiben. Oft ist so eine Momentaufnahme eine wichtige Episode oder ein krisenhafter Ausschnitt aus dem Alltagsleben eines Menschen. Zu einer eigenständigen Textsorte entwickelte sich die Kurzgeschichte nach dem amerikanischen Vorbild der "short story". Das passierte in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, als die Kurzgeschichte eine zeit- und papiersparende Alternative zu langen Publikationen darstellte. Bekannte Verfasser und Verfasserinnen von Kurzgeschichten aus der Nachkriegszeit sind z. B. Ilse Aichinger, Heinrich Böll, Elisabeth Langgässer und Wolfgang Borchert. An welchen Merkmalen kannst du Kurzgeschichten erkennen? Der Name verrät bereits, dass KURZgeschichten nur einen geringen Umfang haben. Denn das erzählte Geschehen beschränkt sich auf einen kurzen Ausschnitt und die Handlung ist auf das Notwendigste verkürzt. Ein weiteres Merkmal ist, dass Kurzgeschichten eine alltägliche Momentaufnahme aus dem Leben eines oder mehrerer Menschen zeigen und diese das zentrale Thema der Handlung bildet. Das alltägliche Geschehen ist dabei für die dargestellten Figuren oft von besonderer Bedeutung. Allerdings sind die Handelnden immer Alltagspersonen, es gibt also keine "Helden". Manchmal müssen die handelnden Personen eine Krisensituation meistern. Die Kurzgeschichte "Das Brot" von Wolfgang Borchert aus dem Jahr 1946 zeigt z. B. eine kurze Momentaufnahme in der Beziehung eines Ehepaars während der Hungerjahre nach dem Krieg. Weil der Mann Hunger leidet, schneidet er sich nachts eine Scheibe des streng rationierten Brotes ab und wird dabei von seiner Ehefrau ertappt. Merke dir, dass Kurzgeschichten nur EINEN Handlungsstrang haben, für den eine kurze Erzählzeit ausreicht. Dabei werden keine ausführlichen Informationen zum Ort der Handlung oder zu den handelnden Personen gegeben. In Borcherts Kurzgeschichte erfahren wir z. B. nur, dass sich die Handlung in einer Wohnung abspielt. Dabei werden Schlafzimmer und Küche als Schauplätze genannt. Über die dargestellten Figuren wissen wir, dass es sich um einen Mann und eine Frau handelt, die seit 39 Jahren verheiratet sind. Dass die meisten Kurzgeschichten nur wenige Protagonisten und Protagonistinnen haben ist ein weiteres Merkmal. Alle Kurzgeschichten beginnen mit einem unmittelbaren Einstieg. Der Leser oder die Leserin wird dabei schlagartig in eine Situation versetzt. "Das Brot" beginnt z. B. so: "Plötzlich wachte sie auf. Es war halb drei. Sie überlegte, warum sie aufgewacht war. Ach so! In der Küche hatte jemand gegen einen Stuhl gestoßen." Ein ganz wichtiges Merkmal von Kurzgeschichten ist Mehrdeutigkeit. Dabei spielen Verweise und die sprachliche Technik der Andeutung eine Rolle. Entscheidend ist oft genau DAS, was gar nicht ausgesprochen wird. Vieles wird nur angedeutet, deshalb ist es wichtig, "zwischen den Zeilen zu lesen". Da manchmal bereits einzelne Gegenstände, Worte oder Gesten bedeutungsvoll sein können, musst du dich intensiv mit der Kurzgeschichte auseinandersetzen. Als die Frau in "Das Brot" ihren Mann in der Küche ertappt, reagiert sie z. B. so: „Ich habe auch was gehört. Aber es war wohl nichts.“ Sie stellte den Teller vom Tisch und schnippte die Krümel von der Decke. Obwohl die Frau genau weiß, was ihr Mann getan hat, will sie ihn vor einer Blamage beschützen. Das wird durch das physische "Wegstellen" des Tellers symbolisiert, mit dem sie jegliche "Beweise vernichtet". Einige Kurzgeschichten weisen auch einen hohen Anteil an innerem Monolog auf. "Sie hob die Hand zum Lichtschalter. Ich muss das Licht jetzt ausmachen, sonst muss ich nach dem Teller sehen, dachte sie. Ich darf doch nicht nach dem Teller sehen." Vielleicht ist dir schon aufgefallen, dass Borchert sich der Alltagssprache bedient. Die Sprache von Kurzgeschichten ist meist nüchtern und schlicht. Eine einfache Wortwahl und kurze Sätze machen sie leicht verständlich, lassen aber auch einen großen Deutungsspielraum zu. Schau dir dazu folgenden Textauszug an: "Als sie im Bett lagen, sagte sie: „Ja, Wind war schon die ganze Nacht. Es war wohl die Dachrinne.“ „Ja, ich dachte, es wäre in der Küche. Es war wohl die Dachrinne.“ Er sagte das, als ob er schon halb im Schlaf wäre. Aber sie merkte, wie unecht seine Stimme klang, wenn er log." Wichtig ist außerdem, dass Kurzgeschichten einen zielstrebigen Handlungsverlauf hin zu einem Höhe- oder Wendepunkt aufweisen. Dieser Wendepunkt am Ende der Geschichte liefert NEUE, für die Deutung der gesamten Handlung wichtige Informationen. Oft kann dieser Wendepunkt unterschiedlich interpretiert werden. In Borcherts Geschichte legt die Frau ihrem Mann am nächsten Abend eine zusätzliche Scheibe IHRES Brotes auf den Teller und behauptet, es nicht gut zu vertragen. Beide vermeiden Blickkontakt und nach einer Weile bedeutsamen Schweigens setzt sie sich zu ihm an den Tisch. Dieser offene Schluss ist ein weiteres Merkmal, das für eine Kurzgeschichte typisch ist. Die Handlung wird häufig nicht zu Ende erzählt. Stattdessen ist der Leser oder die Leserin aufgefordert, sich das Ende der Geschichte selbst auszudenken. All diese Merkmale sind typisch für Kurzgeschichten. Oh du glänzende Marmelade gebettet auf einem Roggenlaib. Upsi. Ih das LEBEN!

1 Kommentar
  1. Gut

    Von Aiden Lincon B., vor 5 Tagen