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Rhetorische Frage 07:17 min

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Transkript Rhetorische Frage

Hallo, ich bin Anna und ich wünsche dir viel Spaß mit diesem Video! "Wer ist schon perfekt?“ Eine solche sogenannte rhetorische Frage hast du sicher schon einmal gehört und in diesem Video wird sich alles um dieses sprachliche Stilmittel drehen. Ich werde dir erklären, was genau eine rhetorische Frage ist, wie man sie erkennt und wie man sie von anderen Fragen abgrenzen kann. Außerdem zeige ich dir die Wirkung und Funktion von rhetorischen Fragen und nenne dir einige Beispiele. Du solltest schon etwas Vorwissen im Bereich der Stilmittel und rhetorischen Figuren im Allgemeinen mitbringen. Wie ich gerade schon erwähnt habe, gehören rhetorische Fragen zu den sprachlichen Stilmitteln. Wir können sie zum Beispiel in Gedichten oder in öffentlichen Reden finden. Auch für die rhetorische Frage gilt, genau wie für andere Stilmittel auch, dass sie nicht der reinen Information dient, sondern eine bestimmte Wirkung auf den Leser oder den Adressaten erzielen möchte. Wie du vielleicht schon an unserer Anfangsfrage „Wer ist schon perfekt?“ erkennen kannst, handelt es sich bei einer rhetorischen Frage nicht wirklich um eine Frage. Wenn ich zum Beispiel etwas frage, wie „Geht es dir gut?“, dann drücke ich damit immer in irgendeiner Weise einen Zweifel aus. Hier, weil ich am Wohlbefinden meines Gegenübers zweifle und eine Antwort erhalten möchte. In unserem Fall, der rhetorischen Frage, kennt aber derjenige, der die Frage stellt, die Antwort schon selbst. Der Sprecher erwartet also keine Antwort von seinem Gegenüber. Es handelt sich um eine scheinbare Frage, die sich im Grunde selbst beantwortet. Warum werden rhetorische Fragen denn dann überhaupt verwendet? Kommen wir nun zu deren Funktion und Wirkung. Es gibt verschiedene Bereiche, in denen rhetorische Fragen meist verwendet werden. Sehr oft werden rhetorische Fragen in Reden oder in Vorträgen, zum Beispiel von Politikern, verwendet. Ich nenne dir im Folgenden ein paar Beispiele für solche Fragen. Ein Politiker kann zum Beispiel in einer Rede fragen: „Würden Sie wirklich lieber zum alten System zurückkehren?“. Er erwartet von seinem Publikum aber nicht direkt eine Antwort, sondern beeinflusst es insofern, als dass man auf eine solche Frage natürlich mit „Nein!“ antworten würde. Das hier alte System wird von ihm als das unbeliebte dargestellt. Oder hier: „Wäre es nicht ein Ziel, eine Gesellschaft der Solidarität anzustreben?“. Der Sprecher dieser Frage setzt hier schon voraus, dass die Frage bejaht werden würde. Er beeinflusst mit dieser Vorgehensweise also die Meinung seiner Zuhörer. Oder bei dieser Frage in einer politischen Rede: „Sie glauben doch nicht wirklich, dass diese Partei es schaffen wird, ihre Wahlversprechen zu halten?“. Die Formulierung dieser Frage provoziert beim Publikum die Antwort „Nein“, sodass die gegnerische Partei als die schlechtere dargestellt wird. Wenn du dir diese Fragen genauer anschaust, dann findest du in jeder Frage ein Signalwort wie „wirklich“ oder „nicht“, das für die vorgegebene Antwort sorgt. Oft lassen sich rhetorische Fragen an solchen Signalwörtern erkennen. Ein anderes Beispiel in einem Vortrag wäre die rhetorische Frage: „Wollen Sie sich diese einmalige Chance wirklich entgehen lassen?“. Auch hier wieder das Signalwort „wirklich“, sodass die Antwort natürlich „Nein“ lautet. Der Sprecher betont die einmalige Gelegenheit, die geboten wird. Fassen wir also einmal die Funktionen und Wirkungen zusammen: Wenn jemand eine rhetorische Frage stellt, dann drückt er damit indirekt seine Meinung aus und beeinflusst sein Gegenüber in gewisser Weise, weil er dessen Zustimmung erreichen möchte. So verstärkt er damit seine Äußerung. Ein Redner möchte mit einer rhetorischen Frage also die Aufmerksamkeit auf das Gesagte lenken. Und sehr oft möchte er mit rhetorischen Fragen auch provozieren. In Diskussionen oder Dialogen im Alltag kann man rhetorische Fragen ebenfalls verwenden. Schau dir einmal die folgenden Beispiele an, die du sicherlich schon mal gehört oder selbst verwendet hast: „Habe ich es dir nicht gesagt?“, „Hast du mir jemals geholfen?“, „Glaubst du etwa ernsthaft, ich würde das machen?“, „Du willst doch nicht etwa schon wieder zu spät kommen?“. Auch hier erkennst du wieder Signalworte wie „nicht“, „jemals“, „etwa“, „doch nicht etwa“. Und du merkst, dass keine der Fragen wirklich gestellt werden würde, um eine realistische Antwort darauf zu erhalten. Hier ist die Antwort auf die Fragen schon klar. Man möchte eher seine Argumente verstärken, das Gegenüber provozieren oder beeinflussen und die Aufmerksamkeit auf das Gesagte lenken. Wenn du in Zukunft also eine rhetorische Frage identifizieren möchtest, dann merke dir folgende Stichpunkte: Sie ist eine scheinbare Frage, deren Antwort bereits klar ist. Sie kommt häufig in politischen Reden, Vorträgen oder Diskussionen vor. Sie ist oft an Signalworten erkennbar. Ziel ist die Beeinflussung des Gegenübers oder deren Provokation, außerdem die Aufmerksamkeit auf das Gesagte zu lenken und die Verstärkung der Argumente. Ich hoffe, du hast alles verstanden! Und bis zum nächsten Mal!

1 Kommentar
  1. sehr gut erklärt

    Von Enasara98, vor mehr als 5 Jahren

Rhetorische Frage Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Rhetorische Frage kannst du es wiederholen und üben.

  • Erstelle einen Merktext für rhetorische Fragen.

    Tipps

    Achte auf die Satzzeichen und auf Signalwörter wie und. Das kann dir schon Hinweise auf die richtige Reihenfolge geben.

    Lösung
    • Die rhetorische Frage ist ein sprachliches Stilmittel und tritt zum Beispiel in politischen Reden oder in unserer Alltagssprache auf. Es handelt sich dabei um ein Stilmittel der Rhetorik, der Redekunst aus der Antike, und wurde ursprünglich eingesetzt, um politische Gegner zu überzeugen.
    • Es handelt sich dabei um eine Frage, dessen Antwort bereits bekannt ist. Die rhetorische Frage ist im eigentlichen Sinne nämlich keine Frage, auch wenn sie formal so aussieht. Eine normale Frage drückt immer einen Zweifel auf der Sprecherseite aus und möchte eine Antwort erhalten - das ist bei der rhetorischen Frage nicht der Fall.
    • Daher äußert der Sprecher mit einer rhetorischen Frage eher seine Meinung und möchte teilweise auch den Adressaten provozieren oder beeinflussen. Da die Antwort in einer rhetorischen Frage bereits enthalten ist, kann der Adressat auf diese auch nicht frei antworten.
  • Definiere die rhetorische Frage.

    Tipps

    Überlege noch einmal, was der Unterschied zwischen einer normalen Frage und der rhetorischen Frage ist. Bei welcher ist die Antwort bereits bekannt?

    Lösung

    Die rhetorische Frage ist ein sprachliches Stilmittel und tritt zum Beispiel in literarischen Kontexten und in politischen Reden auf.

    Wie andere Stilmittel auch, dient die rhetorische Frage bei ihrer Verwendung nicht nur der reinen Information, sondern soll beim Zuhörer eine bestimmte Wirkung erzielen. Es handelt sich dabei um eine Frage, dessen Antwort bereits bekannt ist.

    Das Beispiel Wer ist schon perfekt? macht diesen Aspekt deutlich. Diese rhetorische Frage drückt schon aus, dass niemand perfekt ist.

  • Bestimme die Merkmale von rhetorischen Fragen.

    Tipps

    Erinnere dich noch einmal an die Unterschiede zwischen einer normalen Frage und einer rhetorischen Frage.

    Lösung
    • Bei der rhetorischen Frage handelt es sich nicht im eigentlichen Sinne um eine Frage.
    Diese Aussage ist korrekt. Anders als normale Fragen drückt die rhetorische Frage eher eine Meinung aus und enthält daher auch schon eine Antwort.
    • Die rhetorische Frage drückt einen Zweifel auf der Seite des Sprechers aus.
    Diese Aussage ist nicht korrekt. Dieses Merkmal trifft auf normale Fragen zu. Bei der rhetorischen Frage dagegen ist der Sprecher nicht im Zweifel. Er möchte im Gegenteil seine Meinung damit äußern.
    • Mit der rhetorischen Frage möchte ein Sprecher in jedem Fall eine Antwort erhalten.
    Diese Aussage ist nicht korrekt. Eine Antwort ist entweder bereits in der rhetorischen Frage enthalten, wie beispielsweise in Wer ist schon perfekt? oder wird von ihr vorgegeben: Du willst doch nicht wirklich dieses Kleid anziehen?.
    • Mit der rhetorischen Frage möchte der Sprecher sein Gegenüber provozieren oder beeinflussen.
    Diese Aussage ist korrekt. Die Rhetorische Frage enthält ihre Antwort bereits und gibt sie somit vor, sodass der Hörer nicht mehr frei antworten kann.
    • Mit der rhetorischen Frage drückt der Sprecher indirekt seine Meinung aus.
    Diese Aussage ist korrekt. Da die rhetorische Frage ihre Antwort bereits enthält, macht sie deutlich, wie der Sprecher über bestimmte Sachverhalte denkt.
    • Die rhetorische Frage wird nur in unserer Alltagssprache verwendet.
    Diese Aussage ist nicht korrekt. Wir benutzen die rhetorische Frage zwar oft in unserem Alltag, sie findet aber häufig auch Verwendung in politischen Reden oder in Vorträgen. Weiterhin ist sie im literarischen Kontext, zum Beispiel in Gedichten, zu finden.
  • Bestimme die Kategorie der rhetorischen Frage.

    Tipps

    Überlege einmal, was die rhetorische Frage so besonders macht. Ist es ihr Klang, ist es ein einziges Wort oder ist es die Frage als Ganzes?

    Es gibt zwar rhetorische Fragen, die ein Signalwort enthalten - das muss aber nicht immer der Fall sein.

    Überlege noch einmal, welches Ziel die rhetorische Frage hat.

    Lösung

    Die rhetorische Frage ist eine...
    Satzfigur
    Wie in einer normalen Frage auch ist in der rhetorische Frage der Satzbau wichtig, um sie als eine solche auszumachen. Dieser unterscheidet sich formal von dem eines Aussagesatzes, auch wenn die rhetorische Frage eine Aussage macht, anstatt eine tatsächliche Frage zu stellen. Man kann sie zwar manchmal an einem Signalwort erkennen, was vielleicht einen Hinweis auf eine Wortfigur vermuten lässt, das muss aber nicht immer der Fall sein. Sie kann immer nur als Ganzes bestehen, um ihre Wirkung zu erzielen.
    und eine Gedankenfigur
    Die rhetorische Frage dient als Ganzes dazu, die Gedanken des Hörers in eine bestimmte Richtung zu lenken. Anders als Wort- oder Klangfiguren benötigen auch Gedankenfiguren einen ganzen Satz mit einer bestimmten Syntax, um dieses Ziel zu erreichen.

  • Ermittle die rhetorischen Fragen.

    Tipps

    Überlege, auf welche Fragen der Sprecher tatsächlich eine wahre Antwort erhalten möchte.

    Erinner dich an die Signalwörter, die man manchmal in rhetorischen Fragen finden kann.

    Lösung
    • Wer hätte das gedacht?
    Das ist ein rhetorische Frage. Der Sprecher fragt hier nicht tatsächlich nach einer Person, die irgendetwas geglaubt hat, sondern macht die Aussage, dass keiner an diese Sache geglaubt hat. Umgeformt würde die Aussage heißen: Das hätte keiner gedacht!.
    • Soll ich das so machen?
    Das ist eine normale Frage. Der Sprecher möchte hier eine Antwort erhalten und ist im Zweifel über sein eigenes Vorgehen.
    • Soll das wirklich alles sein?
    Das ist ein rhetorische Frage. Man erkennt sie zunächst an dem Signalwort wirklich. Außerdem steckt in dieser Frage eigentlich eher die Aussage: Das kann doch nicht alles gewesen sein!.
    • Hast du daran gedacht?
    Das ist eine normale Frage. Der Sprecher möchte mit dieser Frage tatsächlich eine Antwort von seinem Gegenüber erhalten.
    • Wer glaubt denn noch an sowas?
    Das ist ein rhetorische Frage. Sie enthält eher die Aussage: Das glaubt niemand mehr! und drückt damit indirekt die Meinung des Sprechers aus.
  • Erkenne die Signalwörter in den rhetorischen Fragen.

    Tipps

    Die Signalwörter in einer rhetorischen Frage sorgen dafür, dass sie ihre Antwort schon enthalten bzw. vorgeben.

    Wenn man die Signalwörter in einer rhetorischen Frage weglässt, wird daraus eine normale Frage, auf die der Hörer eine wahre Antwort geben könnte.

    Lösung

    Oft sind es die Signalwörter, die eine rhetorische Frage als eine solche markieren.

    • jemals
    • doch nicht wirklich
    • etwa
    • wirklich
    • doch nicht etwa
    Sie sorgen dafür, dass die rhetorische Frage ihre Antwort bereits enthält bzw. die Antwort des Gegenübers in eine bestimmte Richtung gelenkt wird. Hinter der rhetorischen Frage Hast du etwa den ganzen Kuchen alleine aufgegessen? steckt die Aussage Ich finde es unglaublich, dass du den ganzen Kuchen alleine aufgegessen hast! Und die rhetorische Frage Willst du wirklich in diesem Outfit auf die Straße gehen? legt dem Hörer nahe, darauf mit nein zu antworten.
    Wenn man die Signalwörter dagegen weglässt, entstehen aus rhetorischen Fragen normale Fragen, die man stellen kann, um von seinem Gegenüber eine Antwort zu erhalten. Zum Beispiel kann man aus Interesse fragen Du willst heute Abend schon wieder Pizza essen?, was die Frage schon etwas entschärft.