30 Tage kostenlos testen

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

Neologismus

Du möchtest schneller & einfacher lernen?

Dann nutze doch Erklärvideos & übe mit Lernspielen für die Schule.

Kostenlos testen
Bewertung

Ø 3.5 / 13 Bewertungen

Die Autor*innen
Avatar
Tim Weichselfelder
Neologismus
lernst du in der 8. Klasse - 9. Klasse - 10. Klasse - 11. Klasse

Grundlagen zum Thema Neologismus

Inhalt

Was ist ein Neologismus?

Die Definition des Wortes Neologismus ergibt sich aus den griechischen Wörtern neo („neu") und logos („Wort"), was zusammengesetzt das Wort Neuwort ergibt. Es handelt sich also um neue Wörter (man kann auch Wortneuschöpfung sagen) oder um neue Bedeutungen bereits bekannter Wörter.

Ein Neologismus kann ein Stilmittel der Rhetorik sein und auf verschiedene Art und Weise gebildet und eingesetzt werden, wie wir später sehen werden. Wortneuschöpfungen gehören zu den sogenannten Wortfiguren.

Neologismus – Merkmale

Wie erkennt man einen Neologismus? Woher weiß man, ob ein Wort wirklich neu ist oder nicht? Man schaut am besten in ein Wörterbuch. Dort stehen alle Wörter der Alltagssprache, die über einen längeren Zeitraum von einer Sprachgemeinschaft verwendet wurden bzw. werden. Einen Neologismus wirst du dort also nicht finden! Ein Wort ist nur so lange neu, solange es von den Sprechenden einer Sprache als neu empfunden wird und noch nicht in den Duden aufgenommen wurde.

Wer kann die Entstehung eines Neologismus bewirken? Du und ich! Also im Prinzip alle Menschen. Ob ein neuer Begriff die Aufnahme ins Wörterbuch schafft, hängt davon ab, wie viele Personen diesen verwenden, wie weit er sich verbreitet, ob er längere Zeit verwendet wird oder ob es sich nur um ein kurzzeitiges Auftauchen handelt.

Neologismus – Arten

Ein Neologismus entsteht aus unterschiedlichen Gründen und kann

  • ein neues Wort sein, das vorher nicht existiert hat, z. B. Corona-Pandemie.
  • ein bereits vorhandenes Wort um eine neue Bedeutung erweitern, z. B. Maus. Die Bedeutung kleines Nagetier wird erweitert und ist im Computerbereich ein Befehlsgeber.
  • eine neue Kombination bereits vorhandener Wörter sein, z. B. Enkeltrick. Diese Bezeichnung wird verwendet für den kriminellen Versuch von Trickbetrügern, sich telefonisch bei älteren Menschen Geld zu erschleichen, indem sie sich als Enkelin oder Enkel ausgeben.
  • das Ergebnis eines kreativen Spiels mit Wörtern sein. Zahlreiche Neologismen findet man als Stilfigur, z. B. in den romantischen Gedichten von Eichendorff. Ein Beispiel aus einem seiner bekanntesten Gedichte Mondnacht von 1837 ist Blütenschimmer.

Neologismus – Bildung

Neologismen können auf verschiedene Art und Weise gebildet werden:

Komposition (Zusammensetzung zweier Wörter)
Ein aus zwei Wörtern zusammengesetztes Wort nennt man ein Kompositum. Auf diese Weise werden die meisten neuen Wörter gebildet. Hier findest du auch eine Anwendung für die verschiedenen Arten von Neologismen.

Beispiele:

  • Wellenbrecher (Wort des Jahres 2021): Gemeint sind hier die Maßnahmen, um die aktuelle Welle der Corona-Pandemie zu stoppen. Beispiel für Neologismus

  • Funklochrepublik: Das Wort beschreibt die schlechte Mobilfunkabdeckung im ländlichen Raum, wodurch für die dort Wohnenden Nachteile entstehen.

Derivation (Ableitung)
Der Wortstamm eines Wortes wird durch das Anhängen einer Vorsilbe (Präfix) oder Nachsilbe (Suffix) zu einem neuen Wort.

Beispiele:

  • a) Cyberkriminalität, b) Cyberwährung (das Präfix cyber ist hier auch ein Neologismus):
    a) neue Bezeichnungen für Kriminalität im Netz, b) eigene Währungen im Netz (sogenannte Kryptowährungen – auch wieder ein Neologismus).

  • googeln: Abgeleitet vom Wortstamm google mit der Bedeutung etwas in der Suchmaschine Google suchen oder auch bereits allgemein für im Internet recherchieren.

Abbreviation (Abkürzung)

Beispiele:

  • SMS (engl. short message service), Kurzmitteilung

  • LGBT (engl. lesbian, gay, bisexual, transgender) steht für die Gemeinschaft der Nicht-Heterosexuellen

Zusammenziehung
Der erste Teil eines Wortes und der zweite Teil eines anderen Wortes werden miteinander verknüpft. Viele der Wörter kommen aus dem Englischen.

Beispiele:

  • Brunch, aus breakfast und lunch, ist eine Bezeichnung für eine ausgedehnte Mahlzeit, die sich in geselliger Runde über den ganzen Vormittag bis in den Mittag hinein erstrecken kann.

  • Smombie, aus smartphone und zombie, ist eine kritisierende Darstellung vieler (vor allem junger) Menschen, die bei jeder Gelegenheit an ihren Smartphones hängen.

Neologismus – Funktion

Ein Neologismus wird benötigt, wenn ein neues Phänomen beschrieben werden soll, für das es noch keinen passenden Begriff gibt. Die Sprache spiegelt die Gesellschaft wider und die Gesellschaft entwickelt sich ständig weiter und somit auch die Sprache. Neologismen bilden dabei nicht nur einfach die neuen Phänomene ab, sondern beziehen auch Stellung dazu. Diese können positiv oder negativ sein, kritisieren oder sich lustig machen.

Euphemistische Funktion (beschönigend): Besonders bei Berufsbezeichnungen haben sich neue, den Beruf aufwertende, Bezeichnungen etabliert, z. B. Hairstylistin statt Friseuse oder Zugbegleiter statt Schaffner.

Pejorative Funktion (abwertend): Eine abwertende Meinung kann schon mit der Verwendung bestimmter Begriffe ausgedrückt werden. Wer zum Beispiel Bulle statt Polizist sagt, macht deutlich, wie sie oder er über die Polizei denkt, ohne dies explizit gesagt zu haben. Ein pejorativer Neologismus im Zusammenhang mit der alternden Gesellschaft, in der immer weniger junge Menschen nachkommen, ist Rentnerschwemme.

Politisch korrektes Sprechen (political correctness): Viele vorhandene Begriffe werden ersetzt, da Menschen sich dadurch bloßgestellt fühlen. Häufig haben diese Bezeichnungen einen Bedeutungswandel erlebt. Früher galten sie als ganz normal, heute gelten sie als Beleidigung. Fragt doch mal eure Großeltern, wie sie früher Menschen nannten, die sich heute selbst als People of Color bezeichnen.

Ein weiteres Beispiel dafür ist andersfähig statt behindert.

Einzigartigkeit in der Werbung: In der Werbung werden (neben vielen anderen Stilmitteln) oft Neologismen verwendet, in der Hoffnung, dass diese den Menschen im Gedächtnis bleiben und vielleicht sogar in den normalen Sprachgebrauch übergehen. Beispiel:
Swiffern: Der Swiffer ist eine Art Trockenstaubwischer, der einer jungen Zielgruppe nahelegt, dass es unmodern ist, auf herkömmliche Art den Boden zu wischen.

Kritisierende Funktion: Neologismen können mit nur einem Wort eine ganze Situation abbilden und gleichzeitig kritisieren. Ein Beispiel ist das Wort Heißzeit. Der Ursprung ist der geschichtliche Begriff der Eiszeit, nur dass dieser ins Gegenteil verkehrt wird, um die Folgen des Klimawandels aufzuzeigen, nämlich dass es tendenziell immer heißer wird.

Neologismus – Herausforderungen

Die Herausforderungen bei neuen Wörtern sind die Schreibweise, die Flexion, das korrekte Genus und die Aussprache. Es müssen sich erst einheitliche Verwendungen etablieren.

Beispiele:

  • Schreibweise: Cyber-Währung oder Cyberwährung? E-mail, Email oder email? Generelles Problem: Wörter aus dem Englischen groß- oder kleinschreiben?
  • Genus (das grammatische Geschlecht): die Email oder das Email, der Blog oder das Blog?
  • Flexion (Beugung), vor allem im Genitiv: des PC oder des PCs?
  • Aussprache: Im Deutschen wird Download oft mit o ausgesprochen, was eigentlich nicht korrekt ist, aber allgemein anerkannt und verstanden wird.

Neologismus – Abgrenzung

Vor allem in der Jugendsprache werden dauernd neue Wörter gebildet. Viele dieser Wörter sind aber sehr kurzlebig und setzen sich nicht durch. Diese sogenannten Gelegenheitsbildungen werden Okkasionalismen genannt und werden nicht als Neologismen betrachtet. Manchmal gehen bestimmte Fachwörter aus einer Fachsprache in die Alltagssprache über, z. B. im Bereich Technik. Diese Wörter werden auch nicht als Neologismen angesehen, auch wenn man sie nicht im Wörterbuch vorfindet. Das liegt daran, dass sie in der jeweiligen Fachsprache schon länger benutzt werden, also keine neuen Wörter sind. Zudem bekommen sie auch keine neue Bedeutung, denn das wiederum würde sie zum Neologismus machen.

Transkript Neologismus

Hi, ich bin’s, Tim. Fremdschämen, Gammeldöner, Selfie. Was haben diese Wörter gemeinsam? Es sind neue Wörter. Mit neuen Wörtern hantieren wir in diesem Video. Denn es geht uns um den Neologismus, ein Stilmittel aus der Rhetorik. Wir schauen uns an, was ein Neologismus ist, wie er wirkt, wo man ihn findet, und inspizieren natürlich jede Menge Beispiele. Los geht’s! Was verstehen wir unter einem Neologismus? Das Wort kommt aus dem Altgriechischen von neo, das heißt neu, und logos, das heißt Wort. Zusammengesetzt ergibt das? Neuwort! Ein Neologismus ist also entweder ein Wort, das es vorher noch nicht gab, oder aber ein Wort, das eine neue Bedeutung bekommen hat, wie z.B. Alkopop oder Dissen. Beide Wörter haben ihren Ursprung im Englischen, von wo aus sie eingedeutscht wurden. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet man Neologismen auch als Wortneuschöpfungen. Innerhalb der rhetorischen Stilmittel gehören sie zu den Wortfiguren.

Woher wissen wir aber, ob es das Wort vorher noch nicht gab? Ganz einfach, wir schauen in ein Wörterbuch. Dort sind fast alle Wörter verzeichnet, die über einen längeren Zeitraum von einer Sprachgemeinschaft verwendet wurden. Ein Neologismus ist also auch nur solange ein Neologismus, wie er nicht ins Wörterbuch, z.B. den Duden, aufgenommen wurde und die Sprecher ihn als neu empfinden.

Wer aber erschafft einen Neologismus? Diese Wortneuschöpfung kann prinzipiell von jedermann und jederfrau gemacht werden, und ist häufig notwendig, um neue Phänomene zu beschreiben. Ob sich ein Neologismus festsetzt und z.B. ins Wörterbuch aufgenommen wird, hängt davon ab, wie weit er sich verbreitet, wie viel er also von anderen Personen verwendet wird, und wie lange er sich hält, wie gut er also ein andauerndes Phänomen beschreibt. Sehen wir uns ein paar Beispiele an. Weißt du, was ein “Berufsjugendlicher” ist? Ein Erwachsener, der nicht älter werden will und sich deshalb benimmt, als wäre er sehr jugendlich. Neologismen wie dieser werden im Deutschen häufig aus der Zusammensetzung von zwei Wörtern gebildet. Dieses Verfahren der Wortbildung nennt man Komposition.

Oder weißt du, was ein “Kollateralschaden” ist? Eigentlich heißt das, dass bei einem Hauptschaden noch ein Nebenschaden entsteht, also z.B. bei einem Autounfall auf der Autobahn auch die Leitplanken beschädigt werden. Ein wenig spezifischer wird es in der Militärsprache verwendet: Hier ist es eine unzivilisierte Machenschaft bei Angriffen auf eventuelle gegnerische oder terroristische Ziele, bei denen zusätzliche zivile Tote als nicht vermeidbares Übel abgetan werden. Neologismen wirken also häufig auch als Euphemismen, also als Beschönigungen.

Oder aber “Rentnerschwemme”? Ein etwas pejorativer, also abwertender Begriff für das Phänomen, dass es immer mehr Alte und immer weniger Junge in Deutschland gibt, die Alten also das Land überschwemmen. Der Begriff wurde geprägt, um ironisch eine gesellschaftliche Entwicklung zu kritisieren. Kennst du ein Kind mit “Migrationshintergrund”? Das ist einfach gesagt ein Kind mit nahen Vorfahren, die aus einem anderen Land eingewandert sind. Häufig werden Wörter neu geprägt, um politisch korrekt zu reden. Würde ein Politiker heutzutage “Ausländerkind” oder “Immigrantenkind” sagen, würde er der vielschichtigen Realität nicht gerecht werden, denn nicht alle sind Ausländer und nicht alle sind immigriert. Viele Neologismen entstehen also wegen political correctness.

Oder weißt du, was ein “Nullwachstum” ist? Ganz richtig, ein Wachstum, das nicht wächst, also bei Null bleibt. Der Begriff wird in der Wirtschaft verwendet, wenn man kritisieren will, dass die Wirtschaft wachsen sollte, es aber nicht tut. Wie du hier sehen kannst, haben Neologismen meist einen ganz bestimmten Anwendungsbereich. Nullwachstum findet man vor allem in der Presse oder an den Universitäten, in der Forschungsliteratur und somit in der Fachsprache. Andere Wörter wie z.B. “Toppen” sind hingegen eher in der Jugendsprache zu finden Und ein letztes Beispiel. “Teuro” ist eine Zusammenziehung von “teuer” und “Euro”, auch das als Kritik gemeint gegen die Einführung des Euro. Diese Zusammenziehungen werden Kofferwörter genannt. Weitere Beispiele sind “Politesse”, “Denglisch” und “Smog”. Fassen wir kurz zusammen. Ein Neologismus ist das rhetorische Stilmittel der Wortneuschöpfung. In der jeweiligen Sprache festsetzen wird es sich dann, wenn es in das Wörterbuch aufgenommen wird und sich damit einen Platz im allgemeinen Sprachgebrauch erkämpft hat. Neologismen werden häufig durch Kompositionen, also Wortzusammensetzungen, und aus Kofferwörtern gebildet. Sie wollen häufig einen Missstand kritisieren oder sie wollen einen Missstand verdecken und verschleiern, sind also euphemistisch, das heißt beschönigend. Neologismen wegen political correctness können dabei in beide Richtungen gehen. Weiterhin finden Neologismen meist in einem bestimmten Sprachbereich ihre Anwendung: In der Fachsprache, in der Jugendsprache, manchmal aber auch in der Allgemeinsprache. Hast du die Macht, Sprache zu verändern? Es ist leichter als man denkt. Ich sag ciao.

3 Kommentare

3 Kommentare
  1. gut erklärt

    Von J L Wohlgefahrt, vor fast 4 Jahren
  2. Vielen Dank für den Kommentar. Wir freuen uns, dass dir das Video gefällt.

    Beste Grüße
    Die Deutschredaktion

    Von René Perfölz, vor etwa 7 Jahren
  3. Bravo!
    Könnte man kaum besser erklären!

    Von E Rogge, vor etwa 7 Jahren
30 Tage kostenlos testen
Mit Spaß Noten verbessern
und vollen Zugriff erhalten auf

2.575

sofaheld-Level

5.805

vorgefertigte
Vokabeln

10.812

Lernvideos

44.057

Übungen

38.755

Arbeitsblätter

24h

Hilfe von Lehrer*
innen

laufender Yeti

Inhalte für alle Fächer und Klassenstufen.
Von Expert*innen erstellt und angepasst an die Lehrpläne der Bundesländer.

30 Tage kostenlos testen

Testphase jederzeit online beenden