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Antithese 04:01 min

Textversion des Videos

Transkript Antithese

Hi du, ich bin’s, Tim! “Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.” Hast du diesen Satz schonmal gehört oder dich vielleicht schonmal so gefühlt? Weißt du auch, welches Stilmittel diese Bibelstelle aus dem Matthäus-Evangelium darstellt? Wir nennen es: die Antithese. Was das ist und wie sie wirkt, darum geht es in diesem Video. Wie definieren wir die Antithese? Zunächst mal ist es ein griechisches Wort und kommt von anti, das heißt “gegen”, und thésis, das heißt “Behauptung”. Es ist also eine Gegenbehauptung. Sie kommt nicht nur in der Literatur vor. In der Alltagssprache nennen wir das auch einen “Widerspruch”, eine Erwiderung auf eine Aussage. In der Literatur ist sie ein Stilmittel, das sehr häufig in der Lyrik vorkommt, z.B. in der barocken Dichtung. In der ersten Strophe von Andreas Gryphius’ Gedicht “Es ist alles eitel” aus dem Jahr 1637 siehst du ziemlich deutlich, was gemeint ist: “Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden. Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein: Wo jetzt noch Städte stehn, wird eine Wiese sein, Auf der ein Schäferskind wird spielen mit den Herden.”

Eine Antithese stellt Gedanken einander gegenüber. Das können, müssen aber keine Gegensätze sein. Unser barockes Beispiel besteht dabei fast nur aus Gegensätzen: In den verschiedenen Versen stehen sich z.B. “bauen” und “einreißen” und “Städte” und “Wiesen” gegenüber. In unserem ersten Beispiel sind “Geist” und “Fleisch” ein religiöser Gegensatz. Was ist aber mit “willig” und “schwach”? Sind sie gegensätzlich? Alleinstehend würde ich sagen: natürlich nicht. Erst dadurch, dass sie in einer speziellen Satzstruktur mit einem anderen Gegensatzpaar verknüpft sind, macht das ganze zu einer Antithese. Eine Antithese besteht also fast nie aus nur zwei Wörtern, sondern aus sich gegenüberstehenden Sätzen. Zwei sich gegenseitig ausschließende Wörter hingegen sind unter dem Stilmittel “Oxymoron” gefasst. Wie steht es um die Wirkung? Wie könntest du das Gefühl beschreiben, das durch Antithesen in dir hervorgerufen wird? Zuerst einmal stellt die Antithese einen Kontrast her. Dadurch erfahren die zwei Gedanken häufig eine Auf- oder Abwertung. So z.B. unser Bibelbeispiel: Der Geist ist gut, das Fleisch ist schlecht. Die Gegenüberstellung bewirkt auch Spannung. Häufig ist es deshalb ein Ausdruck innerer Zerrissenheit, wie in den folgenden zwei Zeilen: “Wo einst mein Träumen ganz gewesen, ist heute oft zerrissnes Leben.”

Was ist also die Antithese? Fassen wir zusammen: Die Antithese ist ein Stilmittel, das nicht nur, aber sehr häufig in der Lyrik vorkommt. Im normalen Sprachgebrauch ist sie schlichtweg eine Erwiderung oder ein Widerspruch. In der Lyrik ist sie etwas konkreter ein Gegenüberstellen von Gedanken, häufig von Gegensätzen. Sie bewirkt dabei Kontrast, Spannung oder Auf- und Abwertung. Mit ihr wird oft innere Zerrissenheit ausgedrückt.

Ohne Antithesen wäre die Lyrik nur halb so interessant - unser Leben sowieso. Ich sag - ciao.