Jugendsprache 08:01 min

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Transkript Jugendsprache

Hey Leute! Ich bins, Tim. Isch rede jetz über Jugendsprache. Checken wir mal ab, um was es geht, würd ich sagen. Hau rein! Jugendsprache ist nicht so genau definiert, laut Duden ist sie aber eine Sondersprache der Jugendlichen. Im Alltagsleben sind Jugendliche aber darauf angewiesen, zwischen ihrer Sondersprache und der Standardsprache hin- und herzuwechseln, je nachdem, mit wem sie reden: Mit Lehrern und Eltern sicherlich anders als mit ihren Freunden. Mit dem Erwachsenwerden geben die meisten ihre Jugendsprache auf. Die Jugendsprache wird in der Wissenschaft also nur als Varietät der Standardsprache angesehen. Klar ist, dass es verschiedene Stadien der Jugendsprachen gibt. Du hast mit 12 oder 14 bestimmt anders gesprochen als mit 18 oder 20. Das hängt auch damit zusammen, in welchem Milieu und mit welchen Leuten du so abhängst und abgehangen hast. Es gibt nicht nur verschiedene Stadien der Jugendsprache, sondern auch insgesamt verschiedene Jugendsprachen, die sich meist über die verschiedenen Gruppen definieren: Da gibts die Skater und Boarder, die Hip-Hopper und Rapper, die Gothics, Rocker, Punks, die Computernerds und Zocker, die Gangster, Hipster und so weiter.

Diese Gruppennamen kommen großteils aus dem Englischen. Häufig treffen sich Leute, die sich über eine bestimmte Musikrichtung verbinden, oft ist es aber auch ein anderes Hobby, das man als Lebensform auslebt und das häufig aus dem angelsächsischen Sprachraum kommt (d.h. dort wo man Englisch spricht). In den Gruppen sind sowohl Mädchen als auch Jungs, und auch wenn sie häufig unterschiedliche Positionen in der Gruppe einnehmen, eines teilen sie mit ihrer Clique: den Slang. In der Wissenschaft wird das Soziolekt genannt, als Ergänzungsbegriff zum Dialekt. Der Begriff Soziolekt bezeichnet eine Sprachvarietät, die für eine bestimmte soziale Gruppe typisch ist - so wie hier für Jugendliche. Die Jugendsprache ist dabei ein transitorischer Soziolekt, also eine vorübergehende Varietät, die sich von der Kinder-, Erwachsenen- und Seniorensprache abgrenzt.

Weitere Jugendsprachen sind aus der Vermischung zwischen dem Deutschen und Sprachen von Jugendlichen mit Migrationshintergrund gekommen, wie das Türk-Deutsch oder der Balkan-Slang: Mischungen von Türkisch und Deutsch, den vielfältigen Balkansprachen, dem Russischen, dem Italienischen und vielen anderen, die in der neueren Vergangenheit nach Deutschland gekommen sind. Das nennt man dann “Ethnolekt”, weil er aus dem Hintergrund von verschiedenen Ethnien oder Völkern kommt.

Die Charakteristika dieser Mischformen zeichnen sich durch eine besondere Phonetik (d.h. Aussprache), Lexik (das ist der Wortschatz) und auch Gestik aus.

Viele Eigenheiten dieser Sprachen versteht man erst, wenn man die Originalsprachen lernt oder in die jeweiligen Länder fährt: Das türkische “tschüsch lan” oder “hade” ist in der Türkei genauso allgegenwärtig wie im Deutschen “krass alda”. Ebenso mit der Aussprache und Gestik: Jemand, der nur Deutsch kennt, wird die Phonetik und Gestik der Gruppen erst verstehen, wenn er längere Zeit den jeweiligen Sprachen lauscht oder auf die Bewegungen der Anderen in anderen Ländern achtet, bei denen im Allgemeinen mehr mithilfe des Körpers geredet wird. Wie können wir die allgemeinen Charakteristika der Jugendsprachen beschreiben? Die Jugendsprachen unterscheiden sich von der Standardsprache vor allem im Wortschatz, der sog. Lexik. iTypisch sind Wörter, die in der jeweiligen Gruppe häufig benutzt werden und über die man sich identifizieren kann, wie z.B. die häufigen Anglizismen in der Computer- oder den Musikszenen, wenn mich z.B. irgendwas end flashed, etwas gefaked ist oder ich einfach nur chillen oder relaxen will.

Außerdem sind bestimmte Stilmittel häufig, die oft auf Durchsetzungsfähigkeit in der Gruppe abzielen. Meistens sind das “voll abgefahrene” Übertreibungen, “hart anstrengende” Intensivierungen, Ironie im Sinne von “Gammelfleischparty”, oder Provokationen wie “was guckstn so”, aber auch Provokationen für erwachsene Ohren wie z.B. Schimpfwörter Insgesamt sind Jugendsprachen sehr kreativ und bildreich, Metaphern gibts überall, nicht nur über das andere Geschlecht, was häufig Richtung Sexismus geht. Im Slang gehts deshalb “krass” expressiv und “fucking” emotional zu. Um sich abzugrenzen, sozusagen einen eigenen Code zu haben, werden zusätzlich viele Verkürzungen verwendet wie “lol” , was “laut lachen” heißt, “rofl”, das bedeutet lachend am Boden rollen, oder wie “yolo” , was heißt you only live once und “Emo”., das eine emotionale Person beschreibt Auf der syntaktischen Ebene, auf der Ebene des Satzbaus also, gibt es überall Besonderheiten: Eine der wichtigsten ist wohl die Ellipse, also das Weglassen von Wörtern, meistens von Verben oder Präpositionen, z.B. “gehst du Konzert heute?”, “wie war Konzert heute?” oder “Is ja geil”, genauso wie das Zusammenziehen von Wörtern wie “gehma zusammen?”, “sja krass”, “haste bock?”

Die verschiedenen Slangs sind vielleicht die Bereiche der gesprochenen Sprache, die am offensten für Veränderungen, daher aber auch am kurzlebigsten sind.

Oft checken schon nichma mehr die älteren Geschwister die Sachen, die man so von sich gibt. Das ist aber auch gut so: Der Slang wird verwendet, um eine Vertrautheit mit seinen Freunden zu schaffen, sich mit bestimmten Ideen zu “outen” und sich von anderen, vor allem von Erwachsenen, abzugrenzen. So trägt der Soziolekt oder Ethnolekt zur Identitätsbildung bei.

Und wenn ein Wort aus einer Gruppe von anderen aufgenommen wird, kann es sogar besonderen “fame” erlangen, z.B. als Jugendwort des Jahres wie “Babo”, “gediegen” oder “in your face”.

Was ist also nochmal Jugendsprache?

Sie ist eine Sondersprache von Jugendlichen in Abgrenzung zur Standardsprache der Erwachsenen. Sie findet sich in den verschiedenen sozialen Gruppen als Sozio- und Ethnolekt wieder. Sie zeichnet sich aus durch eigene Lexik und Stilmittel der Übertreibung, Emotionalität und Verkürzung, durch eigene Syntax, und durch ihre Kurzlebigkeit und Offenheit für Neues. Ihre Funktion ist die Identitätsbildung und Abgrenzung zu von anderen. Cool! Ich hoffe es war ein geiles Video, schau mal wieder vorbei! C ya!

7 Kommentare
  1. Default

    Sehr gut gemacht👌👌

    Von Dietrich K., vor 3 Monaten
  2. 3

    Hallo Josua G.,
    Das Wort „Gammelfleischparty“ wurde 2008 zum Jugendwort des Jahres gekürt. Mit diesem Ausdruck sind Ü-30-Partys gemeint, also Partys für Menschen, die über 30 Jahre alt sind.
    Viele Grüße aus der Redaktion

    Von Carolin Kasper, vor 3 Monaten
  3. Ben drowned

    Ich hab noch nie von "Gammelfleischparty" gehört -.-

    Von Joshua G., vor 3 Monaten
  4. Default

    super erklärt, vielen Dank!

    Von Sandfrauchen, vor 4 Monaten
  5. Default

    super

    Von Sara A., vor 8 Monaten
  1. Default

    Wir schreiben darüber eine Klassenarbeit in Form einer Erörterung.. jetzt hab ich genug Material was ich da rein schreiben kann :D danke

    Von Huyen N., vor etwa 4 Jahren
  2. Default

    Interessant, jedoch die Gebärdensprache hat doch eine eigene Grammatik, die immer noch nicht richtig akzeptiert ist, so ist das Schicksal der Minderheitensprache

    Von Dw 69, vor mehr als 5 Jahren
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Jugendsprache Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Jugendsprache kannst du es wiederholen und üben.

  • Definiere die Jugendsprache.

    Tipps

    Achte im Video auf die Fachbegriffe, die definiert werden und punktuell im ganzen Video auftauchen. Vergiss nicht, dass Jugendsprache im Zusammenhang zu einer sozialen Gruppe oder eine Ethnie stehen kann.

    Lösung
    1. Die Jugendsprache ist eine Sondersprache, oder auch Varietät der Standardsprache. Sie zeichnet aus, dass bestimmte soziale Gruppen, in diesem Fall Jugendliche, sie sprechen; daher wird sie als Soziolekt bezeichnet. Außerdem ist sie transitorisch, tritt also in einer bestimmten Phase des Lebens auf, nämlich im Jugendalter.
    2. Dem Soziolekt ähnlich ist der Dialekt, der auch eine Sprachvarietät darstellt. Sie unterscheidet allerdings, dass man den Dialekt in einem speziellen Raum verorten kann, während der Soziolekt im ganzen Land bei den durch Interessen verbundenen sozialen Gruppen auftauchen kann. Außerdem ist der Dialekt traditionell und wenig offen für Neuerungen, während der Soziolekt eher kurzlebig und modern ist.
    3. Eine weitere Ausprägung der Jugendsprache ist der Ethnolekt. Er wird von Jugendlichen mit Migrationshintergrund gesprochen, in dem sie die zwei ihnen vermittelten Sprachen aus Elternhaus und öffentlichem Raum vermischen, wie es z.B. beim Türk-Deutsch in Berlin der Fall ist.
  • Bestimme die Namen einiger Gruppen, die eine eigene Jugendsprache haben können.

    Tipps

    Meist finden sich Leute aufgrund eines Hobbies/einer Musikrichtung/eines Lebensstils zu einer Gruppe zusammen. Welche herausstechende Eigenschaft siehst du in den Bildern? Betrachte auch die Kleidung genau.

    Lösung

    Die Jugendsprache wird vor allem zur Identitätsbildung und Abgrenzung der eigenen Gruppe von anderen verwendet. Es gibt also viele verschiedene Jugendsprachen, abhängig davon, in welcher sozialen Gruppe man sich befindet. Darum ist ein Synonym für Jugendsprache auch Soziolekt.

    Die sozialen Gruppen finden häufig über eine bestimmte Musikrichtung, einen Lebensstil, ein Hobby zusammen. Dieses gemeinsame Interesse bedingt auch die Verwendung eines eigenen und angepassten Codes, der auf die Interessen zugeschnitten ist.

    In unserer heutigen Welt können verschiedene Jugendgruppen z.B. Rocker, Punks, Hippies, Skater oder Computernerds sein. Es gibt aber eine unendliche Vielzahl von sozialen Gruppen und Grüppchen.

  • Ordne den allgemeinen Charakteristika der Jugendsprache die passenden Beispiele zu.

    Tipps

    Achte darauf, bei welchen Wörtern der Ausdruck von der Standardsprache abweicht. Welche Funktion hat das Gesagte?

    Lösung

    Die Jugendsprache ist eine Varietät der Standardsprache. Ihre Sprecher weichen absichtlich von den konventionellen Regeln ab, um unter sich einen eigenen Code zu erschaffen. Diese Abweichungen werden über verschiedene stilistische Ebenen erreicht:

    • auf der lexikalischen Ebene durch die Verwendung eigener Wörter; diese sind z.B. aus dem Englischen als Anglizismen übernommen, so wie in your face
    • durch die Verwendung von häufig auftretenden Stilmitteln wie Übertreibungen (voll abgefahren) oder Verkürzungen (Emo als Abkürzung zu emotional)
    • durch einen expressiven und bildreichen Stil, der Wortneuschöpfungen und Metaphern beinhaltet, so wie Gammelfleischparty
    • auf der syntaktischen Ebene durch das Zusammenziehen von Wörtern wie hast du zu haste; oder auch durch das Auslassen von Wörtern (Ellipse) zur schnelleren Verständigung, so wie Gehen wir Konzert heute statt Gehen wir zum Konzert heute.
    Jugendsprache ist dabei sehr offen für Neues und daher auch im ständigen Wandel begriffen.

  • Untersuche den folgenden Text auf die verwendeten „Stilmittel“.

    Tipps

    Welches sind die typischsten Stilmittel der Jugendsprache? Welche kommen am häufigsten und auch in diesem Text vor? Welche nicht?

    Lösung

    Jugendsprache hat einige spezifische Charakteristika. Sie ist generell sehr bildreich und expressiv, emotionale und offen für Neues. Metaphern wie abdackeln sind daher häufig anzutreffen. Irre gut, richtig heftig - Übertreibungen findet man schnell, schwierig wird es eher, Untertreibungen zu finden.

    Ellipsen und das Zusammenziehen von Wörtern wie lassma, das eigentlich ein lass uns mal sein müsste, sind der schnellen Kommunikation förderlich. Abkürzungen finden wir hier hingegen keine.

    Auf der syntaktischen Ebene sind weiterhin andere Unregelmäßigkeiten zu entdecken - für umsonst ist nicht hochsprachlich.

    Anglizismen wie raven oder Homies werden in der deutschen Jugendsprache häufig gebraucht. Weiterhin finden wir ethnolektische Wörter wie isch schwör, dass eher aus der Richtung des Türkdeutschen stammt, oder soziolektische wie Digga. Dialektwörter sind keine im Text, dafür aber natürlich jede Menge aus der Hochsprache.

  • Unterscheide Ethnolekt, Soziolekt und Dialekt.

    Tipps

    Überlege, wer die Sprecher einer jeden Sprache sind. Kann man sie geographisch verorten? Sind es durch einen bestimmten Beruf oder durch ein Interesse verbundene Menschen? Oder wird die Sprache von Menschen mit Migrationshintergrund gesprochen, also von Menschen, die vor nicht allzu langer Zeit in Kontakt mit dem deutschen Sprachraum traten?

    Lösung

    Ethnolekt, Dialekt und Soziolekt sind Varietäten der Standardsprache.

    1. Der Ethnolekt, wie Türkdeutsch, Kiezdeutsch (also z.B. das in manchen Berliner Kiezen gesprochene Deutsch) oder der eher abwertende Begriff Ghettoslang, wird von Menschen mit Migrationshintergrund gesprochen. Das sind Menschen, die vor nicht allzu langer Zeit in Kontakt mit einem anderen Sprachraum kamen und dabei ihre ursprüngliche Sprache mit der neuen vermischten.
    2. Der Dialekt hingegen existiert meist schon eine längere Zeit und ist außerdem geographisch verortbar. Beispiele sind das Plattdeutsch, Kölsch oder Wienerisch.
    3. Der Soziolekt wird von Menschen einer bestimmten sozialen Gruppe gesprochen. Diese Menschen können - wie z.B. Wissenschaftler oder Jäger - über einen bestimmten Beruf verbunden sein oder aber auch - wie Hip-Hopper - über ein bestimmtes Interesse oder einen Lebensstil.
    4. Interessant wird es beim Hochdeutschen: Kann man es auch als Dialekt oder vielleicht als Soziolekt betrachten? Denn das gesprochene Hochdeutsch ist um Hannover herum verortbar, während richtiges Hochdeutsch häufig eher in gebildeten Schichten, also einer sozialen Gruppe, gesprochen wird.
  • Erkläre, welche Funktion die Jugendsprache erfüllt.

    Tipps

    Warum sind soziale Gruppierungen wichtig - und wie erschaffen sie sich? Was geben sie dem Mitglied - und was zeichnet sie aus?

    Lösung

    Jugendsprache wird in einem Alter gesprochen, das für viele eine schwierige Phase darstellt. Denn wenn sich körperliche und psychische Reife einstellt, verändert sich auch die Wahrnehmung der Umgebung rasant - das Fremde dringt heran. Daher brauchen Jugendliche neuen Halt, den sie in ihrer sozialen Umgebung suchen.

    Die Suche nach Gleichdenkenden bedingt die Bildung von sozialen Gruppen. Die ähnliche Wahrnehmung, die gleichen Überzeugungen drücken sich dabei sehr schnell in ähnlichem Lebensstil und einer eigenen Sprache aus - dem Soziolekt. Innerhalb dieser Gruppe kann man - ohne stark angegriffen oder kritisiert zu werden - frei heraus seine Meinung sprechen und sie dadurch erst formen. Gerade Jugendsprache ist daher ein wichtiges Medium zur Identitätsbildung.

    Wenn man jedoch eine Gruppe bildet - sozusagen eine Grenze zieht - ist die Kehrseite der Medaille, dass man andere, die sich anders verhalten oder denken, ausschließt. Die Jugendsprache erschafft dabei möglichst einen Code, den z.B. Erwachsene nur schwer verstehen können. Das ist ein Mechanismus, um sich der Kontrolle und der Macht der Eltern zu entziehen. Sie wirkt daher nur für einen kleinen Kreis an Vertrauten und Freunden integrierend - für alle Anderen jedoch ausgrenzend.