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Sprachvarianten des Deutschen: Umgangssprache, Gruppensprache, Fachsprache, Dialekte 07:28 min

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Transkript Sprachvarianten des Deutschen: Umgangssprache, Gruppensprache, Fachsprache, Dialekte

Woran erkennst du einen Profi? Genau. Was er kann, kann er so richtig gut. Er kann es immer und überall anwenden. Er würde nie vergessen, wie es funktioniert. Er trainiert es allein, in allen möglichen Varianten, an verschiedenen Orten und mit unterschiedlichen Menschen zusammen.

Kann man auch Profi einer Sprache sein? Sehen wir uns an, was die Sprachforscherin Heike Wiese dazu sagt:

„Niemand spricht nur "ein Deutsch". Wir sprechen im Dienstgespräch mit einem Vorgesetzten anders als beim Telefonat mit der Schwester. Wenn ich mit meiner Schwester so sprechen würde wie bei einem Vortrag, wäre das kein Zeichen dafür, dass ich gut Deutsch spreche, sondern ein Hinweis auf mangelnde Sprachkompetenz: […]“

Heike Wiese zeigt, was es bedeutet, Profi einer Sprache zu sein: Du bist in deiner Sprache so geübt, dass du weißt, mit wem du in welcher Situation auf welche Art sprechen solltest. Die verschiedenen Erscheinungsformen einer Sprache, aus denen du als Profi auswählen kannst, werden auch als Sprachvarianten bezeichnet. Du entscheidest, ob du in einer Situation Standardsprache, Umgangssprache, Dialekt, Gruppensprache oder Fachsprache benutzt. Du weißt nicht genau, was sich hinter diesen Begriffen verbirgt? Kein Problem.

In jeder Sprachvariante gibt es Besonderheiten. Am deutlichsten kannst du diese am Wortschatz und an der Verwendung der Wörter erkennen.

Hast du schon einmal bei der Abstimmung zum Jugendwort des Jahres mitgemacht?

Jugendliche entwickeln immer wieder neue Ausdrücke, sodass von einer eigenen Jugendsprache geredet wird. Die Jugendsprache zählt zu den Gruppensprachen und meint die Sprache, die eine bestimmte Gruppe von Menschen untereinander spricht. Hierzu gehört auch die sog. Kiezsprache. Beide tragen nicht zwingend, wie oft kritisiert wird, zu einer Verschlechterung des Deutschen bei; sie sind lediglich Varianten.

Auch die Fachsprache. wird von einer bestimmten Gruppe von Menschen gesprochen. Jedoch kennzeichnet sich die Gruppe durch ihr Fachwissen in einem bestimmten Gebiet aus, wie beispielsweise Jura oder Medizin.

Wir wollen uns nun drei Varianten genauer ansehen. Die Standardsprache, die Umgangssprache und die Dialekte.

Mit Standard- oder Hochsprache bezeichnet man die überregionale Sprachform. Sie ist für alle, die Deutsch sprechen und schreiben, verbindlich. Die Lautung und Schreibung ist dabei einheitlich geregelt. Alle Personen öffentlicher Ämter und Funktionen wie Politiker und Nachrichtensprecher bemühen sich, Standardsprache zu sprechen. So sind sie für alle gleichermaßen verständlich. Schriftliche Arbeiten werden im Allgemeinen auch in der Standardsprache verfasst.

Was unterscheidet aber die Umgangssprache von der Standardsprache?

Die Umgangssprache orientiert sich an der Standardsprache, ist aber weniger fest geregelt. Sie wird vor allem im Mündlichen, manchmal auch im privaten Schriftverkehr verwendet.

An zwei Beispielen kannst du den Unterschied sehen. Sagst du in der Standardsprache z.B. "Komm heraus“ würdest du umgangssprachlich eher „Komm raus“ sagen. Hier ist der Unterschied nur sehr gering. In anderen Fällen würdest du umgangssprachlich jedoch komplett andere Redewendungen anwenden. So wird aus dem förmlichen „Melde dich demnächst einmal wieder", ein freundschaftliches „ Lass mal was von dir hören". Je nach Gegend unterscheidet man in Deutschland verschiedene Umgangssprachen, z.B. norddeutsche, berlin-brandenburgische und sächsische. Auch in großen Städten hat die Umgangssprache oft besonders regional typische Merkmale, z.B. in Dresden, München oder im Ruhrgebiet.

Auch wenn sich die Umgangssprache in mancher Hinsicht regional unterscheiden lässt, darfst du sie nicht mit den Dialekten verwechseln.

Woran kannst du erkennen, dass es sich um einen Dialekt handelt?

Auch Dialekte sind regional begrenzte und meist nur im Mündlichen verwendete Sprachformen. Sie unterscheiden sich von der Standardsprache aber stärker als die Umgangssprache. Sprachmelodie, also der Klang, aber auch Aussprache, Grammatik und der Wortschatz sind anders.

Ich zeige dir ein Beispiel für den unterschiedlichen Wortschatz. Das standarddeutsche Wort sprechen findest du in den verschiedenen Regionen Deutschlands auch als schnaken, schwätzen, praten, battschen oder babbeln. Die Erforschung der Dialekte ist eine komplexe Angelegenheit. Wenn du weißt, dass Deutschland in drei große Dialektregionen unterschieden wird, bist du aber schon ganz vorn dabei. Sie heißen 1. Niederdeutsch, dazu gehört zum Beispiel Westniederdeutsch; 2. Mitteldeutsch, dazu gehören unter anderem Schlesisch, Obersächsisch und Thüringisch und 3. Oberdeutsch mit Ostfränkisch, Bairisch und Alemannisch.

Entstanden sind diese drei so genannten Großdialekte durch sprachgeschichtliche Veränderungen. Dabei haben sich bestimmte Buchstaben- bzw. Lautkombinationen gewandelt.

Beispielsweise wurde das /k/ in bestimmten Fällen durch /ch/ ersetzt. Aus „maken“ wird „machen“ aus „ik“ wird „ich“.

Ein weiteres Beispiel wäre der Wandel von /p/ zu /pf/ wie in Appel oder Pund. Im Niederdeutschen ist Appel immer noch Appel und Pund noch Pund. Und im Oberdeutschen? Richtig, da sind Apfel und Pfund daraus geworden.

Die hochdeutschen Dialekte sind durch genau solche Lautwandel, die auch als zweite oder Hochdeutsche Lautverschiebung bezeichnet werden, entstanden. Die unterschiedliche Ausprägung der Veränderungen von Süden nach Norden ließ die Dialekträume entstehen. Jetzt kennst du neben Standardsprache, Umgangssprache, Gruppensprache oder Fachsprache auch noch verschiedene Dialekte. Damit hast du einen guten Überblick über die verschiedenen Varianten der deutschen Sprache.

Und, wie viele davon sprichst du? Bist du selbst ein Sprachprofi?

1 Kommentar
  1. Default

    Danke

    Von Deleted User 247835, vor fast 3 Jahren