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Parodie und Satire 06:02 min

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Transkript Parodie und Satire

Hallo, ich bin Sarah und wünsche dir viel Spaß beim Schauen dieses Videos zu Parodie und Satire. Fabriken stehen Schlot an Schlot, vorm Hurenhaus das Licht ist rot. Ein blinder Bettler starrt zur Höh, ein kleines Kind hat Gonorrhoe. Eitrig der Mond vom Himmel trotzt. Ein Dichter schreibt. Ein Leser kotzt.

Das war das Gedicht ‘Großstadtlyrik’ von Friedrich Torberg aus dem Jahre 1932. An diesem Beispiel ist deutlich erkennbar, wie die parodistische Schreibweise funktioniert. Mit diesem Gedicht wurde die ernst gemeinte Großstadtlyrik des Expressionismus ins Lächerliche gezogen. Die Leserreaktion wird gleich mitgeliefert, um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen. In diesem Video werde ich diese Schreibart, genauer gesagt die Parodie und die Satire, näher erläutern.

Dabei werde ich auf wichtige Charakteristika und die Wirkung von Parodie und Satire eingehen, ihre Unterschiede herausstellen und das ganze an Beispielen aufzeigen. Beginnen wir mit der Parodie. Bei einer Parodie wird zumeist ein bereits vorhandener Text satirischer Absicht umgewandelt. Das geschieht jedoch nicht einfach so, sondern nach spezifischen Kriterien. Ganz bestimmte Formmerkmale des Textes werden nachgeahmt. Formmerkmale können die Struktur oder der Stil eines Textes sein. Das Nachahmen geschieht meist in Form einer Übertreibung oder indem ein bekannter Text mit anderen Inhalten gefüllt wird. Der Ausgangstext bleibt aber erkennbar, damit die Parodie gelingt. Das eben Erklärte soll nun an einem Beispiel deutlich werden:

Kennst Du das Land, wo die Kanonen blühn? Du kennst es nicht? Du wirst es kennenlernen! Dort stehn die Prokuristen stolz und kühn in den Büros, als wären es Kasernen. Dort wachsen unterm Schlips Gefreitenknöpfe. Und unsichtbare Helme trägt man dort. Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe. Und wer zu Bett geht, pflanzt sich auch schon fort! Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will - und es ist sein Beruf etwas zu wollen - steht der Verstand erst stramm und zweitens still. Die Augen rechts! Und mit dem Rückgrat rollen! In Erich Kästners Gedicht “Kennst du das Land, wo die Kanonen blühn?” von 1928 wurde die Form von “Kennst du das Land, wo die Zitronen blüh’n?”, einem Lied aus Goethes “Wilhelm Meisters Lehrjahre” parodiert und mit anderen Inhalten gefüllt. Kästner übt hier ganz klar Kritik. An dem Vers “Gesichter hat man dort, doch keine Köpfe” ist eine Abwertung der Meinungslosigkeit der damaligen Gesellschaft erkennbar. Auch die Herrschaftsverhältnisse werden mit Sätzen wie “Wenn dort ein Vorgesetzter etwas will - und es ist sein Beruf etwas zu wollen - steht der Verstand erst stramm und zweitens still.” kritisiert. Ein weiterer wichtiger Aspekt dieser Parodie ist die damals bereits beginnende Ausrichtung hin zum Nationalismus, was am Satz “Die Augen rechts!” deutlich wird. Lies doch einmal in Goethes “Wilhelm Meisters Lehrjahre” nach, wenn jetzt dein Interesse geweckt wurde. Weiter geht’s mit der Satire. Sie kann auch als Spottdichtung bezeichnet werden. In dieser Spottdichtung wird Kritik an menschlichen Schwächen und Lastern oder an gesellschaftlichen Missständen geübt. Das geschieht oft in Form von Ironie, Vergleichen, Metaphern oder durch Über- und Untertreibung. Die Satire soll den Leser dazu bringen, das Dargestellte kritisch zu betrachten. Das Ganze soll an einer Strophe aus Kurt Tucholskys Gedicht “Imma mit die Ruhe!” deutlich werden:

Wenn ick det sehe, wat se so machn, wie se bei de jeringsten Sachn sich uffpustn, det man denkt, se platzen wie se rot anlaufn, bis an die Jlatzen, ahms spät un morjens um achte –: sachte! sachte! Warum denn so furchtbar uffjerecht? Wir wem mal alle inn Kasten gelecht. In diesem satirischen Gedicht nutzt der Autor die Übertreibung des Dialekts als Sprachmusterverschiebung, Außerdem werden noch anderen Merkmale satirischen Schreibens deutlich: Der Rollenwechsel in eine Person aus der Arbeiterklasse und somit ein “fremder Blick” und die Verzerrung im ganzen Gedicht.Oft wird mit Witz dargestellt, was inhaltlich gesellschaftskritisch ist. Erst bei mehrmaligem Lesen wird die Kritik an der Belanglosigkeit des menschlichen Lebens deutlich. Das zeigt auch die Mehrdeutigkeit von Satire, die erst entschlüsselt werden muss. Tucholsky verwendet außerdem ein Negativbeispiel, um das mögliche Ideal herauszustellen. Das Ideal ist ein angestrebtes Ziel. Also in diesem Fall wünscht sich das lyrische Ich mehr Ruhe und weniger Aufregung bei den Leuten. Außer in Gedichten, also der Gattung Lyrik, können eine satirische oder parodistische Schreibweise auch in den beiden anderen Gattungen, Epik und Drama, und da in allen möglichen Textsorten auftreten.

Parodie und Satire können also beide sowohl eine Textsorte als auch eine Schreibweise sein. Im Gegensatz zur Parodie bezieht sich die Satire aber nicht auf einen anderen Text. Sie ist vielmehr eine Gesellschaftskritik und immer wertend. Blicken wir noch einmal zurück: In diesem Video habe ich erklärt, was die Charakteristika von Parodie und die Satire sind und das an Beispielen verdeutlicht. Du kannst beide nun erkennen und ihre Wirkung analysieren. Auch die Unterschiede sollten nun klar sein.

Ich hoffe, das Video hat dir geholfen. Viel Spaß beim Analysieren von Parodie und Satire! Tschüss, bis zum nächsten Mal.

1 Kommentar
  1. Default

    Tolles Video, sehr hilfreich und gut verständlich. Danke!

    Von Carolinbaur, vor fast 3 Jahren

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