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Merkmale einer Novelle – „Kleider machen Leute“ (Keller) 05:30 min

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Transkript Merkmale einer Novelle – „Kleider machen Leute“ (Keller)

Eigentlich unerhört so etwas: Da kommt ein Schneidergeselle daher, wird wegen seines guten Aussehens für einen Grafen gehalten und schafft es noch nicht einmal, die Wahrheit über sich zu sagen. Und das alles nur, weil er eben einen hübscheren Mantel trägt. Aber warum sollte er etwas anderes behaupten als die Leute glauben? Wenn er doch beim schönen Nettchen, Tochter aus gutem Hause, als Schneider sowieso keine Chancen hätte… Wenzel Strapinski ist genau das passiert. Er ist die Hauptfigur in Gottfried Kellers Novelle „Kleider machen Leute“. Aufgrund seiner Kleidung wird er für einen Grafen gehalten. Er wird also zu einer anderen Person gemacht, als er eigentlich ist. Um diese Verwechslung und ihre Folgen dreht sich die ganze Handlung.

Mit ein wenig Konzentration kannst du die Novelle sogar in einem Zuge lesen und erfahren, was mit Wenzel weiter passiert. Du kannst nicht nur herausfinden, wie es mit Wenzel Strapinski weitergeht, sondern auch überprüfen, ob es sich bei dem Text wirklich um eine Novelle handelt. Dazu ist es natürlich gut, einige Anhaltspunkte zu haben. Wir fangen beim Namen an: Novelle. Dieser Name hat seinen Ursprung in zwei Sprachen. Novus bedeutet im Lateinischen „neu“. Im Italienischen gibt es das Wort novella und das heißt Neuigkeit.

Um eine Novelle zu sein, muss ein Text also von einer Begebenheit berichten, die noch nie da gewesen und außergewöhnlich ist. Goethe hat sie einmal als „unerhörte Begebenheit“ bezeichnet. Jetzt denkst du dir vielleicht, gut, ok – aber das passiert in Märchen und Fabeln ja auch ständig. Dort passieren am laufenden Band außergewöhnliche Dinge – Tiere sprechen, Menschen zaubern und verwandeln sich… Das stimmt natürlich. In einer Novelle sind die außergewöhnlichen Dinge jedoch so, dass sie auch in der Realität, in der wirklichen Welt, geschehen könnten. Das, was die Menschen erleben, ist besonders, könnte aber ebenso dir oder mir passieren.

Stell dir vor, du würdest in einem maßgeschneiderten Anzug oder einem paillettenbesetzten Cocktailkleid durch die Stadt laufen… Für wen könnten die Leute dich halten? Die Wahrscheinlichkeit, dass dir jemand aufgrund dessen die Tür aufhält, ist definitiv hoch.

Du kannst an „Kleider machen Leute“ auch erkennen, dass der Text nicht sehr lang ist. Das ist bei allen Novellen so und bringt weitere Besonderheiten mit sich. Wenn du als Autor eine ganz besondere Begebenheit in so einem kurzen Text beschreiben willst, musst du dich natürlich auf das Wesentliche konzentrieren. Deswegen gibt es in Novellen nur wenige Figuren, die sich im Laufe der Geschichte kaum verändern. Alles dreht sich um diese eine außergewöhnliche Begebenheit, eine Situation oder einen Situationskomplex, die die Hauptfigur betrifft. Wenn sich alles nur um eine Begebenheit dreht, muss diese natürlich bedeutsam sein. Du kannst dir sicher sein, dass immer zutiefst wichtige Fragen für das Leben der Hauptfigur berührt werden. Für Wenzel geht es zum Beispiel darum, welche Identität er hat und was diese Identität ausmacht. Wodurch wird ein Mensch zu dem, der er ist? Ist es die Kleidung, das Aussehen oder seine Ehrlichkeit, seine Liebe, sein Durchhaltevermögen? Die Lebensfragen und Konflikte sind nicht in jeder Novelle gleich, aber in jeder Novelle gibt es ein klar erkennbares Bild und Symbol, an dem sich der Konflikt entfaltet. Dieses so genannte Dingsymbol kann zum Beispiel ein Gegenstand oder ein Ort sein. Es taucht immer wieder auf und steht in engem Zusammenhang zu einem oder mehreren Wendepunkten des Geschehens. Ahnst du schon, was das Dingsymbol in „Kleider machen Leute“ sein könnte? Die Frage der Identität ist hier eng verknüpft mit dem äußeren Erscheinungsbild Wenzels, besonders mit seinem Mantel. Immer wieder wird er aufgrund des Mantels für jemand Höhergestelltes gehalten. Meist wird schon im Titel auf das Dingsymbol, bzw. den Hauptkonflikt hingewiesen. So ist mit „Kleider machen Leute“ die Problematik Wenzels schon grob umrissen.

Die Kürze des Textes bringt es auch mit sich, dass in einer Novelle immer nur eine wichtige Begebenheit beschrieben wird. Alles konzentriert sich auf diese eine Handlung. Weil es keine Nebenhandlungen und nur wenige Hintergrundinformationen gibt, kannst du die Handlung als geschlossen bezeichnen. In Ihrem Aufbau ähnelt eine Novelle dem Drama. Es gibt eine knappe Einleitung – Exposition – die zum Höhe- und Wendepunkt führt. In diesem ereignet sich die Katastrophe oder einer Lösung des Konflikts. Kannst du herausfinden, an welcher Stelle die Handlung bei „Kleider machen Leute“ ihren Höhepunkt erreicht? Am Ende fällt die Spannung und es gibt einen kurzen Ausklang oder Ausblick. Wenn du eine Novelle liest, kann es passieren, dass dir die Zeiten und Orte manchmal unlogisch vorkommen, weil von einem zum nächsten gesprungen wird. Das passiert, weil die wichtigsten Zusammenhänge und Wendepunkte dargestellt werden sollen. Dabei kommt es auf die Momente an, die miteinander in Verbindung stehen. Was zwischendurch geschieht, ist nicht immer wichtig und wird deswegen weggelassen.

Hast du das Video aufmerksam angesehen? Dann kennst du jetzt alle wichtigen Merkmale einer Novelle. Fallen dir noch einige ein? Außerdem weißt du, was dir gemäß „Kleider machen Leute“ passieren kann, wenn du overdressed zum nächsten Einkauf spazierst…

2 Kommentare
  1. Default

    Miaaaaau ist ein korrektes Video whalla schwöre

    Von Plasol, vor 5 Monaten
  2. 76842d16c0

    Super Übungen!

    Von Bastbra, vor etwa einem Jahr