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Reformation und Bauernkriege

Die Reformation ist eine Bewegung im 16. Jahrhundert, die - angestoßen von Martin Luther - zu Veränderungen in Kirche und Gesellschaft führte. Etwa zur selben Zeit forderten aufständische Bauern mehr Rechte.

Konfliktsituation zwischen Bauern und Herren

Du kennst den Bauern, den man heute auch Landwirt nennt, als einen Beruf in unserer heutigen Zeit. Wir erhalten von ihm Gemüse, Fleisch und andere Lebensmittel. Im Heiligen Römischen Reich, also im Mittelalter und der Frühen Neuzeit, stellte die Gruppe der Bauern neben dem Adel, dem Klerus und dem Bürgertum einen sozialen Stand dar, der über 80% der Gesamtbevölkerung ausmachte.

Aufgabe der Bauern, die meist in Leibeigenschaft ihrer Lehnsherren lebten, war es, Abgaben an diese zu leisten. Dadurch lebten sie in bitterer Armut und Missernten zwangen sie oftmals zum Hungern. Außerdem hatten sie keinerlei politische Mitspracherechte.

Die Leibeigenschaft verschärfte die Situation zusätzlich. So mussten Angehörige dieses Standes bei Umzug oder bei Eheschließung ihren Lehnsherren um Erlaubnis fragen. Auch vor Gericht hatten sie nur sehr schlechte Chancen, da die Gerichte davon ausgingen, dass ein Bauer nur zur Lüge fähig sei und nur unter Folter die Wahrheit sagen würde. Diese Folter nannte man damals auch hochnotpeinliche Befragung. Man kann sich nur schwer vorstellen, wie belastend diese Situation für die Bauern gewesen sein muss. Zudem genossen Menschen als Bürger in mittelalterlichen Städten mehr Freiheiten, was den Ärger der Bauern noch zusätzlich verstärkte.

In dieser Zeit gab es vermehrt Menschen und soziale Gruppierungen, die aufgrund von Armut oder religiös-ethnischer Minderheit ihren Wohnsitz aufgaben und als sogenanntes fahrendes Volk umherzogen. Von der Gesellschaft wurden diese Menschen aufgrund ihrer niederen Arbeiten einerseits belächelt, andererseits war die Bevölkerung neidisch auf die Freiheiten, die das Umherziehen mit sich brachte.

Du siehst: Die Bauern wurden ziemlich unfair behandelt. Es ist nur logisch, dass dadurch Unzufriedenheit und Konflikte zwischen ihnen und ihren Herren entstanden. Die Bauern kritisierten die Leibeigenschaft, die hohen Abgaben und die oft vorhandene Geldgier des Adels. Die Reformation, die mit dem Thesenanschlag Luthers im Jahr 1517 ihren Höhepunkt erreichte, nahm ebenso Einfluss auf diesen Konflikt.

Martin Luther

Die Reformation und ihr Einfluss auf die Bauernkriege

Nach der Reformation wurden weite Teile des Reiches protestantisch, die religiöse Einheit war also durchbrochen. Auch die Lehnsherren schlossen sich entweder dem katholischen oder dem protestantischen Lager an. Dies konnte aus persönlicher Unzufriedenheit und Überzeugung oder aufgrund von sozialem Zwang passieren. Infolgedessen war es für die Bauern Pflicht, denselben Glauben wie ihre Herren anzunehmen und ggf. sogar ihre Konfession zu wechseln. Der Leitsatz, der hier galt, war: cuius regio, eius religio, lateinisch für: wessen Gebiet, dessen Religion. Nicht selten trat der Fall ein, dass sie sogar im Namen ihres (neuen) Glaubens zum Kriegsdienst verpflichtet wurden.

Viele Theologen kritisierten die damalige Katholische Kirche und die strenge Abhängigkeit und Unfreiheit der Bauern. Vielleicht hast du den Namen Martin Luther schon einmal gehört, der als Erster die Bibel ins Deutsche übersetzte, um sie für alle, also auch für das einfache Volk und die Bauern, verständlicher zu machen. Mit seinen 95 Thesen sprach er sich v. a. gegen den zu hohen Ablasshandel aus, mit denen sich Reiche von ihren Sünden freikaufen konnten, um so dem viel gefürchteten Fegefeuer zu entgehen.

Martin Luther

Obwohl Luther grundsätzlich gegen einen Bauernkrieg war, wurden die Bauern durch die Reformation zum eigenen kritischen Nachdenken und Handeln ermutigt. Sie erlangten Selbstbewusstsein und äußerten zunehmend Forderungen, die von der Beibehaltung der Ständegesellschaft mit größerer eigener Mitsprache bis hin zu einer ständelosen Gesellschaft reichten. Natürlich war die Kirche von dieser Kritik und den sich entwickelnden Aufständen alles andere als begeistert und klagten Luther der Ketzerei an. Ein anderer Theologe und Reformator namens Thomas Müntzer unterstützte hingegen die Bauern Thüringens in ihrem Aufstand und gründete den „Bund der Auserwählten“, dem sich die aufständischen Bauern anschlossen. Die Obrigkeit wiederum rüstete in Gestalt des Schwäbischen Bundes auf und zeigte sich in den Bauernkriegen kompromisslos.

Die Bauernkriege

Die Aufstände der Bauern (auch Erhebung des gemeinen Mannes) begannen im Jahr 1524, also mitten in der Zeit der Reformation, des kirchlichen Umschwungs und der Entstehung der Evangelischen Kirche. Sie fanden hauptsächlich in weiten Teilen des süddeutschen Sprachraums statt. Dazu gehörten neben Süddeutschland auch Thüringen, Österreich und die Schweiz. Wichtig zu wissen ist, dass nicht alle Kämpfe gleichzeitig ausgetragen wurden. Während Auseinandersetzungen an einem Ort bereits beendet waren, entfachten sie anderenorts erst. Im März 1525 hielten Bauern in den 12 Artikeln, einer von vielen Forderungsschriften, ihre Beschwerden fest. Sie forderten bessere Lebensbedingungen, die Reduzierung der Frondienste und letztlich die Aufhebung der Leibeigenschaft. Die Lehnsherren nahmen, wie du dir vielleicht schon gedacht hast, diese Forderungen nicht ernst und waren nicht bereit, etwas an den bestehenden Umständen zu ändern. Daraufhin schlossen sich die Bauern in sogenannten Haufen zusammen. Die Gewaltbereitschaft und Plünderungen nahmen zu und auch die Herren rüsteten auf: Der blutige Krieg begann.

Aufstand des Volkes

Das Ende der Bauernkriege

Die Kämpfe erstreckten sich bis ins Jahr 1526. Meistens siegten die Fürstenheere aufgrund ihrer Überlegenheit in der Anzahl ihrer Reiter und ihrer Artillerie. Die Bauern und Aufständischen mussten sich mit zahlreichen Niederlagen geschlagen geben. Sie waren im Krieg eher unerfahren, die Heere waren oft schlecht organisiert und mit qualitativ mangelhaften Rüstungen und Waffen ausgestattet. Hinzu kam die Uneinigkeit innerhalb der Reformation und unter den Aufständischen selbst.

Allerdings hatten die Bauern auch Erfolg. Aus Angst vor erneuten Aufständen stimmte der Adel einigen Forderungen zu. Innerhalb der Heirat waren die Bauern nun freier und die Leibeigenschaft verlor an Strenge.

Was denkst du? Waren die Bauernkriege letztendlich erfolgreich? Oder waren alle Bemühungen umsonst?