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Die Industrielle Revolution 10:08 min

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Transkript Die Industrielle Revolution

Hallo liebe Freunde und willkommen bei einer neuen Folge von Käpt`n Geschi. Heute erzähle ich euch von der industriellen Revolution, die in England in den 1770er-Jahren begann und in Deutschland in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Ich werde euch zunächst vom Beginn der industriellen Revolution und ihren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen in England berichten. Dann schauen wir uns den Verlauf der industriellen Revolution in Deutschland ab 1835 bzw. 1850 an. Doch zunächst einmal zur Definition des Begriffs industrielle Revolution. Die industrielle Revolution markiert den raschen Übergang eines Landes von der Agrar- zur Industriegesellschaft. Sie ist gekennzeichnet durch maschinelle Massenproduktion in Fabriken, arbeitsteilige Produktion, sprunghaften Anstieg der Produktion, Lohnarbeit als Erwerbsform der Arbeiterschaft sowie Landflucht und Verstädterung von Industriezentren.

Industrialisierung bedeutet im Unterschied zur industriellen Revolution, den langen kontinuierlichen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungsprozess eines Landes. England ist das Musterland der industriellen Revolution. Dort begann die industrielle Revolution bereits in den 1770er-Jahren, früher als in allen anderen Ländern. Warum begann die industrielle Revolution in England früher, als in allen andern Ländern? Das lag an verschiedenen Voraussetzungen, die England im Gegensatz zu anderen Ländern erfüllte. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts setzte ein starkes Bevölkerungswachstum ein. Dies bedeutete, dass nun mehr Menschen Nahrung, Kleidung, Unterkünfte, Werkzeuge und andere Dinge des täglichen Lebens benötigten. Deshalb entstanden neue und bessere landwirtschaftliche, wirtschaftliche und technische Produktionsverfahren. In England gab es, anders als z.B. in Deutschland, keine starren Gesellschaftsschranken. Erfolgreiche Unternehmer konnten meist über politische Ämter oder aufgrund ihrer wirtschaftlichen Bedeutung in den Adel aufsteigen. Neben dem Gewinnstreben spornte diese soziale Mobilität Unternehmer an und beflügelte so die industrielle Revolution. England war eine konstitutionelle Monarchie, d.h., dass die politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen in 1. Linie vom Parlament getroffen wurden, indem das wirtschaftlich interessierte Besitzbürgertum die Macht hatte. Und das Besitzbürgertum schuf sich durch entsprechende Gesetze günstige, wirtschaftliche Rahmenbedingungen. England hatte, im Gegensatz zu Deutschland, ein einheitliches Staats- und Wirtschaftsgebiet, indem es z.B. weder Ländergrenzen noch Zölle gab. Deshalb konnte sich der landesweite Handel gut entwickeln. Außerdem gab es ausreichend Kohle und Erz, als Voraussetzung für die Produktion von Eisen und Stahl. Ein entscheidender Vorteil Englands waren seine Kolonien, sie lieferten billige Rohstoffe, die in England verarbeitet und im In- und Ausland gewinnbringend verkauft wurden. Zudem begünstigten zahlreiche Häfen und Kanäle den Transport der Waren und damit den Handel und die Wirtschaft. Der Motor der industriellen Revolution in England war zunächst die Textilindustrie und später die Schwerindustrie. Beide Bereiche brachten zahlreiche wegweisende, technische Erfindungen hervor. z.B. den mechanischen Webstuhl, den hochwertigen Gussstahl, die Dampfmaschine und die Eisenbahn. Die rasche wirtschaftliche und technische Entwicklung brachte aber auch große soziale Probleme mit sich. Rasches Wachstum von Städten und Bildung von Slums, entstehen von Ballungsräumen, harte oft unmenschliche Arbeitsbedingungen in den Fabriken, Kinder- und Frauenarbeit, Massenarmut der unteren Volksschicht der Proletarier und Verschärfung der Klassengegensätze zwischen Arm und Reich. Über den Beginn der industriellen Revolution in Deutschland streiten sich die Gelehrten. Die einen setzen ihn mit der 1. Eisenbahn an, die 1835 zwischen Nürnberg und Fürth fuhr. Die anderen mit dem Einsetzen der Massenproduktion zu  Beginn der 50er-Jahre des 19. Jahrhunderts. Ihr mögt euch jetzt vielleicht fragen warum setzte die industrielle Revolution in Deutschland erst so viel später ein? Nun, ich kann es euch erzählen. Einer der Gründe für das spätere Einsetzen der industriellen Revolution in Deutschland war der Partikularismus. Deutschland war damals noch ein Flickenteppich aus Klein- und Kleinststaaten, das bedeutete kleine Märkte und Handelsschranken.

Die merkantilistische Wirtschaftspolitik der Fürsten bewirkt ein unselbstständiges Bürgertum und behinderte damit die wirtschaftliche Entwicklung. Zudem war der konservative Adel nicht an der Industrialisierung interessiert. In Deutschland waren viele Bauern unfrei und schollengebunden. D.h., dass sie von den Großgrundbesitzern völlig abhängig und ortsgebunden waren. Das Zunftsystem in dem alle Handwerker organisiert waren regelte die Produktionsbedingungen strikt und verhinderte so eine freie, wirtschaftliche Entwicklung. Wegen des schlechten Bildungssystems in Deutschland gab es nur sehr wenig technisches Know-How, was für eine Industrialisierung enorm wichtig ist. Deutschland hatte Anfang des 19. Jahrhunderts noch keine Kolonien, die es ausbeuten konnte, so wie England das mit seinen Kolonien tat. Schließlich gab es in Deutschland nur eine schwache Infrastruktur, kaum brauchbare Überlandstraßen, wenig Häfen und schiffbare Kanäle. Man kann den Verlauf der industriellen Revolution in Deutschland grob in 3 Phasen teilen. 1. Die Aufbauphase von 1800 bis 1835 bzw. 1850 2. Die Durchbruchphase von 1835 bzw. 1850 bis 1873 und 3. Die Ausbauphase von 1885 bis 1914. Die zahlreichen Kriege der napoleonischen Zeit zwangen die Fürsten, ihre wirtschaftliche und finanzielle Situation rasch zu verbessern. Die Vorreiterrolle übernahm Preußen, wo die Ministerpräsidenten vom Stein und von Hagenberg beispielhafte Reformen durchführten. Die Bauernbefreiung beendete die Abhängigkeit der Bauern von den Großgrundbesitzern. Die Gewerbe- und Handelsfreiheit, sowie die Abschaffung der Zünfte, ermöglichte es jedermann, ein Gewerbe oder Handwerk nach seinen Vorstellungen auszuüben. Zudem förderte die Aufhebung der Binnenzölle den Handel. 1834 gründete Friedrich List den Deutschen Zollverein. Dadurch fielen in ganz Deutschland alle Zollschranken und die industrielle Revolution erhielt einen wichtigen Impuls. Wie ihr nun wisst, wurden in der Aufbauphase günstige Bedingungen für eine wirtschaftliche Entwicklung geschaffen. Kommen wir also jetzt zur Durchbruchphase. Charakteristika der Durchbruchphase sind technische Erfindungen, wie z.B. die Dynamomaschine und der Elektromotor, neue verbesserte Produktionsverfahren, die Eisenbahn als neues Transportmittel und die Schwerindustrie als Schlüsselindustrie. Mit der Gründerkrise war das rasante Wirtschaftswachstum erst mal vorbei. Durch zu riskante Spekulationen an den Börsen kam es zu einer Pleitewelle vieler Unternehmen. Die Folge davon war eine vorübergehende Abkehr vom Wirtschaftsliberalismus sowie eine Verschlechterung der Situation der Arbeiter. Ab 1885 ging es dann wieder aufwärts mit der wirtschaftlichen und industriellen Entwicklung in Deutschland. In dieser Zeit entwickelte sich Deutschland zur stärksten Wirtschaftsmacht in Europa. Die Bedingungen dafür waren ein starkes Bevölkerungswachstum, ausreichende Erz- und Kohlevorkommen, ein einheitlicher Wirtschaftsraum im Deutschen Reich, gute technische Schulausbildung und die Gründung von Industriebanken. Jetzt wisst ihr Bescheid, die industrielle Revolution setzte aufgrund verschiedener günstiger Voraussetzungen zuerst in England ein, deshalb gilt England als Modellfall der industriellen Revolution. In Deutschland setzte die industrielle Revolution erst wesentlich später ein. Dafür gibt es verschiedene Gründe, die ihr in diesem Video kennengelernt habt. Die industrielle Revolution hat in Deutschland 3 Phasen durchlaufen. Die Aufbauphase, den Durchbruch, der durch die Gründerkrise beendet wurde und schließlich die Ausbauphase, die mit dem 1. Weltkrieg endete. So liebe Leute, jetzt wisst ihr Bescheid, bis zum nächsten Mal. Haltet die Ohren steif.