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Karolingisches Großreich

Als „Vater Europas“ wird Karl der Große heute bezeichnet, da unter seiner Herrschaft ein erstes kollektives europäisches Bewusstsein entstand.

Der Aufstieg des karolingischen Geschlechts

Nach dem Tod Dagoberts des I. im Jahre 639 verlor das vorherrschende Geschlecht im damaligen Frankenreich, die Merowinger, nach und nach an Einfluss. Dies ließ ein Machtvakuum entstehen, welches die Karolinger nur zu gern bereit waren auszufüllen. Pippin der Mittlere war der erste seines Geschlechts, der zum König der Franken aufsteigen konnte. Doch waren sie damals noch nicht als die Karolinger bekannt; dieser Name wurde erst später mit dem Auftritt Karls des Großen geläufig.

Karl Martell

Doch der Reihe nach. Nach dem Tod Pippins war es an seinem unehelichen Sohn Karl Martell, den karolingischen Machtanspruch aufrechtzuerhalten. Dieser erwies sich, wie sein späterer Namensvetter, als vortrefflicher Herrscher und konnte die Macht seines Hauses stetig mehren. Ab dem Jahre 737 regierte er als sogenannter Hausmeier praktisch selbst in königlicher Stellung. Erst nachdem er versuchte, seine beiden Söhne Pippin den Jüngeren und Karlmann als Nachfolger einzusetzen, widersetzte sich der fränkische Adel und Karl sah sich gezwungen, den merowingischen König Childerich den III. einzusetzen.

Pippin der Jüngere

Doch sollte Childerich nicht lange regieren dürfen, denn Pippin der Jüngere erwarb sich, durch seine eigene Adoption an einen langobardischen König, geschickt die Königswürde. Durch die Hinwendung zum Papsttum im Jahre 750 konnte er sich zudem noch die endgültige Unterstützung des fränkischen Adels sichern und somit war es im Jahre 751 dann soweit: Pippin der Jüngere wurde König und damit zum Gründer der zweiten fränkischen Dynastie. König Childerich der III. wurde neben dem Verlust seines Titels zudem noch schwer gedemütigt und den Rest seines Lebens in ein Kloster verbannt.

Die Karolinger

Das Adelsgeschlecht der Karolinger war am Ziel, ihr uneingeschränkter Anspruch auf den Königstitel war offiziell. Dabei verhalf ihnen nicht zuletzt das Bündnis mit dem Papst und der Kirche zum Erfolg und dieser Aspekt sollte von nun an für alle Dynastien des Mittelalters von tragender Bedeutung sein.

Papst

Die Karolinger regierten nun in etwa von 751 bis 843 das Frankenreich. Zu seinen Hochzeiten umfasste es neben dem heutigen Frankreich noch viele weitere Teile Europas, wie das Gebiet des heutigen Deutschlands oder auch Norditalien. Nach dem Tod Karls des Großen 814 wurde das Fränkische Reich dann mehrmals neu aufgeteilt. 843 entstanden das Ostfrankenreich, das Westfrankenreich und Lothringen. Das einst so große Fränkische Reich sowie das Geschlecht der Karolinger ging nach und nach seinem Ende zu.

Karl der Große

Jeder hat wohl schon einmal von ihm gehört, von Karl dem Großen. Als „Vater Europas“ (Pater Europae) wird er bezeichnet, weil unter ihm bzw. in den Gebieten seines Frankenreiches ein erstes kollektives europäisches Bewusstsein unter den frühen Völkern Europas entfacht wurde. Seinen Beinamen „Der Große“ erhielt er übrigens bereits zu Lebzeiten, woran du seinen enormen Stellenwert erkennen kannst. Als Sohn Pippins des Jüngeren wurde er selbst im Jahre 768 zu dessen Nachfolger und alleinigem Herrscher über das Frankenreich erklärt. Dabei war eines seiner Hauptanliegen die Verbreitung des Christentums in Europa. Nachdem er im Jahre 800 zum Kaiser gekrönt wurde, bekam er auch offiziell den Titel des Schutzherrn des Papstes und der gesamten Christenheit seines Reiches verliehen.

Karl der Große

Insgesamt dauerte die Herrschaft Karls des Großen 46 Jahre. Mit dem großen Römischen Reich als Vorbild prägte er das Bild des heutigen Europas maßgeblich. Besonderen Wert legte er auf die Erschaffung eines Bildungswesens, durch das ermöglicht wurde, die lateinische Sprache, die Literatur, das Buchwesen und die Baukunst zu fördern. In vielen Bereichen erlebte sein Reich deshalb einen Aufschwung und nicht umsonst wird die Karolingerzeit als kulturelle Blütezeit nach dem Frühmittelalter angesehen.

Doch nicht nur durch geschickte Reformen schmiedete er seine Vorstellung eines europäischen Reiches. Zahlreiche Feldzüge zur Erweiterung seines Territoriums waren ebenfalls nötig. Unter dem Banner des Christentums wurden seine Gegner zur Not also auch gewaltsam vereint. Da sein Reich weder eine Hauptstadt noch einen festen Regierungssitz besaß, ritt Karl stets mitsamt Hofstaat und Gefolge von Pfalz zu Pfalz. Um die Verwaltung seiner Gebiete zu erleichtern, teilte er sie später in sogenannte Gaue ein, die von Grafen regiert wurden, ganz ähnlich den heutigen Bundesstaaten eines Landes und ihrer Landespräsidenten.

Das Ende der Karolinger

Der Nachfolger Karls des Großen, sein Sohn Ludwig der Fromme, galt leider als weniger groß und weise. Durch die aristokratische Grundherrschaft (Lehnswesen) hatte der König ohnehin nur wenig Befugnisse, ein derart großes Reich vernünftig zu regieren und vor etwaigen Gefahren zu schützen. Und diese Gefahren sollten nicht lange auf sich warten lassen. Einfallende Normannen, Araber, Magyaren und vor allem Wikinger setzten dem karolingischen Europa schwer zu.

Auch die Söhne Ludwigs des Frommen sollten mehr Kriege untereinander führen, als die zunehmende Zersplitterung des Frankenreiches zu verhindern. Das Geschlecht der Karolinger teilte sich abschließend in drei Linien, deren Vertreter in Italien bis 875, in Deutschland bis 911 und in Frankreich bis 987 als Könige regierten. Ihre Befugnisse wurden also immer weiter aufgeteilt und geschwächt, bis sie letzten Endes ganz erloschen. Die Bedeutung ihres Geschlechts für die Entstehung Europas bzw. eines europäischen Bewusstseins währt jedoch ewig.

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