30 Tage kostenlos testen:
Mehr Spaß am Lernen.

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

Kleben in Handwerk und Industrie – Herstellung einer Brille 06:55 min

Textversion des Videos

Transkript Kleben in Handwerk und Industrie – Herstellung einer Brille

Modernste Technik beim Optiker. Brillengestelle sind längst zum modischen Accessoire geworden, Brillen gehören zum Lifestyle. Kunststoffe machen die Modelle extrem leicht und ermöglichen unterschiedlichste Designs. Trotzdem, die Verarbeitung muss höchsten Ansprüchen genügen. Früher wurden die Gestelle oft genietet, heute ersetzen Klebstoffe das traditionelle Fügeverfahren. Die Optikwerkstatt GmbH in Berlin. Hier werden Brillen industriell hergestellt, vom Rohling bis zum fertigen Produkt. Zum Fügen der einzelnen Teile wird ein bestimmter Klebstoff verwendet. Wie wurde diese Produktionsstrecke entwickelt? Und welchen Beitrag hat der Klebstoffhersteller geleistet? „Nachdem wir in 97 einige interne Testreihen absolviert hatten, aber kein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht haben, war einfach unsere Frage, mit dem Hersteller in Kontakt zu treten. Und dann haben wir Herrn Rademacher kennengelernt und der hat klipp und klar gesagt, wir brauchen einen definierten Klebespalt.‟ „Die konstruktiven Vorgaben müssen zu dem Klebstoffsystem passen. Bei Cyanacrylaten, über die wir heute reden, ist es ja in erste Linie so, dass ich einen möglichst geringen Fügespalt erreichen möchte. Denn damit läuft die Reaktion am besten. Also die Reaktivität ist damit am höchsten, der Polymerisationsvorgang läuft optimal ab. Also auch hier wichtig, dass uns die vorgegebenen Daten übermittelt werden, in dem Fall Spalte und Tiefen. Und danach können wir schon abschätzen, ob dafür ein Cyanacrylat in Frage kommt. Wenn dem so ist, müssen Vorversuche folgen um wirklich zu erkennen, die Festigkeit wird erreicht und die später auch für die Handhabung notwendig ist.‟ Der festgelegte Fügespalt zwischen Brillenglas und Gestell von 0,05 Millimeter ist mit Hilfe der CNC-gesteuerten Bohrmaschinen für die Mitarbeiter der Optik-Werkstatt gut umzusetzen. Damit sind die konstruktiven Voraussetzungen für die zu erwartenden Kausionsbeanspruchungen erreicht. „Wir haben es hier mit einem sehr engen Klebespalt zu tun, ungefähr 0,05 Millimeter. Die Cyanacrylate sind aus der Chemie heraus niedermolekulare Systeme, das heißt also Klebstoffe, die auch von der Viskosität im unteren Bereich, sprich wasserdünn, angesiedelt sind. Zudem härten sie sehr, sehr schnell, deshalb auch der landläufige Name „Sekundenkleber“. Wir dürfen hier aber nicht zu schnell reagieren, weil dann würde der Klebespalt nicht ausgefüllt. Wir müssen also diese Balance finden zwischen Viskosität und Reaktivität. Und erst wenn wir diese Balance gefunden haben, können wir uns über die mechanischen Kräfte kümmern. Das heißt, dann können Alterungsversuche machen, Temperaturbelastung oder Feuchtigkeitsbelastung.‟ Der erste Schritt bei der industriellen Brillenherstellung ist die Kontrolle der Fügeteile. Insbesondere die Oberflächen der Glasrohlinge müssen genau untersucht werden. Dementsprechend wird auch der Klebstoff anhand der beigefügten Dokumente geprüft, wie Herr Rademacher erläutert. „Wir müssen die Viskosität beschreiben und die Reaktivität. Und das wird in einer Dokumentation genau festgehalten. Die Viskosität wird nach DIN gemessen und die Reaktivität nach einer Werksnorm, wenn man sich vorstellen kann, dass natürlich viel Chemie und viel Know-how dahinter steht und es um sehr kleine Zahlen geht. Also Sekunden, da kommt es dann schon drauf an, dass man ein großes Know-how mit hinein bringt. Aber das wird mit der Dokumentation entsprechend festgehalten.‟ Mit einem Lesegerät werden per Barcode-System die Produktionsdaten zu jedem Werkstück in die verschiedenen Maschinen eingegeben. Auf den Gläsern werden, auch mit Klebtechnik, Halterungen angebracht, mit denen sie während der Bearbeitung fixiert werden können. Die kreisrunden Gläser bekommen in der Schleifmaschine die entsprechende Form angeschliffen. Damit wird das Design des Brillenmodells hergestellt. Für die Klebung ist erst der nächste Schritt wichtig. Für die Passgenauigkeit muss der erforderliche Fügespalt von 0,05 Millimeter sehr exakt erreicht werden. Deshalb wird die Bohrung von einer CNC-Maschine vorgenommen. Der Bohrstaub wird mit Druckluft entfernt, wodurch das Bohrloch gereinigt wird. Anschließend wird die Bohrung durch einen konischen Handbohrer an den Ein- und Austrittsöffnungen manuell erweitert. Dadurch kann der Klebstoff besser in die Spalte fließen. Die Einzelteile des Brillengestells werden zusammengesetzt und mit Hilfe der Halterungen auf den Gläsern in der Fügevorrichtung fixiert. Der Klebstoff wird nach dem Fügen gut dosiert auf die Fügeoberflächen aufgetragen. Nach dem Auftrag auf die Bohrlochöffnung wird die Flüssigkeit durch die Kapillarwirkung in die Klebfuge gezogen. Das Cyanacrylat muss die Klebfuge vollständig füllen, darf aber nicht an den Enden der Bohrlöcher austreten. Bei der Einführung des Produktionsverfahrens wurde eine Dosiervorrichtung verwendet, heute wird der Klebstoff von den geübten Facharbeitern manuell aufgetragen. „Dosiergeräte haben den Vorteil, dass sie exakte Mengen dosieren. Der Nachteil ist, bei optischen Gläsern wenn unterschiedliche Stärken sind, kann man nicht so schnell das Dosiergerät umstellen und sind dann auf manuelle Dosiertechnik umgestiegen. Die kann dann auch individuelle Glasstärken gut bedienen.‟ Der Klebstoff bindet in der Fixiervorrichtung ab. Nach circa 20 Minuten ist die Klebverbindung handfest und die Brille kann weiterverarbeitet werden. Am Ende steht ein modernes Produkt, das nicht nur leicht und handlich ist, sondern auch nach allen Geschmacksrichtungen gestaltet werden kann. Dies ist durch neue Werkstoffe und vor allem die hochentwickelte Klebtechnik möglich geworden.