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Weltbild – heliozentrisch 07:18 min

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Transkript Weltbild – heliozentrisch

Ende des 15. Jahrhunderts bahnte sich in der christlichen Welt ein Umbruch an. Von Europa aus erkundeten immer mehr Seefahrer und Entdecker die Welt und stießen auf neue, zuvor unbekannte Regionen. Christoph Columbus war überzeugt, dass es in westlicher Richtung einen Seeweg nach China und Indien gibt. 1492 suchte er für Spanien nach einer solchen Reiseroute. Nach mehrwöchiger Fahrt erreichte er eine bis dahin unbekannte Landmasse, den amerikanischen Kontinent. 1521 umsegelten die Portugiesen Magellan und Elcano als erste Seefahrer die Welt und bewiesen damit endgültig, dass es andere bewohnte Kontinente und weltweit schiffbare Meere gab. In den nächsten Jahrhunderten verbesserte sich das Wissen über die Erde im Wesentlichen durch sorgfältigere Aufzeichnungen. Durch sie segelte man nun nicht mehr ins Unbekannte hinaus, sondern hatte eine Vorstellung davon, welche Seewege vor einem lagen. Und auch die Schiffe wurden immer robuster. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts standen schließlich Uhren zur Verfügung, die auch auf See und auf schaukelnden Pferderücken zuverlässig funktionierten. Damit war erstmals ein präzises Navigieren in Ost-West-Richtung möglich. Seit der Zeit der ersten Weltumseglung begann der Einfluss der Kirche auf die Wissenschaft immer weiter zu schwinden. Gelehrte entdeckten das Wissen der Antike wieder und erweiterten es. Die Astronomen befassten sich von neuem mit der Erde und ihrer Position im Kosmos und kamen dabei zu Schlussfolgerungen, die im scheinbaren Widerspruch zur Bibel standen. Vorreiter für eine neue Sicht der Welt war der preußische Astronom Nikolaus Kopernikus. Er studierte die Bewegung der Planeten auf ihren Kreisbahnen. Aufgrund seiner Berechnungen kam Kopernikus zu dem Schluss, dass nicht die Erde, sondern die Sonne im Mittelpunkt der Planetenbahnen stehen muss. Für einen Umlauf um die Sonne braucht die Erde ein Jahr. Kopernikus erkannte, dass Tag und Nacht dabei nur entstehen können, wenn die Erde sich fortwährend um ihre eigene Achse dreht. Die Erde ist nach Kopernikus also nur ein Planet unter vielen, der um die Sonne kreist. Mit seinem im Jahr 1543, nach seinem Tod veröffentlichten, heliozentrischen Weltbild widersprach Kopernikus vollkommen den kirchlich-dominierten Vorstellungen seiner Zeit. Denn hier stand nach wie vor die Erde im Mittelpunkt der Schöpfung. Zum großen Konflikt mit der Kirche kam es aber noch nicht. Kopernikus‘ Theorien wurden als Hirngespinst abgetan. Erst circa 100 Jahre später kam es zum Eklat durch den italienischen Astronom und Gelehrten Galileo Galilei. Dieser nutzte 1609 erstmal eine neue Erfindung zur Himmelsbeobachtung. Das Fernrohr. Mit diesem erkannte er unter anderem Berge auf dem Mond und die nach ihm benannten galileischen Monde Jupiters. Aus seinen zahlreichen astronomischen Beobachtungen schloss Galilei, dass Kopernikus Recht haben musste. Vieles sprach dafür, dass die Erde um die Sonne kreist und nicht umgekehrt. 1632 veröffentlichte Galilei ein Buch, in dem er das alte geozentrische Weltbild und das neue heliozentrische Weltbild gegenüber stellte. Und diesmal griff die Kirche ein. Galilei wurde nach Rom geladen und der Ketzerei angeklagt. Obwohl der Gelehrte vor Gericht seinen ketzerischen Theorien abschwor, verurteilten ihn die kirchlichen Richter zu Haft und erteilten ihm Schreibverbot. Erst am zweiten November 1992 wurde Galileo vom Vatikan formal rehabilitiert. Doch trotz Galileis Verurteilung standen die katholische Kirche und ihr veraltetes Weltbild auf verlorenem Posten. Denn auch andere Forscher wie der dänische Astronom Tycho Brahe hatten Beweise gefunden, die gegen die geozentrische Weltsicht sprachen. Der Mathematiker und Astronom Johannes Kepler griff diese neuen Erkenntnisse auf. Er machte bereits 1609 das heliozentrische Weltbild zur Grundlage seiner Gesetze über die Bewegungen von Planeten. Kepler schloss aus seinen Studien, dass die Planeten nicht auf kreisförmigen, sondern auf elliptischen Bahnen um die Sonne kreisen müssen. Dabei bewegt sich ein Planet umso langsamer auf seiner Bahn, je weiter er von der Sonne entfernt ist. Auf diese Weise konnte einfacher und ohne zusätzliche Hilfskonstruktionen wie die Epizykel von Ptolemäus erklärt werden, darum der Mars und andere Planeten am Nachthimmel manchmal rückwärts zu laufen scheinen. Sie werden dann gerade von der Erde auf ihrer Bahn überholt. Die Bewegung der Himmelskörper konnte dank Kepler nun auf der Basis von Naturbeobachtungen erklärt werden. Seine Werke fanden allerdings nur sehr zögerlich öffentliche Beachtung. Sein Ende fand das geozentrische Weltbild im Jahr 1687 durch Isaac Newton. Denn der britische Forscher lieferte die physikalische Grundlage für die Theorien und Berechnungen von Kopernikus, Galilei und Kepler. Mit seiner Himmelsmechanik schaffte er das Fundament für ein Weltbild auf der Basis physikalischer Gesetze. Beobachtungen der Natur, ihre Erklärung durch Naturgesetze und Vorhersagen aufgrund wissenschaftlicher Theorien formen seitdem unsere Beschreibungen der Erde. Nicht mehr Mythen und religiöse Dogmen. Newton erkannte, dass die Gesetze der Mechanik und physikalische Grundkräfte auf alle Himmelskörper wirken. Die Gravitation, dieselbe Kraft, die hier auf der Erde den Apfel vom Baum fallen lässt, hält auch den Mond auf seiner Bahn um die Erde. Und die Planeten auf ihrer Bahn um die Sonne. Dabei bestimmen die anziehende Gravitationskraft und die Geschwindigkeit eines Planeten die Form und Lage seiner Bahn. Mit Newtons Erkenntnissen war die Erde endgültig aus dem Zentrum der Welt gerückt. Die Sonne nahm nun die zentrale Stellung ein. Bis allerdings auch die Kirche den Bann gegen Werke mit heliozentrischem Inhalt aufhob, sollten noch viele Jahre vergehen.

1 Kommentar
  1. lol

    Von Felix Sommer, vor etwa 2 Monaten

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