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Weltbild – Altertum und Antike 05:28 min

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Transkript Weltbild – Altertum und Antike

Das Bild der Erde als Kugel im Universum ist uns heute sehr vertraut. Satellitenbilder zeigen uns die genaue Lage eines Kontinents, einer Stadt und sogar einzelner Gebäude. Auf Landkarten ist inzwischen beinahe jeder Fleck unserer Erde zuverlässig verortet. Aber welches Bild hatten unsere Vorfahren von der Gestalt der Erde? Und wie verschafften sie sich ihr Wissen darüber? Satelliten waren noch völlig unbekannt. Und Erkundungsreisen in ferne Länder waren langwierige und gefährliche Expeditionen. Dennoch hatten die Menschen schon vor tausenden von Jahren das Bedürfnis, sich ein Bild von ihrer Welt und all dem, was sie umgibt, zu machen. Der Blick in den Himmel ermöglichte schon unseren Vorfahren, die Bahnen von Planten und Gestirnen zu studieren. Doch nicht nur den Himmel beobachteten sie sehr genau, auch von ihrer Umgebung machten sie sich ein Bild. Die ältesten erhaltenen Karten stammen aus der Zeit des alten Babylons. Damals, vor rund 2600 Jahren ritzten die Bewohner Mesopotamiens erste Karten in feuchte Tontafeln. Diese Darstellungen zeigen allerdings nicht nur Karten der näheren Umgebung, sie verraten uns auch, wie man sich damals die gesamte Welt vorstellte. Wie aber sah die Welt für die Babylonier aus? Eines fällt sofort auf: Ihr Weltbild war sehr begrenzt. Für sie bestand die Erde fast nur aus Mesopotamien und den angrenzenden Gebieten. Jenseits befand sich nur noch der „Bitterstrom“, eine Art Randmeer, das die Welt wie ein Ring aus Wasser umgab. Doch warum sah ihre Welt so aus? Die Babylonier zeichneten damals nur die Regionen auf, die sie selbst schon bereist hatten oder die sie durch ihre Handelsbeziehungen kannten. Allerdings war ihr Bewegungsradius sehr beschränkt. Von der Existenz weiterer Kontinente und Meere ahnten sie daher nichts. Und noch etwas fällt an der Weltkarte der Babylonier auf: Sie zeigt die Erde nicht als Kugel, wie wir sie heute kennen, sondern als Scheibe. Darüber befand sich das Himmelsgewölbe. Darunter lag die Unterwelt. Warum die Babylonier die Erde für eine Scheibe hielten, ist leicht zu verstehen. Blicken wir beispielsweise am Meer oder in einer flachen Ebene in die Ferne, sehen wir einen geraden Horizont. Und auch der Boden unter unseren Füßen ist meist nicht gewölbt, sondern relativ eben. Es sei denn, wir stehen gerade auf einer Bergkuppe. Allein durch die Beobachtung unserer direkten Umgebung können wir also nicht erkennen, dass die Erde eine Kugel ist. Kein Wunder, dass die Babylonier der festen Überzeugung waren, auf einer Scheibe zu leben. Ähnlich sahen es die Phönizier rund 800 Jahre vor Christus. Dieses Seefahrervolk segelte vom östlichen Mittelmeer über Gibraltar bis hin zu den Britischen Inseln. Ihre Entdeckungen hielten sie auf Karten fest. Aber auch für die Phönizier war klar, dass die Erde eine Scheibe sein musste. Es waren schließlich die Griechen, die das Bild der Erde maßgeblich erweiterten. In ihren Karten tauchten bereits mehrere Kontinente auf. Europa, Asien und Libyen. Der griechische Philosoph Anaximander beschrieb 550 vor Christus seine Weltsicht erstmals sehr detailliert. Auch er sah die Erde noch immer als eine von einem Meer umgebene Scheibe und als Mittelpunkt des Universums. Die Sterne und Planeten des Nachthimmels waren nach damaliger Vorstellung nur Nägel im kristallenen Himmelsgewölbe. Allerdings wurden schon damals erste Stimmen laut, die die Erde als Kugel sehen wollten. Darunter die Philosophen Pythagoras und Platon. Doch sie konnten sich noch kein Gehör verschaffen. Hundert Jahre nach Anaximander hatten die Griechen bereits ein genaueres Bild der Erde. Der Geograph Herodot von Halikarnassos beschrieb um 450 vor Christus die Umrisse der Landmasse erstmals nicht mehr als kreisrund. In seiner Karte gab es außerdem keinen Ozean mehr, der den Rand der Erde bildete. Doch auch für Herodot war die Erde noch immer eine Scheibe.