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Kleben in Handwerk und Industrie – Kleben einer Kabelhalterung im Flugzeug 06:38 min

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Transkript Kleben in Handwerk und Industrie – Kleben einer Kabelhalterung im Flugzeug

Hamburg, direkte Hafennähe. Hier, auf dem Werksgelände von Airbus, wird unter anderem das neue Großraumflugzeug A380 teilmontiert und ausgestattet, um dann an die Kunden geliefert zu werden. Für viele Laien unvorstellbar, aber wahr: Hier wird geklebt. Der speziell geschulte Fluggerätmechaniker klebt Kabelhalterungen, durch die elektrische Leitungen geführt werden, am Rumpf des Flugzeug-Riesen. Dieses Fügeverfahren darf nur von Personen durchgeführt werden, die dafür zugelassen und von der Airbus-Qualitätssicherung zertifiziert wurden. Das Zertifikat wird nach einer betriebsinternen Schulung vergeben. Für Auszubildende eine begehrte Zusatzqualifikation. „Der Facharbeiter kann Ihnen sagen „Wir wollen heute Klebehalter setzen.“ und der Auszubildende weiß schon, was alles dazugehört. Ist also vorbereitet auf die Tätigkeit dort am Bauplatz, prozessorientiert, kann dort gleich mit einsteigen und Halter setzen.‟ Heute sind zwei Auszubildende angemeldet, die das Zertifikat erlangen möchten. „Ich lerne Fluggerätmechaniker, Fachrichtung Fertigungstechnik und wir haben halt hier in Hamburg die Bereiche Struktur, Ausstattung und Ausrüstung. Und die Ausbildung geht dreieinhalb Jahre.‟ Von Ausbilder Heinsohn lernen Matthias und sein Kollege Robin, dass am Anfang eines Klebprozesses immer die Analyse des Fügeproblems steht. „Der Klebstoff muss bestimmte Bedingungen erfüllen. Das heißt oben im Flugzeug herrschen andere Temperaturen. Das heißt Temperaturunterschiede muss er ausgleichen können. Dann, elastisch muss er sein, weil das Flugzeug sich auch in geringem Maße verzieht.‟ Für diese Klebung ist ein chemisch härtender Zwei-Komponenten-Klebstoff vorgesehen. Die Eigenschaften dieses Klebstoffs: Hohe, dauerhafte Festigkeit auch bei widrigen Einflüssen wie extremen Temperaturen und Kontakt mit aggressiven Chemikalien. Hinweise für die fachgerechte Verarbeitung stehen in einem Beiblatt. Der Klebstoff wird in einem Doppelkartuschen-System geliefert und verarbeitet. Die Einzelkomponenten befinden sich in getrennten Kammern. Über einen Vorschubstempel werden sie ausgepresst und in einem Mischrohr zusammengeführt. Unmittelbar danach beginnt die chemische Reaktion und das Abbinden des Klebstoffs. Bevor der Klebstoff eingesetzt wird, muss das Herstellungsdatum auf der Doppelkammern-Kartusche geprüft werden. „Um eine optimale Verklebung mit einem Klebstoff durchzuführen, brauchen wir auf jeden Fall eine saubere, staubfreie Umgebung, wir brauchen die optimale Temperatur für den Klebstoff und wir sollten eine Luftfeuchtigkeit haben, die nicht zu hoch ist, um Kondensbildung auf den zu verklebenden Teilen zu vermeiden.‟ Da Klebstoffe aufgrund ihrer Zusammensetzung als Gefahrstoff klassifiziert sein können, sind die jeweils passenden Schutzmaßnahmen einzuhalten. Bei gleicher Eignung gilt außerdem die Pflicht, einen Klebstoff mit geringerem Gefährdungspotential zu verwenden. Das ist der Standfuß des Halters, der aus einem Kunststoff besteht. Diese Fläche wird an einen grundierten Metallträger angebracht. Auf das obere Ende des Stiftes wird später eine Kabelmuffe geschraubt. Auf den Halter wirken Torsions-, Zug- und Druckbeanspruchungen. Für den gewählten Zwei-Komponenten-Klebstoff ist die Fügefläche ausreichend groß, um bei fachgerechter Verarbeitung den Beanspruchungen standzuhalten. Eine konstruktive Verstärkung ist nicht notwendig. Extra für diese Halterung wurde das gelbe Setz-Tool entwickelt. Mit dessen Hilfe und der Schablone kann die Halterung exakt da angebracht und fixiert werden, wo sie gebraucht wird. Die Oberfläche muss absolut sauber sein und wird mit Alkohol gereinigt. Matthias und Robin entfernen die zuvor benötigte Positionsmarkierung mit dem getränkten Baumwolltuch. Dann wird die Oberfläche der Metallplatte angeschliffen und Unreinheiten werden entfernt. Die Grundierung darf nur so weit angeraut werden, dass die Lackschicht nicht beschädigt wird. Auch der Halterfuß wird mit Alkohol gereinigt. Das Mischrohr wird auf die Kartusche gesetzt. In ihm werden die beiden getrennt vorliegenden Klebstoffkomponenten gemischt. Die ersten 50 Millimeter des ausgehenden Klebstoffstranges sind noch nicht richtig gemischt und dürfen daher nicht verwendet werden. Nun müssen sich die Auszubildenden beeilen. Die Verarbeitungszeit zwischen Auftragen und Fügen des Halters beträgt laut Hersteller fünf Minuten. Eine kleine Menge des Klebstoffs wird in die Fußmitte mit kreisenden Bewegungen aufgetragen, um die Luft aus der Paste zu entfernen. Die aufgetragene Menge sollte halb so groß sein wie der Durchmesser des Fußes. Die Fixierhilfe wird für die Fügung vorbereitet. Durch das Setz-Tool wird eine gleichmäßige Verteilung des Klebstoffs erreicht und eine Verschiebung der Fügeteile verhindert. Durch die richtige Dosierung verteilt sich beim Fügen der Klebstoff auf den gesamten Umfang des Fußes. Er tritt umlaufend mit einem kleinen Wulst um den Halterfuß herum aus, wodurch das Eindringen von Feuchtigkeit verhindert wird. Matthias und Robin haben den Kabelhalter korrekt gefügt. Der Klebstoff härtet nun unter Druck aus. Bis zur Abnahme des Setz-Tools dauert es zwölf Stunden, nach 24 Stunden ist der Klebstoff bei 23 Grad Celsius so weit ausgehärtet, dass die Kabelhalterung für die weitere Montage freigegeben werden kann.