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Kleben in Handwerk und Industrie – Furnieren einer Schranktür 06:41 min

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Transkript Kleben in Handwerk und Industrie – Furnieren einer Schranktür

Ob draußen oder drinnen, Holz ist noch immer der beliebteste Werkstoff für Möbel. Im modernen Möbelbau wird viel mit Pressspanplatten gearbeitet. Diese eignen sich besonders für die industrielle Produktion. Um den Platten ein ansprechendes Äußeres zu geben, werden sie oft mit einem Furnier versehen. Was bedeutet es für einen Tischler, wenn die Aufgabe lautet: Furnieren einer Schranktür. Abteilung Holztechnik des Felix Fechenbach Berufskollegs. Die Auszubildenden Manuel und Tim, Julia und Lisa und ihr Lehrer Bernd Krumme besprechen eine neue Aufgabenstellung, den Bau einer Küchenzeile. Die Gruppe erörtert, welche Bauteile gefertigt werden. „Ich habe euch heute dieses Furnier mitgebracht und die dazugehörige Platte. Daraus soll die Tür gebaut werden. Und das Problem, was wir heute haben, ist das, die sitzt neben der Geschirrspülmaschine.‟ Gemeinsam überlegt die Gruppe, welchen Belastungen die angestrebte Klebung standhalten soll. „Wir haben die Situation analysiert und unser Ergebnis ist, dass, weil wir eine Holzspanplatte mit einem Furnier bekleben wollen und diese Tür nachher neben einer Spülmaschine montiert wird, brauchen wir halt irgendwas Wasserfestes zum Verkleben und haben uns für einen Dispersionsklebstoff der Klasse D3 entschieden. Und wir denken, dass das für die Situation der beste Klebstoff ist.‟ Vor der Verarbeitung müssen die Hinweise des Herstellers zur Zusammensetzung, Verarbeitung und zu den Abbindezeiten des Klebstoffs beachtet werden. Holzklebstoffe der Beanspruchungsgruppe D3 eignen sich nach der DIN EN 205 für Anwendungen im Innenbereich mit häufiger kurzfristiger Einwirkung von abfließendem Wasser oder Kondenswasser und/oder Einwirkung hoher Luftfeuchtigkeit. Der verwendete Klebstoff ist ein reaktiver selbst vernetzender wässriger Dispersionsklebstoff. Das Besondere: Nach dem physikalischen Abbinden findet eine chemische Reaktion statt. Das Furnier wird vollflächig geklebt, so dass eine große Klebfläche und gute Haftleistung gewährleistet sind. Manuel stellt die Breitbandmaschine ein, um die Oberfläche der Spanplatte zu schleifen. Mit dem so genannten Kalibrieren wird eine gleichmäßige Dicke der Platte und eine plangeschliffene Oberfläche erreicht. Die Voraussetzung für die Benetzung wird verbessert. Alle Ohrenschützer auf wegen dem Lärm der Schleifmaschine. Lehrer Krumme erläutert die Funktionsweise der Anlage. „Das Werkstück kommt also dort hinein in den Breitbandschleifautomaten, wird durch das schwarze Transportband angesaugt und reingezogen. Hier an dieser Stelle erfolgt der erste Querschliff und danach kommt mit dem so genannten Breitband der tatsächliche Endschliff.‟ Klebstoffe können aufgrund ihrer Zusammensetzung als Gefahrstoff klassifiziert sein. Die erforderlichen Schutzmaßnahmen sind bei dieser Dispersion Handschuhe und Schutzbrille. Julia prüft den Klebstoff. „Von der Farbe her sieht er ganz gut aus, sind keine gelben Stellen drauf und ich rühre den jetzt mal um.‟ Durch Rühren und mit dem Fließtest prüft sie die Konsistenz des Klebstoffs. „Der Klebstoff ist soweit in Ordnung.‟ „Am besten ist es, wenn wir noch die Temperatur messen.‟ „Wie hoch muss die Temperatur denn sein?‟ „Sie sollte mindestens 15° betragen und wir sind bei gut 15.‟ Manuel und Lisa legen die Fügeteile zurecht, auch die Holzfeuchtigkeit der Werkstücke ist entscheidend und sollte zwischen 6 und 12 % liegen. „Jetzt sind es 9,8 %. Das ist genau richtig. Ist genau im grünen Bereich. Bei der Platte genauso.‟ In einer Tischlerwerkstatt gibt es viel Holzstaub, die eine Klebung beeinträchtigen kann. Deswegen entstaubt Lisa die Fügeteile. Fremdkörper werden vermieden und eine gute Adhäsion kann sich ausbilden. Zum Klebstoffauftrag benutzt Tim eine Walze. Damit kann er den Klebstoff sehr gleichmäßig verteilen. Die Auftragsmenge für diese Anwendung wird mit etwa 150 g/m2 Nassgewicht bemessen, kann aber durch die Beschaffenheit der Werkstoffe variieren. Julia und Tim fügen die erste Furnierschicht auf die eine Seite der Spannplatte. „Müssen wir das hier nun noch fixieren, was meint ihr?‟ „Die Nassfestigkeit ist hoch genug.‟ „Das denke ich auch, okay.‟ Tim bearbeitet jetzt die zweite Fläche. Der Dispersionsklebstoff bietet genügend offene Zeit. Nach dem Auflegen der zweiten Furnierschicht kommt das Werkstück sofort in die Presse. Tim achtet darauf, dass sich die Fügeteile nicht verschieben. Für einen gleichmäßigen Anpressdruck sorgt ein zweites Werkstück. Mit dem Anpressen beginnt die geschlossene Zeit. Die Dispersion drängt in die Oberflächenstruktur der Fügeteile, das Dispergiermittel entweicht. Die Zufuhr von Wärme beschleunigt diesen Prozess, so dass nach kurzer Zeit die Klebung handfest ist. Tim holt die furnierte Spanplatte aus der Presse. „Ja, das war unser letzter Arbeitsschritt, das Furnieren. Die Platte liegt jetzt zum Abkühlen auf der Hobelbank. Darunter haben wir Leisten gelegt, damit es gleichmäßiger abkühlen kann.‟ Die Gruppe begutachtet das Werkstück. Nach ca. 24 Stunden können sie die Bearbeitung der Spanplatte fortsetzen. Die vollständige chemische Vernetzung des Klebstoffs kann jedoch bis zu sieben Tage dauern.