Kleben in Handwerk und Industrie – Fügen eines Vollholzbretts 06:04 min

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Transkript Kleben in Handwerk und Industrie – Fügen eines Vollholzbretts

Vollholzverbindungen werden im Möbelbau immer wieder gerne verwendet. Es gibt verschiedene Fügetechniken, die ein Tischler beherrschen sollte. Ein stabiles Schneidbrett gehört zur Kücheneinrichtung. Die Aufgabe von Lehrer Krumme lautet, ein ausreichend großes Brett aus Vollholz zu fertigen. Die vorliegenden Rohlinge sind in ihren Abmessungen zu klein und müssen in der Fläche, durch Fügen von drei Brettern, vergrößert werden. Ich zeige euch das mal. Das sind ja die üblichen Kanten. Was denkt ihr, wenn wir das jetzt so kleben, würde das reichen? Die Teile würden verrutschen. Also nicht wie bei der klassischen breiten Verbindung der stumpfen Fuge werden wir jetzt die Klebfläche vergrößern, indem wir eine Kronfuge anfräsen. Durch eine Kronfuge wird zum einen eine mechanische Verzahnung und zum anderen eine größere Klebfläche erzeugt. Dies verleiht dem Bauteil eine erheblich höhere mechanische Beanspruchbarkeit. Welchen Klebstoff würdet ihr denn für dieses Schneidbrett empfehlen? Ich würde sagen irgendwas Wasserfestes. Ja, gut. Welchen wasserfesten Klebstoff kennt ihr? Ein D4-Leim. Genau, wir würden also für dieses Brett einen D4-Klebstoff verwenden. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass der Klebstoff sehr fest sein muss. Da haben wir uns für einen Zwei-Komponenten-Klebstoff entschieden der Beanspruchungsgruppe D4. Der kann ruhig mit Lebensmitteln in Berührung kommen und auf ihm kann man dann auch, also auf dem Schneidbrett, kann man nachher auch gut schneiden und auch, wenn es nötig ist, hacken. Klebstoffe der Beanspruchungsgruppe D4 eignen sich nach der DIN EN 205 für den Innenbereich mit häufiger, langanhaltender Einwirkung von abfließendem Wasser oder Kondenswasser. Die zwei Komponenten des Dispersionsklebstoffs liegen in zwei voneinander getrennten Behältern vor. Die Komponenten müssen laut Herstellerangaben im Verhältnis 95 zu fünf gemischt werden. Das bedeutet 95 Prozent Klebstoff mit fünf Prozent Vernetzer. Nach dem physikalischen Abbinden findet zusätzlich eine chemische Reaktion statt, die eine stärkere Vernetzung der Polymere bewirkt. Das Vollholz des Schneidbretts muss nach der Klebung mit einem für den Lebensmittelkontakt zugelassenen Öl geschützt werden. Bevor die Auszubildenden also anfangen, das Schneidbrett zu kleben, müssen sie gewisse Bedingungen schaffen. Dazu zählt natürlich einmal, dass der Arbeitsplatz tiptop sauber ist. Er muss staubfrei sein, fettfrei sein. Es darf nichts herumstehen, was irgendwie gefährlich sein kann. Hinzu kommt, dass die Raumtemperatur um die 19 Grad betragen soll. Aber das ist in den meisten Werkstätten ja da und das ist auch hier vorherrschend. Die Luftfeuchtigkeit selbst spielt nicht so eine große Rolle, die können wir vernachlässigen. Manuel und Tim wissen, dass sie zunächst die Passgenauigkeit der Fügeteile prüfen müssen. Zusammengelegt prüfen sie mit dem Winkelmaß die Ebenheit der Fläche, die sich aus den drei Einzelteilen ergibt. Das spezielle Tischlerverbundzeichen bietet eine weitere Kontrollmöglichkeit zur Passgenauigkeit. Bevor wir den Klebstoff dosieren, müssen wir die Holzfeuchte noch messen. Die liegt bei 8,6 Prozent. Also können wir den Klebstoff dosieren. Arbeits- und Umweltschutz muss auch bei dem Umgang mit Zwei-Komponenten-Klebstoff der Beanspruchungsgruppe D4 angewendet werden. Das bedeutet Handschuhe und Brille. Wie angekündigt, arbeiten die drei jetzt mit einer Waage, um die richtigen Mengen der beiden Komponenten zu ermitteln. Von dem Klebstoff werden 95 Gramm benötigt. Dementsprechend gibt Manuel von der zweiten Komponente, dem Vernetzer, fünf Gramm dazu. Der Vernetzer muss homogen in der Dispersion verteilt und daher ausreichend durchmischt werden. Per Sichtprüfung und Fließtest wird der Klebstoff geprüft. Jetzt muss die angesetzte Klebstoffmischung innerhalb der angegebenen Zeitspanne verarbeitet werden. Manuel trägt den Klebstoff gleichmäßig auf. Er achtet darauf, dass auch die Kronfuge überall benetzt ist. Beim Fügen des Schneidbretts ist es wichtig, dass die Fügeteile passgenau aufeinandersitzen und sich nicht verschieben. Deswegen bringen Lisa und Tim jetzt die großen Schraubzwingen zu ihrem Einsatz. Sie fixieren das Schneidbrett so, dass der Klebstoff in Ruhe seine Endfestigkeit erreichen kann. Also wir haben das Schneidbrett jetzt gefügt. Nach 24 Stunden kann es weiterverarbeitet werden und nach sieben Tagen ist die Endfestigkeit der Klebung erreicht. Und das hat alles gut geklappt, wir fühlen uns gut, und ja, auf zum nächsten Projekt. Da hat Lehrer Bernd Krumme sicher schon eine Idee, welche Aufgabe er Lisa, Manuel und Tim demnächst übergeben kann.