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Reykjavik - Haupstadt Islands 08:24 min

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Transkript Reykjavik - Haupstadt Islands

Der Saga zufolge warf der norwegische Wikinger Ingólfur Arnarson gemäß der Sitte seines Volkes seinen Hochsitz über Bord, als er sich Island näherte. Die Bucht, dort, wo die ins Meer geworfenen Hölzer an Land gespült wurden, besiedelte er. Die Götter hatten den Platz seines neuen Heims gewählt. Das war im Jahre 874 nach Christus. Wegen der in der Bucht aufsteigenden Dampfwolken aus Islands Geysiren gab Arnarson der Bucht den Namen Rauchbucht, auf Isländisch Reykjavik. So erzählt es das altisländische Landnámabók, das Landnahmebuch. In Reykjavik steht heute eine Statue des Wikingers und blickt Richtung Hafen. Auch die moderne Skulptur Sólfar, zu Deutsch Sonnenfahrer, erinnert an die Anfänge der Stadt. Sie steht am Ufer der Bucht und stellt ein Wikingerschiff dar. Am 1. Dezember 1918 wurde Island zum Königreich erklärt und Reykjavik offizielle Hauptstadt des Landes und damit die nördlichste Hauptstadt der Welt. Nach der Ausrufung der Republik Island am 17. Juni 1944 in Þingvellir wurde es schließlich auch Kapitale eines unabhängigen Landes. Reykjavik hat heute zirka 117000 Einwohner, das sind mehr als ein Drittel der Gesamtbevölkerung des Landes, und liegt im Südwesten der Insel am Beginn der Reykjanes-Halbinsel. Die Zone der plattentektonischen Verschiebung, also der Bereich, wo die eurasische und die nordamerikanische Platte aufeinandertreffen, quert Island von Südwesten nach Nordosten. Sie führt auch über die Halbinsel Reykjanes. Deshalb gibt es dort immer wieder Erdbeben, die allerdings meist keine größeren Schäden verursachen. Mitten durch das Zentrum von Reykjavik verläuft der Laugavegur, der Quellenweg. Sein Name stammt aus der Zeit, als Reykjavik noch ein Dorf war. Damals war drei Kilometer außerhalb der Stadtmitte ein kleines Tal, das Laugardalur, in dem heiße Quellen aus der Erde strömten. Vom Dorf hierher führte der Quellenweg, auf dem die Bewohner regelmäßig gingen, um ihre Wäsche zu waschen und zu baden. Heute ist der alte Laugavegur die Hauptgeschäftsstraße der Stadt. Hier findet man zahlreiche Cafés, Restaurants, Modeboutiquen, Kunstgalerien, Bars und Souvenirläden. Eines der ältesten Gebäude der Stadt ist der Dom, auf Isländisch Dómkirkjan, im Zentrum der Stadt. Bei seiner Einweihung 1796 passten noch alle Einwohner der Stadt in die relativ kleine Kirche. Auf einem Hügel, weithin sichtbar, überragt die Hallgrímskirkja die Innenstadt. Mit ihrem auffallenden Turm kann sie als eines der Wahrzeichen der Stadt gesehen werden. Im Inneren der evangelischen Kirche findet man gotische Stilelemente und eine beeindruckende Orgel. Vor der Kirche steht eine Statue von Leifur Eriksson, dem bekanntesten isländischen Entdecker. Er betrat um das Jahr 1000 vermutlich als erster Europäer vor Christoph Kolumbus nordamerikanischen Boden. Auch die Háteigskirkja mit ihren vier spitzen Türmen gehört zu den typischen Sehenswürdigkeiten der Stadt. Mit dem heißen Quellwasser aus der Umgebung wird heute fast die ganze Stadt geheizt. Durch eine Pipeline wird es frisch aus dem kochenden Erdinneren direkt unter die Wohnzimmer geleitet. Das schweflige Badewasser riecht dann leicht nach faulen Eiern, und in älteren Häusern dringt manchmal der Dampf durch die Ritzen der Fußböden. Auf dem Hügel Öskjuhlíð, südlich des Stadtzentrums, erhebt sich Perlan, auf Deutsch Perle, der Warmwasserspeicher. Seine sechs Tanks fassen jeweils bis zu vier Millionen Liter Warmwasser mit einer Temperatur von etwa 85 Grad Celsius. Durch seine erhöhte Lage kann Perlan alle Gebäude in Reykjavik ohne zusätzliche Pumpen mit Wasser versorgen. Im Winter werden auch Gehwege und Straßen mit seinem heißen Wasser beheizt. Einer der Tanks wurde inzwischen trockengelegt und beherbergt unter einer Glaskuppel ein kleines Sagamuseum, ein Restaurant und Geschäfte. Das Alþing ist das Parlament Islands. Es hat seinen Sitz in Alþingishúsið im Zentrum der Stadt. Direkt hinter dem Parlament, am Stadtsee Tjörnin, liegt das neue moderne Rathaus von Reykjavik. Die Büros des Premierministers befinden sich in diesem kleinen weißen Gebäude an der Lækjargata. Im Jahr 1771 wurde es ursprünglich als Gefängnis gebaut. Der Hafen von Reykjavik ist als einziger isländischer Hafen meist auch in strengen Wintern weitgehend eisfrei und offen. Das verdankt er dem Golfstrom, der das Klima maßgeblich bestimmt. Ohne seine wärmende Wirkung wäre Island gänzlich unbewohnbar. Fischfang und Fischverarbeitung haben schon immer dazu beigetragen, die Einwohner der Gegend um Reykjavik zu ernähren. In der geschwungenen Bucht, die vom weithin sichtbaren, etwa 900 Meter hohen Hausberg Esja eingeschlossen wird, wird bis heute nicht vorwiegend die Aussicht genossen, sondern Geld gemacht. Darüber hinaus finden sich in Reykjavik vor allem Dienstleistungsunternehmen und Hightech Industrie, unter anderem gentechnische und biotechnische Labors. Die Stadt verfügt über gut ausgebaute Straßen, bis zu sechsspurige Stadtautobahnen und ein effizientes öffentliches Verkehrssystem. Im Straßenverkehr sieht man viele Geländewagen und hochrädrige Jeeps, die für Fahrten im Landesinneren benötigt werden. Einen Bahnhof gibt es nicht, da wegen der Erdbebengefahr auf Island keine Eisenbahnen und Straßenbahnen verkehren. Ein Inlandflughafen befindet sich in der Nähe des Tjörnen. Von hier aus werden auch die Flüge nach Grönland abgewickelt. 50 Kilometer südwestlich von Reykjavik, bei Keflavík, liegt der internationale Leifur-Eriksson-Flughafen. In den Neunzehnhundertsiebziger- und -achtzigerjahren nahm der Bekanntheitsgrad Reykjaviks in aller Welt immer mehr zu. Umfassende Medienberichterstattung gab es zum Beispiel 1972 anlässlich der in der isländischen Hauptstadt stattfindenden Schachweltmeisterschaft. Der Amerikaner Bobby Fischer konnte sich dabei gegen Boris Spasski durchsetzen und gewann den Titel. Im Fokus der Weltpolitik stand Reykjavik im Oktober 1986. US-Präsident Ronald Reagan und der Generalsekretär der KPdSU Michail Gorbatschow fanden sich im Hus Höfði zu einem Gipfeltreffen in der isländischen Hauptstadt ein. Die Zahl der Menschen, die das so abseits gelegene Island mit seiner Hauptstadt langsam kennen und lieben lernen, steigt weiter. Heute wird Reykjavik als die aufstrebende und aufblühende Hauptstadt eines geheimnisvollen und faszinierenden Landes wahrgenommen.