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Oslo - Haupstadt Norwegens 07:35 min

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Transkript Oslo - Haupstadt Norwegens

Im Sommer ist schon früh Büroschluss in der norwegischen Hauptstadt. Dann strömen alle aus der Stadt, so schnell wie möglich zu den verschwiegenen Sommerhütten. Viele haben eine, träumen aber im Geheimen von einer eigenen Insel. Wenn man sich Oslo mit dem Schiff durch den 100 Kilometer langen Oslofjord nähert, sieht man sie zu Hunderten aus dem Wasser ragen. Sie sind mit bunt bemalten Häuschen besprenkelt. Oslo ist die Hauptstadt Norwegens und hat circa 550000 Einwohner. Es ist eine unkomplizierte Stadt, klar und einfach, wie der Charakter des Landes, das zu 75 Prozent aus Felsen, Seen und Gletschern besteht. Neuesten Forschungsergebnissen zufolge muss es schon circa 1000 nach Christus eine Siedlung an der Stelle Oslos gegeben haben. Aufgrund dieser Schätzung wurde im Jahr 2000 das tausendjährige Bestehen der Stadt gefeiert. Nachdem das junge Oslo damals sehr bald zum Bischofssitz erwählt worden war, gewann es schnell an Bedeutung. 1299 verlegte dann der damalige König seine Residenz in den Ort und ließ die Feste Akershus errichten. Ab dem 17. Jahrhundert hieß Oslo dann Christiana. Der Dänenkönig Christian der Vierte, der es nach einem Brand wiederaufbaute, benannte es nach sich selbst. Erst Jahrhunderte später, im Jahr 1924, nachdem sich Norwegen von Schweden losgesagt hatte, und da als Christiana schon jahrzehntelang Hauptstadt des Landes war, bekam es seinen alten Namen zurück. Vor dem Rathaus und vor dem Bahnhof erinnern Tigerskulpturen an einen weiteren Namen Oslos, "Tigerstaden", zu Deutsch Tigerstadt. Bjørnstjerne Bjørnson verwendete den Kosenamen im Jahr 1870 in einem Gedicht, in dem er Oslo als gefährliche und unbarmherzige Stadt beschreibt. Inzwischen hat der Name seinen negativen Beigeschmack längst verloren. Das auf den ersten Blick ungewöhnliche Stadtwappen Oslos zeigt den Heiligen Hallvard. Er hatte versucht, eine Frau vor Gewalttätern zu retten, wurde aber von diesen mit Pfeilen durchbohrt und mit einem Mühlstein beschwert, ertränkt. Wie bei Großstädten üblich, liegt der Flughafen Oslo-Gardermoen außerhalb, etwa 50 Kilometer nördlich des Stadtgebietes. Er ist der Hauptflughafen Norwegens und ist aus der Hauptstadt per Bus und Bahn zu erreichen. Den öffentlichen Nahverkehr regelt in Oslo ein Netz von U-Bahnen, Straßenbahnen und Buslinien. Schweden ist über internationale Bahnverbindungen zu erreichen. Nach Göteborg und Stockholm fahren regelmäßig Züge. Fährverbindungen gibt es vor Allem nach Deutschland und Dänemark. Fast zwei Jahrzehnte lang bauten die Osloer in den 1930er- und 40er-Jahren an ihrem Backsteinrathaus, dem größten und aufwendigsten Skandinaviens. Über die Kosten des Bauwerks spricht man noch heute nur hinter vorgehaltener Hand. Was das Ergebnis betrifft, gehen die Meinungen auseinander. Die Osloer beteuern aber, sie hätten sich daran gewöhnt. Wegen seiner außergewöhnlichen Architektur ist das Rathaus auf jeden Fall eines der Wahrzeichen der Stadt. Der wuchtige Bau besteht aus einem zentralen Komplex und zwei Türmen. Hier findet alljährlich am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, die feierliche Verleihung des Friedensnobelpreises statt. 1952 wurden die sechsten Olympischen Winterspiele in Oslo und damit erstmals in einem nordischen Land ausgetragen. Einer der Hauptaustragungsorte war die Holmenkollen-Skischanze, die älteste Sprungschanze der Welt. Seit 1892 finden hier Wettkämpfe statt. Mit gut einer Million Besuchern jährlich ist sie heute eines der Highlights für Touristen in Norwegen. In unmittelbarer Nähe des Rathauses, am linken Ufer der Hafenbucht, thront das Schloss Akershus. Es diente seit 1304 als Palastburg und wurde später, im 17. Jahrhundert, zu einem Renaissanceschloss umgebaut. Rund um den Bahnhof zeigt sich die jüngere Architektur der Stadt. Hochmoderne Bürokomplexe erwecken das typische Großstadtflair. Einer der berühmtesten Künstler Norwegens war der Maler Edvard Munch. Er gilt heute als einer der Wegbereiter des Expressionismus. Im Munch-Museum und Munch-Haus in Oslo sind gemeinsam mit dem Nachlass des Malers viele seiner Gemälde zu besichtigen, sein Vermächtnis an seine Heimatstadt. Ein weiterer bekannter Osloer Künstler ist der Bildhauer Gustav Vigeland. Dutzende seiner Statuen sind im Frognerpark, einer 30 Hektar großen Grünfläche, im Herzen Oslos, zu besichtigen. Vigelands Werke bringen die Kunst in das meistbesuchte Erholungsgebiet der Stadt. Die Karl-Johans-Gate ist zweifellos die Hauptader der Stadt. Shopping-Adressen, Restaurants und Hotels gibt es hier im Überfluss. Einst als Prunk-Boulevard angelegt, führt sie knapp zwei Kilometer lang von Bahnhof zum königlichen Schloss. Auf der Flaniermeile gelangt man auch zum Stortinget. Der 1866 errichtete neugotische Backsteinbau beheimatet das "Storting", was wörtlich übersetzt etwa "große Versammlung" heißt. Es ist das nationale Parlament von Norwegen. Das königliche Schloss liegt am nordwestlichen Ende der Karl-Johans-Gate. Übrigens denkt der König von Norwegen nicht daran, sein Volk von seinem Heim fernzuhalten. Der Park seiner Residenz hat keine Gitter. Jeder kann darin herumspazieren. Das größte und bedeutendste Sprechtheater Norwegens ist das Osloer Nationaltheater. Die Statue, die vor dem Gebäude einen Ehrenplatz einnimmt, stellt den bekanntesten norwegischen Schriftsteller Henrik Ibsen dar. Besonders durch Inszenierungen seiner Werke hat dieses Theater beachtlichen internationalen Bekanntheitsgrad erlangt. Mit etwa 30000 Studenten ist Oslo die wichtigste Universitätsstadt des Landes. Die Uni wurde 1811 nach Vorbild der Humboldt-Universität zu Berlin gegründet. Oslo ist unkompliziert, ruhig, verschwiegen und tolerant. Wenn jedoch an schönen Sommerabenden am belebten Hafenkai unter dem Uhrturm plötzlich Stimmung aufkommt und Jung und Alt spontan zu flotter Musik zu tanzen beginnt, dann weiß man, dass die Menschen auch hier vor Lebensfreude nur so sprühen können.