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Ablativ

Der Ablativ ist ein Kasus, den das Deutsche zwar nicht kennt, jedoch lassen sich die verschiedenen Funktionen dieses Falls übertragen. Lerne hier, wie!

Ablativ

Kennst du einen lateinischen Fall (Kasus), den es im Deutschen nicht gibt? Richtig! Hier geht's um den Ablativ. Im Deutschen kennst du bereits alle Fälle und weißt, dass zum Beispiel der Akkusativ auf die Frage „Wen?“ antwortet. Beim Ablativ ist dies nicht so eindeutig. Er kann auf ganz viele Fragen antworten. Dieser Fall hat nämlich viele Funktionen.

Grundsätzlich lässt sich der Ablativ in drei Gruppen unterteilen:

  • womit/ wodurch? (instrumentalis)
  • wo/wann? (loci und temporis)
  • wovon/ woher? (separativus)

Der Ablativ ist der Fall der adverbialen Bestimmung. Das gibt dir auch schon einen Eindruck wie vielseitig dieser Fall ist. In der Regel steht im Deutschen dabei eine Präposition. Im Lateinischen muss das oft nicht sein. Der Ablativ kann mit aber auch ohne Präposition stehen.

Womit und wodurch? – Ablativus instrumentalis

Der Ablativ des Werkzeugs oder Mittels (lat. instrumentum) kommt von allen Ablativen am häufigsten vor: Es ist eine Grundfunktion des Ablativs. Der Ablativus instrumentalis wird im Deutschen mit „durch“ oder „mit“ übersetzt. Erkennst du hier den Ablativus instrumentalis?

  • materia navem fabricare (mit Holz ein Schiff bauen)

Schiff.jpg

Unter den Ablativus instrumetalis fallen noch ein paar andere Ablative:

  • Ablativus instrumenti und Ablativus comitativus (des Mittels und der Begleitung)
  • Ablativus qualitatis (der Beschaffenheit)
  • Ablativus pretii (des Preises)
  • Ablativus mensurae (des Maßes)
  • Ablativus respectus oder limitationis (der Beziehung)
  • Ablativus causae (des Grundes)

Ablativus instrumenti und Ablativus comitativus – Ablativ des Mittels/Werkzeugs und Ablativ der Begleitung

Im Ablativ des Mittels oder Werkzeugs stehen Dinge, die als Hilfsmittel oder Werkzeug verwendet werden: ein Krug, ein Messer, aber auch eine Hand. Dabei geht es um handfeste Gegenstände, keine Gedanken oder ähnliches. Bei der Übersetzung kannst du „mithilfe von“ verwenden, auch wenn das manchmal eigenartig klingen mag. Der Ablativ des Mittels steht auch mit Wörtern des Anfüllens oder Ausstattens: complere (anfüllen), ornare (schmücken). Außerdem gibt es Verben, die von Natur aus einen Ablativ brauchen, da die ursprüngliche Bedeutung instrumentaler Art ist. Beispiele dafür sind

  • uti (nutzen)
  • frui (genießen)
  • fungi (verrichten, vollenden)
  • potiri (erlangen)

Wenn gemeint ist, dass man etwas zusammen mit einer Person oder Gruppe macht, heißt der Ablativ ablativus comitativus. Er kann (muss aber nicht!) mit der Präposition cum stehen.

  • milites armis instruere (Soldaten mit Waffen ausstatten)
  • (cum) copiis proficisci (zusammen mit den Soldaten aufbrechen)

Ablativus qualitatis – Ablativ der Beschaffenheit

Der Ablativ der Beschaffenheit oder ablativus qualitatis kann auch ablativus modi genannt werden, also Ablativ der Art und Weise. Er gibt nämlich eine Eigenschaft an und kann somit im Satz die Funktion eines lateinischen Attributs einnehmen. Wenn der Ablativ mit esse verwendet wird, kann er auch als Prädikatsnomen fungieren. Du kannst dies vorläufig mit „mit einer Eigenschaft versehen“ übersetzen. Das klingt jedoch meist etwas umständlich und sollte deshalb vereinfacht werden. Daneben gibt es auch den Genitivus qualitatis, der ähnlich verwendet wird. Es scheint zwar, dass der Ablativ häufiger für vorübergehende, der Genitiv häufiger für lange überdauernde Eigenschaften verwendet wird, diese Unterscheidung kann jedoch variieren. Das kommt ganz auf den Stil des Autors an.

  • Cicero, vir summa eloquentia (Cicero, ein Mann von höchster Beredsamkeit)
  • multi philosophi magna virtute fuerunt (Viele Philosophen waren von großer Tugend/ Viele Philosophen waren sehr tugendhaft.)

Ablativus pretii – Ablativ des Preises

Auch bei Preis- und Wertangaben auf Latein wird der Ablativ verwendet. Er gehört zum Ablativus qualitatis, wobei es auch einen Genitiv des Preises (genitivus pretii) gibt. Dieser wird aber nur verwendet, wenn eine relative Wertigkeit angegeben wird. Das heißt, dass die Aussage angibt, etwas sei mehr oder weniger wert als etwas anderes. In Aussagen, die den absoluten Wert einer Sache oder einer Person bestimmen, wird der Ablativ des Preises verwendet.

  • agrum denariis X conducere potes. (Du kannst das Land für 10 Denar mieten.)
  • quantis vitis victoria constat? (Wie viele Leben kostet der Sieg?)

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Ablativus mensurae – Ablativ des Maßes

Dieser Ablativ steht nur bei vergleichenden Ausdrücken, also wenn etwas in Verhältnis zu etwas anderem gesetzt wird. „Um wie viel“ sich diese beiden verglichenen Dinge unterscheiden, steht im Ablativ des Maßes, auch Ablativ des Unterschieds genannt.

  • ego maior quam tu uno cubito sum. (Ich bin um eine Elle größer als du.)

Ablativus respectus oder Ablativus limitationis – Ablativ der Beziehung

Die Verwendung des Ablativs der Beziehung gibt eine Art Geltungsbereich an, in dem sich eine Aussage bewegt. Er steht auf die Frage „in welcher Hinsicht?" und kann mit „in Bezug auf“ übersetzt werden. Es wird also eine Beziehung zu der Aussage oder einem Aspekt der Aussage in dem Satz hergestellt.

  • magister discipulam peritia superat (Der Lehrer übertrifft die Schülerin an Erfahrung.)
  • stomacho aegrotus (krank in Bezug auf den Magen/ magenkrank)

Ablativus causae – Ablativ der Ursache

Wie dir der Name bereits verrät, gibt dieser Ablativ einen Grund bzw. eine Ursache an. Es kann sich sowohl um eine äußere Ursache handeln (Zerstörung durch Regen) als auch um einen inneren Beweggrund (Fleiß wegen Ehrgeiz). Der Ablativ kann hier alleine stehen oder in Kombination mit verschiedenen Präpositionen. Wichtig ist, dass ein kausaler Zusammenhang besteht, also dass der Ablativ der Grund für etwas ist. Folglich wird nach ihm mit „wodurch?" oder „weswegen?" gefragt.

  • beatus amicis (reich/glücklich durch Freunde)
  • timore perterritus (durch Furcht in Schrecken versetzt/ aus Furcht)

Wann und wo? – Ablativus temporis und Ablativus loci

Zeit- (lat. tempus) und Ortsangaben (lat. locus) werden im Lateinischen oft im Ablativ ausgedrückt. Der Ablativus temporis antwortet auf die Frage „Wann?“ und gibt einen Zeitpunkt an:

  • nocte (bei Nacht/nachts)
  • prima luce (beim ersten Licht/ bei Tagesanbruch)

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Ortsangaben werden durch den Ablativ des Ortes (Ablativus loci) ausgedrückt. Er antwortet auf die Frage „Wo?“.

  • multis locis (an vielen Orten)
  • (in) toto orbe terrarum (auf der ganze Welt)

Achtung: Richtungsangaben auf die Frage „Wohin?“ stehen im Akkusativ. Deshalb kann auch die Präposition in mit beiden Fällen stehen: der Akkusativ gibt die Richtung und der Ablativ den Ort an. Besonders aufpassen musst du bei bestimmten Verben, die der Lateiner mit einer Richtung, der Deutsche aber mit einem Ort verbindet, oder andersherum. So steht ponere mit Ablativ, die Übersetzung „legen“ aber mit Akkusativ: in terra ponere (auf die Erde legen). Eine weitere Besonderheit sind die Ausnahmen, die im Lokativ stehen. Sie solltest du wie Vokabeln lernen. Hierzu zählen z. B. manche Städte und Inseln: Romae → in Rom.

Woher und wovon?

Hier zeigen sich die ursprünglichen Funktionen des Ablativs, nach denen er auch benannt ist. Wenn du schon etwas weiter in Latein bist, weißt du vielleicht, dass ab-latus/allatus von ab-ferre/ afferre kommt und wörtlich „wegbringen/-tragen“ heißt. So kommen wir zum Ablativus separativus.

Ablativus separativus – Ablativ der Trennung

Wie der Name schon sagt, wird ein Trennvorgang dargestellt. Dazu braucht man ein Verb oder ein Adjektiv, das eine Trennung ausdrückt (Worte des Beraubens, Befreiens, Entbehrens, Entfernens und Abhaltens). Im Ablativ steht dann die Sache oder die Person, wovon bzw. von der etwas oder jemand getrennt wurde. Der Ablativ kann entweder alleine stehen oder mit einer Präposition wie ab, ex oder de. Bei Verben und Adjektiven des Beraubens, Befreiens und Entbehrens steht in der Regel keine Präposition. Zuletzt muss bei zusammengesetzten Worten mit dis- oder se- am Anfang sowie bei den Spezialfällen adhorrere (zurückschrecken) und abesse (fern sein) die Präposition ab/a verwendet werden.

Beispiele:

  • ego pulchro libro spoliata sum (Ich wurde eines schönen Buchs beraubt.)
  • avus (e) vita excessit (Der Großvater ist aus dem Leben geschieden.)
  • paleam a(!) tritico separare (Die Spreu vom Weizen trennen.)

Ablativus originis – Ablativ der Herkunft und des örtlichen Ausgangspunktes

Diese beiden Formen des Ablativs sind verwandt mit dem separativus. Der Ablativ des örtlichen Ausgangspunktes beinhaltet in gewisser Weise auch eine Trennung. Wenn man sagt „von zu Hause losgehen“ heißt das ja, dass man sich von zu Hause entfernt. Deswegen muss „zu Hause“ in diesem Beispiel im Lateinischen im Ablativ stehen. Dabei verwendet man bei Städtenamen und kleineren Inseln keine Präposition. Bei größeren Inseln und Landschaften/Umgebungen wird häufig a/ab oder e/ex verwendet. Bei den Sonderfällen domo (von dem Haus/aus dem Haus) und rure (vom Land) werden nur dann Präpositionen verwendet, wenn eine Eigenschaft des Hauses oder des Landes hervorgehoben wird, z.B. alt, groß, schön. Es steht ohne Präposition, wenn die Eigenschaft den Besitzer beschreibt: z.B. mein, dein, von der Mutter.

In diesen Zusammenhang gehört auch der Ablativ der Herkunft, mit dem beschrieben wird, wo man geboren bzw. aufgewachsen ist oder wer die Eltern oder Vorfahren sind. In beiden Fällen übersetzt man mit „von/aus“ und erfragt mit „woher?“.

Ablativus comparationis – Ablativ des Vergleichs

Der Ablativus comparationis wird verwendet, wenn ein Vergleich mit einem gesteigerten Adjektiv vorgenommen wird. Dabei steht der Gegenstand des Vergleichs entweder nach quam im Nominativ/Akkusativ oder alleine im Ablativ. Im Grunde stammt diese Funktion auch vom Ausgangspunkt. Hier ist nämlich der Ausgangspunkt des Vergleichs gemeint.

  • minor arbore sum (ich bin kleiner als der Baum / vom Baum her ausgehend bin ich kleiner)

Übersicht

Zum Abschluss noch einmal alle hier genannten Ablative in der Übersicht:

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Jetzt weißt du schon eine Menge über den Ablativ und seine unterschiedlichen Typen. Viel Erfolg beim Üben und vale!