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Ovid – Sprache und Stil 07:55 min

1 Kommentar
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    Müsste es nicht sehr gerechter Minos heißen, da es kein Vergleich gibt. Also Elativ statt Superlativ?

    Von A M Renschler, vor 9 Monaten

Ovid – Sprache und Stil Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Ovid – Sprache und Stil kannst du es wiederholen und üben.

  • Gib wieder, was du über Ovids Sprache und Stil erfahren hast.

    Tipps

    Lies dir erst den gesamten Text durch und beginne dann, ihn zu vervollständigen.

    Lies dir clausit conceptum crimine doch einmal metrisch vor. Durch die rhythmische Betonung wird die Geschichte für den antiken Hörer lebendig.

    Lösung

    Jeder Dichter hat seinen eigenen Schreibstil, seinen color oder Ton, so auch Ovid, der es genießt, mit Sprache zu spielen. Anstatt einfach etwas aufzuschreiben, gibt er einem einfachen Inhalt eine interessante und häufig komplizierte Form. Dies gelingt ihm durch die Nutzung verschiedener Sprach- und Stilmittel.

    Ovid weicht gerne von der üblichen Wortstellung ab und trennt zusammengehörige Satzteile voneinander. Dies wird dann Hyperbaton genannt. Er stellt auch Anordnungen über Kreuz (Chiasmus) sowie parallel zueinander (Parallelismus) her. Auch Wiederholungen (Anadiplosen) verwendet er, um gewissen Worten mehr Ausdruck und Bedeutung zu verleihen.

    Außerdem benutzt er ungewöhnliche Wortbedeutungen, die im Wörterbuch nicht an erster Stelle zu finden sind (typische Formulierungen waren ihm sicherlich zu langweilig), bildhafte Darstellungen wie die Personifikation und witzige Formulierungen, die sich widersprechen (Oxymoron).

    Ovid gestaltet aber nicht nur gerne seine Wortwahl so, dass eine komplizierte Verpackung sondern auch ein musikalisches Erlebnis entsteht. Dafür verwendet er Alliterationen, also aufeinanderfolgende identische Laute. Aber auch diese unterstreichen den Inhalt und stellen Zusammenhänge her.

    Dieser einzigartige Schreibstil oder auch Ton machen ihn zu einem unverwechselbaren Autoren, den man auch erkennen kann, wenn man nicht weiß, dass das Geschriebene von ihm stammt. Die lateinische Sprache sollte man jedoch beherrschen.

  • Definiere folgende Stilmittel.

    Tipps

    Beginne mit den Stilmitteln, die du kennst, und erschließe die Restlichen.

    Hilfreich ist es, zu jedem Stilmittel ein geeignetes Beispiel zu kennen.

    Manus manum lavat beinhaltet eine Alliteration.

    Ein beliebtes Beispiel für ein Oxymoron ist Hallenfreibad. Die beiden sich widersprechenden Begriffe können also auch in einem einzigen Wort zu finden sein.

    Lösung

    Du hast jetzt einige Stilmittel kennengelernt und Beispiele gesehen. Hier werden nun noch einmal die Definitionen genannt.

    Eine Alliteration liegt vor, wenn mindestens zwei aufeinanderfolgende Wörter mit demselben Laut beginnen. Dieses Stilmittel stellt einen Zusammenhang zwischen den entsprechenden Wörtern her und unterstreicht so den Inhalt. Außerdem sorgt dieses klangliche Mittel für ein musikalisches Erlebnis.

    Wird in einem Vers (oder Satz/Abschnitt) dasselbe Wort (mehrfach) wiederholt, spricht man von einer Anadiplose.

    Ein Chiasmus liegt dann vor, wenn in einer Konstruktion Satzglieder über Kreuz angeordnet werden. Ist das genaue Gegenteil der Fall, sind also zwei (oder mehr) Satzteile oder Sätze parallel angeordnet, spricht man übrigens von einem Parallelismus.

    Als Oxymoron bezeichnet man die Kombination aus zwei Wörtern, die sich gegenseitig widersprechen. Meistens ist das ein Substantiv mit einem Adjektiv, wie puer senex (alter Junge). Es kann aber auch ein ganzer Satz sein, wie in Ovids Metamorphosen III, 466: inopem me copia fecit. Der Überfluss hat mich arm gemacht.

    Von einem Hyperbaton spricht man, wenn zwei zusammengehörige Wörter im Satz voneinander getrennt stehen. Ein Beispiel ist Accipiat cineres terra paterna meos. Mein Heimtland soll meine Asche empfangen. Hier sind cineres und meos voneinander getrennt. Dieses Stilmittel wird häufig eingesetzt, um den Inhalt auch formal zu veranschaulichen. In diesem Fall ist inhaltlich die Asche von der Heimat getrennt und formal ist nicht einmal „meine Asche“ zusammen.

    Und als letztes: Eine Personifikation ist ein bildhaftes Stilmittel, bei dem eine Sache (auch ein Tier oder eine Pflanze) mit Attributen oder Verben kombiniert wird, die Menschen vorbehalten sind. Eine Beispiel ist: Sol ridet. Die Sonne lacht.

  • Zeige, welche Silben betont werden.

    Tipps

    Das Metrum in diesen Versen ist das elegische Distichon. Zu Erinnerung:

    $-\cup\cup$ , $-\cup\cup$ , $-\cup\cup$ , $-\cup\cup$ , $-\cup\cup$ , $-$ x

    $-\cup\cup$ , $-\cup\cup$ , $-$ || $-\cup\cup$ , $-\cup\cup$ , x

    Die ersten vier Versfüße des Hexameters und die beiden Versfüße des Pentameters können auch durch einen Spondeus $- -$ ersetzt werden.

    Lösung

    Ovids Ars Amatoria ist – obwohl sie ein Lehrgedicht ist, das normalerweise im Hexameter verfasst wurde – aus lauter elegischen Distichen geschrieben. Zur Erinnerung: Ein elegisches Distichon ist ein Zweizeiler, der aus einem Hexameter und einem Pentameter besteht. Das metrische Schema sieht folgendermaßen aus:

    $-\cup\cup$ , $-\cup\cup$ , $-\cup\cup$ , $-\cup\cup$ , $-\cup\cup$ , $-$ x

    $-\cup\cup$ , $-\cup\cup$ , $-$ || $-\cup\cup$ , $-\cup\cup$ , x

    Die ersten vier Versfüße des Hexameters und die beiden Versfüße des Pentameters können auch durch einen Spondeus $- -$ ersetzt werden.

    Die Betonung im Hexameter liegt jeweils auf der (ersten) Länge jedes Versfußes, die im Pentameter zusätzlich auf dem letzten (halben) Versfuß. Übrigens: Eine solche Betonung nennt man Iktus.

    Es ergeben sich folgende Betonungen, die durch das Zeichen ´ über dem Text markiert sind:

    Dáedalus út clausít concéptum crímine mátris

    Sémibovémque virúm sémivirúmque bovém,

    „Sít modus éxilió,“ dixít, „iustíssime Mínos

    Áccipiát cinerés térra patérna meós.“

  • Benenne die Stilmittel, die in den lateinischen Wendungen enthalten sind.

    Tipps

    Ordne erst die Paare zu, bei denen du dir sicher bist. Mit der kleineren Auswahl findest du bestimmt auch die restlichen Paare.

    Das Stilmittel Chiasmus leitet sich von dem griechischen Buchstaben Chi ab. Wenn du ihn dir genauer anschaust, wirst du auch wissen, warum.

    Lösung

    iustissime Minos ist ein Oxymoron, also ein Widerspruch in sich. Minos war dafür bekannt, dass er sehr ungerecht ist.

    semibovemque virum / semivirumque bovem ist eine sich überkreuzende Konstruktion. Man spricht daher von einem Chiasmus.

    In clausit conceptum crimine werden mehrere C-Laute aneinander gereiht. Dieses Stilmittel nennt man eine Alliteration.

    Im Vers Accipiat cineres terra paterna meos ist sowohl terra paterna als auch cineres [...] meos KNG-kongruent. Diese Sperrung wird Hyperbaton genannt.

    Accipiat [...] terra paterna bedeutet: das Heimatland soll nehmen. Hier wird eine Sache wie eine Person behandelt. Ein Heimatland kann schließlich nicht etwas nehmen, jeder weiß jedoch, was gemeint ist. Dieses bildliche Stilmittel ist die Personifikation.

    Kein Beispiel liegt vor für das Stilmittel Parallelismus, der das Gegenteil zum Chiasmus darstellt. Hier ist die Konstruktion parallel.

  • Arbeite eine vollständige Übersetzung heraus.

    Tipps

    Vokabelhilfen:

    • modus, modi m - hier: absehbares Ende
    • cinis,cineris m/f - Asche
    • terra paterna - Heimatland
    • conceptus,a,um - hier: geboren
    • crimen,criminis n - Verbrechen

    Überlege dir, welches das Subjekt des jeweiligen Satzes ist.

    Lösung

    Um die Übersetzung vervollständigen zu können, kannst du zunächst feststellen, welche Teile bereits übersetzt sind und welche du dir genauer anschauen musst.

    Als erstes galt es, conceptum crimine matris zu übersetzen: conceptum (hier: geboren) ist ein Partizip Perfekt Passiv und kann hier wörtlich oder mit einem Nebensatz übersetzt werden. matris ist ein Genitiv und bezieht sich auf crimine: durch den Fehltritt der Mutter.

    Dann blieb Sit modus exilio: sit ist der Konjunktiv Präsens von esse und wird mit soll umschrieben. modus war angegeben und sollte hier mit absehbares Ende übersetzt werden. exilio ist ein Dativ. Es ergibt sich wörtlich: ein absehbares Ende soll der Verbannung sein. Wir übersetzen freier: Mein Exil soll ein absehbares Ende haben.

    Die kleine Lücke war für die Übersetzung von dixit. Dieses Prädikat ist eine Perfektform von dicere (sagen, sprechen): er sagte.

    Es fehlt nur noch der letzte Satz: Accipiat cineres terra paterna meos. Die meisten Vokabeln waren angegeben, accipiat kommt von accipere (nehmen) und ist ein Konjunktiv, wird also wieder mit sollen umschrieben. Es ergibt sich: Mein Heimatland soll meine Asche empfangen.

    Eine mögliche Übersetzung für den ganzen Abschnitt könnte somit lauten: Als Daedalus den Mensch, halb Stier, halb Mann, der wegen des Verbrechens der Mutter geboren worden war, eingeschlossen hat, sprach er: „Mein Exil soll ein absehbares Ende haben, gerechtester Minos. Mein Heimatland soll meine Asche empfangen.“

  • Untersuche die folgenden Zitate auf Stilmittel.

    Tipps

    In jedem Satz ist ein Stilmittel vertreten, das du markieren sollst. Die Markierungen bestehen dabei aus unterschiedlich vielen Wörtern!

    In mindestens einem Fall ist es hilfreich, den Vers metrisch zu lesen.

    Beachte auftretende Elisionen.

    Lösung

    Das erste Zitat stammt aus den Metamorphosen: Illic habitant Pallorque Tremorque et ieiuna Fames. (Dort wohnen die Angst, das Zittern und der nüchterne Hunger.) Hier agieren Dinge wie Menschen, denn weder Angst, noch Zittern noch Hunger können wohnen. Es liegt also eine Personifikation vor. Diese sind typisch für Ovid, da dieser gerne möglichst bildhaft formuliert.

    Auch das zweite Zitat ist in den Verwandlungsgeschichten zu finden. Et fauces arent vixque est via vocis in illis. (Und die Kehle ist trocken und kaum ist ein Weg der Stimme in ihr.) beschreibt, wie durstig die Göttin Latona ist. Dieses „musikalische Erlebnis“ kommt gehört noch besser zur Geltung als gelesen, wenn das angehängte -que mit dem est verschliffen wird und letzteres somit nicht mehr als eigenes Wort den Fluss unterbricht.

    Dicite „io Paean“ et „io“ bis dicite „Paean“ (Sagt „Hurra Päan“ und zweimal „Hurra Päan“.) stammt aus der Ars Amatoria und ist ein schönes Beispiel für eine Formulierung, die den Inhalt auch formal ausdrückt. Ovid sagt nicht nur, dass dieser Ausruf zweimal gesagt werden soll, sondern tut es gleichzeitig auch selbst. Das Stilmittel, das du finden kannst, ist die Anadiplose.

    Das letzte Zitat stammt wieder aus den Metamorphosen: Quamvis sint sub aqua, sub aqua maledicere temptant. (Obwohl sie unter Wasser sind, versuchen sie, unter Wasser zu lästern.) und auch dieses enthält eine Anadiplose, nämlich sub aqua. Diese Stelle ist übrigens auch ein tolles Beispiel, wie Ovid ein „musikalisches Erlebnis“ gelingt. Hör mal genau hin – hörst du die Frösche quaken?