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Fairer Handel – Es war einmal unsere Erde (Folge 7) 24:43 min

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Transkript Fairer Handel – Es war einmal unsere Erde (Folge 7)

Noch eine Woche bis zu den Ferien. Gott sei Dank! Vor lauter Unterricht, den Hausaufgaben und der Zeitung, weiß ich nämlich wirklich nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Mir geht es ganz genauso. Oh, hast du dieses hübschen Ponchos gesehen? Die sind wirklich originell. Du sagst es, sie sind sehr schön. Sollen wir sie uns mal ansehen, was meinst du? Von mir aus, gern! Die waren großartig! Oh, was ist das für ein Etikett? Das ist das Zeichen für einen fairen Handel. Der faire Handel? Klar, Maestro hat uns ja schon davon erzählt, aber nur sehr allgemein. Das bedeutet, dass man bei der Herstellung dieser Kleider nicht nur großen Wert auf den Umweltschutz legt, sondern dass man auch auf die Rechte und Würde der vielen Arbeitskräfte achtet. Dieses Label garantiert, dass die Erzeuger einen höheren Mindestpreis erhalten als auf dem Weltmarkt üblich ist. Seht mal, diesen herrlichen Schmuck hier fertigen die Frauen in Benin an. Es ist eine lange und minuziöse Arbeit. Und nur ein Prozent der gelungensten Produkte werden zum Verkauf angeboten. Mit ihrem verdienten Geld können die fleißigen Frauen ihre alten Tonkrüge ersetzen durch Schüsseln aus Emaille oder Aluminium. Die sind viel leichter. Dadurch ist das Wasserschleppen und das Kochen der Mahlzeiten nicht mehr so schwer. Und dank ihrer Aktivitäten haben sie wirklich sehr viel zur Entwicklung ihres Landes beigetragen. Sie helfen, den Straßenbau zu finanzieren, oder dass Brücken repariert werden, oder dass Kinder lesen lernen. Eine Frau, die so einen Beitrag leistet, wird respektiert. Und sie gewinnt außerdem an Selbstständigkeit und Freiheit. Ah, das könnte doch ein ganz ausgezeichneter Artikel für unsere Zeitung sein. Eure Zeitung? Ja! Es ist eine Zeitung über die nachhaltige Entwicklung. Das ist eine tolle Idee! Wären Sie wohl so nett und geben uns ein Interview? Ja, aber natürlich. Sehr gerne, wann immer ihr wollt. Laut der Verkäuferin haben sich in ganz Benin die Lebensbedingungen dieser Frauen wirklich schon um ein Vielfaches verbessert. Wir müssen darüber schnell einen Artikel schreiben. Ah ja, der faire Handel, den hatten wir schon mal. Der ist eine sehr gute Idee. Ich erwähnte ihn ja bereits, aber wir müssen uns noch mit ihm beschäftigen. Wisst ihr, er beschränkt sich ja nicht allein auf den Handel. Pah! Ja? Ich habe letzte Woche im Fernsehen eine Sendung über euer Handels-Dingsbums gesehen. Das ist einfach eine Modeerscheinung. Ja, so ist es. Wir können ja über ihn reden, doch der hält sich nicht lang. Ach so, könnt ihr beide jetzt etwa aus einer Kristallkugel lesen? Wieso? Wir müssen doch nicht immer einverstanden sein. Keiner von uns kann sagen, was die Zukunft bringt, hört ihr? Wir sollten das Beste aus ihr machen, nicht mehr und nicht weniger. Die begehrten Produkte sind sehr teuer und die weniger begehrten nicht ganz so teuer. Das ist doch logisch, oder? Oh, so einfach ist das nicht. Man muss auch über den Verdienst nachdenken, den die Arbeiter erhalten, und über die Gewinne der Verkäufer. Das Problem unseres Systems ist, dass die Ungleichheiten immer größer werden. Versteht ihr? 1820 war das Verhältnis zwischen den reichen und den armen Ländern drei zu eins. 1960 lag es bei dreizig zu eins. Und 40 Jahre später schon bei fünfundsiebzig zu eins. He, Sie da oben, passen sie doch auf! Stellt euch das vor! Und es geht immer weiter. "Laissez aller - laissez faire", zur Zeit von Adam Smith klang das sehr schön. Aber wenn der Wirtschaftsmotor so ganz ohne Aufsicht läuft, besteht die ernste Gefahr, dass er durchdreht. Natürlich kennt man diese Gefahr schon sehr lange, also bemüht man sich redlich, die Kontrolle zu behalten. So gründete man zum Beispiel das Hilfsnetzwerk "Nord-Süd". Das war kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Und Ende der Sechzigerjahre kamen dann noch weitere Bewegungen hinzu. Und wie lange gibt es schon diesen fairen Handel? Seit etwa 1940. Wichtig ist auch das Max-Havelaar-Label von 1988. Max Havelaar? Das ist ja ein komischer Name. Zwei Holländer haben es sich einfallen lassen, Nico Roozen und Franc Van der Hoff, ein Missionar, der in Mexiko lebte. Viele sind seitdem ihrer Idee gefolgt. Und wie funktioniert das mit dem Handel heute? Ja, genau jetzt ist die Zeit, dass wir uns in der Realität mal umsehen. Dann sollten wir sofort losfahren. Großartig! Gut, einverstanden. Jetzt seid ihr dran. Los, meine Freunde, einsteigen, einsteigen! Wo fliegen wir diesmal hin? Das wirst du schon sehen. Es ist eine Überraschung. Oh nein, ich mag aber gar keine Überraschungen. Jaja, schon gut, du magst ja sowieso nichts. Beeilt euch, es geht gleich los! Herzlich willkommen! Ihr seid hier in der Region von Las Yungas in Bolivien. Wie gefällt euch das Panorama? Also der Himalaya mag ja das Dach der Welt sein, aber dann ist das hier das Dach der neuen Welt. Das ist wirklich sehr komisch. Und was machen wir jetzt hier, außer uns diese vielen Berge anzusehen? Wir besuchen Kaffeebauern. Das Sonnenlicht und die Resultate des Pluviometers sind ideal für den Kaffeeanbau. Pluvio-, was? Das ist ein Niederschlagsmesser.B10. Ach so, aber es regnet doch gar nicht? Haha, sehr witzig. Oh ja, gleich muss ich lachen. Ah, schon gut, macht doch nicht so ein Gesicht. Ich kümmere mich schon um euch. Hier, bitte sehr. Oioi, das kitzelt aber. Kommt, ich zeige euch den Weg. Wie schade, dass wir uns nicht das Regierungsviertel ansehen können. Es liegt in La Paz und diese Stadt liegt bis zu 4000 Meter hoch. Es geht überall bergauf und bergab, also gehen die Menschen hinauf und hinunter, hinauf und hinunter. Das ist lustig. Und der Titicacasee ist ganz in der Nähe. Der ist riesig! Und ist sehr schön. Allerdings sind wir nicht als Touristen hergekommen. Wir wollen doch den Kaffeebauern helfen. Also dann, gehen wir! Peng, du bist tot! Nein, du bist tot. Ach, diese Beiden sind wirklich absolut unmöglich. Meint ihr, wir könnten jetzt mal fünf Minuten Ruhe haben? Seid leise, das wird interessant. Guten Tag, Señor Valdez. Guten Tag, Diego. Kennst du meinen neuen Wagen? GPS, Airbag, Klimaanlage und er hat einen Fahrspurassistenten. Stereoanlage mit acht Lautsprechern, ein Schmuckstück. Das ist ein sehr schöner Wagen, Señor. Was macht unsere Ernte? Sie sieht sehr gut aus, Señor. Weißt du, das Problem ist, dass die Ernten in diesem Jahr ganz woanders auch hervorragend waren. In Brasilien, Indonesien und Vietnam, es gibt also zu viel und die Preise fallen, 30 Prozent an der Börse von New York. Aber, ich kann doch nichts dafür. Wir müssen uns dem Marktpreis anpassen, mein Freund. Das ist unmöglich. Wenn ich meine Ernte 30 Prozent billiger verkaufe, dann bleibt mir nichts zum Leben übrig, verstehen Sie? Das ist doch nicht mein Problem, Amigo, du hast ein paar Tage zum Nachdenken. Alles klar? Ja, ich weiß, ich habe keine Wahl. So ein fieser Typ! Ja. Hey, wer seid ihr eigentlich? Wir sind Freunde und wir wollen Ihnen helfen. Wir können euch nur sehr wenig anbieten, aber das kommt von ganzem Herzen. Na kommt, lasst uns zusammen was essen. Was ist das denn? Pimientos. Ach, wirklich? Ah! Was soll ich tun? Nun, es gibt-. Ich kann doch gegen diese Kojoten nicht kämpfen. Es gibt ganz sicher eine Lösung. Ich nehme an, Sie sind nicht der einzige Kaffeebauer in dieser Region? Nein, natürlich nicht. Da gibt es noch Manuel, Roberto, Gregorio und ein paar andere. Gemeinsam ist man stark. Warum schließen Sie sich nicht zusammen? Haben Sie noch nichts von der Kooperative Cocla gehört? Sie kauft zu einem guten Preis. Sie müssen sich wehren. Sie brauchen doch gar keine Zwischenhändler. Wir können aber nicht auf sie verzichten. Ich habe keine Maschine, um den Kaffee zu ernten und auch keinen Wagen, um die Ernte in die Stadt zu bringen. Machen Sie sich keine Sorgen. Wir haben eine Lösung für Ihre Probleme. Sie können sich Geld leihen. Es ist sehr spät. Morgen haben wir genug Zeit, über alles zu sprechen. Oh, das war keine Absicht. Also, dieser Mikrokredit, was genau ist das eigentlich? Es ist eine geniale Erfindung. Sie stammt von Muhammad Yunus, einem bemerkenswerten Mann. Meine Freunde lernten ihn kennen. Richtig, von Indien aus fuhren wir nach Bangladesch. Es ist ein armes Land. Entweder kämpft es gegen die Überschwemmungen nach dem Monsun oder es leidet unter der Dürre und zu wenig Wasser. Ja, das kommt von der Entwaldung. Alle Wälder des Himalayas, wo ihre Flüsse herkamen, wurden abgeholzt. Dann begegnete uns Muhammad Yunus und er erzählte uns: Als ich in mein Land zurückkam, da war das alltägliche Elend einfach unerträglich. Und ich fragt mich, was kann man ändern? Was soll ich denn tun? Die Banken wollen mir kein Geld leihen. Also leihe ich mir 1,50 Taka vom Wucherer aus, um morgens meine Waren kaufen zu können. Mein Verdienst liegt bei zwei Taka am Tag. Abends muss ich aber pünktlich wieder 1,80 Taka zurückzahlen. Wie soll ich denn von dem Rest leben? Pass auf, ich mache dir einen Vorschlag. Ich leihe dir jetzt Geld. Anstatt mir 1,80 zurückzuzahlen, wirst du mir nur 1,50 zurückgeben. Einverstanden? Und, hat das auch funktioniert? Oh, ja. Doch das war nur der Anfang. Zunächst versuchte Muhammad Yunus, die Banken von seiner Idee zu überzeugen. Vergeblich. Also gründete er sein eigenes Institut, die Grameen Bank, ein unglaublicher Erfolg. Sie unterstützt heute jeden vierten Job in Bangladesch. Vorbei sind die Zeiten, in denen es hieß, "Wer hat, dem wird gegeben". Und die Armen können alles zurückzahlen? Ja, zu 98 Prozent. Die Kreditnehmer schließen sich in Vierer- oder Fünfergruppen zusammen. Jeder bürgt für jeden, um auf diese Weise für eventuelle finanzielle Engpässe gewappnet zu sein. Genau das müssen Sie tun. Gehen Sie zu den Bauern, von denen Sie gestern erzählt haben, und schließen Sie sich zusammen. Aber wer wird uns denn schon Geld leihen? Kennt ihr vielleicht einen Mohammad Yunus hier in der Region? So eine Organisation wie die Grameen Bank gibt es hier ganz sicher auch. Die werden wir schon finden. Schließen Sie sich nur zusammen und es wird funktionieren. Ihr habt recht, wir werden es versuchen. Was ist das da hinten? Das sind leere Fässer. Da war mal Düngemittel drin. Jetzt müssen Sie aufpassen. Wenn Sie beim fairen Handel mitmachen wollen, gilt es, im Umweltbereich, sehr strenge Auflagen zu beachten. Sie dürfen nur natürliche Dünger verwenden. Das ist ganz wichtig. Ich habe verstanden, danke. Wir werden uns daran halten. Was sind das da für Leute? Das sind Freunde. Freunde. Wegen unserer Angelegenheit, hast du nachgedacht, hä? Ja, natürlich. Und meine Antwort lautet nein. Wir werden auf Ihre Dienste verzichten, Señor. Sehr gut! Wie, bitte? Und wie wollt ihr eure schweren Säcke in die Stadt transportieren? Mit unserem Lieferwagen, Señor. Er hat zwar keine Klimaanlage oder GPS, aber das stört uns nicht. Aber woher habt ihr das Geld für diesen großen Wagen da? Ah, BancoSol hat uns einen wirklich guten und vernünftigen Kredit gewährt. Ach, so ist das, ich verstehe. Ihr wollt also plötzlich die Spielregeln ändern. Ich bin gespannt, was Ramirez und seine Kumpel davon halten. Wer ist dieser Ramirez? Ein Taugenichts, der Boss einer Ganovengang. Er und seine Männer machen nur krumme Geschäfte. Sie erpressen sogar Lösegeld von den Touristen. Oh, ach ja, ich verstehe. Ich verstehe, so ist das also. Santa Maria, was machen wir denn jetzt, wenn diese Kerle wiederkommen? Richtig, was können wir gegen diese Banditen tun? Keine Sorge, Freunde. Kommt her, wir lassen uns etwas einfallen. Hört zu, ich schlage Folgendes vor: Ich denke, dass wir gute Chancen haben,-. Also, sind wir uns einig? Wir haben uns einen Drei-Punkte-Plan überlegt. Was die sich alles ausdenken. Ja, stimmt, was die sich alles ausdenken. Ein Haufen Kinder, ist das alles? Mit denen sind wir im Nu fertig. Warten wir noch ein bisschen und dann Aktion Nummer eins, leg los. Sehr gut! Wir haben für die Fässer die allerbeste Verwendung gefunden. Ah, sie wollen spielen. Gut, dann werden wir spielen. Kommt! Und jetzt Aktion Nummer zwei! Und mir gibt man nichts zu tun? Und mir, ich bin auch noch da! Was ist los mit euch? Diesmal werden wir andere Saiten aufziehen! Sie sind bewaffnet! Wir können nicht länger warten. Ah, hoffentlich geht das auch gut. Und, seid ihr bereit? Ja! Und jetzt Aktion Nummer drei. Und los geht es! Vorsicht, Leute, passt auf! Polizei! Hände hoch! Mitkommen! Ich glaube, diese Kerle werden Sie ab heute nicht mehr belästigen. Vielen Dank! Vielen Dank für alles, was ihr getan habt. Das war doch selbstverständlich. Das ist nämlich unsere Aufgabe. Nun, ich gratuliere euch zu eurem großen Erfolg. Fassen wir noch mal zusammen: Fairer Handel ist, wenn-. -wir den Handwerkern, Herstellern und Bauern aller benachteiligten Länder helfen, indem wir ihre Waren kaufen. Und wenn man sich an seriöse Händler wendet, die sie respektieren und auch helfen. Man muss den Benachteiligten eine Chance geben. Verringern. Ja, abschaffen sollte man diese Zwischenhändler. Und die Qualität garantieren. Aber denkt dran, am Ende der Kette seid ihr, bin ich, sind wir, die Verbraucher. An uns liegt es, dafür zu sorgen, dass sich der faire Handel für immer etabliert. Die Produkte in unseren Supermärkten, sie sollten deutlich gekennzeichnet sein. Da hast du recht. Alle Geschäfte täten gut daran, eine bessere Übersicht der Waren zu bieten, statt alles Durcheinander zu mischen, wie es ja üblich ist. Das soll aber keine Ausrede dafür sein, dass man seine Kaufgewohnheiten nicht ändern. Sprecht doch mal mit euren Eltern. Schreibt an die Gemeinden und an die Großmärkte. Und beschränkt euch nicht nur auf den Kaffee, sondern erweitert euren Einkauf auf alle Produkte, die das Siegel "Fairer Handel" tragen. Ja. Sehr gut! Es reicht nicht, in Gedanken solidarisch zu sein und beim Einkaufen wieder in die alten Gewohnheiten zu verfallen. Ein Käufer braucht nur einige Sekunden und schon hat er seinen Kaffee, während ein Bauer manchmal Jahre braucht, um seine ersten Bohnen zu ernten. Wir dürfen aber auch nicht unsere eigenen Bauern vergessen, die, obwohl sie Staatssubventionen erhalten, gerade so über die Runden kommen. Ja, das ist alles nicht so einfach. Wir müssen alle zusammen versuchen, diese großen Probleme zu lösen.