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Kaffee - Handel und Globalisierung 04:47 min

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Transkript Kaffee - Handel und Globalisierung

Kaffee ist nach Erdöl das wichtigste Handels- und Exportgut überhaupt. Und Deutschland ist nach den USA und Brasilien der wichtigste Kaffeemarkt. Alleine im Jahr 2006 setzte die deutsche Kaffeewirtschaft mehr als 4 Milliarden Euro um. Mehr als eine halbe Millionen Tonnen Rohkaffee werden in Deutschland jährlich weiterverarbeitet. Der Hamburger Hafen ist nicht nur in Deutschland, sondern weltweit der wichtigste Umschlagplatz für Rohkaffee. Die wirtschaftliche Bedeutung des Kaffees ist enorm hoch, alleine der Staat verdient an dem Geschäft mit den braunen Bohnen jährlich etwa eine Milliarde Euro mit. Kaffee wird heute in mehr als 80 Ländern der Welt angebaut, davon produzieren etwa 50 Länder Kaffee in wirtschaftlich bedeutender Größenordnung. Die produzierte Menge Rohkaffee wird auch heute noch in Säcke à 60 Kilogramm angegeben. Die mit Abstand größten Produzenten von Rohkaffee sind Brasilien mit jährlich mehr als 35 Millionen Säcken, Vietnam mit mehr als 12 Millionen Säcken und Kolumbien mit mehr als 11 Millionen Säcken. Diese drei Kaffee Giganten teilen sich zwischen 50 und 60 Prozent der gesamten Weltproduktion. Nur noch Papua-Neuguinea mit 6, Indonesien mit fast 5 und Äthiopien mit 4,5 Millionen Säcken Jahresproduktion können da noch ansatzweise mithalten. Gegen Ende der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts rutschte der Preis für Kaffee immer tiefer in den Keller. Gründe für Preisverfall in den 90ern war ein Überangebot von Kaffee auf den Weltmärkten bedingt dadurch, dass neue Länder, die ursprünglich überhaupt nichts mit Kaffeeanbau zu tun hatten, in den Markt eingetreten sind. Beispiel Vietnam vor 15 Jahren nicht im Kaffeeanbau gewesen, heutzutage weltweit zweitgrößter Kaffeeproduzent nach Brasilien. Diese Entwicklung führte geradewegs in die Kaffeekrise 2001. Im Durchschnitt mussten in diesem Jahr für 500 Gramm Kaffee nur 3,28€ bezahlt werden. Mit verheerenden Folgen vor allem für die Kaffeebauern. Überangebot hat zu einem Preisverfall geführt. Preisverfall hat dafür gesorgt, dass die Bauern immer schlechtere Qualität angebaut haben. Schlechtere Qualität ließ sich schlechter verkaufen an die Rösters. Die haben weniger gezahlt und so geriet man in eine Abwärtsspirale. Entsprechend ist der Kaffeepreis deutlich gefallen. Mittlerweile hat sich der Kaffeepreis durch gestiegene Nachfrage und gesunkene Überproduktion wieder stabilisiert. Heute setzt sich der Kaffeepreis etwa so zusammen: Fast 45 Prozent fallen für Steuern, Zölle und Frachtkosten an. Etwa 24 Prozent bleiben beim Einzelhandel. Händler und Röster behalten knapp 18 Prozent für sich. Mehr als 8 Prozent bleiben für die Plantagenbesitzer. Und am Ende der Kette stehen die Arbeiter. Für sie bleiben gerade einmal 5 Prozent dessen, was wir für Kaffee bezahlen, übrig. Weil im Anbauland selbst oft der geringste Anteil des Kaffeepreises hängenbleibt, bemühen sich immer häufiger sogenannte nicht staatliche Organisationen um einen fairen Handel. Sowie Oxfam Deutschland. Die Organisation unterstützt Projekte in Anbauländern, damit die Bauern dort mehr Geld für ihren Kaffee bekommen. Geschäftsführer Paul Bendix erklärt wie das funktionieren kann: Also wir sind eine weltweite Organisation, die selber keinen Handel betreibt. Wir schließen mit Firmen Verträge ab, die sich sehr klar an Spielregeln halten müssen. Zu den Spielregeln gehört ein Mindestpreis, ein Transferaufschlag und natürlich die Einhaltung der Kontrolle. Das heißt vom Produzent, in dem Falle beim Kaffee, bis hin zum Röster werden alle Akteure überprüft, ob sie sich an die Fairtrade-Kriterien halten. Und das macht Transfer, also wir betreiben keinen Handel, sondern legen Spielregeln fest und kontrollieren. Also auf ein Pfund Kaffee umgerechnet, bekommen die Bauern, die sich in Genossenschaften organisiert haben, in der Regel 1,50€ und das bekommen sie über den Weltmarkt nicht. Und damit können sie rechnen und entsprechend ihre Projekte vorantreiben, sich auf dem Weltmarkt eigenständig bewegen. Der englische Fachausdruck heißt Empowerment, also sprich Bauern vor Ort stärken, damit sie aktiv und eigenständig am Weltmarkt teilnehmen können. Fair gehandelter Kaffee macht zu Beginn des 21. Jahrhunderts allerdings gerade mal ein Prozent des gesamten in Deutschland verkauften Kaffees aus.