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Industrielle und biologische Landwirtschaft – Es war einmal unsere Erde (Folge 15) 24:35 min

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Transkript Industrielle und biologische Landwirtschaft – Es war einmal unsere Erde (Folge 15)

Was sagt ihr zu dem Schlitten? So ein Auto ist schon was ganz Besonderes. Mein Neffe, es war eine gute Idee, mich zu besuchen. Für euren Bericht über die Landwirtschaft seid ihr hier genau richtig und jetzt kommt mit. Das ist der Tanklaster für die Kuhmilch. Die zwei anderen Laster fahren den Dünger und die Pestizide und den Mais raus. Meine Lagerhalle mit Düngemittel, Viehfutter und Pestiziden. Und hier steht meine schwere Artillerie, die Traktoren: der Feldhäcksler, die Sämaschine, das hier ist der Mähdrescher, die Entlaubungsmaschine und der Düngestreuer für das Feld. Aber wo sind denn die Tiere? Gibt es keinen Hühnerstall? Dachtest du etwa, hier gibt es Hühner und Enten? Mein Onkel ist kein Bauer, sondern ein höchst fortschrittlicher Landwirt. Von hier aus kann ich alles steuern, meine Einkäufe erfassen, sowie die Ankäufe von Dünger und Pestiziden, das Melken regulieren, die Preise für Fleisch und Getreide ansehen, die Produktion angleichen und ich steuere die Wasseranlage für den Mais. Und ich dachte, die Kühe grasen auf der Weide. Ich brauche doch keine Weiden. Meine Kühe sind modern, die fressen nur bestes Kraftfutter. Früher gab eine Kuh, die mit Gras gefüttert wurde, 6 Liter Milch am Tag. Meine Kühe geben 28, die besten bis zu 35 Liter. Das macht bei 100 Kühen, die im Jahr neun Monate Milch geben, fast 1 Million Liter. Ich stelle das Futter für jedes Tier so ein, dass ich den allerbesten Ertrag erziele. Nummer 72 liefert nicht ihre Menge Milch? Dann bekommt sie eben Vitamine. Die Kühe hier trinken Mineralwasser?Angestellter: Das Wasser in der Gegend ist nicht trinkbar wegen der Dünger und Pestizide im Boden. Ihr solltet es auch nicht trinken. Wahnsinn, Mineralwasser. Ich glaube, ich werde in Zukunft auch auf Milch verzichten. Diese Kühe leben in einem Betongefängnis. Sie wissen gar nicht, was eine satte, grüne Wiese ist. Ach, das sind doch nur Kühe. Seht euch Nummer 80 an, wie ihr die Vitamine schmecken, die ich ihr gegeben habe. Pass bloß auf, sie könnte zu einer Fleischfresserin werden. Na, was sagt ihr jetzt? Werden sie nicht von der Mutter gesäugt? Nein sie bekommen Milchpulver und Stärkungsmittel. Sie erfreuen sich bester Gesundheit. Du kannst gerne unseren Tierarzt fragen.Tierarzt: Mit diesen Antibiotika wird sie morgen wieder absolut fit sein. Und die ganzen Medikamente befinden sich dann in dem Fleisch, das wir jeden Tag essen. Für den Maisanbau braucht man 600 Liter Wasser pro Quadratmeter und für 1 ha genauso viel wie für eine Stadt mit 12000 Einwohnern. Die Landwirtschaft verbraucht weltweit mehr als 70 % der Trinkwasserressourcen, obwohl Millionen Menschen keinen Zugang dazu haben. Ich muss meine Kühe füttern. Die Hälfte vom Mais geht an sie. Während 800 Millionen Menschen unterernährt sind? Aber das weiß ich doch auch, ja ehrlich. Alles was ich im Überschuss produziere, schicke ich nach Afrika. Wir sollten den Menschen dort keine Überschussprodukte mehr verkaufen, wir sollten ihnen helfen, ihre Böden zu bewirtschaften. Hier werde ich den Anbau durch Düngemittel verdoppeln. Und die Vögel vergiften und auch die Bienen, die alles bestäuben? Wollen Sie die ganze Nahrung zerstören und allen schaden, die von der Natur leben? Auch die Gewässer und die Flüsse? Sie geben ja schon ihren Tieren Mineralwasser zu trinken. Was ist mit den Menschen? Naja. Hier war mal viel Leben, selbst die Schule ist geschlossen. So weit ist es gekommen. Darf ich euch vorstellen: Mein Freund Anselm. Willkommen auf meinem Hof, fühlt euch wie zuhause. Dieser Ziege scheint es ja sehr gut zu gehen, nicht wahr? Da kriegt ein Ferkel nichts zu trinken. Mach dir keine Sorgen, die Sau hat 14 Zitzen, das reicht für alle. Was ist denn eigentlich aus den vielen kleinen Höfen von einst geworden? Alles begann vor einigen Jahren, als ich gerade den Hof von meinem Vater bekam. Ein Typ aus der Stadt kam zu mir. Er sagte, dass mein Hof zu klein sei und dass ich eine moderne Anlage bräuchte, um die Versorgung der Menschen zu sichern. Er bot mir Geld, um den Hof zu vergrößern, aber ich wollte kein industrieller Landwirt sein. Viele verkauften jedoch ihre Höfe und zogen in die Stadt. Noch heute verschwinden jedes Jahr 35000 Höfe in Frankreich. Für die großen Maschinen wurden die Hecken vernichtet. Autobahnen wurden gebaut und auf vielen Feldern entstanden Einkaufszentren. Die Großunternehmer haben immer mehr aufgekauft und die Felder vergrößert. Sie gaben viele Feldfrüchte auf und konzentrierten sich auf Mais und Weizen, weil die am meisten Geld einbringen. Aber ich bin immer noch da und es geht mir gut. Ist es nicht wahnsinnig schwer als kleiner Hof mitzuhalten? Ich komme klar, genauso wie die Großen auch, denn ich betreibe die nachhaltige Landwirtschaft. Kommt mit, gleich versteht ihr wieso. Was ist das Allerwichtigste für einen Landwirt? Die Erde natürlich, sehr gute Erde. Ja, bei mir werdet ihr nicht viel Mais finden, aber Gras und Luzerne und Klee, meine Zauberpflanze. Verleiht sie denn magische Kräfte? Dem Boden ja, diese Hülsenfrüchte reichern ihn mehr an als Düngemittel. Ja, sie regenerieren und stärken ihn, das ist grüner Dünger. Ihre Kühe mögen den Klee. Der ist sehr gut für ihre Gesundheit. Ich spare den Tierarzt und außerdem sind Medikamente sehr schlecht für unsere gute Milch. Und als natürlichen Dünger haben wir auch noch ihre Exkremente. Ein Bündel Luzerne ist viel besser als Dünger und künstliches Futter. Auf diese Weise ist Landwirtschaft nachhaltig und gar nicht teuer. Ihre 20 Kühe sind doch sicher teurer als 100 Kühe, die nur von Mais leben. Ganz im Gegenteil, ich kaufe weder Dünger noch Futtermittel und muss keine computergesteuerte Melkmaschine abbezahlen. Das ist biologische Landwirtschaft. Also Ihr Weizen sieht einfach toll aus, kommt das durch den Kuhdung? Nicht nur, die Rotation aller Felder gehört auch zu meinen Prinzipien. Hier seht ihr vier Felder. Auf dem grünen Feld wächst der Klee, der den Boden anreichert. Jedes Jahr nehme ich ein anderes Feld. Wenn ich im folgenden Jahr dort Weizen anbaue, profitiert er vom Kleedünger. Ach, und zwei Mexikaner haben mich eingeladen, damit ich ihnen mein Geheimnis vom Klee und der Luzerne erkläre. Die Pflanzen brauchen Stickstoff, um sich zu entwickeln, der ist in allen chemischen Düngern enthalten. Und den verkaufen sie uns zu immer höheren Preisen. Luzerne und Klee nehmen den Stickstoff aus der Luft und reichern dann damit den Boden an. Wenn im nächsten Jahr die Luzerne den Boden angereichert hat, dann pflanzt ihr euren Mais hier. Und glaubt mir, ihr werdet vom Ergebnis überrascht sein und eurem Boden wird es guttun. Das leuchtete den Mexikanern ein und nun machen sie es auch so. Gehen wir schnell wieder zum Traktor. Das Flugzeug wird bald kommen und die Pestizide versprühen. Da wird es wohl besser sein, wenn wir von hier verschwinden. Hey wartet auf mich! Es ist eine super Technologie, aber ist das nicht ein bisschen gefährlich? Hast du es gesehen? Das ist doch klasse. Ja und was ist da drüben passiert? Seht doch. Ach, es gibt schon mal kleine Unfälle. Nichts von Bedeutung. Hier ist alles wie abgestorben. Es gibt keinen einzigen Regenwurm in der Erde. Und die Reifen der Maschinen, die haben alles platt gefahren. Und im Winter, wenn es kahl ist, nimmt der Boden keinen Regen auf, weil er viel zu fest ist. Und da es keine Schutzhecken gibt, verschwindet die fruchtbare Bodenschicht. Durch die starke Bewässerung wird das Grundwasser hochgepumpt und dessen Salze bleiben auf der Oberfläche liegen. Diese Art der Landwirtschaft zerstört weltweit 30 % der Anbauflächen. Hm, was erzählt ihr mir denn da? Ich muss meine Kulturen und Ernten bewahren. Mithilfe der Präzisionslandwirtschaft wird es Ihnen sicher gelingen, die Schäden an der Umwelt einzudämmen. Ein Satellit überträgt den Zustand ihrer Bewirtschaftung. In den roten Flächen befindet sich zu viel Wasser im Boden. Sehen Sie hier, ihre Felder sind viel zu stark bewässert. Hier ist eine Überlastung durch Dünger und Pestizide. Also das hat doch nur Vorteile. Die Menschen wissen, was zu tun ist, denn der Bildschirm zeigt alle nützlichen Informationen, die der Satellit vom Weltraum aus für sie einfängt. Das ist genau das Richtige, denn so spare ich Dünger und Pestizide. Und Wasser. Auf diese Weise können Sie auch die Verschmutzung und Gefährdung der Umwelt eingrenzen. Wenn Sie keine Pestizide einsetzen, wird ihr Gemüse dann nicht von Insekten befallen? Dieses Zeug ist viel zu gefährlich für die Erde und für die Gesundheit der Menschen. Seht euch diese Hecke an. Sie ist der Unterschlupf für meine Freunde. Seht, wie diese reizenden Marienkäfer mir die Blattläuse fernhalten und die Vögel dort oben lieben Insekten. Ein Igel, noch ein Insektenvernichtungsmittel. In diesem Baum lebt der Steinkauz. Ein furchterregendes Raubtier, das mich von den Ratten befreit. Seht ihr, ich brauche keine Pestizide. Somit verschmutze ich nicht das Wasser im Brunnen. Das trinken bei mir alle, Tier und Mensch. Die Hecken bewahren das Ökosystem. Sie beherbergen und beschützen tausende Pflanzen- und Tierarten, die darin leben. Wie diese Elster mit ihren Kleinen. Ich besitze auch eine Egge, um den Boden aufzulockern. Und auch hier vermeide ich alle chemischen Produkte. Mein Gemüse enthält garantiert keine Chemie. So funktioniert natürlicher Anbau. Ist das Kälbchen nicht niedlich, Maestro? Durch Lüftung und Stroheinstreu, Tageslicht und viel Platz. Ich würde sehr gern die Nacht in diesem Vier Sterne-Stall verbringen. Greift zu Kinder, das ist alles Bio. Meine Früchte gewinnen zwar keinen Schönheitspreis, aber sie sind naturbelassen und unverfälscht.Alter Mann. Mm, der ist köstlich. Du Fuchs, du gibst wenig für deinen Anbau aus und das ist der beste Apfel, den ich je gegessen habe. Ja, so geht der wahre Ackerbau, ohne teure Maschinen, aber mit Nährstoff und Sorgfalt für den Boden. Ich pflege meine Böden gut. Ich stehe manchmal nachts auf, um ihn zu hören und zu spüren. Ich möchte meinen Kindern eine bessere Erde hinterlassen als ich sie einst vorfand. Wollen wir mal sehen, was unsere jungen Freunde auf ihren Reisen gelernt haben. Also wir waren in Vietnam. Der Reisanbau verlangt sehr viel Wasser, chemische Dünger und Pestizide. Und trotzdem bekommen in Vietnam viele Menschen nicht jeden Tag etwas zu essen. Seit kurzem haben sie jedoch angefangen umzudenken. Das Wasser der Reisfelder wird aufgefangen, um damit noch andere Feldfrüchte zu bewässern. Man züchtet Fische in extra Gewässern, sowie Krabben in den Dreggen der Reisfelder. Die Aufzucht von Hühnern und Kühen gibt den Menschen regelmäßig Nahrung und erzeugt Naturdünger. Die Krabben und Fische ernähren sich von Unkraut. Pestizide gibt es keine. So entwickelte sich eine ertragreiche Landwirtschaft. Die Bauern verzichten auf chemische Mittel und haben somit mehr Geld, sind besser ernährt und schonen die Umwelt. Nur zum Vergleich: weltweit baut man nur noch zwölf Pflanzenarten zum Verzehr an. Hier dagegen sind es sogar 100 verschiedene Arten. Unser Freund Ali soll nun von seinen Erfahrungen berichten. Ich war in Bangladesch. 20 Millionen Menschen leben in der Delta Region und fast alles hängt von der Landwirtschaft ab. Ich war mit einem Boot unterwegs, das in die Dörfer fährt. Ich habe versucht, den Bauern zu erklären, wie sie gegen die Verschmutzung und die geringen Erträge ankämpfen können. Ich habe ihnen konkrete Beispiele gezeigt: Viehzucht zu betreiben, aus der man Naturdung gewinnt, den Anbau von Getreide und Feldfrüchten abwechseln, so dass sich der Boden anreichert und ertragreicher wird, die Vögel schützen, die schädliche Insekten fressen, den Boden mit Regenwürmern aufbessern und Pestizide aus Pflanzen herstellen. Ich hoffe, ich konnte ihnen nützlich sein. Sehr gut, junger Freund, jede Weltregion muss ihr Gleichgewicht zwischen Pflanzen und Tieren finden, um die Bodenqualität zu bewahren. Das ist nicht immer leicht. Die Bauern armer Länder haben nur ihre Hände und einfachste Werkzeuge. Außerdem überfluten wir sie regelrecht mit unserer Überproduktion. Ist es normal, dass im Senegal unsere Tomaten preiswerter sind, als die heimischen Erzeugnisse? Ist es normal, die Hühner in unseren industriellen Aufzuchten mit Soja aus Brasilien zu füttern und dafür die prächtigsten Wälder Brasiliens abzuholzen und Platz für dieses Soja zu schaffen, das die Böden zerstört? 50 % der Erzeugnisse weltweit dienen als Viehfutter und davon stellt dieses Soja knapp die Hälfte dar. Wir sind ca. 7 Milliarden Menschen auf der Erde und in ein paar Jahrzehnten werden wir sicher 10 Milliarden sein. Und nur ein Zehntel der Erdoberfläche ist anbaufähig. Also wenn wir damit weitermachen, diese zu zerstören... Maestro? Ein Großteil unseres Gemüses und Obstes enthält Pestizide, und viele haben es satt. Die trauen sich nicht mehr, es ihren Kindern zu kaufen. Und die GVOs. Was war das denn nochmal? Genetisch veränderte Organismen, dazu zählen Mais und andere Pflanzen, die resistent gegen Krankheiten sind. Allerdings verringern wir damit nicht auch gleichzeitig unsere Abwehrkräfte? Die Erzeugnisse aus der intensiven Landwirtschaft sind jedenfalls ärmer an Nährstoffen. Man braucht viele Nahrungsergänzungsmittel, um die Mängel auszugleichen. Bio Lebensmittel enthalten natürlich all diese Bestandteile. Wir sollten Produkte aus unserer Umgebung kaufen. Die sind dann auch gesund. In Japan kaufen Familien von lokalen Bauern nur dann, wenn in deren Erzeugnissen keinerlei industrielle Zusätze sind. Warum machen wir das nicht auch so? Würden die Subventionen an die Landwirte gehen, die unsere Umwelt respektieren, statt an die, die sie zerstören, wären die Bioprodukte viel preiswerter. Allein von uns hängt die Zukunft unserer Böden ab. Wir haben den Wahlzettel in der Hand, und zwar den Einkaufszettel. Wir sollten nur zertifizierte Produkte kaufen und Landwirte, Verkäufer und Supermärkte denken um. Ihr habt ganz tolle Beobachtungen gemacht. Also das Fazit: unsere Gesundheit steht auf dem Spiel. Wir müssen unsere Essgewohnheiten ändern, denn dann wird sich auch die Landwirtschaft ändern.