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Epochen und Gattungen

Die lateinische Literatur wird in vier Epochen unterteilt: Vorklassik, Klassik, Nachklassik und Spätantike. Außerdem lassen sich die Werke verschiedenen Gattungen wie Tragödie und Komödie, Epos, Elegie u. a. zuteilen. Eine Übersicht bekommst du hier.

Was ist eine Epoche?

Das Wort Epoche kommt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie Haltepunkt. Epochen sind Zeitabschnitte, die oft erstrückblickend von der Nachwelt eingeteilt und benannt werden. Diese Einteilungen geschehen aus der Perspektive der Nachwelt. Sie sind also subjektiv gefärbt und nicht starr, sie können sich also auch verändern. Epochen haben meist keine festen Anfangs- und Endpunkte, sondern gehen ineinander über. Sie werden allerdings oft an den Lebensdaten bedeutender Autoren festgemacht.

Epoche

Innerhalb einer Epoche sind sich die schreibenden Autoren einig, was schön und gut geschrieben ist. Sie bilden literarische Gruppierungen und haben gemeinsame Vorbilder und Ideen. Außerdem grenzen sie sich häufig von früheren Ansichten und Standards ab.

Epochen der lateinischen Literatur – Überblick

Die lateinische Literatur wird in vier Epochen unterteilt:

  • Vorklassische Epoche (240 v. Chr.-102 v. Chr.)
  • Klassische „republikanische“ Epoche (102 v. Chr.-17 n. Chr.)
  • Nachklassische „kaiserzeitliche“ Epoche (17 n. Chr.-240 n. Chr.)
  • Spätantike Epoche (4./5. Jahrhundert n. Chr.)

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Vorklassik

In der Vorklassik wurde erstmals lateinische Literatur produziert. Es wurden griechische Werke frei ins Lateinische übersetzt. Vor allem Tragödien und Komödien wurden von Künstlern wie Livius, Andronicus, Plautus und Terenz geschrieben, aber auch Rhetorische Schriften und Geschichtsschreibung, die jedoch den höheren Schichten vorbehalten waren. Lucilius schrieb Satiren. Sein Tod gilt als Ende dieser Epoche.

Klassik

In der Klassik wurde nicht mehr nur übertragen. Es entstanden jetzt individuelle und persönliche Werke, die Bezug auf politische und gesellschaftliche Ereignisse nahmen. Es galt der Leitspruch: aemulatio statt imitatio (Wetteifern statt Nachahmen). Ziel war es, besser zu sein als die griechischen Vorbilder. Die bekanntesten Autoren dieser Epoche kennst du bestimmt: Cicero mit seinen rhetorischen Schriften, Caesar als Geschichtsschreiber und die Dichter Ovid, Horaz und Vergil. Das Ende dieser Epoche wird auf den Tod Ovids datiert.

Nachklassik

Die Nachklassik brachte neue Gattungen hervor: die Fabel und den Roman. Es wurde gegen die „klassischen“ Ideale aus der Vergangenheit rebelliert. Sprache und Themen wandelten sich. Bekannte Autoren aus dieser Zeit sind Phaedrus und Seneca.

Die Epoche endet gleichsam im Nichts. 240 n.Chr. kommt es in Rom zur politischen Krise. Werke aus der Zeit danach sind nicht überliefert.

Spätantike

Die Spätantike ist geprägt von einem Nebeneinander christlicher und nicht-christlicher Autoren, die sich häufig um Werte, Welt- und Menschenbilder stritten. Wichtige Vertreter sind der christliche Theologe Augustinus und der heidnische Autor Boethius, die beide philosophische Schriften verfassten.

Die Augusteische Literatur

In der Schule werden vor allem die Werke aus der klassischen Epoche gelesen. Besonders unter Augustus‘ Herrschaft wurde die Dichtung sehr gefördert. So entstanden viele große Werke, die bis heute große Bedeutung haben. Deshalb soll hier ein genauerer Blick auf die Augusteische Literatur geworfen werden.

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Historischer Hintergrund

Im ersten Jahrhundert v.Chr. herrschten immer wieder Bürgerkriege. Grund waren Landreformen, die den verarmten Bauern, die nach Rom geflüchtet waren, Ländereien zuteilen sollten. Dem stimmten viele zu (Popularen), es gab auch Reformgegner (Optimaten). Augustus (damals noch Oktavian genannt) gelang es, all seine Rivalen zu besiegen und 27 v.Chr. das Ende der römischen Republik einzuläuten und sich selbst zum Kaiser zu machen. Heute wird seine Herrschaft Prinzipat genannt. Er schaffte lang ersehnten inneren Frieden und ließ Rom wirtschaftlich und kulturell aufblühen. Außerdem führte er den Kaiserkult und strenge Sittengesetze ein. Er wollte seine moralischen Vorstellungen durchsetzen.

Entwicklungen in der Literatur

All das hatte Auswirkungen auf die Literatur. Die Künstler freuten sich über die pax Augusta (Augusteischer Frieden) und gewannen ein neues Selbstbewusstsein. Sie wollten Eigenständiges schaffen und ihre griechischen Vorbilder nun nicht mehr nur imitieren, sondern übertreffen oder sich bewusst von ihnen abgrenzen. Komödien und Tragödien sowie Biografien und philosophische Schriften wurden kaum mehr verfasst. Dank Augustus‘ strenger Moralvorstellungen schrieb man auch Reden – besonders politische – nicht mehr, da es nicht empfehlenswert war, eine andere Meinung zu haben als er. Dafür entstanden neue Gattungen wie die Elegie und Fachtexte z.B. über Städte- und Häuserbau.

Neu war auch, dass literarische Zirkel entstanden, die sich um einen Mäzen, einen Geldgeber, scharten. Die beiden wichtigsten mit ihren Anhängern sind:

  • Messalla: Ovid, Tibull
  • Maecenas: Vergil, Horaz, Properz

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Gattungen der lateinischen Literatur

Insgesamt gab es sehr viele Textarten in der lateinischen Literatur. Die wichtigsten sollen dir in einem Überblick vorgestellt werden.

Tragödie und Komödie

Das Drama wurde aus dem griechischen übernommen und war lange Zeit die Gattung. Aristoteles schrieb in seiner „Poetik“ die Regeln auf, die von Horaz weiterentwickelt wurden.

Demnach muss ein Drama eine geschlossene Handlung in fünf Akten enthalten und die Einheit der Zeit und des Ortes gewährleisten. Es soll belehren und unterhalten (prodesse et delectare).

Es gibt zwei Arten von Dramen: die Tragödie und die Komödie. Beide sollten Wirklichkeit nachahmen (mimesis): die Komödie das Gewöhnliche und Lächerliche und die Tragödie das Edle. Durch Furcht und Mitleid sollte der Zuschauer gereinigt werden (katharsis). Wichtige Verfasser waren Plautus und Terenz, die Komödien schrieben, sowie die Tragödienschreiber Ennius und Lucius.

Epos

Das Epos ist eine längere Erzählung, die im Versmaß des Hexameter verfasst wird, und gehört zur Dichtung. Als wichtigstes Vorbild für die Römer gilt Homer mit seinen Epen Odyssee und Illias. Ihm folgten Vergil mit seiner Aeneis, dem Nationalepos der Römer, und Ovid mit seinen Metamorphosen.

Lyrik

Unter Lyrik versteht man im antiken Sinn Dichtungen, die in Metren verfasst wurden, um sie instrumental (mit der Lyra) begleiten zu können. Bedeutende Vertreter sind der Neoteriker Catull mit seinen kleinen Gedichten (nugae) und Horaz mit seinen Epoden und Oden. Besonders Catull wurde von der griechischen Dichterin Sappho und dem Griechen Kallimachos stark beeinflusst.

Elegie

Aus der griechischen Elegie und Catulls Epigrammen entstand die römische Elegie: kurze, persönliche Gedichte, die die Liebe zu einer Frau thematisieren und im elegischen Distichon (Hexameter und Pentameter im Wechsel) verfasst sind.

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Bei dieser völlig neuen römischen Gattung wird der Liebende oft ausgeschlossen und empfindet die Liebe als lebenslange Knechtschaft. Als bekannteste Vertreter gelten Properz mit seinen Elegien für Cynthia, Tibull mit seinen Elegien an Delia und Ovid. Letzterer betet in seinen amores (Liebschaften) an Corinna. Diese drei Dichter werden auch tres viri amoris (die drei Männer der Liebe) genannt.

Geschichtsschreibung

In der Geschichtsschreibung soll Geschehenes wertfrei und auf stilistisch sowie sprachlich ausgefeilte Weise berichtet werden. Zu dieser Gattung gehört das dir bestimmt bekannte Werk De bello Gallico (der Gallische Krieg), das Caesar schrieb und das Anlass zum Zweifel an der Objektivität gibt. Weitere Geschichtsschreiber waren Sallust, Livius und Tacitus.

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Rede

Auch Reden waren in der römischen Antike sehr beliebt. Anlass gaben vor allem Debatten im Senat oder in der Volksversammlung, Gerichtsverhandlungen, aber auch Trauerfeiern. Stilistisch aufbereitet sollten sie die Zuhörer im Sinne des Sprechers beeinflussen. Beispiele hierfür sind Ciceros Gerichtsreden, die auch den Rhetoriklehrer Quintillian stark beeinflusst haben, dessen Reden nicht überliefert sind.

Philosophische Schriften

Die philosophischen Schriften lassen sich unterteilen in:

  • Lehrschriften (z. B. Ciceros „De officiis“)
  • Dialoge (z. B. Ciceros „De re publica“)
  • unechte Dialoge

Letztere enthalten einen Sprecher, der sich an ein Du außerhalb der Schrift wendet. Allen drei Formen ist gemeinsam, dass sie anhand vieler Beispiele argumentieren und sich an Platons Schriften orientieren. Auch die Selbstbeobachtungen des Stoikers Marc Aurel, der selbst römischer Kaiser war, zählen zu den philosophischen Schriften.

Es gibt noch weitere Gattungen in der lateinischen Literatur. Aber für einen ersten Eindruck sollen diese genügen!

Viel Erfolg beim Lernen und vale!