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Der Biber - tierischer Architekt 09:26 min

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Transkript Der Biber - tierischer Architekt

Der europäische Biber mit der lateinischen Bezeichnung Castor fiber gehört zur Ordnung der Nagetiere. Rechnet man zu den Nagetieren die Meerschweinverwandten, die Stachelschweinverwandten, die Mäuseverwandten sowie die Hörnchenverwandten, dann gehört der Biber zu der Unterordnung der Hörnchenverwandten. Nach dem Wasserschwein, das zu den Meerschweinchen gehört, ist der Biber der zweitgrößte Vertreter der Nagetiere. Der Biber ist hervorragend an das Leben im Wasser angepasst. Er ist groß und kräftig gebaut, seine Rumpf-Kopf-Länge kann bis zu 100 Zentimeter und seine Schwanzlänge bis zu 40 Zentimeter betragen. Sein maximales Gewicht beträgt 30 Kilogramm. Der Körper ist plump, hat einen gewölbten Rücken und ist hinten viel dicker als vorne. Der Kopf ist kurz und stumpfschnauzig. Die kleinen Ohren, die fast ganz unter dem Pelz versteckt sind, können so an den Kopf angelegt werden, dass sie den Gehörgang beinahe verschließen. Auffallend klein sind auch die Augen mit den senkrechten Pupillen. Kennzeichnend für den Biber sind die gewaltigen, meißelförmigen Nagezähne, die weit aus dem Kiefer herausragen. Sie sind durch die Oberlippe, die mittig gefurcht und nach unten gespalten ist, gut zu erkennen. Die Beine des Bibers sind kurz und kräftig. An beiden Füßen befinden sich je fünf Zehen, die mit kräftigen Nägeln versehen sind. Die Hinterfüße haben Schwimmhäute zwischen den Zehen und dienen vortrefflich als Ruder. Die zweite Hinterfußzehe trägt eine Doppelkralle, die zum Striegeln des Fells benutzt wird. Die Vorderfüße sind kleiner und nicht mit Schwimmhäuten ausgestattet, können aber hervorragend als Greifwerkzeuge eingesetzt werden. Das Fell besteht aus dichten, zarten Wollhaaren und dünn stehenden, langen, steifen Grannen, die an manchen Stellen über fünf Zentimeter lang werden. Das auffallendste Kennzeichen des Bibers dürfte wohl der Schwanz, die sogenannte Kelle, sein. Er ist vom Rumpf nicht deutlich abgesetzt, ist an der Wurzel rund und sonst waagerecht abgeplattet mit einer Breite von 15 Zentimetern. Die Haut ist geschuppt und lederartig. Die Kelle dient sowohl als Steuer beim Schwimmen, besonders bei Auf- und Abwärtsbewegungen, als auch zur Stütze des aufgerichteten Körpers. Beide Geschlechter haben zwischen den Hinterbeinen hühnereigroße Drüsen, die das sogenannte Bibergeil, ein gallertartiges Sekret, enthalten. Mit diesem markieren die Biber ihre Reviere. Die Biber leben monogam in kleinen Familienverbänden. Diese bestehen aus einem Elternpaar mit Jungen im ersten und zweiten Lebensjahr. Die Reviere der Biber können isoliert sein, sich aber auch überschneiden. Mit drei bis vier Jahren sind Biber geschlechtsreif. Die Paarung erfolgt zwischen Januar und März im Wasser. Nach einer Tragzeit von 105 bis 107 Tagen kommen zwei bis vier Junge auf die Welt. Bis ins zweite Lebensjahr können die Jungen bei ihren Eltern bleiben. Danach werden die Jungbiber von ihren Eltern weggebissen und müssen sich eigene Reviere suchen. Damit ist auch seine schnelle Verbreitung seit seiner Wiederansiedelung zu erklären. Biber gestalten ihren Lebensraum. Sie bauen Burgen, graben Höhlen und errichten Dämme. Die Biber werden als die Baumeister unter den Tieren bezeichnet. In strömungsreichen Gewässern mit unregelmäßiger Wasserführung ist es dem Biber möglich, den Wasserhaushalt zu beeinflussen. Er baut Dämme, um einen gleichmäßigen Wasserstand zu erreichen. Dadurch bleiben die Burgeingänge bei Trockenheit unter Wasser und bei Hochwasser werden die Wohnkessel nicht überflutet. Der Damm wird dort angelegt, wo die Strömung des Gewässers besonders stark ist. Zur Dammherstellung werden bis zu armdicke Äste in den Untergrund gegen die Strömung gerammt und mit einem Geflecht von Zweigen verbunden. Die Lücken werden mit Steinen, Schilf, Schlamm oder Lehm verstopft. Wenn möglich, verwenden sie im Uferbereich Bäume zur Abstützung des Dammes. Auf diese Weise entstehen riesige Dammbauten mit einer Länge von über 100 Metern. Biberdämme werden jahrzehntelang von vielen Generationen der Biber erhalten. Bei starker Strömung werden stromaufwärts zahlreiche Fangdämme gebaut, damit der Hauptdamm nicht aufgrund des zu hohen Wasserdrucks durchbrechen kann. Die Staudämme der Biber verlaufen nicht geradlinig, sondern wölben sich dem heranfließenden Wasser entgegen, um den Druck zu den Seiten hin abzulenken. Ist der Damm fertig, wird er wie eine Schleuse benutzt. Nach starken Regenfällen wird er geöffnet, um den Wasserstand zu senken. Bei anhaltender Trockenheit wird der Abfluss gesperrt, um den Wasserspiegel anzuheben. Zusätzlich zu Burg und Damm legen die Biber auch Gräben an, in denen sie Bäume und Äste, die sie in größerer Entfernung gefällt haben, besser transportieren können. Früher glaubte man, dass Biber besonders intelligent sein müssten, um so ausgefeilte Bauwerke erstellen zu können. Heute weiß man, dass diese Fähigkeiten angeboren und damit auf Instinktverhalten zurückzuführen sind. Entsteht am Damm zum Beispiel ein Leck, hört dies der Biber am veränderten Rauschen des Wassers und er macht sich sofort an die Ausbesserungsarbeiten. An großen und gleichmäßig wasserführenden Flüssen benötigen Biber keine Staudämme. Biber graben an den Uferbänken Höhlensysteme mit zwei bis fünf Eingängen, die immer unter Wasser liegen. Die Erdhöhlen bestehen aus einem geräumigen, etwa 50 Zentimeter hohen Kessel mit einem Durchmesser von 1,20 Metern. Dieser Wohnkessel liegt stets oberhalb des Wasserspiegels und ist mit feinen Sägespänen ausgepolstert. Aus diesen Uferbauten können Biberburgen entstehen. Der Kessel liegt am höchsten Punkt über der Fresskammer. Diese Kammer ist so angelegt, dass die Biber an der Wasserkante sitzend Zweige abnagen und verzehren können. Die Biber halten keinen Winterschlaf, können aber wochenlang im Bau bleiben. Dabei ernähren sie sich von den Ästen, die sie seit dem Herbst in Wasser lagern. Auch wenn es im Winter eine geschlossene Eisdecke geben sollte, kann der Biber gut überleben, denn meistens sinkt im Winter der Wasserspiegel eines Flusses, sodass unter der Eisdecke ein geschützter Luftraum entsteht. Dort können sich die Biber frei bewegen und ihre Nahrung in den Bau transportieren. Wenn möglich, halten sie einen oder mehrere Eingänge im Wasser eisfrei. Bei ansteigendem Wasser kratzt der Biber Erde von der Decke und erhöht damit die Bodenfläche. Um zu verhindern, dass die Decke einbricht, verstärkt er sie von außen durch das Aufschichten von Zweigen. Steigt das Wasser weiter an, verlegt der Biber seinen Wohnraum in die aufgeschichteten Zweige, die er wiederum erhöht. Auf diese Weise kann die Biberburg bis zu drei Meter hoch und zwölf Meter breit werden. Sobald Biber eine Burg bewohnen, wird sie mit verrottetem Pflanzenmaterial, Schlamm und Lehm sorgfältig abgedichtet. Die Spitze der Burg ist locker, um die Luftzufuhr zu gewährleisten. Bewohnt werden die Bogen oft von mehreren Generationen in mehreren Stockwerken. Bei Zerstörung einer Burg versucht der Biber, sie möglichst schnell wieder aufzubauen, wozu er wiederum neues Holz fällt. An Biberburgen wird jede Nacht gearbeitet und gebastelt, um sie in bestem Zustand zu erhalten. Die Regulierung der Wasserhöhe hat für die Biber mehrere Vorteile. Der Eingang zum Bau ist unter Wasser und bleibt dadurch vor Feinden besser verborgen. Die Wassertiefe muss ausreichend zum Schwimmen und Tauchen sein, um in Gefahrensituationen besser reagieren zu können. Der Transport von Futterholz und Baumaterial erfolgt im Wasser wesentlich einfacher als über Land. Eine größere Wassertiefe garantiert, dass das Wasser im Winter nicht bis zum Grund friert und der Biber auch bei geschlossener Eisdecke seinen Futtervorrat erreichen kann.