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esse

Das Verb *esse* gehört zu den wichtigsten Verben des Lateinischen. Es kann als Hilfsverb oder auch als Vollverb fungieren und hat zahlreiche Komposita. Hier findest du die Deklination von *esse* und seine Verwendung im Satz: z. B. mit dem genitivus oder dativus possessivus.

Inhaltsverzeichnis zum Thema

Das Verb esse

Um das Verb esse einfacher lernen zu können, solltest du die lateinische Konjugation von Verben bzw. von regelmäßigen Verben kennen. Auch die Bestandteile des Satzes, „Prädikat“ und „Nomen“, sollten dir geläufig sein.

Das Lateinische Verb Esse konjugieren: im Präsens, Imperfekt und Futur

Das Verb esse gehört zu den sogenannten verba anomala und gilt somit als unregelmäßiges Verb. Am Ende dieses Textes wirst du aber sehen, dass es gar nicht so „unnormal“ ist!

Konjugation mit Präsensstamm im Indikativ

Das Verb esse hat im Präsensstamm zwei verschiedene Stämme: s- und es-. Die Formen, die mit s- beginnen, werden als Schwundstufe bezeichnet.

Das Präsens

Genau das ist im Präsens in der 1. Person Singular sowie in der 1. und 3. Person Plural der Fall. Treffen zwei Konsonanten aufeinander, die zusammen schwer auszusprechen sind, wird ein -u- eingefügt. Die Personalendungen sind regelmäßig. So ergeben sich folgende Formen:

  • sum (ich bin)
  • es (du bist)
  • est (er/sie/es ist)
  • sumus (wir sind)
  • estis (ihr seid)
  • sunt (sie sind)

Das Imperfekt

Das Imperfekt wird regelmäßig konjugiert. Auf den Stamm folgen das Imperfektkennzeichen -a- (statt -ba-) und die Personalendungen. Anders ist hier nur die Tatsache, dass statt es-(der übliche Stamm) er- steht. Im Imperfekt wird esse also so konjugiert:

  • eram (ich war)
  • eras (du warst)
  • erat (er/sie/es war)
  • eramus (wir waren)
  • eratis (ihr wart)
  • erant (sie waren)

Das Futur I

Auch das Futur I wird mit er- gebildet. Darauf folgen das Tempuszeichen -i- und die Personalendungen. Nur die 1. Person Singular verzichtet darauf und in der 3. Person Plural steht -u- statt -i-. Also:

  • ero (ich werde sein)
  • eris (du wirst sein)
  • erit (er/sie/es wird sein)
  • erimus (wir werden sein)
  • eritis (ihr werdet sein)
  • erunt (sie werden sein)

Konjugation mit Perfektstamm im Indikativ

Das Perfekt

Das Perfekt wird mit dem Perfektstamm fu- und den Personalendungen gebildet. Völlig regelmäßig ergeben sich folgende Formen:

  • fui (ich bin gewesen)
  • fuisti (du bist gewesen)
  • fuit (er/sie/es ist gewesen)
  • fuimus (wir sind gewesen)
  • fuistis (ihr seid gewesen)
  • fuerunt (sie sind gewesen)

Das Plusquamperfekt

Dasselbe gilt für das Plusquamperfekt. Auch hier folgen auf den Stamm fu- das Perfektkennzeichen er- (sonst oft -is-) und das Tempuszeichen -a- (sonst meist -ba-). Hängt man die Personalendungen an, ergibt sich:

  • fueram (ich war gewesen)
  • fueras (du warst gewesen)
  • fuerat (er/sie/es war gewesen)
  • fueramus (wir waren gewesen)
  • fueratis (ihr wart gewesen)
  • fuerant (sie waren gewesen)

Das Futur II

Ersetzt man das Tempuszeichen -a- durch den Zwischenvokal -i-, der zur leichteren Aussprache zwischen Konsonanten steht, erhält man die Futur II-Formen. Die 1. Person Singular wird jedoch nicht mit der Personalendung -m, sondern wieder mit -o gebildet. So sieht das Ganze dann aus:

  • fuero (ich werde gewesen sein)
  • fueris (du wirst gewesen sein)
  • fuerit (er/sie/es wird gewesen sein)
  • fuerimus (wir werden gewesen sein)
  • fueritis (ihr werdet gewesen sein)
  • fuerunt (sie werden gewesen sein)

Das waren die esse-Formen im Indikativ. Für einen bessern Überblick schau dir die folgende Tabelle an:

Formen_von_esse_im_Indikativ.JPG

Konjugation mit Präsensstamm im Konjunktiv

Für alle Formen, die du in der Tabelle oben siehst, gibt es einen Partner im Konjunktiv. Außer natürlich das Futur I und II. Diese haben – wie bei allen Verben – keinen Konjunktiv. Alle anderen schauen wir uns jetzt an.

Das Präsens

Das Präsens im Konjunktiv wird gebildet aus dem Stamm s-, dem Moduszeichen -i- und den Personalendungen. Das sieht so aus:

  • sim (ich sei)
  • sis (du seist)
  • sit (er/sie/es sei)
  • simus (wir seien)
  • sitis (ihr seiet)
  • sint (sie seien)

Das Imperfekt

Das konjunktivische Imperfekt nimmt das e- wieder zum Stamm hinzu. Es folgen das Kennzeichen -se- und die Personalendungen. Kleiner Tipp: Die Imperfekt Konjunktiv Formen sehen aus wie der Infinitiv Präsens esse + Personalendung:

  • essem (ich wäre)
  • esses (du wärst)
  • esset (er/sie/es wäre)
  • essemus (wir wären)
  • essetis (ihr wärt)
  • essent (sie wären)

Konjugation mit Perfektstamm im Konjunktiv

Das Perfekt

Auch der Konjunktiv des Perfekts wird so regelmäßig gebildet wie der indikativische. Auf den Perfektstamm fu- und das Perfektkennzeichen -er- folgen das Moduszeichen -i- und die Personalendungen:

  • fuerim (ich sei gewesen)
  • fueris (du seist gewesen)
  • fuerit (er/sie/es sei gewesen)
  • fuerimus (wir seien gewesen)
  • fueritis (ihr seiet gewesen)
  • fuerint (sie seien gewesen)

Das Plusquamperfekt

Das Plusquamperfekt tauscht nach dem Stamm fu- wieder -er- gegen -is- und fügt wie der Konjunktiv Imperfekt das Kennzeichen -se- hinzu. Die Personalendungen kommen wie immer zum Schluss. Auch hier ein kleiner Tipp: Die Formen sehen aus wie der Infinitiv Perfekt fuisse + Personalendung:

  • fuissem (ich wäre gewesen)
  • fuisses (du wärst gewesen)
  • fuisset (er/sie/es wäre gewesen)
  • fuissemus (wir wären gewesen)
  • fuissetis (ihr wärt gewesen)
  • fuissent (sie wären gewesen)

Auch hier soll dir wieder eine Tabelle einen besseren Überblick verschaffen:

Formen_von_esse_im_Konjunktiv.JPG

Fällt dir etwas auf? Die Formen im Futur II und im Konjunktiv Perfekt sind mit Ausnahme der 1. Person Singular identisch. Du kannst hier nur aus dem Kontext erschließen, mit welcher Form du es zu tun hast.

Weitere Formen und Besonderheiten

Jetzt hast du es fast geschafft! Ein paar Formen hat esse noch. So zum Beispiel die Imperative. Sie lauten:

  • es! (sei!)
  • este! (seid!)
  • esto! (du sollst sein!)
  • esto! (er soll sein!)
  • estote! (ihr sollt sein)
  • sunto! (sie sollen sein!)

Und jetzt eine gute Nachricht: Es gibt – wie im Deutschen – kein Passiv!

Vorhanden sind dagegen das Partizip Futur:

  • futurus, a, um (einer, der sein wird)

und der Infinitiv Futur Aktiv:

  • futurum, a, um esse (sein werden)

Manchmal wird stattdessen auch fore gebraucht.

Das Partizip Präsens Aktiv gibt es nur bei wenigen Komposita: absens, -ntis (abwesend). praesens, -ntis (anwesend) und potens, -ntis (mächtig).

Komposita

Apropos! Damit sind wir auch gleich beim nächsten Punkt rund um esse: den Komposita, also Wortzusammensetzungen. Das Verb esse gibt es nämlich in zahlreichen Kombinationen mit Präpositionen als Präfixe (Vorsilben). Die meisten davon sind hier zusammengestellt:

Komposita_von_esse.JPG

Verwendet werden all diese Komposita mit dem Dativ oder aber einer Präposition und dem entsprechenden Kasus. Hier zwei Beispiele:

  • Hodie Marcus in schola afuit. (Heute war Markus nicht in der Schule.)
  • Amico adsum. (Ich helfe dem Freund.)

Zwei weitere wichtige Komposita von esse sind posse (können) und interesse (dabei sein; sich unterscheiden). Sie sind so wichtig, dass es jeweils ein separates Video dazu gibt!

Verwendung von esse

Voll- und Hilfsverb

Kommen wir zurück zu esse als verbum simplex, also als alleiniges Verb ohne Zusammenschluss. esse kann in drei Funktionen auftreten:

  • als Hilfsverb
  • als Kopula (Verbindungswort) oder
  • als Vollverb.

esse als Hilfsverb

In vielen Sätzen ist esse nicht das Prädikat – zumindest nicht alleine. Viele Zeiten werden mit einem Partizip und einer Form von esse gebildet. Es fungiert dann als Hilfsverb und hat keine eigene Bedeutung. Ein Beispiel ist das Perfekt Passiv im nächsten Satz:

  • Vocatus est. (Er ist gerufen worden.)

esse als Kopula

Auch in der zweiten Möglichkeit bildet esse zusammen mit einem Partner das Prädikat: als Kopula kombiniert mit einem Prädikatsnomen. Meistens handelt es sich bei diesem um ein Adjektiv.

  • Curiosus/-a es. (Du bist wissbegierig.)

Das Prädikatsnomen kann aber auch ein Infinitiv oder ein Substantiv sein:

  • Vivere est discere. (Leben ist lernen.)
  • Venus dea est. (Venus ist eine Göttin.)

esse als Vollverb

Natürlich kann esse auch selbstständig, ohne einen Partner das Prädikat bilden. * Hic sum. (Hier bin ich.)

Das Vollverb esse kann jedoch nicht immer mit „sein“ übersetzt werden. Die drei Hauptbedeutungen von esse sind:

  1. sein [+Prädikatsnomen]
  2. es ist Zeichen/Aufgabe [+Genitiv] von
  3. gehören [mit Dativ]
  4. sich befinden [+Ortsangabe]
  5. existieren
  6. wirklich sein

Generell gilt: Bei der Übersetzung darfst du etwas freier werden. Die Hauptbedeutungen sind Richtungsgeber. Ein Beispiel: * in schola esse Statt der Übersetzung „sich in der Schule befinden“ könntest du auch „sich aufhalten“ oder „verweilen“ wählen.

  • Amicitia est. Diesen Satz kannst du z. B. mit „Freundschaft existiert.“ oder aber mit „Freundschaft gibt es.“ übersetzen. Klar? Dann geht es weiter mit der 3. Hauptbedeutung.

esse mit Genitiv/Dativ

Das Vollverb esse wird auch bei Besitzverhältnissen und Zugehörigkeiten verwendet. Zusammen mit dem genitivus possessivus oder dativus possessivusdrückt man im Lateinischen aus, wem etwas gehört. esse wird dann übersetzt mit:

  • etwas haben, besitzen
  • jemandem gehören, jemandes Eigentum/Sache sein
  • jemandem zu Eigen sein
  • zu jemandem gehören

Ob dabei ein Genitiv oder Dativ steht, hängt davon ab, was betont werden soll. Geht es um den Besitzer, wird der Genitiv verwendet, liegt der Fokus auf dem Besitz, nimmt man den Dativ. Zwei Beispiele zum besseren Verständnis:

  • Liber pueri est. (Dem Jungen gehört das Buch.)
  • Liber puero est. (Das Buch gehört dem Jungen.)

Die Übersetzung ist eigentlich identisch. Das Deutsche ist hier nicht so genau. Im ersten Fall steht puer (der Junge) im Genitiv und wird somit betont. Das Buch gehört also ihm und nicht jemand anderem. Im zweiten Fall steht puer (der Junge) im Dativ. Der Fokus liegt also auf dem Buch. Dem Jungen gehört das Buch und nicht etwas anderes. Etwas deutlicher wird das, wenn die obigen Sätze erweitert werden:

  • Liber pueri non puellae est. (Das Buch gehört dem Jungen und nicht dem Mädchen.)
  • Liber non pila puero est. (Das Buch, nicht der Ball, gehört dem Jungen.)

Besitzverhältnisse bzw. Zugehörigkeiten lassen sich auch mit übertragener Bedeutung formulieren, also mit Dingen, die keine Gegenstände sind: Eigenschaften, Aufgaben, Pflichten u. a. In solchen Zusammenhängen geht es meist um den Besitzer. Es wird also der Genitiv verwendet. Zwei Beispiele:

  • Res magistri est. (Es ist Sache des Lehrers.)
  • Discipulorum est discere. (Es ist Schülern eigen zu lernen.)

Wie du siehst, kann auch eine Tätigkeit ein „Besitz“ sein. In diesem Fall spricht man jedoch eher von einer „Eigentümlichkeit“ als von „Eigentum“. In allen Fällen steht aber der Eigentümer im Genitiv. Mit einer Ausnahme: Wird der Besitzer durch ein Possessivpronomen in der 1. oder 2. Person, also meus (mein), tuus (dein), noster (unser) oder verster (euer), angegeben, so steht dieses nicht im Genitiv, sondern im Nominativ! Es heißt also:

  • Liber eius est. (Das Buch gehört ihm.) aber
  • Liber meus est. (Das Buch gehört mir.)

Zusammenfassung

Ich fasse kurz zusammen: esse wird relativ regelmäßig gebildet. Da es so viele verschiedene Anwendungsmöglichkeiten gibt, du diesem Verb also sehr häufig begegnest, macht es Sinn, die Konjugation zu beherrschen. Das hilft dann auch bei den Komposita. Du musst außerdem wissen, dass man esse häufig zum Konjugieren anderer Verben benötig, dass es mit einem Prädikatsnomen zusammen ein Prädikat ergeben kann und, dass es auch als Vollverb existiert. Im letzten Fall steht es häufig mit einer Ortsangabe oder einem Dativ/Genitiv, um ein Besitzverhältnis auszudrücken.

Viel Erfolg beim Lernen und vale!