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si-Sätze

*si*-Sätze (Konditionalsätze) sind Nebensätze, die eine Bedingung ausdrücken und durch Subjunktionen wie *si* oder *nisi* eingeleitet werden. Es gibt 4 Typen: Realis, Potentialis, Irrealis der Gegenwart und Irrealis der Vergangenheit.

Was sind si-Sätze?

Um das Folgende gut verstehen zu können, solltest du Konjunktive erkennen und bestimmen können.

si ist eine Subkonjunktion und leitet einen Nebensatz ein, genauer gesagt einen Bedingungssatz, auch Konditionalsatz (von condicio = Bedingung) genannt. Das bedeutet, im Nebensatz wird eine Bedingung genannt, die erfüllt sein muss, damit der Inhalt des Hauptsatzes eintritt. Ein Beispiel:

  • Si hoc diligenter legis, cogitabis. (Wenn du dies gewissenhaft liest, wirst du es verstehen.)

Liest du es nicht oder nur oberflächlich, verstehst du den Inhalt nicht. Diese Sätze lassen sich also auch verneinen.

  • Nisi hoc diligenter legis, non cogitabis. (Liest du den Text nicht, verstehst du ihn nicht.)

Es gibt vier Typen von si-Sätzen:

  • Realis
  • Potentialis
  • Irrealis der Gegenwart
  • Irrealis der Vergangenheit

Welcher dieser Typen vorliegt, erkennst du am Prädikat des Nebensatzes. Steht es im Indikativ, handelt es sich um einen Realis. Steht es im Konjunktiv, musst du schauen, welcher Konjunktiv vorliegt. Der Konjunktiv Präsens oder Perfekt steht im Potentialis, der Konjunktiv Imperfekt im Irrealis der Gegenwart und der Konjunktiv Plusquamperfekt im Irrealis der Vergangenheit. Das folgende Schaubild gibt einen guten Überblick. Du kannst es beim Übersetzen zur Hand nehmen.

Schaubild_si-Sätze.JPG

Worin unterscheiden sich die vier Arten und wie übersetzt man das Ganze? Das kommt jetzt:

Realis

Hast du einen si-Satz entdeckt, in dem das Prädikat im Indikativ steht? Dann liegt eindeutig ein Realis vor. Das bedeutet, die Bedingung ist real, also wirklich. Die Folge im Hauptsatz wird eintreffen, wenn die Bedingung erfüllt ist. Bei der Übersetzung übernimmst du den Indikativ.

  • Si me audiuvis, iubilabo. (Wenn du mir hilfst, freue ich mich.)

Das Prädikat iubilare steht hier zwar im Futur I. Im Deutschen ist es aber üblich, wie im Nebensatz das Präsens zu benutzen. Das Deutsche ist hier nicht so streng und drückt das Futurische nicht explizit aus.

Potentialis

Im zweiten Fall liegt ein Konjunktiv vor. Nun musst du genau schauen, welcher. Nur wenn ein Konjunktiv Präsens oder Perfekt vorliegt, hast du es mit einem Potentialis zu tun. Hier wird eine mögliche Bedingung beschrieben. Die Folge (im Hauptsatz) ist also durchaus machbar. Im Vergleich zum Realis haben wir hier jedoch keine logische Folge, sondern eben nur eine Möglichkeit. Du übersetzt am besten mit einem Hilfsverb wie „sollte“, „könnte“ oder „dürfte“.

  • Si me adiuves, iubilem. (Wenn du mir helfen könntest, würde ich mich freuen.)

Ob dir nun geholfen wird oder nicht, ist offen. Es besteht aber die Möglichkeit.

Irrealis der Gegenwart

Ganz anders ist es mit dem Irrealis. Hier geht es um eine Vorstellung. Die Bedingung wird tatsächlich nicht erfüllt. Wir unterscheiden zwischen dem Irrealis der Gegenwart und dem Irrealis der Vergangenheit. Ein Irrealis der Gegenwart ist immer dann vorhanden, wenn der Konjunktiv im Imperfekt steht. Die Bedingung ist hier entweder nicht erfüllt oder nicht erfüllbar. Du stellst dir also vor, welche Folge bei einer Bedingung eintrifft. Diese Folge wird jedoch nicht eintreffen, weil die Bedingung nicht erfüllt ist. Bei der Übersetzung formulierst du im Konjunktiv II oder umschreibst mit „würde“.

  • Si me adiuvares, iubilarem. (Wenn du mir helfen würdest, würde ich mich freuen.)

In diesem Beispiel weißt du, dass dein Gegenüber nicht helfen wird. Folglich bleibt auch deine Freude aus. Trotzdem stellst du dir vor, dass der andere dir hilft. In dieser Vorstellung würdest du dich dann auch freuen.

Irrealis der Vergangenheit

Die letzte Art von si-Sätzen ist der Irrealis der Vergangenheit, der eine in der Vergangenheit nicht erfüllte Bedingung enthält. Es geht hier also um eine theorethische Vorstellung, die nicht mehr umsetzbar ist. Der Inhalt des Hauptsatzes wird nicht eintreffen, da die Bedingung in der Vergangenheit nicht erfüllt wurde. Um dies im Deutschen klarzumachen, wählst du eine Übersetzung mit „hätte“ oder „wäre“ und dem Partizip II. Im Lateinischen steht der Konjunktiv Plusquamperfekt.

  • Si me adiuvisses, iubilavissem. (Wenn du mir geholfen hättest, hätte ich mich gefreut.)

Das wirkt sehr kompliziert? Ist es eigentlich nicht. In der folgenden Tabelle hast du alles auf einen Blick:

Tabelle._Arten_von_si-Sätzen_im_Überblick.JPG

Es kommt auch vor, dass die Zeit in Haupt- und Nebensatz nicht identisch ist. Das braucht dich aber nicht zu verunsichern! Geh einfach wie gewohnt vor und übersetze jeden Konjunktiv so, wie oben vorgeschlagen.

  • Si me adiuvisses, te adiuvarem. (Wenn du mir geholfen hättest, würde ich dir helfen.)

Verneinte si-Sätze

Wie schon zu Beginn angemerkt, lassen sich Konditionalsätze auch verneinen. Drei gängige Subjunktionen dafür sind

  • nisi („wenn nicht“/“außer wenn“)
  • si non („wenn nicht“)
  • sin („wenn aber“)

Du kannst sie jedoch nicht frei austauschen. Während nisi nämlich den ganzen Hauptsatz einschränkt, verneint si non den Bedingungssatz oder ein Wort daraus.

  • Ad scholam non eo, nisi sanus sum. (Ich gehe nicht in die Schule, wenn ich nicht gesund bin.)
  • Si non ad scholam eo, ad medicum eo. (Wenn ich nicht in die Schule gehe, gehe ich zum Arzt.)

Du siehst, im zweiten Beispiel wird ad scholam betont und nicht wie im ersten Beispiel der ganze Nebensatz.

Die dritte mögliche Verneinung ist etwas umfangreicher. Man braucht einen Vorsatz, dem der lateinische verneinte Konditionalsatz gegenübergestellt wird.

  • Si sanus sum, ad scholam eo. Sin aegrotus sum, ad meducum eo. (Wenn ich gesund bin, gehe ich in die Schule. Wenn ich aber krank bin, gehe ich zum Arzt.)

Hier wird im zweiten Satz die Bedingung aus dem ersten Satz ins Gegenteil gekehrt (vom Positiven zum Negativen).

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In der folgenden Übersicht bekommst du diese drei gängigen Verneinungen auf einen Blick:

Tabelle._Verneinungen_im_Konditionalsatz.JPG

Es gibt noch weitere Negationen von si, z. B. si minus („wenn nicht“), eine abgeschwächte Variante von si non, quod nisi („wenn aber nicht“) oder si modo („wenn nur“). Sie stellen aber keine große Hürde dar. Wichtig ist, dass du den Konjunktiv richtig erkennst und dem entsprechenden Konditionalsatz zuordnen kannst.

Exkurs: Irrealis in der Abhängigkeit

Du hast nun gelernt, dass du bei der Übersetzung eines si-Satzes immer nach dem Prädikat schauen musst. Das gilt auch, wenn er von einem übergeordneten Satz abhängt. Dieser spezielle Fall bezieht sich auf den Irrealis und heißt „abhängiger Irrealis“.

Schau dir zunächst ein Beispiel an, wie du es schon kennst:

  • Si me rogavisses, adiuvissem. (Wenn du mich gefragt hättest, hätte ich dir geholfen.)

Das ist ein Irrealis der Vergangenheit. Du kannst ihn von einem übergeordneten Satz abhängig machen:

  • Dixit se adiuvaturum fuisse si rogavisses. (Er sagt, dass er geholfen hätte, wenn du gefragt hättest.)

Das Prädikat des Hauptsatzes adiuvissem (ich hätte dir geholfen) wird hier in einen Infinitiv umgewandelt, genauer gesagt in das Partizip Perfekt Aktiv (PFA) mit dem Infinitiv Perfekt Aktiv von esse, also adiuvaturum fuisse. Der si-Satz bleibt unverändert. Du kannst an ihm also erkennen, ob du einen Irrealis der Gegenwart (Konjunktiv Imperfekt) oder einen Irrealis der Vergangenheit (Konjunktiv Plusquamperfekt), wie im Beispiel hier, vorliegen hast. Die Übersetzung bleibt für den si-Satz wie bisher. Aus dem finiten Verb im Hauptsatz wird also ein Infinitiv und aus dem Subjekt ein Akkusativobjekt. Kommt dir das bekannt vor? Genau! Das ist ein AcI (Akkusativ mit Infinitiv). Du kannst hier wie gewohnt übersetzen.

Diese Umwandlung mithilfe des Partizip Perfekt Aktiv (PFA) mit dem Infinitiv Perfekt Aktiv von esse gilt übrigens auch für den Irrealis der Gegenwart.

Zusammenfassung

Der si-Satz beschreibt eine Bedingung, die eine bestimmte Folge hat. Es gibt vier Typen: Realis, Potentialis, Irrealis der Gegenwart und Irrealis der Vergangenheit. Nur der Realis steht mit Indikativ, in den anderen steht das Prädikat im Konjunktiv. Jedem ist ein bestimmter Konjunktiv zugeordnet. Alle können auf verschiedene Weisen verneint und auch von einem übergeordneten Satz abhängig gemacht werden.

Und denk daran: Übung macht den Meister.

Viel Erfolg beim Lernen und vale!