30 Tage kostenlos testen: Mehr Spaß am Lernen.
30 Tage kostenlos testen

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

30 Tage kostenlos testen

Sanfter Tourismus in Ghana 06:12 min

Textversion des Videos

Transkript Sanfter Tourismus in Ghana

Aus Europa kommen bisher nur wenige Touristen nach Ghana. Die meisten von Ihnen wollen die Natur des Landes und seine Bewohner kennenlernen. Sanfter Tourismus wird in den Herkunftsländern der Reisenden aber immer bedeutender. Und hier sieht man in Ghana eine Marktchance. Dafür drei Beispiele. An der Südküste in der Nähe der Hauptstadt Accra liegt das KASAPA-Centre. Diese dorfähnliche Ferienanlage wird von Kofi Acheampong und seiner deutschen Frau geleitet. Hier sollen sich die Besucher wie in einem ghanaischen Dorf fühlen. Die Anlage besteht aus sechs runden Gästebungalows. Jeder mit zwei Räumen. Die Lampen auf dem Nachttisch funktionieren mit Solarstrom. Herr Acheampong betont den umweltfreundlichen Charakter der Ferienanlage. Beim Bau dieser Anlage haben wir so viele lokale Materialien wie möglich verwendet. Zum Beispiel Lehmfußböden, Lehmgebäude und das schilfgedeckte Dach. Das Abwasser wird recycelt. Der Abfall ordentlich entsorgt. Im Restaurant werden nicht nur Mahlzeiten serviert. Hier trifft man sich auch mit Leuten aus dem benachbarten Dorf. Das KASAPA-Projekt will den Besuchern Afrika näher bringen. Herr Acheampong sagt dazu: “In unserem Dorf sollen sich unsere ausländischen Besucher wie in einer typischen Familie fühlen. Und außerdem sollten sie die Möglichkeit zum direkten Kontakt mit den Einheimischen haben.“ Dafür bietet man einen geführten Spaziergang durch das Dorf an. Das ermöglicht einen vielseitigen Blick in den afrikanischen Alltag. Man besucht eine Schule und die Gemeindeklinik. Ein weiteres Ziel ist der malerische und quirlige Fischereihafen. 40 Kilometer muss man von der Südküste zum Kakaobauerndorf Mesomagor zurücklegen. Dabei ist man oft auf abenteuerlichen Pisten unterwegs. Die Verkehrsinfrastruktur ist immer noch schlecht und ein Hindernis für die Entwicklung des Tourismus in Ghana. Mesomagor ist ein Beispiel für einen gemeindebasierten Tourismus. Das heißt, hier betreibt die Gemeinde den kleinen Beherbergungsbetrieb mit vier Zimmern. Wer hier übernachtet, verzichtet auf den Komfort eines Hotels. Strom-und Wasserleitungen gibt es nicht. Dafür ist der Besucher mitten in Afrika angekommen. Die Einnahmen aus dem Dorftourismus kommen direkt der Entwicklung der Gemeinde zugute. Die Touristen nehmen am Dorfleben teil. Sie sehen beispielsweise wie aus Cassava-Knollen Gari hergestellt wird. Gari ist ein Grundnahrungsmittel in ganz Westafrika. Es wird zu einer Art Trockenpulver verarbeitet, das zum Verzehr mit Wasser gemischt wird. Für die Unterhaltung der Besucher spielt das Bambusorchester von Mesomagor. Die Show der Tänzer wirkt schon ziemlich professionell. Und am Abend kann man dem Geschichtenerzähler lauschen, wenn er die alte Legende von der weisen Spinne vorträgt, die die Weisheit auf die Welt brachte. Eine Abendunterhaltung, die auch ohne Strom funktioniert. Mesomagor liegt am Rand des Kakum-Nationalparks, einem tropischen Regenwald. Hier gibt es geführte Touren, auf denen die Besonderheiten des Waldes erklärt werden. Die Attraktion im Kakum-Nationalpark ist der Canopy-Walk. Man geht in Baumwipfel Höhe über sieben Hängebrücken, die zwischen den Urwaldriesen gespannt sind. Für Naturliebhaber ist dies ein einmaliges und sehr intensives Erlebnis. Natürlich wird hier kein Holz mehr eingeschlagen. Man verdient Geld indem man den Wald immer unangetastet lässt. Tourismus leistet so einen Beitrag zur Nachhaltigkeit. Sanfter Tourismus bietet ohne Zweifel die beste Möglichkeit, ein Entwicklungsland, seine Menschen, ihre Kultur und Lebensweise kennenzulernen. So kann man in Ghana die Feste der verschiedenen Volksgruppen besuchen. Zu den Tänzen legen sie ihre traditionelle Kleidung aus Leder und Fellen an, wie sie ihre Vorfahren schon vor Jahrhunderten getragen haben. Sanfter Tourismus trägt unmittelbar zur Entwicklung eines Landes bei. Das Geld kommt direkt bei den Menschen an und gibt ihnen die Chance, selbst etwas für die Verbesserung ihrer Lebensumstände zu tun. Zugleich ist die unverfälschte Begegnung mit anderen Kulturkreisen ein Gewinn für jeden Reisenden. Und ein spannendes Abenteuer allemal. Beim sanften Tourismus kann man daher am ehesten sagen, dass beide Seiten einen Gewinn haben.