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Schleswig-Holstein - Geschichte 07:59 min

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Transkript Schleswig-Holstein - Geschichte

Circa 15000 Jahre alt sollen die ältesten Funde menschlichen Lebens aus der Altsteinzeit in Schleswig-Holstein sein. Viele Funde des einheimischen Feuer- oder Flintsteins zeugen von den handwerklichen Fähigkeiten der Steinzeitmenschen. Um 2300 vor Christus drängen indogermanische Eroberer auch nach Schleswig-Holstein, und so entsteht am Ende der jüngeren Steinzeit eine einheitliche Bevölkerung, die als Urgermanen bezeichnet werden kann. Aus dieser Periode stammen auch die Großsteingräber oder Megalithgräber. In den folgenden Jahrhunderten lässt sich ein ausgedehnter Handel bis in den Mittelmeerraum nachvollziehen. Nordsee-Bernstein, das Gold des Nordens, wurde bearbeitet und als Grabbeigaben selbst im Bereich der Ägäis nachgewiesen. Der Flintstein wurde von der Bronze verdrängt. Diese Legierung aus Kupfer und Zinn ließ sich vielfältiger bearbeiten und war den Steinerzeugnissen auch in der Festigkeit weit überlegen. Zwischen 900 bis 800 vor Christus kündigt sich eine neue Zeit an, die Eisenzeit. Zunächst durch den Handel ins Land gekommen, entwickelten sich mit der Zeit die Kenntnisse der Eisenverarbeitung und Schmiedekunst. In der langen Zeit der Völkerwanderung bis ins vierte Jahrhundert nach Christus verlassen viele Stämme Schleswig-Holstein. In diese Landstriche ziehen andere Stämme aus dem Norden. So leben zu dieser Zeit in Schleswig-Holstein Friesen, Sachsen, Angeln, Jüten und Wenden. 40 Kilometer reicht die Schlei Förde ins Landesinnere. Am Ende liegt die Stadt Schleswig, ihr gegenüber der alte Handelsplatz Haithabu. Heute ist Haithabu das größte archäologische Bodendenkmal Europas, beliebtes Museum und Ausflugsziel. Im achten Jahrhundert gründete der dänische Wikingerkönig Gøtrik diese Siedlung. Haithabu wurde zu einem bedeutenden Umschlagplatz für den Handel zwischen Baltikum, Skandinavien und dem Nordseeraum. Haithabu war sehr wohlhabend und hatte als erster Ort des frühen Mittelalters das Recht, Münzen zu prägen. Ein geschützter Hafen und eine befestigte Stadt waren gute Voraussetzungen für viele Handelsunternehmungen. Von hier aus wurden auch Güter über die Schleswiger Landenge transportiert. Zum Schutze des eigenen Reiches und der Handelswege diente eine Wallanlage, das Dannewerk. Über 30 Kilometer lang sollte die Befestigung vor den Überfällen des fränkischen Reiches und der Slawen schützen. Ein anderes wichtiges Wegenetz führte etwas westlich von Haithabu von Jütland bis zur Elbe. Wahrscheinlich wurde diese Strecke schon in der Zeit vor Christi Geburt genutzt. Später bekam diese Route den Namen Ochsen- oder Heerweg, weil auf ihm das Vieh getrieben wurde und im Kriegsfall nutzten die Truppen das Wegenetz. Als erste schriftliche Zeugnisse der Obrigkeit, die sie als Gedenksteine für ihre Verwandten und gefallenen Krieger errichten ließ, gelten die Runensteine wie dieser bei Busdorf. Mit dem Überfall 1066 wurde Haithabu völlig zerstört. Es entstanden neue Orte und Handelszentren. Die Stadt Lübeck nahm im zwölften Jahrhundert raschen Aufschwung durch ihre günstige geographische Lage. Über mehrere Jahrhunderte waren die Hansestädte bestimmend im Ostseehandel, und Lübeck war ihre Königin. Ihre neuartigen Schiffe, die Hansekoggen, konnten ein Vielfaches an Frachtgut im Vergleich zu früheren Schiffstypen befördern. Ihre Seerouten führten bis ins russische Nowgorod. Salz, Felle, Holz und Stoffe wurden gehandelt und in den mächtigen Kontoren der Hanse gelagert. Viele der typischen gotischen Backsteinbauten stammen aus dieser Zeit und sind beeindruckendes Zeugnis von bürgerlichem Wohlstand und Macht. Aber nicht nur über das Meer führten die Handelswege. Ein Kanal wurde zwischen Lübeck und der Elbe gebaut. Der Stecknitzkanal ermöglichte den schnelleren Transport größerer Gütermengen. Mit der Entdeckung Amerikas und der Verlagerung des Handels auf die wichtigen transatlantischen Handelsrouten verblasste die Macht der Hanse. Die politische Macht in Schleswig-Holstein blieb in den Händen der monarchischen Feudalstaaten. Über Jahrhunderte entstanden viele Adelssitze und Rittergüter, deren Ländereien als Lehen vom dänischen Königshaus und vom Kaiser vergeben wurden. Im Anschluss an die französische Revolution breitete sich der Freiheitsgedanke über ganz Europa aus. Dazu kamen in den deutschen und dänischen Ländern starke nationale Tendenzen. In der Folge kam es zu mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen von 1848 bis 1851. Am 18. April 1864 kam es bei den Düppeler Schanzen zur entscheidenden Schlacht, bei der die Dänen unterlagen. Die Industrialisierung führte zu weitreichenden sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen. Landflucht und Auswanderungswellen nach Amerika waren die Folge. Die bestehende Nord-Ostsee-Verbindung durch den Schleswig-Holsteinischen Kanal war zu klein für die modernen Dampfschiffe geworden, und so musste ein neuer Kanal entstehen. Nach acht Jahren Bauzeit wurde die neue Verbindung 1895 vollendet und hieß damals Kaiser-Wilhelm-Kanal. Nach mehreren Erweiterungen gehört der Nord-Ostsee-Kanal heute zu den meistbefahrenen künstlichen Wasserstraßen der Welt. Mit der Verlegung des Haupthafens der Reichsmarine in die Kieler Förde wurde die Bedeutung der Region Kiel weiter gestärkt. Der erste Weltkrieg bringt dann auch für Schleswig-Holstein verheerende Folgen. Am Ende des Krieges im November 1918 geht der Impuls der Revolution von Kiel aus. Der Matrosenaufstand weitet sich über das ganze Land aus und führt zur Abdankung des Kaisers. Im Abkommen von Versailles legen die Siegermächte fest, dass im Landesteil Schleswig die Bevölkerung über die Zuordnung zu Dänemark oder Deutschland zu entscheiden hat. Das Ergebnis war 1920 die Ziehung der jetzigen Grenze zwischen Deutschland und Dänemark. Die politische und wirtschaftliche Unzufriedenheit in der Weimarer Republik war groß, und in Schleswig-Holstein fanden die Nationalsozialisten schon früh großen Rückhalt. Der Krieg zerstörte viele Städte, auch Kiel, die Stadt der Marine und der Werften, wurde besonders schwer getroffen. Am 4. Mai 1945 wurde die Kapitulationsurkunde unterzeichnet und am 5. Mai wirksam. Schleswig-Holstein war Teil der britischen Besatzungszone. Im Mai 1946 nahm die neue Landesregierung ihre Arbeit auf. Aus der Provinz Schleswig-Holstein wurde das Land Schleswig-Holstein mit Kiel als Landeshauptstadt.