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Angkor Wat 03:37 min

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Transkript Angkor Wat

Im Frühsommer des Jahres 889 nach unserer Zeitrechnung wird Yasovarman zum König des Volkes Khmer erhoben. Um seiner tiefen Religiosität Ausdruck zu verleihen, gründet er eine neue Hauptstadt, die das vollkommene Abbild der göttlichen Welt sein soll. So entsteht Angkor, eines der großartigsten Baudenkmäler in der Geschichte der Menschheit. Die hochentwickelte Khmer-Zivilisation erreicht ihre Blütezeit zwischen dem siebten und dem 14. Jahrhundert. Nach seiner Unterwerfung durch die Thais fällt das Volk der Khmer in die Bedeutungslosigkeit zurück. Die Truppen der Roten Khmer, die am blutigen Bürgerkrieg in Kambodscha der Gegenwart beteiligt sind, haben mit der alten Hochkultur Indochinas nicht mehr gemeinsam als den Namen. Die Kriegswirren der letzten Jahre haben auch die Reste der Tempelstadt Angkor weitgehend zerstört. Dem Bau von Angkor widmen auch die Nachfolger des Gründers Yasovarman ihr vorrangiges Interesse. Die Stadt, etwa 200 Kilometer nordwestlich des heutigen Phnom Penh gelegen, erweckt die Bewunderung aller Besucher. Sie erstreckt sich über das riesige Areal von 1000 Quadratkilometern um den Mittelpunkt des Tempelberges Phnom Bakheng. Die Architektur folgt den Gesetzen der Kosmologie. Angkor hat einen streng quadratischen Grundriss. Das Gelände ist von zahlreichen rechteckigen Stauseen und weitläufigen Bewässerungsanlagen umgeben, die zugleich die Grundlage der Macht der Herrscher von Angkor darstellen. Sie ermöglichen einen intensiven Reisanbau mit drei Jahresernten, welche den Wohlstand des Volkes sichern. Den eindrucksvollsten Bau lässt Surjavaman II um die Mitte des zwölften Jahrhunderts errichten, Angkor Wat, einen Tempelkomplex, dessen Stil entfernt an die europäische Gotik erinnert. Die Kultstätten sind dem Gott Vishnu gewidmet und in Form einer dreistufigen Pyramide mit Galerien, Ecktürmen und einem Mausoleum angelegt. Die Bauten sind reich mit Plastiken geschmückt, die geheimnisvolle Symbole darstellen, mit Geländern, die aus dem Körper menschen köpfiger Schlangen geformt sind, und einem System verschachtelter Türmchen. Die Bewohner von Angkor haben mit dem üppig wuchernden Dschungel zu kämpfen, der immer wieder Teile der großen Stadt zurückerobert. Auch heute prägen riesige Götterstatuen, die durch die Zweige der tropischen Vegetation blicken, den Eindruck des Ruinenfeldes. Die Mauern der untersten Galerie von Angkor Wat zieren kunstvolle Reliefs, in denen die Khmer-Künstler die Geschichte ihres kriegerischen Volkes dargestellt haben. Um 1200 erfolgt der letzte größere Ausbau. Es wird der Bayon, ein Reichszentrum von barocker Schönheit errichtet. Er soll nach einem verheerenden Angriff feindlicher Stämme die ungebrochene Kraft der Herrscher von Angkor dokumentieren. Doch ist der endgültige Untergang der Khmer nicht mehr aufzuhalten. Nach der Invasion durch das Thaivolk 1431 verschwindet die Hochkultur und Angkor verfällt zu jener eindrucksvollen Ruinenstadt, als die es sich den staunenden Augen der ersten europäischen Forschungsreisenden präsentiert hat.