30 Tage kostenlos testen:
Mehr Spaß am Lernen.

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

Autoimmunkrankheit – Immunologische Toleranz und Autoimmunität 06:44 min

Textversion des Videos

Transkript Autoimmunkrankheit – Immunologische Toleranz und Autoimmunität

Hallo. Bestimmt hast Du auf Deinem Computer vor Dir ein Antivirusprogramm. Das wurde so programmiert, dass es fremde Computerviren erkennt und zerstört. Stell Dir vor, dieses Programm würde nun anfangen, auch Deine Dateien zu löschen, Deine Musik, Fotos, Programme, Dokumente, die Du für die Schule brauchst. Das wäre eine Katastrophe. Dabei wurde es doch installiert, um Deinen Computer zu schützen. Ähnlich verhält es sich mit Deinem Körper. In diesem Video geht es um immunologische Toleranz und Autoimmunität. Wir werden uns anschauen, was sich hinter beiden Begriffen verbirgt und verschiedene Immunzellen kennen lernen. Außerdem wirst Du an den Beispielen der Schilddrüsenüberfunktion und Rheuma verstehen, was bei einer Autoimmunität im Körper passiert. Schauen wir uns die immunologische Toleranz an. Das ist die Fähigkeit unseres Immunsystems, körpereigenes Gewebe zu erkennen und nicht anzugreifen. Vergleichen wir das mit unserem Computer und dem Antivirusprogramm. Funktioniert alles, wird das Antivirusprogramm unsere Dateien als solche erkennen und nicht zerstören. Es toleriert das Eigene, das erhalten bleiben soll. Doch wie funktioniert das in unserem Körper? Eine wichtige Rolle im Immunsystem spielen die T- und die B-Zellen. Beides sind Lymphozyten, also weiße Blutkörperchen, die im Rückenmark erzeugt werden. T steht für Thymus, das ist das Organ, wo die Zellen heranreifen. Im Thymus bilden sie Antigenrezeptormoleküle. Das sind Proteine in der Zellmembran, die Antigene erkennen können. Damit die T- und B-Zellen nicht körpereigenes Gewebe angreifen, werden schon im Embryo alle zerstört, deren Antigenrezeptormoleküle auf eigene Antigene reagieren. Antigene befinden sich zum Beispiel auch auf der Oberfläche von Bakterien oder im Kot von Hausstaubmilben. Genauso wichtig sind B-Zellen. Das “B” wurde nachträglich vom englischen Wort von Knochenmark “bone marrow” abgeleitet. Dort reifen sie auch heran. Eine neue B-Zelle heftet sich mit ihren Antigenrezeptormolekülen an fremde Antigene. Erst, wenn eine T-Zelle das körperfremde Antigen erkennt, wird die B-Zelle aktiviert. Dann wandert sie in die Lymphknoten oder Milz und teilt sich ganz oft. Die neuen Zellen bilden viele Antikörper, die dafür sorgen, dass der Fremdstoff zerstört wird oder dem Körper zumindest nicht mehr schaden kann. Zum Problem wird dieses natürliche Abwehrsystem, wenn die B- und T-Zellen nicht mehr zwischen körpereigenen und körperfremden Antigenen unterscheiden können. Das ist vergleichbar mit einem defekten Antivirusprogramm, das statt der Viren aus dem Internet Deine Dateien löscht. Das nennt man Autoimmunität. Die Aktivität des Immunsystems richtet sich gegen körpereigenes Gewebe. Autoantikörper sind Antikörper, die sich gegen Antigene des eigenen Körpers richten. Sie zerstören Organsysteme wie Muskeln oder einzelne Organe, wie die Schilddrüse oder die Bauchspeicheldrüse. Um die Auswirkungen besser zu verstehen, schauen wir uns ein Beispiel an, die Schilddrüsenüberfunktion. Es werden Antikörper gebildet, die die Funktion des Hormon TSH einnehmen. Sie binden dauerhaft an denselben Rezeptoren in der Schilddrüse wie TSH. Dadurch produziert die Schilddrüse durchgängig Hormone und wird nicht mehr reguliert. Eine Überfunktion entsteht. Da diese Hormone den Stoffwechsel anregen, kommt es zu Gewichtsverlust trotz Appetit, Schwitzen, Durchfall und Nervosität. Ein weiteres Beispiel ist entzündliches Rheuma. Auch hier sind Antikörper im Spiel. Diese wurden eigentlich gegen Antigene auf der Oberfläche eines bestimmten Bakteriums gebildet. Diese Antigene sind den körpereigenen jedoch so ähnlich, dass sie verwechselt werden. Auch ihre Zellen werden angegriffen. In diesem Fall, das Gewebe der Gelenke. Fassen wir noch einmal zusammen: Immunologische Toleranz ist die Fähigkeit unseres Immunsystems, körpereigenes Gewebe zu erkennen und nicht zu zerstören. Eine Rolle spielen T- und B-Zellen. Diese bilden Antigenrezeptormoleküle auf ihrer Oberfläche aus, die an bestimmte körperfremde Antigene binden und Antikörper gegen diese produzieren. T- und B-Zellen, die auf körpereigene Antigene reagieren werden schon während der Embryonalentwicklung aussortiert. Von Autoimmunität spricht man, wenn sich die Aktivität der B- und T-Zellen gegen körpereigenes Gewebe richtet. Ihre Antikörper heißen dann Autoantikörper. Ein Beispiel hierfür ist die Schilddrüsenüberfunktion. Autoantikörper binden fälschlicherweise an Rezeptoren in der Schilddrüse, sodass diese, ein den Stoffwechsel aktivierendes Hormon, in viel zu großen Mengen ausschüttet. Bei entzündlichem Rheuma werden Gelenkszellen zerstört, weil deren Antigene denen eines bestimmten Bakteriums stark ähneln. Ich hoffe, Du hast viel gelernt. Tschüss und bis zum nächsten Mal.

Autoimmunkrankheit – Immunologische Toleranz und Autoimmunität Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Autoimmunkrankheit – Immunologische Toleranz und Autoimmunität kannst du es wiederholen und üben.

  • Nenne wichtige Aspekte der immunologischen Toleranz und der Autoimmunität.

    Tipps

    TSH ist ein Hormon, das die Hormonproduktion, Hormonausschüttung und auch das Wachstum der Schilddrüse fördert. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion binden Antikörper dauerhaft an die TSH-Rezeptoren. Die Schilddrüse wird dadurch angeregt, permanent Hormone zu produzieren.

    Körpereigene Antigene können ganz ähnlich aussehen wie körperfremde Antigene. Das Immunsystem kann dann die eigenen von den fremden Antigenen nicht unterscheiden. Dadurch kommt es zu einer Immunreaktion.

    Lösung

    Immunologische Toleranz: Fähigkeit unseres Immunsystems, körpereigenes Gewebe zu erkennen und nicht anzugreifen

    Autoimmunität: das Immunsystem richtet sich gegen körpereigenes Gewebe

    B-Zellen: heften sich mit Antigenrezeptormolekülen an fremde Antigene und bilden Antikörper zu deren Bekämpfung

    T-Zellen: mit ihren Antigenrezeptormolekülen können sie fremde Antigene erkennen, die an B-Zellen binden

    Schilddrüsenüberfunktion: durch Antikörper werden durchgängig Hormone produziert, sodass keine Regulierung mehr stattfinden kann

    Entzündliches Rheuma: Antikörper greifen Gelenkzellen an, auf denen die körpereigenen Antigene sitzen

  • Fasse die Eigenschaften der B-Zellen und der T-Zellen zusammen.

    Tipps

    Die T-Zell-Rezeptoren der T-Lymphozyten können Antigene erkennen, die an B-Lymphozyten binden. Diese T-Zell-Rezeptoren werden gebildet, wenn die T-Lymphozyten in den Thymus gewandert sind.

    Lösung

    Wo reifen die Lymphozyten aus?

    Die T-Zellen reifen im Thymus aus, während die B-Zellen im Knochenmark ausreifen.

    Woher haben die Lymphozyten ihren Namen?

    Der Name der Lymphozyten kann von dem Organ abgeleitet werden, in dem sie ausreifen. Da die T-Zellen im Thymus ausreifen, haben sie das T im Namen. Die B-Zellen reifen im Knochenmark aus, das im Englischen bone marrow genannt wird.

    Welche Aufgaben haben die Lymphozyten?

    Mit ihren Antigenrezeptormolekülen binden die B-Zellen an fremde Antigene. Erkennen die T-Zellen ebenfalls das fremde Antigen, senden sie ein Signal an die B-Zellen, die hierdurch aktiviert werden. Wenn sie aktiviert sind, bilden die B-Zellen Antikörper, die die fremden Antigene bekämpfen.

  • Untersuche das Schlüssel-Schloss-Prinzip, das bei der autoimmunbedingten Blutarmut eine Rolle spielt.

    Tipps

    Antigene sind Stoffe, die eine Immunreaktion im Körper auslösen. Im Normalfall wirken fremde Stoffe als Antigene, zum Beispiel Bakterien oder Viren. Bei Autoimmunkrankheiten wirken allerdings körpereigene Stoffe als Antigene.

    Die Vorsilbe auto- bedeutet selbst. Bei einer Autoimmunkrankheit richtet sich der Körper also gegen sich selbst.

    Lösung

    Es gibt Fresszellen in unserem Körper, die kranke und geschädigte rote Blutkörperchen zerstören. Bei der autoimmunbedingten Blutarmut bildet das Immunsystem allerdings Antikörper, die sich auch gegen gesunde Blutkörperchen richten. Bei dieser Art der Blutarmut wirken bestimmte Bestandteile auf die roten Blutkörperchen als Antigene. Das bedeutet, diese Bestandteile lösen eine Immunreaktion des Körpers aus. An dieser Immunreaktion sind spezifische Antikörper beteiligt.

    Wie du auf der Abbildung erkennen kannst, können Antigene ganz unterschiedlich aussehen. Antikörper finden ihre spezifischen Antigene deshalb nach dem Schlüssel-Schloss-Prinzip. Hiermit ist gemeint, dass sich jeweils nur ein ganz bestimmtes Antigen mit einem ganz bestimmten Antikörper verbinden kann. Alle anderen Paarungen sind nicht möglich, da Antigene und Antikörper nicht zusammenpassen und deshalb auch nicht aneinander binden können.

    Antikörper, die sich gegen körpereigene Zellen richten, nennt man Autoantikörper. Rote Blutkörperchen, die mit solchen Autoantikörpern markiert sind, werden von den Fresszellen in der Leber erkannt und abgebaut. Als Folge leidet der Körper unter Sauerstoffmangel, da die roten Blutkörperchen für den Sauerstofftransport zuständig sind.

  • Stelle dar, wie unsere Immunzellen körperfremde Stoffe bekämpfen.

    Tipps

    Beginne damit, wie fremde Antigene überhaupt in unseren Körper gelangen können.

    Die T-Zellen und die B-Zellen sind Lymphozyten, also weiße Blutkörperchen. Sie gehören zu unserem Immunsystem und haben bei der Abwehr von Fremdstoffen unterschiedliche Aufgaben.

    Die B-Zellen binden fremde Antigene. Wenn dann auch die T-Zellen das fremde Antigen erkannt haben, schicken sie ein Signal an die B-Zellen und aktivieren sie hierdurch. Erst dann können Antikörper gebildet werden, die die fremden Antigene angreifen.

    Lösung

    Zuerst müssen die Antigene in unseren Körper gelangen. Wir nehmen Antigene entweder über die Haut, über das Verdauungssystem oder über die Atemwege auf.

    Wenn die Antigene in unseren Körper gelangt sind, werden sie von den B-Zellen erkannt. Die B-Zellen heften sich dann mit ihren Antigenrezeptormolekülen an die fremden Antigene.

    Wenn nun auch die T-Zellen das fremde Antigen erkennen, senden sie ein Signal an die Antigen-tragenden B-Zellen. Diese werden durch das Signal aktiviert.

    Die aktivierten B-Zellen wandern in die Lymphknoten oder in die Milz und teilen sich dort sehr oft.

    Die neu gebildeten B-Zellen bilden viele Antikörper, die das fremde Antigen schwächen oder sogar ganz zerstören.

  • Vergleiche die Eigenschaften von Antigenen und Antikörpern miteinander.

    Tipps

    Antigene sitzen auf der Oberfläche von eingedrungenen Fremdkörpern, zum Beispiel auf Pollenkörnern oder dem Kot von Hausstaubmilben.

    Lösung

    Antikörper:

    Sie werden von unseren Immunzellen gebildet.

    Sie binden Fremdstoffe, damit diese zerstört werden können.

    Sie sind aus zwei leichten und zwei schweren Ketten aufgebaut.

    Antigene:

    Sie gelangen über das Verdauungssystem, die Atmung oder die Haut in unseren Körper.

    Sie lösen im Körper eine Immunreaktion aus.

    Sie verfügen über mehrere Teilstrukturen, auch Epitope genannt.

  • Prüfe, welche Aussagen zu Autoimmunerkrankungen stimmen.

    Tipps

    Da wir heute aufgrund hoher Hygienestandards seltener mit Krankheitserregern in Kontakt kommen, kann es passieren, dass sich das Immunsystem langweilt. Es fängt dann bei manchen Menschen an, sich gegen eigentlich harmlose Antigene zu richten. Zu diesen Antigenen zählen Stoffe, die von außen in unseren Körper gelangen, aber auch körpereigene Zellen, die eigentlich völlig gesund sind.

    Weißt du, in welchem Fall man von einer Allergie spricht und in welchem Fall von einer Autoimmunkrankheit?

    Lösung

    Diese Aussagen stimmen:

    Der Medizin sind ungefähr 60 verschiedene Autoimmunkrankheiten bekannt.

    Autoimmunerkrankungen können sich entweder gegen ein einzelnes Organ oder gegen den ganzen Körper richten.

    Bei Autoimmunkrankheiten haben fremde Bakterien und Viren leichtes Spiel, da das Immunsystem zu sehr mit der Bekämpfung eigentlich gesunder körpereigener Zellen beschäftigt ist.

    Diese Aussagen stimmen nicht:

    Die Schilddrüsenüberfunktion ist eine Autoimmunkrankheit, bei der Antikörper dafür sorgen, dass die Schilddrüse keine Hormone mehr produzieren kann. (Tatsächlich ist es so, dass bei einer Schilddrüsenüberfunktion zu viele Hormone produziert werden, was zu Gewichtsverlust, Schwitzen, Durchfall und Nervosität führen kann.)

    Bei Autoimmunkrankheiten richten sich die körpereigenen Abwehrzellen gegen eigentlich harmlose Fremdstoffe wie zum Beispiel Tierhaare oder Blütenpollen. (Wenn der Körper sich gegen harmlose Fremdstoffe richtet, spricht man von einer Allergie. Bei einer Autoimmunkrankheit greift der Körper gesunde körpereigene Zellen an.)