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20. November 1945 – der Beginn der Nürnberger Prozesse

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20. November 1945 – der Beginn der Nürnberger Prozesse
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Grundlagen zum Thema 20. November 1945 – der Beginn der Nürnberger Prozesse

Inhalt

Die Gerichtsprozesse gegen führende Nationalsozialisten

Mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht vom 8. Mai 1945 endete die 12-jährige Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten. Millionen von Menschen in ganz Europa kamen durch den Zweiten Weltkrieg und den Holocaust ums Leben.

Bereits ein halbes Jahr nach Ende des Kriegs, nämlich am 20. November 1945, begannen die ersten Prozesse im Nürnberger Justizpalast, wo die Nürnberger Gerichte ansässig waren. Viele denken, wenn sie den Begriff Nürnberger Prozesse hören, an den Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof. Tatsächlich folgten aber noch zwölf weitere Prozesse. Die Nürnberger Nachfolgeprozesse wurden vom amerikanischen Militärtribunal ausgetragen. Die Angeklagten der Nürnberger Prozesse wurden nach den eigens dafür entworfenen Rechtsgrundlagen der internationalen und amerikanischen Gerichtshöfe – das Londoner Statut – verurteilt. Über vier Jahre lang, nämlich bis zum 14. April 1949, wurden führende Personen des NS-Regimes in insgesamt 13 Gerichtsverhandlungen zur Rechenschaft gezogen.

Die Ankläger der Prozesse waren die Westalliierten. Die Sowjetunion führte einen eigenen Prozess durch, nahm aber am Gerichtsverfahren gegen die Hauptkriegsverbrecher teil.

In diesem Lerntext erhältst du eine Übersicht und Zusammenfassung der Nürnberger Prozesse. Da diese Prozesse sehr lang waren, liefert dieser Text die Nürnberger Prozesse in einfacher Erklärung.

Nürnberger Prozesse – die Vorgeschichte

Mit dem Voranschreiten der Alliierten wurden die Verbrechen und Gräueltaten der Nationalsozialisten nach und nach aufgedeckt. Im Rahmen dessen wurde bereits 1943 beschlossen, dass Deutsche, die Verbrechen in einem besetzten Land begangen haben, in das jeweilige Land ausgeliefert und nach dortigen Rechtsgrundlagen verurteilt werden sollten. Das führte aber zu einem Problem: Was geschieht mit jenen, deren Verbrechen nicht in nur einem Land zugeordnet werden konnten? Aus diesem Grund wurde von den Alliierten das sogenannte Londoner Statut entwickelt. Im weiteren Verlauf wird das Londoner Statut noch genauer erklärt.

Nürnberger Prozesse – der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher

Im wohl bekanntesten Prozess wurden insgesamt 24 führende Persönlichkeiten des Naziregimes angeklagt. Der Reichskanzler und Führer Adolf Hitler und sein Propagandaminister Joseph Goebbels hatten in den letzten Kriegstagen Selbstmord begangen. Der Reichsführer-SS, Chef der SS (Schutzstaffel) und des Sicherheitsdienstes (SD), hatte ebenfalls in amerikanischer Kriegsgefangenschaft Selbstmord begangen. Somit konnten sie nicht angeklagt werden. Der Beginn des Nürnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher wurde auf den 20. November 1945 festgelegt. Über knapp elf Monate fand die Verhandlung gegen die Hauptkriegsverbrecher statt. Am 1. Oktober 1946 endete der Gerichtsprozess und resultierte in zwölf Todesurteilen, sieben langjährigen oder lebenslänglichen Haftstrafen, zwei Verfahrenseinstellungen, aber auch drei Freisprüchen. Die Vollstreckung der Urteile sollte rasch nach Ende des Prozesses stattfinden. Die Haftstrafen wurden unverzüglich begonnen, während die Hinrichtungen am 15. und 16. Oktober 1946 durchgeführt wurden. Der Oberkommandeur der Luftwaffe und Reichsluftfahrtminister Hermann Göring konnte nicht hingerichtet werden, da er sich mit einer Zyankalikapsel in seiner Zelle das Leben genommen hatte.

Nürnberger Prozesse.svg

Eine besondere Rolle für das Deutschland der Nachkriegszeit war die Verurteilung von verbrecherischen Organisationen und ihr Verbot durch das Militärtribunal. Wichtige Organisationen des Nationalsozialismus wurden angeklagt, aber nicht alle verboten:

Organisation Urteil
Reichskabinett keine verbrecherische Organisation – nicht verboten
Führerkorps der NSDAP verbrecherische Organisation – verboten
Schutzstaffel (SS) und Sicherheitsdienst (SD) verbrecherische Organisationen – verboten
Sturmabteilung (SA) keine verbrecherische Organisation – nicht verboten
Geheime Staatspolizei (Gestapo) verbrecherische Organisation – verboten
Generalstab und Oberkommando der Wehrmacht keine verbrecherischen Organisationen – nicht verboten

Die Erklärung von verbrecherischen Organisationen war ein wichtiger Schritt für die Entnazifizierung, wenngleich es infrage gestellt werden kann, ob die Sturmabteilung nicht doch hätte als verbrecherisch eingeordnet werden können bzw. müssen.

Nürnberger Prozesse – die Anklagepunkte

Insgesamt wurden vier Anklagepunkte im Londoner Statut formuliert. Diese lauten wie folgt${^1}$:

Wortlaut
1 Beteiligung an einem Plan oder an einer Verschwörung gegen den Weltfrieden
2 Planung, Entfesselung und Durchführung eines Angriffskrieges
3 Kriegsverbrechen, also Verletzung der Gesetze und Gebräuche des Krieges (Ermordung und Mißhandlung von Kriegsgefangenen, Verschleppung von Zivilpersonen aus den besetzten Gebieten, Geiselerschießungen [...])
4 Verbrechen gegen die Menschlichkeit, also an der Zivilbevölkerung und deren Verfolgung aus rassischen, religiösen und politischen Gründen

Nürnberger Prozesse – die Angeklagten

Die Personen, die im ersten Nürnberger Prozess angeklagt wurden, sind die folgenden:

Name Rolle in der NS-Zeit Schuldig im Sinne der Anklagepunkte Urteil
Martin Bormann Leiter der Partei-Kanzlei der NSDAP 3, 4 Tod durch Erhängen
Karl Dönitz Oberbefehlshaber der Kriegsmarine 2, 3 10 Jahre Gefängnis
Hans Frank Generalgouverneur in Polen 3, 4 Tod durch Erhängen
Wilhelm Frick Reichsminister des Inneren 2, 3, 4 Tod durch Erhängen
Hans Fritzsche Führungskraft im Reichspropagandaministerium Freispruch
Walther Funk Reichswirtschaftsminister 2, 3, 4 lebenslange Haft
Hermann Göring Oberkommandeur der Luftwaffe, Reichsluftfahrtminister 1, 2, 3, 4 Tod durch Erhängen
Rudolf Heß Stellvertreter Hitlers 1, 2 lebenslange Haft
Alfred Jodl Chef des Wehrmachtführungsstab 1, 2, 3, 4 Tod durch Erhängen
Ernst Kaltenbrunner Leiter Reichssicherheitshauptamt, Chef der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes 3, 4 Tod durch Erhängen
Wilhelm Keitel Oberkommandeur des Heeres 1, 2, 3, 4 Tod durch Erhängen
Gustav Krupp von Bohlen und Halbach Industrieller für die Rüstungsindustrie – (Einstellung des Verfahrens aus gesundheitlichen Gründen)
Robert Ley Leiter der Deutschen Arbeitsfront – (beging vorher Selbstmord)
Konstantin von Neurath Reichsprotektor in Böhmen und Mähren 1, 2, 3, 4 15 Jahre Gefängnis
Franz von Papen Vizekanzler Freispruch
Erich Raeder Oberbefehlshaber der Kriegsmarine 1, 2, 3 lebenslange Haft
Joachim von Ribbentrop Reichsaußenminister 1, 2, 3, 4 Tod durch Erhängen
Alfred Rosenberg Reichsminister der Ostgebiete 1, 2, 3, 4 Tod durch Erhängen
Fritz Sauckel Generalbevollmächtigter Arbeitseinsatz 3, 4 Tod durch Erhängen
Hjalmar Schacht Reichswirtschaftsminister Freispruch
Baldur von Schirach Reichsjugendführer 4 20 Jahre Gefängnis
Arthur Seyß-Inquart Reichsstatthalter Österreich 1, 2, 3, 4 Tod durch Erhängen
Albert Speer Rüstungsminister 3, 4 20 Jahre Gefängnis
Julius Streicher Herausgeber der Wochenzeitung Der Stürmer 4 Tod durch Erhängen

Nürnberger Prozesse – die Nachfolgerprozesse

Nachdem der Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher im Oktober 1946 abgeschlossen war, wurde bereits der erste von insgesamt zwölf Nachfolgerprozessen begonnen. Die Anklage in diesen Prozessen wurde aber durch das Office of the US Chief of Counsel for War Crimes (OCCWC) erhoben. Im Rahmen der Nachfolgerprozesse sind weitere Taten und Gräuel aufgedeckt worden. Beispielsweise sind im Fall IX – der Prozess gegen die Einsatzgruppen – Beweise gezeigt worden, die die Ausmaße der Massenerschießungen dargelegt hatten. Teilweise wurden mehr als 34 000 Jüdinnen und Juden innerhalb von zwei Tagen durch die Einsatzgruppen ermordet.

Nürnberger Prozesse – Übersicht über die Nachfolgerprozesse

Titel des Prozesses Zeitraum Angeklagte
Fall I Ärzte-Prozess 9. Dezember 1946 bis 20. August 1947 eine Ärztin und 19 Ärzte in Konzentrations- und Vernichtungslagern, ein Jurist und zwei Verwalter
Fall II Milch-Prozess 2. Januar 1947 bis 17. April 1947 Generalfeldmarschall Erhard Milch
Fall III Juristenprozess 17. Februar 1947 bis 14. Dezember 1947 16 Justizbeamte und Richter
Fall IV Prozess Wirtschafts-Verwaltungsamt der SS 13. Januar 1947 bis 3. November 1947 18 Funktionäre des SS-Wirtschafts-Verwaltungsamtes
Fall V Flick-Prozess 18. April 1947 bis 22. Dezember 1947 Großindustrieller Friedrich Flick und fünf Männer in Führungspositionen
Fall VI I.G.-Farben-Prozess 14. August 1947 bis 30. Juli 1948 23 leitende Angestellte der I.G. Farbenindustrie
Fall VII Prozess Generäle Südosteuropa 15. Juli 1947 bis 19. Februar 1948 12 Generalfeldmarschälle und Generäle der Wehrmacht
Fall VIII Prozess Rasse- und Siedlungshauptamt der SS 1. Juli 1947 bis 10. März 1948 14 Leiter der Rasseämter der SS
Fall IX Einsatzgruppen-Prozess 15. September 1947 bis 10. April 1948 24 SS-Führer
Fall X Krupp-Prozess 8. Dezember 1947 bis 31. Juli 1948 Alfried Krupp von Bohlen und Halbach und Manager der Firma Krupp
Fall XI Wilhelmstraßen-Prozess 4. November 1947 bis 13. April 1949 21 leitende Angehörige des Auswärtigen Amtes
Fall XII Prozess Oberkommando der Wehrmacht 30. Dezember 1947 bis 14. April 1949 14 Generäle des Oberkommandos der Wehrmacht

Nürnberger Prozesse – Kritik

Die Wirkung und Bedeutung der Nürnberger Prozesse stellt insbesondere in Bezug auf das Völkerstrafrecht eine wichtige Rolle dar. Eine staatliche Aufgabe oder ein Amt innezuhaben, bot nicht länger Schutz vor der Strafverfolgung. Weiterhin sind durch die Prozesse zusätzliche Informationen aufgedeckt worden, die für die Aufarbeitung des NS-Staates von besonderer Bedeutung waren. So wurden weitere NS-Verbrechen während der Zeugenbefragungen bekannt.

Nürnberger Prozesse – tabellarische Übersicht

Um die vielen Informationen des Lerntextes für beispielsweise ein Referat zum Thema Nürnberger Prozesse zusammenzufassen, findest du im Folgenden eine Tabelle zur Übersicht.

Fakten Daten
Kläger – USA

– Großbritannien

– Frankreich

– Sowjetunion (nur im Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher)
Zeitraum 20. November 1945 bis 14. April 1949
Anzahl Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher sowie 12 Nachfolgerprozesse
Angeklagte 185
Urteile – 25 Todesstrafen

– 97 Haftstrafen

– 35 Freisprüche

Häufig gestellte Fragen zum Thema Nürnberger Prozesse

Was waren die Nürnberger Prozesse?
Wer wurde in Nürnberg zum Tode verurteilt?
Was ist in den Nürnberger Prozessen passiert?
Wer waren die 24 Angeklagten im Nürnberger Prozess?
Quellenangaben zum Thema Die Nürnberger Prozesse

Transkript 20. November 1945 – der Beginn der Nürnberger Prozesse

Mit diesen Worten eröffnet Chefankläger Robert Jackson am 20. November 1945 den Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess. Ihn führen die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion gemeinsam gegen die führenden Repräsentanten der einstigen nationalsozialistischen Machtelite aus Politik und Wirtschaft, die die Schlussphase des Krieges überlebten und sich nicht ihrer Verantwortung durch Freitod entzogen hatten. Der Prozess von Nürnberg ist ein bis dato einmaliges historisches und juristisches Experiment. Am Ende des Weltkrieges heißt es für die Sieger, nicht Rache zu üben, sondern im Rahmen eines staatsrechtlichen Verfahrens mithilfe von Zeugen, Filmdokumenten und Schaubildern die Topographie des Terrors zunächst zu analysieren. Die aus ihr heraus erwachsenen Kriegsverbrechen und die Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die die Nazis begangen haben, werden anschließend bilanziert und juristisch bewertet und beurteilt.

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