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Shenzhen: Stadtentwicklung und Probleme 07:14 min

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Transkript Shenzhen: Stadtentwicklung und Probleme

Der rasante wirtschaftliche Aufstieg der Stadt, der „Shenzhen Speed“, wird auch im heutigen Stadtbild deutlich. Das alte Shenzhen ist praktisch völlig verschwunden. Wohnungen für 15 Millionen Menschen, Fabriken, Büros, Einkaufszentren und breite Straßen prägen heute die Stadt. Die ursprünglichen Siedlungen wurden abgerissen. Gelder aus dem Ausland flossen nicht nur in Fabriken, sondern auch in Immobilien. Und das ist deutlich zu erkennen. Wolkenkratzer, soweit das Auge reicht. Allerdings haben allzu rasches Bauen und schnelles Wachstum ihren Preis. So mancher Bauschaden, selbst an repräsentativen Gebäuden, ist ein Beleg hierfür. Um die Lebensqualität zu erhöhen, wurden Parks angelegt. Diese grünen Lungen sind heute ein Kennzeichen der Millionenmetropole. Sie dienen nicht nur der Verbesserung der Luft und des Klimas der Stadt, sie bieten auch Raum für Freizeit und Erholung. Qi Gong oder Tai Chi, Schattenboxen zum Beispiel. Auch Freizeitparks wurden gebaut. Sie tragen zur Entwicklung des Tourismus bei und führen jedes Jahr Millionen von Chinesen hierher. Selbst die Chinesische Mauer in Miniaturausgabe findet in den kunstvollen Gärten von „Splended China“ ihren Platz. Es gibt auch Vergnügungsparks im westlichen Stil. Ob Tower-Bridge oder Eifelturm, alles ist vertreten. Sogar alte russische Flugzeugträger sind zu besichtigen. Die Stadt wächst ständig und braucht immer mehr Platz. Um den starken Zuzug der Bevölkerung zu bewältigen, werden seit 1996 Satellitenstädte gebaut. Obwohl die Reste der alten Bausubstanz fast verschwunden sind und westliche Architektur dominiert, ist Shenzhen aber auch eine chinesische Stadt. In den Gassen des Stadtteils Luohu dominiert Lokalkolorit mit kleinen Handwerksbetrieben, Teestuben, Garküchen. Hier pulsiert das Leben. Gleich nebenan konkurrieren westliche Fastfood-Restaurants mit der einheimischen Küche. Nicht weit entfernt, mitten im neuen Central Business District, befindet sich die Stadtverwaltung, zum Beispiel das futuristische Rathaus. Hier gibt es auch eine moderne Stadtbibliothek und ein großes Theater. Dort finden bis zu 1200 Personen Platz. Die Wohnviertel sind auch in China ein Ausdruck der gesellschaftlichen Verhältnisse. Ideologisch ist die Volksrepublik immer noch ein kommunistischer Staat. Die Realität sieht jedoch anders aus. Sehnzhen ist eine der wohlhabendsten Städte in China, bezogen auf das Durchschnittseinkommen pro Kopf. Aber nirgendwo in China sind die Einkommensunterschiede so groß. Millionen von Menschen leben in den „Urban Villages“, den sogenannten „dormitories“. In den sechs- bis achtstöckigen Häusern wohnen mehrere Personen in einem Zimmer. Nach Schätzungen lebt die Hälfte der Bevölkerung Shenzhens in solchen Wohnanlagen, vor allem die Wanderarbeiter. Sie haben aber nicht die gleichen sozialen Rechte wie die Einheimischen. So dürfen sie zum Beispiel ihre Kinder nicht zur Schule schicken. Eine Villa im Grünen, mitten in der Stadt, können sich hingegen nur die Superreichen leisten. Und sie bleiben unter sich. Die Gated Community Portofino ist sogar von Wasser umgeben. Hier kommt keiner rein, der nicht rein soll. Die Siedlung ist im italienischen Stil gebaut. Hier gibt es aber nicht nur Villen, sondern auch mehrere Millionen teure Luxuswohnungen. Die soziale Situation der Chinesen hat sich also seit Beginn der Reformmaßnahmen in den 1980iger Jahren deutlich verbessert. Heute leben 300 Millionen Chinesen weniger in Armut als früher. Und das schwer verdiente Geld muss auch wieder ausgegeben werden. Shenzhen ist ein Einkaufsparadies für seine Einwohner, die Nachbarn aus Hongkong und für Touristen. Es gibt riesige Shopping-Center, Läden mit internationalen Luxusmarken, aber auch Geschäfte mit niedrigen Preisen. Und es werden immer neue gebaut. Im Jahr 2017 wird die Verkaufsfläche aller Einkaufszentren in Shenzhen etwa 18 Quadratkilometer betragen. Shenzhen ist eine junge Stadt. Nicht nur aufgrund des Alters der Gebäude. Das Durchschnittsalter der Menschen, die hier leben, beträgt etwa 30 Jahre. Und was sich für den Europäer nicht auf den ersten Blick erschließt: Shenzhen ist auch eine multikulturelle Stadt. In der Volksrepublik China leben nicht nur Chinesen, sondern 55 weitere Volksgruppen. Diese Zuwanderer haben ihre lokalen Traditionen auch mit ins Perlflussdelta gebracht. Die Zusammenballung von circa 120 Millionen Menschen hat auch negative Folgen. Ein Hauptproblem ist der Verkehr. Alleine in Shenzhen sind etwa zwei Millionen Autos zugelassen. Lange Staus sind an der Tagesordnung. Deswegen wird das U-Bahn-Netz ständig erweitert. Außerdem werden immer mehr Buslinien eingerichtet und Fährverbindungen geschaffen. Die Eisenbahn zwischen Shenzhen und dem 100 Kilometer entfernt gelegenen Guangzhou fährt im Fünf-Minuten-Takt. In die Verkehrsnetze wird viel Geld investiert, weil man sich davon weiteres Wachstum verspricht. Problematisch allerdings ist die Luftverschmutzung. An manchen Tagen ist die ganze Stadt von dichtem Smog verhüllt.