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Thomas de Quincey 03:27 min

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Transkript Thomas de Quincey

Am 8. Dezember 1859 stirbt in Edinburgh der Dichter Thomas de Quincey. Der Nachwelt ist er vor allem wegen der Bekenntnisse eines englischen Opiumessers, einer erschütternden Studie seines eigenen Leidensweges in Erinnerung geblieben. Die englische Literaturgeschichte reiht ihn zusammen mit Wordsworth, Coleridge und Southey als führenden romantischen Dichter ein. Geboren ist de Quincey am 15. August 1785 in Manchester als Sohn einer Kaufmannsfamilie von bescheidenem Wohlstand. Als dann nach dem frühen Tod des Vaters das Erbe unter der Witwe und dem minderjährigen Thomas geteilt wird, stellt sich heraus, dass es nicht für eine gehobene Schulbildung ausreicht. Thomas ist ein schwacher, übersensibler Knabe, der dem rauen Alltag der Grundschule in Bath nicht gewachsen ist. Er leidet sehr unter den gängigen Erziehungspraktiken wie Züchtigung und Nahrungsentzug. Auch im Seminar von Wingfield ergeht es ihm nicht besser. Schließlich flieht er und führt ein unstetes Wanderleben in völliger Armut. Mit 19 Jahren verschlägt es ihn in einen Vorort von Liverpool. Von dort gelangt er nach Oxford, wo er ein College besucht und die Bekanntschaft von Literaten und Künstlern macht. Hier lernt er auch die künstlichen Paradise kennen, deren Zugang das Opium ermöglicht. Er rechtfertigt den immer häufigeren Gebrauch des Rauschgiftes mit den unerträglichen Nervenschmerzen, die er sonst nicht ertragen könne. Seine physischen Leiden hindern de Quincey aber nicht am intensiven Studium der Dichtung und Philosophie. Vor allem die Deutschen, Kant, Fichte und Jean Paul begeistern ihn. Er ist fast 30 als er sich in Margaret Simpson verliebt. Sie wird seine Frau und schenkt ihm acht Kinder. Um die notwendigsten Bedürfnisse seiner vielköpfigen Familie befriedigen zu können, muss Thomas de Quincey allerdings die Dichtung vernachlässigen und mit Essays und journalistischen Kleinarbeiten Geld verdienen. Starke Schmerzen verstärken seine Rauschgift sucht. Man vermutet, dass er zu Zeiten an die 300 Gramm Opium pro Tag zu sich genommen hat. Er begibt sich mit seiner Familie nach Schottland und lässt sich in Edinburgh nieder. Für die lokalen und Londoner Zeitungen schreibt de Quincey kritische Artikel und Rezensionen über die zeitgenössischen Schriftsteller und Künstler. Wegen der Härte seiner Urteile, verliert er nach und nach selbst seine besten Freunde. Seine Erfahrungen mit dem Rauschgift, fasst er 1822 in den Bekenntnissen zusammen. 1856 erweitert er die autobiographische Studie. Unter seinen kleinen Werken findet sich Lyrik und Prosa. So zum Beispiel „das Mädchen von Leven“ und „der Englische Wagen“. Verbittert verlässt er nach dem Tod seiner Gattin Haus und Kinder. Er gibt sie unter Vormundschaft und zieht allein von einem möblierten Zimmer zum anderen. Die Versuche die Rauschgiftdosis herunterzusetzen, kommen zu spät. Thomas de Quincey stirbt selbst den langsamen Tod des Opiumessers, den er so eindrucksvoll beschrieben hat.