30 Tage kostenlos testen: Mehr Spaß am Lernen.
30 Tage kostenlos testen

Überzeugen Sie sich von der Qualität unserer Inhalte.

30 Tage kostenlos testen

Rainer Maria Rilke 03:42 min

Textversion des Videos

Transkript Rainer Maria Rilke

Seinen 51. Geburtstag am 4. Dezember 1926 erlebt Rainer Maria Rilke im Sanatorium von Valmont in den Schweizer Alpen. Wenig später, am 29. Dezember stirbt er an Leukämie. Der österreichische Dichter ist einer der berühmtesten seiner Zeit. Aber kein Mann der Öffentlichkeit. Seine letzten Jahre hat er in vollkommener Isolation im Turm eines baufälligen Schlosses im Schweizer Kanton Wallis verbracht. Die Zeit davor als Gast im Schloss Turino bei Triest. Die Beziehungen des Dichters Rilke zur Welt und auch zu den vielen Frauen, die ihm zeitlebens zugetan sind, bleiben lose, distanziert und verlaufen meist brieflich. Rilke ist scheu und kränklich, von einer unglücklichen Kindheit gezeichnet. Seit seiner Jugend zieht er ruhelos durch Europa und er lebt ohne Heim und Familie. In Bremen lebt er durch eine Künstlergruppe die Bildhauerin Clara Westhof kennen. Sie heiraten und haben eine Tochter. Bald darauf erfolgt die Trennung. In Frieden und ohne Schmerz. Man schreibt einander herzliche Briefe, es gibt aber kein Wiedersehen mehr. In Paris ist Rilke Gast und Sekretär des Bildhauers Rodin. Vor allem lebt er jedoch im Louvre, zwischen den Meisterwerken der Kunst. Aus dieser Zeit bleiben farbige, sehr musikalische Gedichte. Rilkes Dichtung, die sich mit den Geheimnissen der Seele auseinandersetzt, ist zum großen Teil der Weiblichkeit und dem stummen Schmerz der Frau gewidmet. Er sieht die Frau um vieles seiner Zeit voraus und als Überbringerin einer unverstandenen Botschaft der Liebe und des Friedens. Seine eigene Kindheit hat Rilke in schrecklicher Erinnerung. Seine Mutter ist geisteskrank, verkleidet ihn als Mädchen und beunruhigt ihn mit ihren Fantasien. Der Vater, ein Beamter der kaiserlich-königlichen Regierung, will aus dem Sohn einen Karrieresoldaten machen und steckt ihn in die, wegen strengster Disziplin berüchtigte, Prager Militärschule. Rainer Maria Rilke verlässt sie gezeichnet. Er hasst für immer Deutschland, den Militarismus und die grausamen Mythen von Stärke und Kameradschaft. Eine ältere Frau rettet ihn vor der Verzweiflung. Gemeinsam mit Lou Andreas Salomé, auch geliebte von Friedrich Nietzsche, unternimmt er eine Reise. Mittellos zigeunern die beiden durch das zaristische Russland und begegnen dabei sogar dem alten Dichter Tolstoi. Auf der Rückreise macht das seltsame Paar, er fast noch ein Junge, sie bereits 40 Jahre alt, in Italien Station. Erst in Venedig, dann in Rom. Der Gedichtband, der aus den Eindrücken dieser Reise entsteht, macht aus Rilke in wenigen Tagen einen berühmten Mann. Nach Prag kehrt er nie wieder zurück. Auch von Lou trennt er sich. Jede engere Bindung erinnert ihn zu stark an Familie und Schule. Beides verhasste Begriffe. Rilke bleibt zeitlebens allein. In sich und seine Dichtung verloren aber empfindsam gegenüber den Zeichen der Zeit. In der Lyrik des hypersensiblen Dichters erkennen die Menschen eines von Krieg und Überzivilisation gekennzeichnetes Europas wieder.

Videos im Thema

Rainer Maria Rilke (1 Videos)

zur Themenseite