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Bernhard Schlink – Leben und Werk 06:48 min

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Transkript Bernhard Schlink – Leben und Werk

“Selbs Justiz”: Den Privatdetektiv Gerhard Selb führt ein Auftrag zurück in die eigene Vergangenheit als Staatsanwalt während der Zeit des Nationalsozialismus. “Die gordische Schleife”: Der ehemaliger Jurist Georg Polger gerät durch die Übersetzung von Konstruktionsplänen für Kampfhubschrauber in das Visier eines Spionagerings. “Der Vorleser”: Jura-Student Michael verfolgt einen Gerichtsprozess, bei dem seine ehemalige Geliebte als Täterin im Nationalsozialismus angeklagt ist. Das sind die Inhalte von Bernhard Schlinks berühmtesten Romanen. Fällt dir etwas auf? Neben politischen Themen sind die Protagonisten alle Juristen oder haben im juristischen Milieu zu tun. Wie kommt das? Bernhard Schlink ist selbst hauptberuflich Jurist. Zudem arbeitete er als Verfassungsrichter. Seine Lebensthemen sind die juristische Denkweise, Verfehlungen und Gerichtsurteile, Schuld und Sühne.

Dieser Jurist ist aber auch ein weltberühmter Schriftsteller. Für seine bisher zehn literarischen Werke hat er etliche Preise erhalten. “Der Vorleser” wurde verfilmt und erbrachte ihm das Bundesverdienstkreuz. Ist er jetzt eher Jurist oder Schriftsteller? Wie sehr beeinflussen sich beide Tätigkeiten gegenseitig? Bernhard Schlink wurde am 06. Juli 1944 in Großdornberg bei Bielefeld geboren und wuchs in Heidelberg auf. Er entstammt einer Akademikerfamilie:

Sein Vater, Edmund Schlink, war Theologieprofessor in Heidelberg, sein Großvater Wilhelm Schlink war Professor für Mechanik. Sein Bruder Wilhelm Schlink Professor für Kunstgeschichte an der Universität Freiburg. So wird auch Bernhard Schlink Professor - für Öffentliches Recht, Sozialrecht und Rechtsphilosophie. Nachdem er in Heidelberg und Berlin Rechtswissenschaften studiert hat, bekommt er nacheinander einen Lehrstuhl in Bonn, in Frankfurt am Main und in Berlin. Immer wieder schreibt er juristische Fach- und Lehrbücher. Als Anwalt vertritt Bernhard Schlink 2005 sogar die Bundesregierung.

Von 1987 bis 2006 ist er Verfassungsrichter Nordrhein-Westfalens. Während damals seine 68er-Studentenfreunde demonstrieren gingen, sagte sich Schlink: “Ich wollte die Gesellschaft lieber durch Juristerei verbessern. Als Richter, als Rechtsanwalt, als Verwaltungsbeamter – was immer ich werden würde. Als ich dann Professor wurde, wollte ich der nächsten Generation ein starkes Gefühl für Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit vermitteln.” Aber Schlink findet noch eine andere Methode, um das Gefühl für Gerechtigkeit zu vermitteln: die Schriftstellerei.

Schlinks erster Roman entsteht 1987. Durch eine Einladung an die Universität in Aix-en-Provence wohnt er drei Monate lang bei seinem dort ansässigen Freund Walter Popp. Beide lesen gerne Kriminalromane und beschließen, selbst einen solchen zu schreiben:

“Selbs Justiz” über den Privatdetektiv Gerhard Selb hat Erfolg und wird 1991 vom ZDF verfilmt. Bernhard Schlink schreibt dann ohne Co-Autoren weiter: Zunächst folgt der Kriminalroman “Die gordische Schleife”, der den Friedrich-Glauser-Preis erhält. Dann vervollständigt er mit “Selbs Betrug” und “Selbs Mord” die Trilogie. Über das Genre des Kriminalromans sagt Schlink: “Bei ihm muss man wie im Recht zuerst das Problem entfalten, dann muss man es lösen. Während es sonst in der Literatur eher darum geht, ein Thema auszufalten und auszuleuchten, es präsent, erlebbar zu machen.”

Daran versucht er sich 1995 - und landet mit “Der Vorleser” einen viel beachteten internationalen Bestseller. Der Roman wird in mehr als 30 Sprachen übersetzt, die amerikanische Ausgabe erreicht Platz 1 der Bestsellerliste der New York Times.

Es folgen nationale und internationale Literaturpreise wie der Hans Fallada-Preis. Die Verfilmung von “The Reader” aus dem Jahr 2008 erhält einen Oscar und einen Golden Globe. Die Erzählung “Der Andere” wird 2008 mit Liam Neeson und Antonio Banderas verfilmt. Der Roman “Das Wochenende” kommt 2013 mit Katja Riemann und Sebastian Koch in die deutschen Kinos. Trotz seines Erfolgs arbeitet Bernhard Schlink aber durchgehend hauptberuflich als Anwalt und Richter. Seine schriftstellerische Neigung beeinflusst seine Tätigkeit als Jurist: “Ich schreibe auch als Jurist gern und versuche auch als Jurist, klar und schön zu schreiben. Beides ergänzt sich auch sonst.”, sagt er in einem Interview. Umgekehrt wirkt sich seine juristische Praxis nicht nur inhaltlich, sondern auch formal auf seine Erzählweise aus: Seine knappe und präzise Darstellungsweise wird gelobt, das Schnörkellose und der Verzicht auf ausschweifendes Fabulieren. Weiterhin verbinden sich bei Schlink Elemente der deutschen Erzähltradition des 19. Jahrhunderts und moderner Realismus. Tatsächlich lehnt Schlink bewusst eine Unterscheidung zwischen ernsthafter und unterhaltender Literatur ab. Er kann also als postmoderner Autor bezeichnet werden.

»Bernhard Schlink gehört zu den größten Begabungen der deutschen Gegenwartsliteratur. Er ist ein einfühlsamer, scharf beobachtender und überaus intelligenter Erzähler. Seine Prosa ist klar, präzise und von schöner Eleganz.« schreibt die Frankfurter Neue Presse. Heute lebt Bernhard Schlink in Massachusetts und Berlin. Auf die Frage, warum er neben der Juristerei noch schreibt, antwortet er:

„Ich schreibe aus demselben Grund, aus dem andere lesen: Man will nicht nur ein Leben leben.“ Auf die Frage, warum er nicht ausschließlich schreibt, sagt er:

“Ich empfinde das Recht als Gewinn in meinem Leben. Ich denke gerne über die Themen und in den Strukturen des Rechts. Ich denke einfach gerne.” Bei Bernhard Schlink scheinen Schriftstellerei und Juristerei untrennbar miteinander verbunden.

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