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Stefan Zweig – Leben und Werk 08:47 min

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Transkript Stefan Zweig – Leben und Werk

„Es sah mehr nach einer gründlichen Reisevorbereitung als nach einem Selbstmord aus“ wird über den Freitod Stefan Zweigs in Brasilien 1942 gesagt.

Er erhielt dort ein Staatsbegräbnis. Die Geschäfte waren geschlossen, Blumen säumten den Leichenzug. Professoren, Dichter, Maler begleiteten den Zug. Stefan Zweig war ein berühmter Schriftsteller, der sich im Exil das Leben nahm.

Doch was machte diesen Mann aus, der schon zu Lebzeiten während des Krieges solche Berühmtheit erlangte und warum nahm er sich das Leben? Stefan Zweig wurde am 28. November 1881 in Wien geboren. Er stammte aus einer großbürgerlich-jüdischen Familie. Nach dem Schulabschluss 1899 begann er ein Studium der Philosophie, Germanisitk und Romanistik in seiner Heimatstadt. Sein Einstieg in das literarische Schreiben gelang Zweig während dieses Studiums. Er veröffentlichte 1901 sein erstes Werk, den Gedichtband „Silberne Saiten”. Seine ersten Gedichte und Novellen wurden außerdem in Zeitungen veröffentlicht.

1904 wurde er Doktor der Philosophie und sein erster Band mit Erzählungen erschien. Er unternahm von da an viele Reisen. Er bereiste Amerika, Indien, Europa und Afrika. Er verstand sich immer eher als Europäer als Österreicher.

Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges meldete er sich freiwillig zur Arbeit im Kriegsarchiv. Er sah sich als Pazifist, also Kriegsgegner, und wollte so dem Kriegsdienst an der Front entgehen.

Als kosmopolitischer Intellektueller schloß er sich während des 1.Weltkriegs einer Gruppe Intellektueller an, zu denen auch Herman Hesse, Romain Rolland und James Joyce gehörten. Gemeinsam publizierten sie von Zürich aus pazifistische Aufsätze.

Nach Kriegsende lebte er bis 1933 mit seiner Frau Friderike Maria von Winternitz in Salzburg. Die beiden hatten bereits 1920 geheiratet. Im März 1933 wurden durch die Nationalsozialisten seine Bücher öffentlich verbrannt. Bücherverbrennungen waren eine Methode der Nationalsozialisten ungewollte Schriftsteller und Intellektuelle öffentlich zu diffamieren. Ein Jahr später begann er allein seine Reise ins Exil und siedelte nach London über. Hier wurde Lotte Altmann seine Sekretärin. 1938 heirateten die beiden und siedelten daraufhin von London nach Bath über. Dort erhielten sie 1940 die britische Staatsbürgerschaft.

Die persönliche Freiheit empfand Stefan Zweig zeitlebens als sein höchstes Gut. Während des 2. Weltkriegs wurde ihm diese im faschistischen Deutschland genommen. Geistige Unabhängigkeit und Freiheit konnte er nur in seinen literarischen Arbeiten ausleben.

Stefan Zweig fühlte sich in England nicht länger zu Hause und siedelt 1941 mit seiner Frau nach Brasilien über. Dort wurde er als Schriftsteller verehrt. Außerdem entstand dort die berühmte „Schachnovelle”.

Als er sich 1942 in Brasilien gemeinsam mit seiner Frau das Leben nimmt, lebt er zwar in ökonomisch gesicherten Verhältnissen, ist aber unglücklich. Zweigs Werk kann gut als psychologische Betrachtung zwischenmenschlicher Konflikte charakterisiert werden. Dies zeigt sich vor allem in seinen Novellen. 1911 erscheinen seine ersten Novellen in dem Sammelband “Erstes Erlebnis”.

Neben Novellen schreibt Zweig auch historische Biografien und Miniaturen. Der Begriff Miniaturen stammt eigentlich aus der Kunstwissenschaft. Unter literarischen Miniaturen versteht man kurze Erzählungen, die sich durch Knappheit und Prägnanz auszeichnen, in denen beispielsweise Persönlichkeiten in einer bestimmten Situation dargestellt weden. In “Sternstunden der Menschheit” von 1927 stellt er überragende historische Persönlichkeiten in einer Situation ihres Lebens dar. Es ist eines seiner berühmtesten Werke, das bis heute den Lesern Geschichte literarisch veranschaulicht. Die Schachnovelle von 1942 ist seine seine berühmteste Novelle und zugleich letzte Erzählung. Sie ist eine Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und dem Terror der Gestapo.

Die Erzählung hat die Form einer klassischen Novelle. Sie erzählt die Konfrontation zweier Schachspieler an Bord eines Passagierschiffes von New York nach Buenos Aires.

Zweig zeigt an der Figur Dr.B, wie Persönlichkeitsstörungen mit Folter einher gehen können. Dr. B. lernte während einer Einzelhaft gegen sich selbst Schach zu spielen und wurde dabei nervenkrank. Als überzeugter Pazifist litt Zweig selbst unter den Folgen des 2. Weltkrieges.

In der Rede bei der Gründung des europäischen Schriftstellerverbandes in den USA am 15. Mai 1941 formulierte er den Zwiespalt deutscher Exilautoren: „[So frei wir uns auch fühlen von aller Verantwortung für die Untaten, die heute im Namen der deutschen Kultur geschehen, so lastet doch der Schatten dieser Taten in geheimnisvoller Weise auf unserer Seele. [...] Jedoch wir als Schriftsteller deutscher Sprache fühlen angesichts dieser Vergewaltigungen eine geheime und grausame Scham. Denn diese Dekrete sind in deutscher Sprache verfaßt, in derselben Sprache, in der wir schreiben und denken. Diese Brutalitäten geschehen im Namen derselben deutschen Kultur, der wir versuchten, mit unserem Werke zu dienen. [...]Und obwohl wir den Deutschen längst nicht mehr als Deutsche gelten, habe ich das Gefühl, ich müsse hier vor jedem Einzelnen meiner französischen, englischen, belgischen, norwegischen, polnischen, holländischen Freunde Abbitte leisten für all das, was heute seinem Volke im Namen des deutschen Geistes angetan wird.” Seine Resignation über den Terror des Zweiten Weltkrieges steigert sich bis zur Verzweiflung. Im Exil ist er physisch zwar sicher, doch er erleidet in Brasilien einen psychischen Zusammenbruch. Weder als Schriftsteller noch als Humanist kann er dagegen kämpfen. Am 22.02.1942 nimmt er sich sich gemeinsam mit seiner 2. Frau Frau Lotte Altmann das Leben.

Thomas Mann bezeichnet den Zusammenhang zwischen Zweigs Idealen und seinem Selbstmord als „Konsequenz, die sich jeder Kritik entzieht.“ Der Selbstmord war angesichts seiner Überzeugungen als Pazifist und Humanist die letzte Konsequenz.

In seinem Abschiedsbrief schreibt er über sich selbst, dass ihm „geistige Arbeit immer die lauterste Freunde und persönliche Freiheit das höchste Gut dieser Erde gewesen“ ist.