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Friedrich Schlegel – Leben und Werk 05:23 min

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Transkript Friedrich Schlegel – Leben und Werk

Friedrich Schlegel ist einer der widersprüchlichsten Gestalten der Literaturgeschichte. “Jeder ungebildete Mensch ist die Karikatur von sich selbst“, schreibt Schlegel einmal.

Was sagt der Satz über den Menschen Friedrich Schlegel aus? Die Anfänge seines literarisches Wirkens sind in der Frühromantik angesiedelt. Die Universitätstadt Jena ist die geistige Heimat dieser romantischen Bewegung.

Dort bilden die beiden Brüder August und Friedrich Schlegel einen Freundeskreis zu dem Tieck, Novalis und Schleiermacher gehören.

In gemeinsamen Diskussionen wurden Standpunkte zur zeitgenössischen Literatur, eine neue Poetik und philosophische Ideen sowie Kunsttheorien herausgearbeitet. Daraus entsteht ein „romantisches“ Programm, das in der Zeitschrift Athenäum von den Brüdern Schlegel in Berlin veröffentlicht wird.

Woher kam dieser junge, aufstrebende Geist? Friedrich Schlegel wird 1772 als Sohn eines Pastors in Hannover geboren. Einen Großteil seiner Kindheit verbringt er bei seinem älteren Bruder August Wilhelm Schlegel. Er nimmt ein Studium auf und publiziert nebenbei als freier Schriftsteller.

Schlegel beschäftigte sich viel mit der Antike. 1798 gründete er die Zeitschrift Athenäum und wird nach dem Studium Privatdozent an der Universität in Jena.

1804 geht Schlegel nach Köln, wo er sich zunehmend für die katholische Kirche interessierte. 1814 wird er zum „Ritter des päpstlichen Christusorden“ ernannt und ein Jahr später geadelt. 1828 zieht Schlegel mit seiner Frau Dorothea nach Dresden, wo er bis zu seinem Tod 1829 lebte.

In Dresden hält er Vorlesungen über die Philosophie der Sprache und der Worte. Friedrich Schlegels literarisches Programm ist eine Neuorientierung der Literatur. Ausgangspunkt ist die Auseinandersetzung mit dem schöpferischen Ich.

Besonders die Phantasie spielte für seinen Kerngedanken der modernen Poesie eine entscheidende Rolle. Sie ist die schöpferische Kraft, die hilft Erkenntnisse über die Welt zu gewinnen oder eine neue Welt zu erschaffen. Widersprüche wie Traum und Wirklichkeit, können durch die Kraft der Phantasie überwunden werden. Märchen werden für die Romantiker daher eine wichtige literarische Gattung.

Religion, Kunst, Gesellschaft und Philosophie bilden für Schlegel eine Einheit. In seinem Programm prägt er den Begriff der Progressive Universalpoesie.

Poesie zu schreiben oder zu verstehen, ist demnach ein niemals endender Prozess. In diesem Prozess werden ständig neue Formen und Inhalte vereint. Gleichzeitig ist Poesie immer universell, da sie die Grenzen zwischen Gattungen und Künsten aufhebt. Die Grenze zwischen Sagen und Märchen, Roman und Novelle verschwimmen. Widersprüchliche Figuren werden zu Helden.

Dieses romantische Programm setzte Schlegel in seinen Romanen, Gedichten, Vorlesungen und Übersetzungen um. Mit dem Roman “Lucinde” von 1799 versucht Friedrich Schlegel sein Programm der romantischen Poesie umsetzen. In dem Roman beschreibt Schlegel die Erfahrung der Liebe, die sich über alle Grenzen hinwegsetzt. Erzähltechnisch experimentiert Schlegel, indem er die Ereignisse nicht chronologisch erzählt. Er vereint außerdem eine Vielfalt literarischer Formen. Von Abhandlungen bis zum Brief finden sich unterschiedliche Formen in Lucinde wieder. Sein Programm zur romantischen Poesie hat maßgeblich die moderne Literatur beeinflusst. Besonders Schlegels Arbeiten auf dem Gebiet der Literaturgeschichtsschreibung sind für die heutige Literaturwissenschaft von Bedeutung. „Jeder ungebildete Mensch ist die Karikatur von sich selbst.“ Diesen Satz haben wir am Anfang gehört.

Das heißt etwa -- jeder Mensch sollte durch Bildung zu seinem eigenen Ideal werden. Bis dahin bleibt das Leben bruchstückhaft, denn Alles ist nach Schlegel ein Prozess.

So wie die Literatur.