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Freundschaftsbund zwischen Goethe und Schiller 10:42 min

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Transkript Freundschaftsbund zwischen Goethe und Schiller

Es ist der 07. September 1788, als sich zwei der berühmtesten deutschen Dichter zum ersten Mal in Rudolstadt, in der Nähe von Weimar, begegnen: Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller Die beiden haben schon viel voneinander gehört, aber gehen sich aus dem Weg. Vor allem Goethe beachtet den zehn Jahre jüngeren Schiller kaum. Goethe ist der gefeierte und respektierte Großmeister deutscher Literatur. Jetzt, nach seiner Ministerzeit, ist er naturwissenschaftlich interessiert und wendet sich der Klassik zu. Er bezeichnet Schiller als ein “kraftvolles aber unreifes Talent”.

Schiller ist jung und voller Leidenschaft. Sein Stück “Die Räuber” hat ihn schlagartig berühmt gemacht, so wie Goethe damals “Die Leiden des jungen Werther”. Wahrscheinlich fühlt sich Goethe an sich selbst erinnert, an die eigene, längst überwundene “Sturm und Drang”-Zeit. Auch Schiller ist genervt und eingeschüchtert von Goethes Berühmtheit, wenn er doch dessen Fähigkeiten schätzt. Er schreibt an einen Freund:

"Öfters um Goethe zu sein, würde mich unglücklich machen. [... ]; ich glaube in der That, er ist ein Egoist in ungewöhnlichem Grade. [...] Ein solches Wesen sollten die Menschen nicht um sich herum aufkommen lassen. Mir ist er dadurch verhaßt, ob ich gleich seinen Geist von ganzem Herzen liebe und groß von ihm denke. [...] Eine ganz sonderbare Mischung von Haß und Liebe ist es, die er in mir erweckt hat.”

Hier deutet sich aber schon an, warum diese beiden Dichter trotz negativer Gefühle, bald die produktivste Freundschaft der deutschen Literaturgeschichte eingehen werden. Bis zum nächsten Wiedersehen vergehen sechs Jahre: Im Juli 1794 nehmen beide Literaten an der Sitzung der “Naturforschenden Gesellschaft” zu Jena teil.

Mittlerweile hat Schiller durch sein Studium der Schriften Kants eine ähnliche innere Wandlung wie Goethe durch seine Italienreise durchlebt. Schiller schreibt Goethe schließlich einen verehrenden Brief zu seinem 45. Geburtstag. Und siehe da: Goethe schreibt vier Tage später zurück - in dankbarer Anerkennung. Darauf schreibt wiederum Schiller: “Nun kann ich aber hoffen, daß wir, soviel von dem Wege noch übrig sein mag, in Gemeinschaft durchwandeln werden, und mit um so größerem Gewinn, da die letzten Gefährten auf einer langen Reise sich immer am meisten zu sagen haben.”

Schillers Hoffnung bestätigt sich: Es ist der Beginn eines intensiven schriftlichen Gedankenaustauschs, der auch heute noch zu den berühmtesten Zeugnissen deutscher Sprache gehört. Der Briefwechsel soll ein Jahrzehnt dauern - ein fortlaufender Werkstattbericht zweier schöpferischer Menschen. Ihre wissenschaftliche Korrespondenz umfasst um die tausend Seiten. Was macht die Freundschaft der Dichter aus? Beide profitieren enorm vom anderen. Goethe bremst Schillers Tendenz zu philosophischen Spekulationen sowie seinen Hang zum Extremen. Im Gegenzug bringt Schiller Goethe von seinen naturwissenschaftlichen Studien ab zurück in Richtung dichterische Kunst.

“Sie haben mir eine zweite Jugend verschafft und mich wieder zum Dichter gemacht”, sagt Goethe später. Schiller bedeutet die Erfahrung weniger als die Idee. Goethe dagegen ist der praktische Naturforscher. So ergänzen sich beide und fügen sich “wie zwei Hälften zu einem Kreis”. Schiller hält Goethe für das größte literarische Genie der Epoche. Goethe begreift, dass Schiller womöglich der einzige Dichter ist, der seine eigene Auffassung von Kunst und Literatur versteht.

Doch bedeutet das gegenseitige Sichverstehen keineswegs, mit allem einverstanden zu sein, was der andere vorträgt. Vielmehr führen beide einen Diskurs, der eine klare Erkenntnis der eigenen Möglichkeiten erzeugt und eine fortlaufende kritische Begleitung des künstlerischen Schaffens darstellt. Die Freunde tauschen Bücher und Manuskripte aus. Sie ermutigen sich und finden im gegenseitigen Bezug aufeinander Orientierungshilfe. Gerade der wechselseitige Respekt vor der künstlerischen Leistung des anderen und die Toleranz gegenüber abweichenden Wertsetzungen begründen ihr persönliches Verhältnis. Beide Autoren äußern sich häufiger über ihre Freundschaft: Schiller in Briefen, vor allem an seinen Freund Körner, Goethe in einem späteren Rückblick "Erste Bekanntschaft mit Schiller" und in "Ferneres in Bezug auf mein Verhältnis zu Schiller". Und auch andere Autoren haben die Freundschaft beurteilt:

Als “Akt gegenseitiger Tathilfe” bezeichnet Hans Pyritz den Bund zwischen Goethe und Schiller. Sie würden eine “Wirkungsgemeinschaft” bilden. Die erste Zusammenarbeit der Dichter entsteht bei der von Schiller gegründeten Zeitschrift "Die Horen". Goethe soll als Autor und Gutachter mitarbeiten - und der neuen Zeitschrift Ansehen verschaffen. Die "Horen" konnten sich jedoch auf dem Markt nicht durchsetzen.

Daraufhin arbeiteten Goethe und Schiller am Musenalmanach, der 1797 von Schiller herausgegeben wird. Darin äußern sie in mehreren Hundert Epigrammen, den sogenannten Xenien, ihren Unmut über das Publikum. Mit den ironisch-bissigen Verspaaren unterziehen sie das dichterische Schaffen ihrer Zeit einer kritischen Begutachtung und machen sich unzählige Feinde. Wer welche Xenien geschrieben hat, ist bis heute nicht ganz klar. Oft hatte einer der Dichter den Gedanken und der andere machte die Verse. Durch die gegenseitige Unterstützung arbeitete Schiller seit 1796 an der Trilogie "Wallenstein". Goethe schloss den Bildungsroman "Wilhelm Meisters Lehrjahre" ab und widmete sich wieder "Faust". Für die nächste Ausgabe des Musenalmanachs stellen sich die Dichter in einer Art Wettstreit die Aufgabe, zahlreiche Balladen zu schreiben. Die Stoffe suchen sie gemeinsam aus, lektorieren gegenseitig die Werke. Da viele berühmte Balladen der Dichter entstehen, wird das Jahr 1797 in der Literaturgeschichte mittlerweile “Balladenjahr” genannt. So bezeichnete es Schiller in einem Brief an Goethe.

Die Hinwendung zum Genre der Ballade ist in Zusammenhang mit den Bemühungen Goethes und Schillers um eine neue Gattungspoetik zu sehen. Es ist ein Experiment mit einer bisher nebensächlichen Literaturgattung. Goethe und Schiller versuchen gemeinsam, die Grundgesetze der Dichtung und ihrer Genres aufzudecken und damit auch die eigene Praxis poetologisch zu fundieren.

1797 beschäftigen sie sich auch mit Fragen der Strukturgesetze von Drama und Epos. Die beiden Dichter vertreten eine neue Theaterästhetik: Goethe fordert eine entschiedene Trennung der Kunst von der Natur und die Abgrenzung der Bühne als eines eigenständigen Bereichs von der Zuschauerwirklichkeit. Sie wollen eine Stilisierung des Theaters und der Oper zu einem musikalisch inspirierten choreographischen Gesamtkunstwerk. Ihre gemeinsam entwickelten klassizistischen Stilisierungsmerkmale sind Teil der von ihnen begründeten Literatur- und Kunstauffassung. Sie wird als „Weimarer Klassik“ zur literaturhistorischen Epochenbezeichnung. Es geht um das Gute, Wahre, Schöne, den in sich ruhenden guten, edlen Menschen. Auch wichtig ist eine harmonische Übereinstimmung von Vernunft und Sinnlichkeit, Humanität - eine lehrhafte Persönlichkeitsbildung.

Diese Gedanken entstehen auch aus der gemeinsamen Hinwendung der Dichter zur Antike: Das höchste künstlerische Ideal ist für beide die an der griechischen Dichtung geschulte "Simplizität" und "Klassizität". Seit Anfang 1805 sind beide Autoren krank. Der gewohnte Gedankenaustausch ist unterbrochen.

Im Frühjahr ist ein zufälliges Treffen auf dem Weg ins Theater ihre letzte Begegnung. Am 9. Mai 1805 stirbt Friedrich Schiller an einer Lungenentzündung. Der erschütterte Goethe schreibt an den Freund Karl Friedrich Zelter: “Ich dachte mich selbst zu verlieren, und verliere nun einen Freund und in demselben die Hälfte meines Daseins." Die Freundschaft der beiden Dichter dient bis heute nicht nur in literarischer sondern auch in menschlicher Hinsicht als einzigartiges Vorbild.

1 Kommentar
  1. Default

    nnnnnnnnnnnnnnnnice

    Von Melaku1970, vor 9 Monaten