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Indefinitpronomen

Indefinitpronomen sind unbestimmte Fürwörter, die verwendet werden, wenn man zu einer Person oder Sache keine genaueren Angaben machen kann oder will. Du erfährst etwas über ihre Übersetzung, Deklination, Verwendung und Verneinung.

Wenn du dich mit Indefinitpronomen beschäftigen willst, hilft es dir, wenn du weißt, was Pronomen sind. Pronomen sind Fürwörter, die für ein Nomen bzw. anstelle eines Nomens stehen. Dieses Nomen kann sowohl ein Substantiv als auch ein Adjektiv sein.

Indefinitpronomen der lateinischen Sprache - Übersicht

Was sind Indefinitpronomen?

„Indefinit“ bedeutet „undefiniert“ oder „unbestimmt“. Indefinitpronomen sind also unbestimmte Fürwörter. Das bedeutet, sie werden verwendet, um ungenaue Informationen auszudrücken. Das können Informationen zu Personen, Personengruppen oder Sachen sein, die der Sprecher nicht genau bestimmen kann oder will. Ein Beispiel:

  • Aliquem vidi. (Ich habe jemanden gesehen.)

Es gibt keine genaueren Informationen zur gesehenen Person. Als Leser weißt du nicht, ob der Sprecher Marcus, Titus oder Cicero gesehen hat. Das Indefinitpronomen aliquem (jemanden) nimmt den Platz des Substantivs ein. Es wird hier subjektivisch verwendet.

Indefinitpronomen können auch adjektivisch verwendet werden. Sie stehen dann bei einem Substantiv:

  • Aliquem hominem vidi. (Ich habe irgendeinen Menschen gesehen.)

In diesem Beispiel weißt du zumindest, dass ein Mensch gesehen wurde, weitere Informationen bleiben vorenthalten. Viele Indefinitpronomen können auf beide Weisen gebraucht werden. Manche aber auch nur subjektivisch und andere nur adjektivisch. Es kommt auch vor, dass der Nominativ identisch ist, sich die Deklination aber unterscheidet.

Es gibt zahlreiche Indefinitpronomen. Die meisten enthalten die Silbe-qui- oder -quis- und bekommen ein weiteres Element (ali-, -quam, -que, -dam oder -vis) vorgestellt oder angehängt. Zum Beispiel:

  • aliquis (irgendeiner)
  • quisque (jeder einzelne)
  • quidam (ein gewisser)

Es gibt aber auch völlig andere Indefinitpronomen wie nemo (niemand) oder nihil (nichts). Die wichtigsten Indefinitpronomen und ihre Deklination kannst du dir im Folgenden anschauen.

aliquis und aliqui

Zunächst das Indefinitpronomen aus dem ersten Beispiel: aliquis (irgendjemand) bzw. aliqui (irgendein). Wie du an den Beispielen siehst, kann es allein, also substantivisch, verwendet werden (aliquis) oder aber auch adjektivisch (aliqui). Im ersten Fall wird das Indefinitpronomen wie das Interrogativpronomen quis, quid dekliniert. Es wird nur eben ein ali- davorgesetzt. Hiervon gibt es nur den Singular.

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Im zweiten Fall gleicht die Deklination dem des Relativpronomens qui, quae, quod. Es gibt nur zwei Unterschiede: Im Nominativ Singular feminin kann das -e fehlen und im neutrum Plural lauten der Nominativ und der Akkusativ aliqua (nicht aliquae).

deklination_aliqui2.JPG

Manchmal fehlt die Vorsilbe ali- in Sätzen. Sie sehen dann aus wie andere Pronomen, müssen aber wie aliqui(s) übersetzt werden. Das geschieht immer dann, wenn sie mit bestimmten Wörtern in Kombination auftreten. Es gibt dazu einen Merksatz, den du dir einprägen solltest:

  • Nach si, nisi, ne und num fällt das ali- um!

Ein Beispiel, bei dem das aliqui die Vorsilbe ali- verliert, ist:

  • Num quem hominem vidi. (Habe ich etwa irgendeinen Menschen gesehen?)

quisquis, quisque, quisquam und ullus

Ein weiteres mit qui, quae, quod gebildetes Indefinitpronomen ist quisquis (jeder; wer auch immer). Es wird nur substantivisch verwendet und so dekliniert:

deklination_quisquis.JPG

Ein Beispiel:

  • Quemquem rogo, mihi non adiuvat. (Wen auch immer ich frage, er hilft mir nicht.)

Auch quisque (jeder einzelne) wird entsprechend dekliniert, wobei viele Formen – besonders im femininum – fehlen. Quisque gibt es sowohl in substantivischer als auch in adjektivischer Verwendung.

deklination_quisque.JPG

Hier zum Vergleich zwei Beispiele: * Quisque it cognoscet. (Jeder einzelne wird es verstehen.) * Discipulus quisque it cognoscet. (Jeder einzelne Schüler wird es verstehen.)

Wie du siehst, gibt es eine Besonderheit: Quisque wird immer nachgestellt, anders als im Deutschen! Außerdem ist zu beachten, dass in Kombination mit einem Superlativ mit „alle“ oder „gerade“ übersetzt wird.

  • optimus quisque (gerade die besten)

Dekliniert wird es so:

deklination_quisque.JPG

Quisquam (irgendjemand) gibt es wieder nur substantivisch und auch nur im Singular. Dieses Pronomen wird nur in negativen Sätzen verwendet.

Die Deklination sieht so aus:

deklination_quisquam.JPG

Das dazu passende adjektivisch gebrauchte Indefinitpronomen lautet ullus, a, um (irgendein(e)). Es wird mit Ausnahme des Genitivs und Dativs Singular ganz regelmäßig nach der a- bzw- o-Deklination gebeugt.

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Auch ulla kommt nur in negativen Sätzen vor. Zum Beispiel mit sine (ohne):

  • Sine ulla spe sum. (Ich bin ohne irgendeine/jede Hoffnung.)

Du bist hoffentlich nicht hoffnungslos verwirrt und wir machen weiter!

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quidam, quivis, quilibet

Diese drei Indefinitpronomen werden wie qui, quae, quod dekliniert und nur mit dem jeweiligen Element vervollständigt. Ausnahmen sind jeweils der Nominativ und Akkusativ Singular, denen nicht quod, sondern quid zugrunde liegt. Sie alle treten sowohl substantivisch als auch adjektivisch auf.

  • Quodam tempore convenerunt. (Wir kommen zu einer gewissen Zeit zusammen.)

Dekliniert wird so:

deklination_quidam.JPG

quivis und quilibet bedeuten beide „jeder einzelne“. Ihre Deklinationen sehen so aus:

deklination_quivis.JPG

deklination_quilibet.JPG

Die bisherigen Indefinitpronomen werden alle nach bekanntem Muster dekliniert. Die folgenden haben jedoch ganz eigene Deklinationen.

nemo, nihil, nullus

Nemo hat sich aus ne (nicht) und homo (Mensch), also „kein Mensch“, entwickelt und bedeutet „niemand“. Es wird für maskuline und feminine Substantive verwendet, d.h. statt dieser. Nemo wird nämlich ausschließlich substantivisch verwendet. Das gilt auch für nihil (nichts), was für bzw. statt Substantiva im Neutrum genutzt wird. Beide gibt es nur im Singular.

deklination_nemo_nihil2.JPG

Ist dir etwas aufgefallen? Einige Formen werden mit nulla gebildet. Dieses Pronomen lernst du weiter unten kennen. Jetzt ein Beispiel zu nemo und nihil:

  • Nihil et neminem vidi. (Ich habe nichts und niemanden gesehen.)

Ist ein Bezugswort vorhanden, liegt also eine adjektivische Verwendung vor, wird nulla (nichts) gebraucht. Ein Beispiel:

  • Nullum hominem vidi. (Ich habe keinen Menschen gesehen.)

Nulla wird mit Ausnahme des Genitivs und Dativs Singular ganz regelmäßig nach der a-/o-Deklination gebeugt:

deklination_nullus2.JPG

Die Indefinitpronomen aus diesem Abschnitt sind verneinende Pronomen. In ihrer Verwendung gibt es einen besonderen Fall. Auch sie können nämlich verneint werden. Diese doppelte Verneinung ist ganz klar geregelt:

  • Wird ein negatives Pronomen verneint, ist die Bedeutung positiv!

So ensteht:

  • nemo non (jeder)
  • non nemo (macher)
  • nihil non (alles)
  • non nihil (etwas)
  • nulli non (alle)
  • nonnulli (einige)

Übersicht Indefinitpronomen

Jetzt hast du ganz schön viele neue Vokabeln kennengelernt! Hier nochmal eine Übersicht.

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Viel Erfolg und vale!