Intensivlandwirtschaft im Mittelmeerraum – Bewässerung und Treibhauskulturen am Beispiel Südspaniens
- Woher die Tomate im Januar kommt
- Das Klima im Mittelmeerraum
- Intensivlandwirtschaft im Mittelmeerraum
- Bewässerung
- Vorteile und Kosten dieser Wirtschaftsweise
in nur 12 Minuten? Du willst ganz einfach ein neues
Thema lernen in nur 12 Minuten?
-
5 Minuten verstehen
Unsere Videos erklären Ihrem Kind Themen anschaulich und verständlich.
92%der Schüler*innen hilft sofatutor beim selbstständigen Lernen. -
5 Minuten üben
Mit Übungen und Lernspielen festigt Ihr Kind das neue Wissen spielerisch.
93%der Schüler*innen haben ihre Noten in mindestens einem Fach verbessert. -
2 Minuten Fragen stellen
Hat Ihr Kind Fragen, kann es diese im Chat oder in der Fragenbox stellen.
94%der Schüler*innen hilft sofatutor beim Verstehen von Unterrichtsinhalten.
Lerntext zum Thema Intensivlandwirtschaft im Mittelmeerraum – Bewässerung und Treibhauskulturen am Beispiel Südspaniens
Woher die Tomate im Januar kommt
Hast du im Winter im Supermarkt schon mal nach einer Salatgurke oder einer Packung Tomaten gegriffen und das Etikett umgedreht? Sehr oft steht dort „Herkunft: Spanien". Draußen ist es in Deutschland grau und kalt, aber das Gemüse ist frisch – und es kostet meist nicht viel mehr als im Sommer. Möglich macht das eine Region in Südspanien, die aus dem All wie ein weißes Meer aussieht. In diesem Text lernst du, warum ausgerechnet dort große Mengen Gemüse für den europäischen Markt angebaut werden, wie die Bewässerung funktioniert und welche Folgen diese Wirtschaftsweise für Wasser, Boden und Menschen hat.

Das Klima im Mittelmeerraum
Der Raum um Almería in Andalusien gehört zu den trockensten Regionen Europas: Dort fallen im Durchschnitt nur etwa 200 Millimeter Niederschlag im Jahr. Das ist weniger als in Berlin in einem halben Jahr. Ein Klimadiagramm der Station zeigt dir das typische Muster des Mittelmeerklimas: Die Temperaturkurve bleibt auch im Januar über 10 Grad, die Niederschlagssäulen sind im Winterhalbjahr am höchsten und fallen im Sommer nahezu auf null.
Das Mittelmeerklima ist durch heiße, trockene Sommer und milde, feuchte Winter gekennzeichnet. Die Hauptniederschläge fallen also in der kühleren Jahreszeit.
Für die Landwirtschaft ergibt sich daraus ein Vorteil und ein Problem zugleich. Vorteilhaft ist die Wärme im Winter, weil in Mitteleuropa zu dieser Zeit nur wenig Gemüse im Freiland angebaut werden kann. Problematisch ist, dass der Regen genau dann ausbleibt, wenn die Pflanzen am meisten Wasser brauchen. Ohne Zuleitung von Wasser ginge dort gar nichts.
Intensivlandwirtschaft im Mittelmeerraum
Ein Unternehmen wählt seinen Standort nach den Eigenschaften eines Ortes aus, die den Betrieb begünstigen oder behindern – solche Eigenschaften heißen Standortfaktoren. Für Almería kommen mehrere zusammen: rund 3 000 Sonnenstunden im Jahr, milde Winter ohne Frost, vorhandene Wasserressourcen, die für die Bewässerung erschlossen wurden , günstige Flächen in einer zuvor kaum genutzten Halbwüste, Autobahn- und Hafenanbindung Richtung Mitteleuropa und ein großes Angebot an Arbeitskräften, überwiegend Zugewanderte aus Nordafrika und Osteuropa.
Das Ergebnis nennen die Spanier Mar de Plástico, Plastikmeer: In der Provinz Almería liegen rund 33 000 Hektar Gewächshäuser. Besonders dicht stehen sie im Campo de Dalías rund um El Ejido, wo sie eine fast geschlossene weiße Fläche bilden.

Intensivlandwirtschaft bedeutet, dass auf einer Fläche mit hohem Einsatz von Kapital, Technik, Dünger und Arbeit möglichst hohe Erträge erzielt werden.
Die Gewächshäuser dort werden nicht geheizt, die Folie hält lediglich Wärme und Feuchtigkeit zurück. Dadurch verbraucht ein Betrieb in Almería deutlich weniger Energie als ein beheiztes Gewächshaus in den Niederlanden. Geerntet wird ganzjährig, oft mehrere Kulturen pro Jahr.
Bewässerung
Weil Wasser knapp ist, wird es nicht auf die Fläche verteilt, sondern an jede einzelne Pflanze geführt.
Bei der Tröpfchenbewässerung liefern dünne Schläuche das Wasser direkt an die Wurzel. Dünger wird dem Wasser beigemischt. Dadurch verdunstet und versickert deutlich weniger als bei einer Beregnung der ganzen Fläche.
Trotz dieser sparsamen Technik entsteht ein Problem: Immer mehr Betriebe pumpen Grundwasser aus dem Untergrund. Mehr Wasser wird somit entnommen, als durch Regen nachsickert, sodass der Grundwasserspiegel sinkt. Im küstennahen Bereich strömt Meerwasser in den entleerten Grundwasserkörper nach. Das Wasser versalzt dadurch und wird für Pflanzen unbrauchbar. Diese Versalzung ist das zentrale ökologische Risiko der Bewässerungslandwirtschaft in Trockenräumen. In Almería wurde deshalb gegengesteuert: Mehrere Meerwasserentsalzungsanlagen decken inzwischen einen erheblichen Teil des Bewässerungsbedarfs, wodurch sich die Grundwasservorräte teilweise erholt haben. Entsalzung braucht allerdings viel Energie und ist teuer.
Vorteile und Kosten dieser Wirtschaftsweise
Die Gegenüberstellung macht deutlich, warum das Thema der Intensivlandwirtschaft im Mittelmeerraum umstritten ist.
| Positive Wirkungen | Probleme |
|---|---|
| ganzjährige Versorgung Europas mit frischem Gemüse | hoher Wasserverbrauch in einem Trockenraum |
| Wohlstand in einer zuvor sehr armen Region | Versalzung und Absenkung des Grundwassers |
| Zehntausende Arbeitsplätze | schlechte Löhne und Unterkünfte vieler Erntekräfte |
| geringer Heizenergiebedarf gegenüber Nordeuropa | jährlich große Mengen Folienabfall |
| starker Rückgang des Pestizideinsatzes durch Nützlinge | Verlust von Lebensräumen unter der Folie |
Zwei Punkte lohnen eine genauere Betrachtung. Erstens die Arbeitsbedingungen: Ein großer Teil der Erntearbeit wird von Migrantinnen und Migranten geleistet, die teilweise in Behelfssiedlungen aus Plastikfolien, Holzpaletten und Wellblech direkt an den Rändern der Gewächshauszonen wohnen. Dort fehlen grundlegende Einrichtungen wie fließendes Wasser, Sanitäreinrichtungen und ein Stromanschluss. Weitere Probleme sind die Bezahlung unter dem Mindestlohn, fehlende Arbeitsverträge und der Druck fehlender Aufenthaltsgenehmigungen, die die Durchsetzung von Arbeitsrechten erschweren.
Zweitens der Pflanzenschutz. Nachdem in den 2000er-Jahren in deutschem und europäischem Gemüse unzulässig hohe Rückstände von Insektiziden gefunden wurden, verhängten europäische Supermärkte strenge Kontrollen und Annahmestopps. Danach stellten viele Betriebe auf biologische Schädlingsbekämpfung um: Statt zu spritzen, setzen sie Raubmilben und Wanzen aus, die Schädlinge fressen. Der Pestizideinsatz ging dadurch stark zurück – ein Beispiel dafür, dass sich Intensivlandwirtschaft verändern lässt.
Auch dein Einkauf verbraucht Wasser. Als virtuelles Wasser bezeichnet man die Wassermenge, die zur Herstellung eines Produkts nötig war. Wenn du eine Tomate aus Spanien kaufst, wurde für ihren Anbau also Wasser in einer Region genutzt, in der Wasser besonders knapp ist.
Ausblick – das lernst du nach der intensivlandwirtschaft im Mittelmeerraum
Im Anschluss weitet sich der Blick auf den gesamten Mittelmeerraum als Tourismusregion: Du untersuchst, wie Massentourismus entstanden ist und wie Tourismus nachhaltig gestaltet werden kann.
Zusammenfassung zum Thema Intensivlandwirtschaft im Mittelmeerraum
- Das Mittelmeerklima bringt heiße, trockene Sommer und milde, feuchte Winter.
- Günstige Standortfaktoren sind viel Sonne, mildeWinter, Grundwasservorräte, nutzbare Flächen, erschlossene Wasserressourcen, eine gute Verkehrsanbindung und verfügbare Arbeitskräfte.
- Auf rund 33 000 Hektar bilden Folienhäuser das Mar de Plástico, die Intensivlandwirtschaft erzielt dort mit hohem Technikeinsatz ganzjährig Ernten.
- Die Tröpfchenbewässerung führt Wasser und Dünger direkt an die Wurzel und senkt die Verdunstungsverluste.
- Übernutzung des Grundwassers führte zum Eindringen von Meerwasser und damit zur Versalzung. Meerwasserentsalzung entlastet die Vorräte, kostet aber viel Energie.
- Nutzen der Intensivlandwirtschaft sind Frischgemüse für Europa, Arbeitsplätze und Wohlstand. Kosten sind Wasserverbrauch, Folienabfall, Lebensraumverlust und schwierige Arbeitsbedingungen vieler Erntekräfte.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Intensivlandwirtschaft im Mittelmeerraum
Intensivlandwirtschaft im Mittelmeerraum – Bewässerung und Treibhauskulturen am Beispiel Südspaniens Übung
-
Beschreibe die klimatischen Bedingungen um Almería und ihre Bedeutung für die Landwirtschaft.
TippsTrockenheit schließt Landwirtschaft nicht aus, aber sie macht Bewässerung nötig.
Drei Antworten sind falsch.
LösungDas Klima um Almería zeichnet sich durch extrem geringe Niederschläge von nur etwa 200 Millimetern pro Jahr und sehr milde Winter mit Januartemperaturen über zehn Grad Celsius aus. Diese Winterwärme bietet der Landwirtschaft einen entscheidenden Vorteil, da im frostfreien Raum Gemüse und Obst angebaut werden können, wenn in Mitteleuropa nicht viel wächst. Ein zentrales Problem bleibt jedoch die sommerliche Trockenheit, da der ohnehin spärliche Regen genau dann ausbleibt, wenn die Pflanzen während der Vegetationsperiode am meisten Wasser benötigen.
-
Beschreibe die Funktionsweise der Bewässerung in den Gewächshäusern Almerías.
TippsBei der Beregnung wird Wasser von oben durch Sprinkler oder Regner auf die Pflanzen verteilt, um natürlichen Regen zu simulieren.
LösungWeil Wasser in Almería knapp ist, soll möglichst wenig davon verloren gehen. Deshalb wird es nicht über die ganze Fläche verteilt, sondern an jede einzelne Pflanze geführt. Bei der Tröpfchenbewässerung liefern dünne Schläuche das Wasser direkt an die Wurzeln der Pflanze. Auch der Dünger wird dem Wasser beigemischt. Dadurch verdunstet und versickert deutlich weniger Wasser als bei einer Beregnung der ganzen Fläche.
-
Stelle Vor- und Nachteile der Intensivlandwirtschaft in Almería gegenüber.
TippsDenke immer über die Konsequenzen der einzelnen Aussagen nach.
Eine Aussage betrifft die Lebewesen unter der Folie. Überlege, was auf der Fläche wuchs und lebte, bevor die Gewächshäuser dort standen.
LösungVorteile: Die Plastikfolien der Gewächshäuser halten die Wärme effizient im Haus und ermöglichen es, Mitteleuropa selbst im Januar mit frischen Tomaten zu versorgen. Der massive Anbau generiert hohes Einkommen in einer früher armen Region, schafft Arbeit für Zehntausende Menschen und setzt zunehmend auf den Einsatz von Nützlingen statt chemischer Spritzmittel.
Nachteile: Durch Plastikfolien, die den offenen Boden bedecken (vorher Lebensraum) und regelmäßig als Müll ersetzt werden müssen, entstehen Umweltprobleme. Der enorme Wasserbedarf führt dazu, dass zu viel Wasser aus dem Untergrund entnommen wird, woraufhin Salzwasser nachrückt und das Grundwasser versalzt. Auch die als Alternative genutzte Meerwasserentsalzung verbraucht viel Energie. Zudem geht der wirtschaftliche Erfolg oft auf Kosten der Beschäftigten, die häufig unter dem Mindestlohn bezahlt werden.
-
Erkläre den Rückgang des Pestizideinsatzes in Almería.
TippsEin Annahmestopp setzt voraus, dass kontrolliert wird. Er ist die Verschärfung der Kontrolle.
Lösung1) Unzulässig hohe Rückstände wurden gefunden.
2) Europäische Supermärkte verhängten daraufhin strenge Kontrollen. Nicht ein Gesetz und nicht die Einsicht der Betriebe brachte die Wende, sondern der Druck der Abnehmer.
3) Auffällige Ware wurde nicht mehr angenommen.
4) Erst der drohende Verlust der Abnehmer machte die Umstellung auf „Nützlinge“, die die Schädlinge fressen, wirtschaftlich zwingend notwenig.
5) Der Pestizideinsatz ging schließlich stark zurück.
-
Beschreibe die Fachbegriffe rund um die Intensivlandwirtschaft im Mittelmeerraum.
TippsVirtuelles Wasser steht für das „unsichtbare“ oder „versteckte“ Wasser.
Lösung- Mittelmeerklima: heiße, trockene Sommer und milde, feuchte Winter – der Regen fällt in der kühleren Jahreszeit
- Standortfaktoren: Eigenschaften eines Orts, die einen Betrieb begünstigen oder behindern
- Intensivlandwirtschaft: Auf kleiner Fläche werden mit hohem Einsatz von Kapital, Technik, Dünger und Arbeit sehr hohe Erträge erzielt.
- Tröpfchenbewässerung: Dünne Schläuche führen Wasser und Dünger unmittelbar an die Wurzel, sodass wenig verloren geht.
- Versalzung: Nachströmendes Meerwasser macht das Grundwasser salzig und für Pflanzen unbrauchbar.
- Virtuelles Wasser: die Wassermenge, die zur Herstellung eines Produkts nötig war
-
Ordne jeder Beobachtung ihre Ursache zu.
TippsZwei Beobachtungen handeln von Wasser. Unterscheide, ob es um die Menge an der falschen Stelle oder um die Qualität des Wassers geht.
Lösung- Beim Landeanflug ist unter der Maschine eine fast geschlossene weiße Fläche zu sehen, weil dort auf rund 33$\,$000 Hektar Gewächshäuser dicht an dicht stehen.
- Ein Betrieb liefert im Januar reife Tomaten, obwohl in den Häusern keine Heizung zu sehen ist, weil die Winter mild und frostfrei sind und die Folie die Wärme im Haus zurückhält.
- Der Boden zwischen den Pflanzenreihen ist staubtrocken, obwohl täglich bewässert wird, weil das Wasser durch Schläuche direkt an die Wurzel geführt und nicht über die Fläche verteilt wird.
- In einem Betrieb hängen kleine Tütchen mit lebenden Insekten zwischen den Pflanzen, weil der Betrieb Schädlinge mit Nützlingen bekämpft, statt zu spritzen.
- Ein Bauer erzählt, aus seinem küstennahen Brunnen komme Wasser, an dem die Pflanzen eingehen. Das liegt daran, dass Meerwasser in den leer gepumpten Grundwasserkörper nachgeströmt ist, sodass das Wasser salzig ist.
- Am Rand einer Gewächshauszone stehen Hütten aus Folie und Paletten. Abends brennt dort kein Licht, weil diese Behelfssiedlungen keinen Stromanschluss haben.
10.873
sofaheld-Level
6.600
vorgefertigte
Vokabeln
8.417
Lernvideos
39.274
Übungen
34.589
Arbeitsblätter
24h
Hilfe von Lehrkräften
Inhalte für alle Fächer und Klassenstufen.
Von Expert*innen erstellt und angepasst an die Lehrpläne der Bundesländer.
Testphase jederzeit online beenden
Beliebteste Themen in Geographie
- Mount Everest
- Zeitzonen Der Erde
- Bayern
- Bern Hauptstadt Schweiz
- Äquator
- Mittelgebirge
- Plattentektonik
- Corioliskraft
- Flüsse Deutschland
- Klimazonen
- Klimazonen Afrika, Vegetationszonen Afrika
- Naturkatastrophen
- Passatkreislauf
- Schalenbau der Erde
- Bratislava Hauptstadt Slowakei
- New York Lage, New York Klima
- Gradnetz der Erde
- Wirtschaftssektoren
- Kontinente und Ozeane
- Wie entsteht Wind
- Vegetationszonen
- Donau Verlauf
- Erde Planet
- Vaduz Liechtenstein
- Schildvulkan, Schichtvulkan
- Wie Entstehen Wüsten
- Überbevölkerung
- Afrika Kontinent
- Was Sind Dünen
- norddeutsches Tiefland
- Küstenschutz
- Erdöl Entstehung
- Gletscher Schmelzen
- Klimafaktoren
- Klimadiagramm auswerten
- Den Haag
- Entstehung Braunkohle
- Erdöl Transport
- Gletscher
- Stockholm Referat
- Australien Einwohner
- Entstehung Der Kontinente
- Faltengebirge
- Was Ist Globalisierung
- Wie entsteht Tag und Nacht?
- Merkmale Massentourismus
- Sklavenhandel
- Berlin Referat
- Was Ist Steinkohle
- Industrieländer
5 Minuten verstehen
5 Minuten üben
2 Minuten Fragen stellen