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Intensivlandwirtschaft im Mittelmeerraum – Bewässerung und Treibhauskulturen am Beispiel Südspaniens

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Woher die Tomate im Januar kommt

Hast du im Winter im Supermarkt schon mal nach einer Salatgurke oder einer Packung Tomaten gegriffen und das Etikett umgedreht? Sehr oft steht dort „Herkunft: Spanien". Draußen ist es in Deutschland grau und kalt, aber das Gemüse ist frisch – und es kostet meist nicht viel mehr als im Sommer. Möglich macht das eine Region in Südspanien, die aus dem All wie ein weißes Meer aussieht. In diesem Text lernst du, warum ausgerechnet dort große Mengen Gemüse für den europäischen Markt angebaut werden, wie die Bewässerung funktioniert und welche Folgen diese Wirtschaftsweise für Wasser, Boden und Menschen hat.

Mar de Plástico Satellitenbild

Das Klima im Mittelmeerraum

Der Raum um Almería in Andalusien gehört zu den trockensten Regionen Europas: Dort fallen im Durchschnitt nur etwa 200 Millimeter Niederschlag im Jahr. Das ist weniger als in Berlin in einem halben Jahr. Ein Klimadiagramm der Station zeigt dir das typische Muster des Mittelmeerklimas: Die Temperaturkurve bleibt auch im Januar über 10 Grad, die Niederschlagssäulen sind im Winterhalbjahr am höchsten und fallen im Sommer nahezu auf null.

Klimadiagramm Almeria

Das Mittelmeerklima ist durch heiße, trockene Sommer und milde, feuchte Winter gekennzeichnet. Die Hauptniederschläge fallen also in der kühleren Jahreszeit.

Für die Landwirtschaft ergibt sich daraus ein Vorteil und ein Problem zugleich. Vorteilhaft ist die Wärme im Winter, weil in Mitteleuropa zu dieser Zeit nur wenig Gemüse im Freiland angebaut werden kann. Problematisch ist, dass der Regen genau dann ausbleibt, wenn die Pflanzen am meisten Wasser brauchen. Ohne Zuleitung von Wasser ginge dort gar nichts.

Intensivlandwirtschaft im Mittelmeerraum

Ein Unternehmen wählt seinen Standort nach den Eigenschaften eines Ortes aus, die den Betrieb begünstigen oder behindern – solche Eigenschaften heißen Standortfaktoren. Für Almería kommen mehrere zusammen: rund 3 000 Sonnenstunden im Jahr, milde Winter ohne Frost, vorhandene Wasserressourcen, die für die Bewässerung erschlossen wurden , günstige Flächen in einer zuvor kaum genutzten Halbwüste, Autobahn- und Hafenanbindung Richtung Mitteleuropa und ein großes Angebot an Arbeitskräften, überwiegend Zugewanderte aus Nordafrika und Osteuropa.

Das Ergebnis nennen die Spanier Mar de Plástico, Plastikmeer: In der Provinz Almería liegen rund 33 000 Hektar Gewächshäuser. Besonders dicht stehen sie im Campo de Dalías rund um El Ejido, wo sie eine fast geschlossene weiße Fläche bilden.

Mar de Plástico

Intensivlandwirtschaft bedeutet, dass auf einer Fläche mit hohem Einsatz von Kapital, Technik, Dünger und Arbeit möglichst hohe Erträge erzielt werden.

Die Gewächshäuser dort werden nicht geheizt, die Folie hält lediglich Wärme und Feuchtigkeit zurück. Dadurch verbraucht ein Betrieb in Almería deutlich weniger Energie als ein beheiztes Gewächshaus in den Niederlanden. Geerntet wird ganzjährig, oft mehrere Kulturen pro Jahr.

Bewässerung

Weil Wasser knapp ist, wird es nicht auf die Fläche verteilt, sondern an jede einzelne Pflanze geführt.

Bei der Tröpfchenbewässerung liefern dünne Schläuche das Wasser direkt an die Wurzel. Dünger wird dem Wasser beigemischt. Dadurch verdunstet und versickert deutlich weniger als bei einer Beregnung der ganzen Fläche.

Trotz dieser sparsamen Technik entsteht ein Problem: Immer mehr Betriebe pumpen Grundwasser aus dem Untergrund. Mehr Wasser wird somit entnommen, als durch Regen nachsickert, sodass der Grundwasserspiegel sinkt. Im küstennahen Bereich strömt Meerwasser in den entleerten Grundwasserkörper nach. Das Wasser versalzt dadurch und wird für Pflanzen unbrauchbar. Diese Versalzung ist das zentrale ökologische Risiko der Bewässerungslandwirtschaft in Trockenräumen. In Almería wurde deshalb gegengesteuert: Mehrere Meerwasserentsalzungsanlagen decken inzwischen einen erheblichen Teil des Bewässerungsbedarfs, wodurch sich die Grundwasservorräte teilweise erholt haben. Entsalzung braucht allerdings viel Energie und ist teuer.

Vorteile und Kosten dieser Wirtschaftsweise

Die Gegenüberstellung macht deutlich, warum das Thema der Intensivlandwirtschaft im Mittelmeerraum umstritten ist.

Positive Wirkungen Probleme
ganzjährige Versorgung Europas mit frischem Gemüse hoher Wasserverbrauch in einem Trockenraum
Wohlstand in einer zuvor sehr armen Region Versalzung und Absenkung des Grundwassers
Zehntausende Arbeitsplätze schlechte Löhne und Unterkünfte vieler Erntekräfte
geringer Heizenergiebedarf gegenüber Nordeuropa jährlich große Mengen Folienabfall
starker Rückgang des Pestizideinsatzes durch Nützlinge Verlust von Lebensräumen unter der Folie

Zwei Punkte lohnen eine genauere Betrachtung. Erstens die Arbeitsbedingungen: Ein großer Teil der Erntearbeit wird von Migrantinnen und Migranten geleistet, die teilweise in Behelfssiedlungen aus Plastikfolien, Holzpaletten und Wellblech direkt an den Rändern der Gewächshauszonen wohnen. Dort fehlen grundlegende Einrichtungen wie fließendes Wasser, Sanitäreinrichtungen und ein Stromanschluss. Weitere Probleme sind die Bezahlung unter dem Mindestlohn, fehlende Arbeitsverträge und der Druck fehlender Aufenthaltsgenehmigungen, die die Durchsetzung von Arbeitsrechten erschweren.

Zweitens der Pflanzenschutz. Nachdem in den 2000er-Jahren in deutschem und europäischem Gemüse unzulässig hohe Rückstände von Insektiziden gefunden wurden, verhängten europäische Supermärkte strenge Kontrollen und Annahmestopps. Danach stellten viele Betriebe auf biologische Schädlingsbekämpfung um: Statt zu spritzen, setzen sie Raubmilben und Wanzen aus, die Schädlinge fressen. Der Pestizideinsatz ging dadurch stark zurück – ein Beispiel dafür, dass sich Intensivlandwirtschaft verändern lässt.

Auch dein Einkauf verbraucht Wasser. Als virtuelles Wasser bezeichnet man die Wassermenge, die zur Herstellung eines Produkts nötig war. Wenn du eine Tomate aus Spanien kaufst, wurde für ihren Anbau also Wasser in einer Region genutzt, in der Wasser besonders knapp ist.

Ausblick – das lernst du nach der intensivlandwirtschaft im Mittelmeerraum

Im Anschluss weitet sich der Blick auf den gesamten Mittelmeerraum als Tourismusregion: Du untersuchst, wie Massentourismus entstanden ist und wie Tourismus nachhaltig gestaltet werden kann.

Zusammenfassung zum Thema Intensivlandwirtschaft im Mittelmeerraum

  • Das Mittelmeerklima bringt heiße, trockene Sommer und milde, feuchte Winter.
  • Günstige Standortfaktoren sind viel Sonne, mildeWinter, Grundwasservorräte, nutzbare Flächen, erschlossene Wasserressourcen, eine gute Verkehrsanbindung und verfügbare Arbeitskräfte.
  • Auf rund 33 000 Hektar bilden Folienhäuser das Mar de Plástico, die Intensivlandwirtschaft erzielt dort mit hohem Technikeinsatz ganzjährig Ernten.
  • Die Tröpfchenbewässerung führt Wasser und Dünger direkt an die Wurzel und senkt die Verdunstungsverluste.
  • Übernutzung des Grundwassers führte zum Eindringen von Meerwasser und damit zur Versalzung. Meerwasserentsalzung entlastet die Vorräte, kostet aber viel Energie.
  • Nutzen der Intensivlandwirtschaft sind Frischgemüse für Europa, Arbeitsplätze und Wohlstand. Kosten sind Wasserverbrauch, Folienabfall, Lebensraumverlust und schwierige Arbeitsbedingungen vieler Erntekräfte.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Intensivlandwirtschaft im Mittelmeerraum

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