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Brennnessel und Taubnessel 08:21 min

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Transkript Brennnessel und Taubnessel

Hallo, heute habe ich zwei Pflanzen ausgewählt, die sich zwar ähneln, aber dennoch verschiedenen Pflanzenfamilien angehören. Ihr kennt sie sicherlich: Es ist die große Brennnessel und die Weiße Taubnessel. Der Nachname Nessel lässt vermuten, dass sie miteinander verwandt sind und in die gleiche Gruppe gehören. Dem ist aber nicht so. Meine Ziele sind euch beide Pflanzen vorzustellen und sie zu vergleichen. Anhand des Vergleiches werden wird die Zuordnungen begreifen. Beide Exemplare fand ich am gleichen Standort in Gemeinschaft. Sie wuchsen am Waldrand entlang eines Weges, hier im Foto ersichtlich. Demnach haben beide fast die gleichen Lebensansprüche und ich will schon verraten, dass sie den Schatten der Bäume mögen und mit wenig Sonne auskommen. Die große Brennnessel ist eine 50 bis 150 cm große Pflanze mit kriechenden Rhizom. Sie ist weit verbreitet, zweihäusig und mehrjährig. Das heißt, sie erscheint mehrere Jahre am gleichen Standort. Einjährig hingegen ist die kleine Verwandte, die kleine Brennnessel. Die Sprossachse der großen Brennnessel ist recht dünn, kantig, stabil und mit Brennhaaren besetzt. Stabil und biegsam ist sie, da sie innen längs von vielen Bastfasern durchzogen wird. Die Blätter sind dunkelgrün, oval geformt und ungeteilt. Sie stehen gegenständig, das heißt sich gegenüber, an der Sprossachse. Die Blattfläche trägt Brennhaare und der Blattrand ist grob gesägt. Man sieht hier ganz deutlich die sägezahnartigen Blattränder. Berührt man die Blätter, bricht die Spitze der Brennhärchen ab und das Nesselgift tritt mit dem Eiweißstoff Histamin aus. Das verursacht das bekannte Brennen der Haut. Die Pflanze blüht von Juli bis Oktober und die eingeschlechtigen, unauffälligen Blüten stehen in einfachen bis verzweigten Trauben quirlig in den Blattachsen. Die männlichen Blüten stehen deutlich waagerecht ab und erscheinen hellgrün. Die weiblichen Blüten hängen meist gekrümmt und traubenförmig herab. Die Art große Brennnessel ist also zweihäusig. Die weibliche Blüte lässt die Kelch- und Kronblätter noch erkennen. Das Fruchtblatt ist verdickt und trägt eine gefiederte Narbe. Im Inneren ist die Samenanlage mit der Eizelle zu finden. Die unscheinbare männliche Blüte hat nur vier Hüllblätter, die die vier Staubblätter schützen und dann freigeben. Die große Brennnessel hat noch weitere, ältere Bezeichnungen. Die Namen Nesselkraut und Hanfnessel deuten auf die Verwendung der Bastfasern des Stängels hin. Es wurden bis ins 18. Jahrhundert Seile und Stricke sowie feste Tücher daraus gewebt, so genannte Nesseltücher. Heute setzen Kleingärtner die Pflanze ein, indem sie einen Aufguss herstellen, der Kulturpflanzen stärkt und düngt. Die weiße Taubnessel wird nur 20 bis 50 cm hoch. Sie blüht von April bis Oktober und sie vermehrt sich einerseits ungeschlechtlich durch Rhizome und andererseits auf geschlechtlichem Wege. In jeder befruchteten Blüte erzeugt sie vier Teilfrüchte. Der Stängel ist vierkantig und an den Ecken verdickt. Die Blätter stehen gekreuzt gegenständig an der Sprossachse. Sie sind weniger langgestreckt, hellgrüner und ohne Brennhaare im Vergleich zur Brennnessel. Der Blattrand ist auch gesägt. Doch nun zu den Unterschieden. Ganz klar ist, die Taubnessel brennt nicht. Die Pflanze, die weiße Taubnessel, strömt eine für Taubnesseln typischen Geruch aus und die Blüten sind zwittrig: Auf einer Pflanze sind beide Geschlechter, also Staubblätter und Fruchtblätter, in einer Blüte zu finden. Die Einzelblüten stehen quirlig in den Blattachsen und sie bilden keine Traube. Die Blüten oder Kronblätter sind verändert. Im oberen Teil bilden zwei Blütenblätter helmartig die Oberlippe. Unter ihr sind vier Staubblätter und das Fruchtblatt mit Griffel und Narbe verborgen. Drei Blütenblätter sind zur Unterlippe umgestaltet. Der Blütenkelch ist fünfzipfelig. Demnach wird er von fünf verwachsenen Kelchblättern gebildet. Ober- und Unterlippe sind unten zu einer Röhre verwachsen. In der Blütenröhre erzeugen Drüsenzellen süßen Nektar, den die Bienen im Frühjahr schätzen. Diesen Umstand verdankt die Nessel ihren zweiten Namen, sie heißt auch Bienensaug. Ich glaube, es sind dir die Unterschiede zwischen beiden Pflanzenarten klarer geworden. Wir stellen sie in einer Art Steckbrief gegenüber: Die große Brennnessel ist mit 50 bis 150 cm deutlich größer als die Weiße Taubnessel, die es nur auf 20 bis 50 cm bringt. Beide wachsen nahezu an gleichen Standorten wie Wegen, Waldrändern, Hecken und Zäunen. Ihr Vorkommen zeigt uns einen stickstoffreichen, humösen Boden mit hinreichender Feuchte an. Außerdem gedeihen sie nicht in der prallen Sonne. Sie gehören zu den Zeigerpflanzen. Sie sind Stickstoffanzeiger. Die weiße Taubnessel blüht etwas länger als die große Brennnessel, deren Blütezeit von Juli bis Oktober reicht. Natürlich hat sie keine Brennhaare und sie zwittrig. Große Brennnessel sind zweihäusig, wir finden das männliche und das weibliche Geschlecht auf verschiedenen Pflanzenexemplaren. Die gefiederte Fruchtblattnarbe weist auf Windbestäubung hin. Früher bis ins 18. Jahrhundert war die große Brennnessel bedeutsamer. Sie war Faserpflanze, Arznei und Futterpflanze. Heute findet sie wie die weiße Taubnessel in der Pharmazie Verwendung. Aufgüsse und Extrakte der weißen Taubnessel wirken schleimlösend und entzündungshemmend. Abschließend die systematische Einordung: Aufgrund der unterschiedlichen Geschlechtsverhältnisse und ihres Baus gehören sie nicht in eine gemeinsame Gruppe. Die Blüten haben zu große Unterschiede. Die Brennnessel wird der Familie der Brennnesselgewächse zugeordnet und die weiße Taubnessel ist ein Lippenblütengewächs. So, jetzt könnt ihr genau sagen, woran die beiden Arten unterschieden werden können. Ich sage tschüss, bis zum nächsten Mal.