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Dativus commodi und finalis – Dativ des Vorteils und des Zwecks 08:27 min

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Transkript Dativus commodi und finalis – Dativ des Vorteils und des Zwecks

Hallo oder auch salvete! In diesem Video möchte ich Euch den dativus commodi und den dativus finalis erklären. Dafür solltet Ihr schon wissen, was der Dativ ist und wie er in den verschiedenen Deklinationen gebildet wird. Erst einmal kurz die Formen des Dativs zur Wiederholung: In der o-Deklination ist die Endung des Dativs ein "o". Der Dativ von "amicus" zum Beispiel lautet also "amico". In der a-Deklination ist die Endung des Dativs ein "ae". Der Dativ von "amica" lautet also "amicae". In der e-Deklination ist die Endung des Dativs ein "i". Der Dativ von "res" zum Beispiel lautet also "rei". In der u-Deklination ist die Dativendung im Maskulinum und Femininum "ui", im Neutrum nur ein "u". Der Dativ von "manus" zum Beispiel lautet also "manui", der Dativ von "cornu" "cornu". In der konsonantischen Deklination ist die Dativendung ein "i". Der Dativ von "rex" zum Beispiel lautet also "regi". Auch in der i-Deklination ist die Dativendung ein "i". Der Dativ von "mare" zum Beispiel lautet also "mari". Am Einfachsten fragt man nach einem Dativ mit "wem", also zum Beispiel: "Wem schenke ich etwas?" Die Übersetzungen der Beispiele lauten dann: "Wem? Dem Freund." "Wem? Der Freundin oder der Sache." "Wem? Der Hand, dem Horn." "Wem? Dem König oder auch dem Meer." Der dativus commodi und der dativus finalis sind besondere Kasusfunktionen des Dativs, die auf eine etwas andere Frage antworten als das typische "wem". Zuerst zum dativus commodi. Der dativus commodi antwortet auf die Frage "für wen" oder "wofür". Aber was bedeutet das eigentlich, dativus commodi? "Dativus" ist einfach das lateinische Wort für Dativ. "Commodum" heißt "der Vorteil". Es geht also um den Dativ des Vorteils. Ein einfaches Beispiel für die Grundform eines Dativs: "Paula litteras amicae scribit." Übersetzt heißt das dann: "Paula scribit" - "Paula schreibt". Wem schreibt sie es? Der Freundin. Und wen oder was schreibt sie? "Litteras", also einen Brief. Das ist die Grundform eines Dativs. Das bekannteste Beispiel für einen dativus commodi ist wohl der Spruch "Non scholae, sed vitae discimus." Das Prädikat "discimus" heißt "wir lernen". Daran anschließend stellt man dann die Frage "Wofür lernen wir?" "Non scholae" - "nicht für die Schule", "sed vitae" - "sondern für das Leben". "Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir." Wenn mit dem Dativ ein Vorteil ausgedrückt wird, handelt es sich also um einen dativus commodi. Wird hingegen ein Nachteil ausgedrückt, handelt es sich um einen dativus incommodi, von "incommodum" - "Nachteil". Kommen wir zu einer weiteren Kasusfunktion des Dativs, die ich Euch in diesem Video erklären will, den dativus finalis. "Finis" heißt "das Ende", aber auch "das Ziel" oder "der Zweck". Beim dativus finalis handelt es sich also um einen Dativ, der einen Zweck oder eine Wirkung angibt. Der dativus finalis antwortet also auf die Frage "wozu". Er steht oft bei "esse", was dann mit "gereichen zu" oder "dienen" übersetzt wird. Ein Beispiel: "gaudio esse". Wenn man "esse" jetzt mit "dienen" übersetzt, muss man dann fragen: "Wozu dient etwas?" Die Übersetzung ist dann wörtlich also "zur Freude dienen". Im Deutschen sagt man dann statt "zur Freude dienen" besser "Freude machen". Jetzt will ich Euch noch ein paar weitere Beispiele zeigen, in denen der dativus finalis häufig vorkommt, zum Beispiel "usui est" - "Es dient zum Nutzen", besser dann "Es ist nützlich" oder "honori est" - "Es gereicht zur Ehre". Auf Deutsch sagt man dann natürlich besser "Es ist eine Ehre." Oder auch "curae est" - "Es gereicht zur Sorge", wobei "cura" im Lateinischen nicht so negativ ist wie das deutsche Wort "Sorge". Auf deutsch kann man dann also sagen: "Es liegt am Herzen." So, jetzt habt Ihr schon einige Beispiele für den dativus finalis bei "esse" gesehen. Der dativus finalis kann aber auch bei anderen Verben stehen. Besonders oft steht er bei den Verben "venire", "mittere", "deligere", "dicere", "relinquere" und "dare". "Venire" heißt "kommen". Die Frage lautet dann also für den dativus finalis: "Wozu kommt jemand?" Also zum Beispiel "zur Hilfe" oder "zur Unterstützung". "Mittere" heißt "schicken". Die Frage lautet hier dann also zum Beispiel: "Wozu wird jemand geschickt?", also zum Beispiel auch "zur Unterstützung". "Deligere" heißt "wählen". Wenn man jetzt fragt, wozu jemand gewählt wird, könnte die Antwort zum Beispiel lauten: "zum Anführer". "Dicere" heißt beim dativus finalis "bestimmen", also zum Beispiel: "Wozu bestimmt man jemanden?" - Auch "zum Anführer". "Relinquere" heißt "zurücklassen". Auf die Frage "wozu" könnte also zum Beispiel die Antwort kommen "zur Verteidigung". "Dare" heißt beim dativus finalis "anrechnen". Auf die Frage "wozu" könnte man also antworten mit "zur Ehre anrechnen". Jetzt noch ein paar Beispiele, um die Übersetzung des dativus commodi und des dativus finalis zu üben. "Caesar regi exemplo est." Übersetzt heißt das dann: "Caesar dient dem König zum Beispiel." Ganz frei könnte man also übersetzen: "Der König nimmt sich Caesar als Beispiel." Wie Ihr an den Farben schon sehen könnt, ist "regi" hier ein dativus commodi und "exemplo" ein dativus finalis. "Exemplo" antwortet auf die Frage: "Wozu dient Caesar dem König?" - "Als Beispiel". "Regi" antwortet auf die Frage: "Für wen dient Caesar als Beispiel?" - "Für den König." So, jetzt habt Ihr gelernt, was die Kasusfunktionen dativus commodi und dativus finalis sind, wie man nach ihnen fragt und wie man sie übersetzt. Ich hoffe, es hat Euch auch Spaß gemacht. Bis zum nächsten Mal!

13 Kommentare
  1. Sehr gut gemacht!!! Bitte so weiter machen, dann schreibe ich nur noch Einser!!! :-)

    Von Sonnenschein =), vor mehr als 3 Jahren
  2. Also ich versuche es nochmals mit dem Satz. Meine Absicht war ja, ein anderes Beispiel eines "davitus IN-commodi" zu finden.

    Der Sohn hat seiner Mutter eine teure vase zerbrochen.
    .. Filius matri vas sumptuosus fregit.
    Nun, hier denke ich doch, dass das zum Nachteil der Mutter geschehen ist; die hat doch damit ein "INCOMMODUM" - oder?

    Von Eemilelv, vor fast 4 Jahren
  3. Hallo Eemilelv,

    "Lupus ovi minatus est." ist kein Beispiel für ein Dativus incommodi. Warum? Im Lateinischen ist minari so konstruiert, dass derjenige, dem gedroht wird, im Dativ steht. Somit liegt hier ein klassisches Dativobjekt vor. Angenommen wir ignorieren dies und beharren auf dem Dativus incommodi, so müssten wir übersetzen: Der Wolf drohte zum Nachteil des Schafes. Das ist hier aber sicherlich nicht gemeint. Ich halte den unten angegebenen Satz "Non scholae, sed vitae discimus" für ein geeignetes Beispiel. Es muss nicht zwingend ein Verb verwendet werden, dass mit einem gewissen Nachteil assoziiert wird (wie beispielsweise minari). Ich hoffe, meine Erklärung verschafft dir Klarheit.

    Beste Grüße,

    Felix

    Von Felix T., vor fast 4 Jahren
  4. So nun lasse ich den Wolf doch etwas tun, das zum Nachteil eines Schafs ist.
    Lupus ovi minatus est. (Der Wolf hat dem Schaf gedroht)
    Oder habe ich das auch nicht richtig konstruiert?

    Von Eemilelv, vor fast 4 Jahren
  5. Aha, dann ist der Wolf weder böse noch gut - und ich muss auf die meine Suche nach einem klassischen d. incommodi fortsetzen.
    Schöne Grüße

    Von Eemilelv, vor fast 4 Jahren
  1. Hallo Eemilelv,

    Der Dativ commodi/incommodi bezeichnet eine Person oder Sache, zu deren Vor-/Nachteil etwas geschieht. "Non scholae, sed vitae discimus" ist ein Beispielsatz, in welchem beide - sowohl der Dativ commodi als auch der Dativ incommodi - auftreten. Nach Definition muss etwas geschehen (es wird beispielsweise gelernt). Den Satz "Lupus est homo homini" würde ohne weitere Wertung lesen und daher als Beispiel für einen Dativus incommodi ablehnen.

    Beste Grüße,

    Felix

    Von Felix T., vor fast 4 Jahren
  2. Ja, der dativus commodi aus der Sendung "Non scholae, sed vîtae discimus" ist wohlbekannt. - Aber wie ist es mit einem dativus incommodi? Könnte man dafür vielleicht den Satz ansehen, der da auch oft zitiert wird und lautet: "Lupus est homo homini" (Der Mensch ist dem Menschen ein Wolf) . Hier kommt doch wohl ein Nachteil zum tragen - oder?

    Von Eemilelv, vor fast 4 Jahren
  3. Sehr gut dargestellt und erklärt. - Danke!

    Von Eemilelv, vor fast 4 Jahren
  4. Hat mir viel weiergeholfen :D

    Von Bluehighways90, vor mehr als 4 Jahren
  5. :)

    Von Thorsten Feix, vor mehr als 4 Jahren
  6. Super erklärt

    Von Gaby 5, vor fast 5 Jahren
  7. Echt hilfreich!

    Von Robert Viehbeck, vor mehr als 5 Jahren
  8. Cooles Bild!

    Von Rhg Georgi, vor mehr als 6 Jahren
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Dativus commodi und finalis – Dativ des Vorteils und des Zwecks Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Dativus commodi und finalis – Dativ des Vorteils und des Zwecks kannst du es wiederholen und üben.

  • Gib an, welche Sätze einen Dativus finalis enthalten.

    Tipps

    Lies dir jeden Satz und seine Übersetzung einzeln durch. Suche den Dativ!

    Überlege dir dann, wie man nach einem Dativus finalis fragt.

    Stelle die Frage und prüfe mit Hilfe der Übersetzung, ob sie Sinn macht.

    Den Dativus finalis kannst du erfragen mit: Wozu?

    Lösung

    Der Dativus finalis ist der Dativ des Zwecks und der Wirkung. Er gibt an, mit welchem Ziel oder welcher Absicht etwas gemacht wird. Du fragst: Wozu?

    Alle Sätze enthalten einen oder mehrere Dative, aber nicht immer antworten sie auf die Frage: Wozu?

    • Mater filiis cenam dat. Bei diesem Satz fragst du: Wem? - Die Antwort: filiis (den Söhnen). Es ist kein Dativus finalis.
    • Rex captivis pepercit. Auch hier ist der Dativ ein Objekt. Du fragst: Wen schont der König? - Die Gefangenen.
    Dagegen enthalten die anderen Sätze einen Dativus finalis.

    Zum Beispiel: Victoria Gallorum honori erat. Man fragt: Wozu diente der Sieg über die Gallier? - Darauf erhältst du die Antwort: zur Ehre.

    Man kann das dann so übersetzen: Der Sieg über die Gallier war eine Ehre.

  • Ergänze den Text über die Dativfunktionen.

    Tipps

    Versuche dich an die beiden Dativfunktionen zu erinnern.

    Wie hat man sie übersetzt, was bedeuten ihre Namen?

    Wenn du dir unsicher bist, wirf noch einmal einen Blick ins Video.

    Merke dir am besten ein lateinisches Beispiel für jeden Dativ.

    Lösung

    Der Dativ hat normalerweise die Funktion des Objekts. Er antwortet auf die Frage: Wem?

    Zum Beispiel: tibi donum do - ich gebe dir ein Geschenk.

    Daneben hat er aber noch andere Funktionen. Er kann ausdrücken, zu wessen Gunsten etwas geschieht - man nennt ihn dann Dativus commodi (Dativ des Vorteils). Wir fragen danach: Wofür? Oder: Für wen?

    Der Dativ kann auch ausdrücken, zu welchem Zweck etwas geschieht. Man nennt ihn dann Dativus finalis (Dativ der Wirkung oder des Zwecks). Nach ihm fragen wir: Wozu?

    Hier ein Beispiel, das beide Dative enthält:

    Caesar regi exemplo est. - Caesar dient dem König als Beispiel. - Der Dativ regi ist ein Dativ des Vorteils (Für wen?), exemplo ist ein Dativ des Zwecks (Wozu?).

  • Ordne die Wendungen den richtigen Übersetzungen zu.

    Tipps

    In den Wendungen stecken Dative von gaudium, usus, honor, cura und detrimentum.

    Alle Wendungen enthalten einen Dativus finalis.

    Lösung

    Gehe die lateinischen Wendungen einzeln durch. Nimm dir jeweils eine vor und überlege, wie das enthaltene Substantiv im Nominativ heißt und was es bedeutet.

    Stelle dann die Frage nach dem Dativus finalis, dem Dativ des Zwecks: Wozu dient es mir?

    Ein Satz kann folgendermaßen aussehen: Mihi gaudio est. Dieser enthält einen Dativus finalis von gaudium (die Freude).

    Du fragst: Wozu dient mir eine Sache? - Und erhältst die Antwort: Sie dient mir zur Freude.

    Vollständig übersetzt heißt es also: Es dient mir zur Freude.

    Das klingt aber ziemlich sperrig. Wir sagen deshalb freier: Es macht mir Freude. Oder noch kürzer: Es freut mich.

  • Vervollständige die lateinischen Sätze anhand der Übersetzungen.

    Tipps

    Die Formen im Dativ kommen von den Substantiven gaudium, honor, cura, auxilium und usus.

    Jeder Satz enthält einen Dativus finalis.

    Lösung

    Gehe am besten zuerst die Reihe der Substantive im Dativ durch. Überlege dir, wie sie im Nominativ heißen und was sie bedeuten.

    Lies dir dann jeden lateinischen Satz einzeln durch und vergleiche ihn mit seiner Übersetzung. Überlege, welches Wort im lateinischen Satz fehlt.

    Dann suchst du das Wort mit der passenden Bedeutung aus und setzt es ein.

  • Bestimme die Dative im Text.

    Tipps

    Nach dem Dativus commodi fragst du: Wofür? Oder: Für wen?

    Nach dem Dativus finalis fragst du: Wozu?

    Lösung

    In der Aufgabe lassen sich nur die fett gedruckten Dative markieren. Du brauchst also nicht erst die Dative suchen, sondern musst nur überlegen, um welchen von beiden Dativen es sich handelt.

    Lies dir die Sätze jeweils einzeln durch und stelle an das betreffende Wort die Frage: Wofür / für wen? - und: Wozu?

    Je nachdem, welche der beiden Fragen zum Satz passt, handelt es sich um einen Dativus commodi oder einen Dativus finalis.

    Wenn du dir unsicher bist, überlege, ob der Dativ ausdrückt, dass eine Sache für Jemanden von Vorteil ist (Dativus commodi) - oder, ob die Person oder Sache im Dativ den Zweck oder die Auswirkung einer Sache angibt (Dativus finalis).

  • Übersetze die Dative.

    Tipps

    Nimm dir jeden Satz einzeln vor. Überlege, welches Substantiv hier im Dativ steht und was seine Bedeutung ist.

    Alle Wendungen, deren Übersetzung fehlt, enthalten einen Dativus finalis - einen Dativ des Zwecks.

    Lösung

    Alle lateinischen Sätze enthalten einen Dativus finalis. Dieser gibt den Zweck oder das Ziel einer Handlung an. Er antwortet auf die Frage: Wozu?. Oft taucht er - wie hier - in festen Wendungen mit dem Hilfsverb esse auf.

    Die wörtliche Übersetzung ist meistens eher sperrig:

    In scholam venio, quia mihi usui est. Das heißt ganz wörtlich übersetzt: Ich gehe in die Schule, weil sie mir zum Nutzen gereicht.

    Du fragst: Wozu gereicht mir die Schule? Die Antwort: zum Nutzen.

    So altertümlich spricht aber heute keiner mehr. Wir sagen deshalb: Ich gehe in die Schule, weil sie mir von Nutzen ist. Oder noch einfacher: Ich gehe in die Schule, weil sie mir nützt.