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Weimarer Verfassung

Die Weimarer Verfassung bestimmte von 1919 bis 1933 die deutsche Staatsform und gilt als erste demokratische Verfassung Deutschlands. Sie ging aus dem 1. Weltkrieg und dem Untergang des Kaiserreiches hervor und wurde nach Hitlers Machtergreifung Stück für Stück außer Kraft gesetzt.

Was war die Weimarer Verfassung?

Wenn du den Begriff Weimarer Verfassung hörst, bezeichnet dies die erste demokratische Verfassung Deutschlands. Die Verfassung bestimmte die deutsche Staatsform von 1919 bis 1933. Das ehemalige Deutsche Kaiserreich wurde von einer Monarchie zu einer demokratischen Republik mit Wahlsystem und galt als eines der fortschrittlichsten Regierungssysteme seiner Zeit. Als Neuerung kannst du dir beispielsweise vorstellen, dass in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt wurde, wobei die Weimarer Verfassung zu den Vorreitern in Europa zählte. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 galt die Verfassung zwar offiziell weiterhin, ihre Regelungen wurden allerdings nach und nach außer Kraft gesetzt.

Die Verfassung von Weimar

Die Voraussetzungen der Weimarer Verfassung

Der Kieler Matrosenaufstand am 1. November 1918 löste eine Welle der Revolution im gesamten Deutschen Reich aus. Immer mehr Menschen forderten nach der verlustreichen Niederlage im Ersten Weltkrieg den Rücktritt Kaiser Wilhelms II.. Ohne den Kaiser zu fragen, verkündete die Regierung in Berlin die Abdankung des Staatsoberhauptes. In der Phase des Umschwungs wurde der Sozialdemokrat Friedrich Ebert zum Reichskanzler ernannt. Trotz verschiedener Vorstellungen über die politische Zukunft Deutschlands rief Philipp Scheidemann am 09. November 1918 aus dem Fenster des Reichstags die Deutsche Republik aus. Konkurrierend zu Scheidemanns Vorstellung einer Republik rief Karl Liebknecht am selben Tag in Berlin die Rätediktatur nach russischem Vorbild aus. Der ehemalige deutsche Kaiser Wilhelm II. hingegen flüchtete ins niederländische Exil.

Wilhelm II.

Die zwiegespaltene Lage gipfelte im sogenannten Spartakusaufstand. Während die Politiker um Reichspräsident Friedrich Ebert sich um eine Stabilisierung der Republik bemühten, ließ Wehrminister Gustav Noske den kommunistischen Aufstand in Berlin im Januar 1919 durch Militär und Freikorps niederschlagen. Die Opfer waren hierbei vor allem Arbeiter. Aufgrund der Unruhen in Berlin zog sich die verfassungsgebende Nationalversammlung nach Weimar zurück, wo sie am 31. Juli 1919 die erste demokratische Verfassung Deutschlands verabschiedete. Hier kannst du dir bildlich vor Augen führen, warum man hierbei von der Weimarer Verfassung spricht.

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Das politische System der Weimarer Verfassung

Der deutsche Innenminister Eduard David bezeichnete die Weimarer Verfassung nach ihrer Verabschiedung als „demokratischste Demokratie der Welt“. Aber welche Änderungen und Neuerungen brachte die junge Republik eigentlich mit sich? Wegweisend war vor allem, dass die Bürger in Deutschland erstmals über ein hohes Maß an Mitbestimmung verfügten. Sie waren berechtigt, die Reichstagsabgeordneten und den Reichspräsidenten zu wählen. Ebenso hatte das Volk ein Recht, per Volksentscheid die Gesetzgebung zu beeinflussen. Das vom Volk gewählte Parlament konnte die Reichsregierung im Falle des Misstrauens sogar zur Auflösung zwingen. Die mächtigste Person innerhalb der Verfassung war allerdings der Reichspräsident, der über eine Vielzahl von Befugnissen verfügte. Hierzu zählten unter anderem die Auflösung des Parlaments, die Einberufung von Volksabstimmungen, die Ernennung des Reichskanzlers, der Oberbefehl über die Armee und sogar die Auflösung von Bürgerrechten im Fall des Notstands. Die Mehrheit lag im politischen System der Weimarer Verfassung über viele Jahre hinweg bei einem Bündnis aus SPD, dem christlichen Zentrum und den Liberalen.

Probleme und Scheitern der Weimarer Republik

Vielleicht stellst du dir die Frage, an welchen Ursachen eine augenscheinlich so fortschrittliche Verfassung und mit ihr die Weimarer Republik zerbrechen konnte. Hierfür gibt es mehrere Gründe: Die monarchistisch geprägten Bürger waren an ein demokratisches System nicht gewöhnt und Verwaltungswesen, Militär und Wissenschaft blieben überwiegend kaisertreu, wie beispielsweise Reichspräsident Paul von Hindenburg. Erschwerend kam hinzu, dass in der Republik verfassungsfeindliche Parteien wie die NSDAP Fuß fassen konnten und auch zwischen demokratischen Parteien wie der SPD oder USPD Uneinigkeit herrschte. Starke finanzielle Belastungen wie die Reparationszahlungen des Ersten Weltkriegs oder die Folgen der Weltwirtschaftskrise führten zu einer hohen Verschuldung und Massenarbeitslosigkeit. All diese Faktoren in Verknüpfung mit den strukturellen Fehlern der Verfassung führten dazu, dass Adolf Hitler auf scheinbar legale Weise der Weg zur Machtergreifung geebnet wurde.