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Großstadtlyrik

Was ist Großstadtlyrik?

Die Großstadtlyrik entstand als Reaktion auf die zunehmende Urbanisierung im 19. Jahrhundert. Dichter hielten die Facetten des städtischen Lebens fest, von Armut bis zu Hoffnung. Entdecke ihre Werke und die Entwicklung der Großstadtlyrik im Video! Auch heute wird die Großstadt in Liedern wie "Schwarz zu blau" thematisiert. Peter Fox beschreibt die Liebe und Hassgefühle gegenüber Berlin. Musik als moderne Form der Großstadtlyrik. Interessiert? Lies weiter und tauche tiefer ein!

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Die Autor*innen
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Tim Weichselfelder
Großstadtlyrik
lernst du in der 8. Klasse - 9. Klasse - 10. Klasse

Großstadtlyrik Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Großstadtlyrik kannst du es wiederholen und üben.
  • Nenne einige Themen, die die Großstadtlyrik beherrschten.

    Tipps

    Die Menschen kamen mit Hoffnung, wurden jedoch bald von der Realität der Großstadt eingeholt.

    Lösung

    In der Großstadtlyrik tauchen immer wieder bestimmte Thematiken auf:

    • So war die Großstadt ein Quell der Hoffnung für die Massen an Bauernfamilien, die das Land freigesetzt hatte: Hier wollten sie einen Neuanfang wagen und Arbeit finden. Sie träumten von einem besseren Leben.
    • Häufig wurden sie jedoch von der Realität eingeholt, denn die Großstadt war auch zu einem Ort des Elends und der Arbeitslosigkeit geworden. Die Heraustrennung aus dem sozialen Gefüge ihrer vormaligen Heimat brachte sie in die Anonymität der glanzlosen Wohnungen und überfüllten Nachbarschaft.
    • Sie waren konfrontiert mit neuen Verhaltensweisen, Erfindungen und unbestimmten Lebenswegen und machten diese Ängste zum Thema.
    • Die Entfremdung von der natürlichen Produktionsweise auf dem Acker, die Entfremdung, die die Massenproduktion verursachte, bei der das einzelne Ding keinen persönlichen Wert mehr besitzt, verbreitete sich spürbar in der Haltung der Menschen.
    Weitere Themen wie Ziel- und Orientierungslosigkeit, Ungerechtigkeit, Wandel, das Hässliche, Weltuntergangsstimmung waren bei vielen Dichter/-innen wiederkehrende Grundmotive.

  • Beschreibe die wirtschaftlichen Entwicklungen der Großstadt am Ende des 19. Jahrhunderts.

    Tipps

    Die industrielle Revolution veränderte unsere Wirtschaftsweise hin zu Fließbandarbeit und Arbeitsteilung. Damit kamen viele psychische Probleme einher.

    Lösung
    • Die Erfindung der Dampfmaschine war wahrscheinlich an Bedeutung vergleichbar mit der Erfindung des Rades. Durch sie wurde es möglich, Produkte in Fabriken nicht mehr in mühsamer, langsamer Handarbeit, sondern in Fließbandarbeit massenweise herzustellen.
    • Aus der Landwirtschaft wurden durch neue Möglichkeiten des Anbaus die nicht mehr benötigten Bauern und Bäuerinnen in die Städte getrieben. In den industriellen Ballungszentren und Hauptstädten, die durch die Massenmigration anschwollen, fanden sie häufig Arbeit.
    • Trotz des vergrößerten Arbeitsangebots gab es jedoch viel Arbeitslosigkeit. Außerdem war die Infrastruktur wie Kanalisation, Verkehrsbetrieb, Straßen, Wohnraum etc. in den Städten wenig auf die anstürmenden Massen vorbereitet. Das hatte Elendsviertel, Massenarmut, Anonymität, Bedeutungslosigkeit und Pauperisierung zur Folge.
    • Die neuen Arbeitsbedingungen trugen ihrerseits nicht zum Wohle der Menschen bei: Endlose Schichten in monotoner Fließbandarbeit, der Akkordzwang der Maschinen, dem sich der einfache Arbeiter unterordnen musste, die Ersetzung der menschlichen Arbeitskraft durch maschinelle überhaupt - all dies führte zu Identitätsverlust und zu einer Krise des Menschlichen. Daraufhin bauten sich politische Spannungen in Europa auf, die sich im Ersten Weltkrieg entluden. Zu Anfang des 20. Jahrhunderts herrschte so etwas wie Weltuntergangsstimmung.
  • Stelle Expressionismus und Naturalismus einander gegenüber.

    Tipps

    Die Naturalist/-innen wollten die Wirklichkeit abbilden, wie sie ist; die Expressionist/-innen wollten eher ihre innere Welt ausdrücken.

    Lösung

    Naturalismus und Expressionismus kann man als gegensätzliche Bewegungen verstehen.

    Der Naturalismus hatte als Ziel, die sinnlich wahrnehmbare Wirklichkeit möglichst detailgetreu abzubilden. Er strebte größtmögliche Objektivität an. Dafür benutzte er präzise, sachliche Sprache, häufig auch in Mundart und Dialekt, und genaue Beschreibungen von Umwelt, Umgebung, Landschaft, Räumen, Personen und Vorgängen. Auf der Wissenschaft basierend stützte er Erzählungen auf Fakten und präsentierte damit eine Kritik an den Ungleichgewichten, die die Industrialisierung zuungunsten der Unterschicht und arbeitenden Bevölkerung geschaffen hatte.

    Der Expressionismus hingegen verneinte, dass eine derartige Objektivität erreicht werden könne: Durch die Entdeckung des Unbewussten, die den bis dahin als rational geltenden Wissenschaftsmenschen in Frage stellte, zog man sich auf das einzig Erfahrbare zurück, das übrig blieb: innere Vorgänge, Gefühle, Psyche, Subjektivität. Dafür gebrauchte man eine kreative, metaphorische, lyrische Sprache. Außerdem wollte man sich dem Zwang von konservativen Denkmustern, Normen, Traditionen und Moralvorstellungen entziehen und brach diese Tabus mit Themen wie Geisteskrankheit, Morbidem, Tod, Zerfall, Ich-Auflösung etc.

  • Bestimme, ob es sich um ein naturalistisches oder expressionistisches Gedicht handelt.

    Tipps

    Achte auf die sprachlichen Mittel: Werden viele Metaphern und lyrische Sprache verwendet wie im Expressionismus? Oder wird eher detailgetreu und sachlich beschrieben wie beim Naturalismus? Werden Gefühle ausgedrückt oder eher Beobachtungen beschrieben?

    Lösung

    Die Vertreter/-innen des Expressionismus und des Naturalismus legten ihren Akzent auf sehr unterschiedliche Ausdrucksformen. Während die Naturalist/-innen eher auf präzise, detailgetreue Beobachtungen und Beschreibungen von äußeren Vorgängen Wert legten und dafür eher sachliche, nüchterne Sprache verwendeten, wollten die Expressionist/-innen innere Vorgänge, Gefühle, Unbewusstes und Psychologisches ausdrücken und brauchten dafür eine möglichst freie, metaphorische und lyrische Sprache.

    Das kann man an den obigen Stadtgedichten recht gut nachvollziehen. Das dritte Gedicht stammt aus Arno Holz' Gedichtband Phantasus (1898), beinahe das einzige bedeutende naturalistische Gedichtwerk in deutscher Sprache. Er nennt in seinem Gedicht Details wie Buchtitel, die Umgebung, einzelne Beobachtungen wie den Rauch, die Schornsteine, den Garten, die Hennen, nennt weiterhin Einzelnamen wie Mohdricker. Innere Vorgänge werden nicht beschrieben, sondern können nur erahnt werden.

    Ganz anders die Expressionist/-innen der anderen beiden Gedichte. Ersteres heißt Gewitterabend (1913) stammt von Georg Trakl, das zweite heißt Dämmerung in der Stadt (1911) und stammt von Ernst Stadler, das vierte Gedicht heißt der Gott der Stadt (1910) von Georg Heym. Alle drei verwenden viele Metaphern und Personifikationen wie die schwimmende Nacht, die Winde lagern schwarz oder der Nacht Gefieder schwirrt. Alle drei Gedichte sind sehr lautmalerisch und bilderreich.

  • Vervollständige die Namen einiger Dichter, die viel über die Großstadt schrieben.

    Tipps

    Die zwei Georgs waren Vorreiter der Expressionist/-innen, der Dichter Holz ein Vertreter des Naturalismus. Kästner, Brecht und Tucholsky lassen sich eher der Literatur der Weimarer Republik und der Neuen Sachlichkeit zuordnen.

    Lösung

    Die hier vorgestellten Dichter schrieben nicht nur Lyrik: Sie waren Dramatiker, Novellisten, Romanautoren, Rezensenten, Journalisten, Philosophen und Essayisten. Sie lebten und wirkten um 1900 herum: Arno Holz als ein Vertreter der Naturalismus; Rainer Maria Rilke ein Impressionist oder Symbolist; Georg Heym und Georg Trakl Expressionisten; Erich Kästner, Bertolt Brecht und Kurt Tucholsky eher Nachfolger der Naturalisten, Begründer der Neuen Sachlichkeit und Schriftsteller der Weimarer Republik.

    Die Großstadt als Thema ihrer Lyrik vereinte sie aber trotz ihrer unterschiedlichen Stile und Ansichten über Jahrzehnte hinweg.

  • Interpretiere das folgende Gedicht.

    Tipps

    Das lyrische Ich kritisiert die Maßlosigkeit und das kurzfristige Denken in Städten.

    Lösung

    Das Gedicht „Die Städte aber wollen nur das Ihre“ von Rilke ist ein sehr kritisches Gedicht über die Großstadt. Das lyrische Ich kritisiert hier, wie Städte ein Eigenleben (reißen alles in ihren Lauf) führen: Sie wachsen und saugen auf ohne Rücksicht auf anderes; sie achten tierisches Leben nicht (man denke an die städtischen Schlachthöfe); die Bewohner/-innen werden maßlos (Gleichgewicht und Maß), haben immer neue Bedürfnisse; der Fortschritt wird kritisiert: Nicht nur als zu langsam, sondern auch in Bezug auf die Art des Fortschritts, indem er nämlich klebrige, schleimige und verdreckte Spuren (Schneckenspuren) hinterlässt: Lärm, Gestank, Abfall, moralische Verwerflichkeit (Metall, Glas, Huren).

    Das lyrische Ich kritisiert das unheimliche Verlangen nach Geld (alle Kräfte), eine Illusion (Trug), der sie sich hingeben; eine Sucht, die den Menschen über den Kopf wächst (Ostwind) und sie nach kurzer Freude und schneller Belustigung (vergänglichem Geschäfte) streben lässt.