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Moritat 04:10 min

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Transkript Moritat

Moin, ich bin’s, Tim. Wir befinden uns in der Lyrik. Es gibt nicht nur Sonette, Knittelverse und Alexandriner. Es gibt auch die Moritat, eine Gedichtform, die ganz eigene Merkmale besitzt. Schauen wir uns das an! Die Definition der Moritat sagt, dass es eine Spielart des Bänkelsangs ist. Doch was ist “Bänkelsang”? Der Bänkelsänger stellte sich dazu früher auf Marktplätzen oder Straßen auf eine kleine Bank und fing an sein Lied vorzutragen. Dabei wurde er häufig von einer Drehorgel oder Gitarre begleitet. Im Bänkelsang geht es immer um wahre Begebenheiten, meist Schauergeschichten, die durch die Bänkelsänger in aller Herren Länder verbreitet wurden. Eine Tafel mit Bildern zum Geschehen unterstützte die Geschichte. Der Begriff Moritat leitet sich vom Begriff Mordtat und weist damit gleich auf ihre Themen hin. Die Schreckensgeschichte endet damit, dass das Gute über das Böse siegt und die Zuhörer belehrt. Im Unterschied dazu geht es im Bänkelsang allgemein um dramatische Ereignisse.

Dabei verwendet der Moritatensänger einige charakteristische Stilmittel. Er spricht das Publikum direkt an und versichert den Zuhörern, dass alles wahrhaftig geschehen ist. Da alle ihn gut verstehen sollen, hält er die Moritat sehr einfach: Die Strophen sind regelmäßig, die Sprache ist formelhaft, bekannte Redewendungen kehren immer wieder. Ein guter Einstieg erregt dabei große Spannung. Ein anonymer Dichter schrieb die Moritat “Finster ist die Mitternacht”, die anfängt mit: Wolken ziehen trüb und trüber Wilder Schauer saust vorüber Alles ruht, Verrat nur wacht.

Die Moritat ist heute fast ausgestorben, wurde jedoch bis in die 20er und 30er Jahre des 19. Jahrhunderts verwendet. In diese Zeit fällt auch die vielleicht bekannteste moderne Moritat, die Teil der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht ist. Hier ein Ausschnitt: Und der Haifisch, der hat Zähne Und die trägt er im Gesicht Und Macheath, der hat ein Messer Doch das Messer sieht man nicht. An ’nem schönen blauen Sonntag Liegt ein toter Mann am Strand Und ein Mensch geht um die Ecke Den man Mackie Messer nennt. Diese Moritat von Mackie Messer steht am Anfang der Dreigroschenoper und führt die Rolle von Mackie Messer ein. “Strand” bezieht sich hierbei auf eine berühmte Straße in London, die von Mackie Messer unsicher gemacht wird. In der Originalversion wurde das Gedicht von Kurt Weill vertont und mit Leierkasten unterlegt. Bis heute wird es immer wieder gecovert und neu eingespielt. Jetzt wissen wir, was eine Moritat ist! Sie ist ein Spielform des Bänkelsangs und verbreitete durch die Moritatensänger scheinbar wahrhaftig geschehene Mordtaten. Dabei steht der Sänger auf einer Bank und singt in einer einfach gehaltenen Sprache und Strophenform von schrecklichen Begebenheiten, wobei er häufig von einem Leierkasten oder einer Gitarre unterstützt wird und mit einem Stab auf eine Tafel mit Bildern des Schreckens zeigt. Zum Glück siegt jedoch immer das Gute über das Böse. Die Moritat von Mackie Messer von Bertolt Brecht ist wohl das berühmteste Bänkellied. Er setzte sie an den Anfang seiner Dreigroschenoper als spannenden Einstieg. Von dort aus wurde sie immer wieder gecovert und neu interpretiert. So weit so gut! Ciao und bis bald!