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Das Metrum in Gedichten: Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst

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Team Digital
Das Metrum in Gedichten: Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst
lernst du in der 7. Klasse - 8. Klasse

Beschreibung Das Metrum in Gedichten: Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst

Versmaß – Definition

Ein Versmaß oder Metrum ist die regelmäßige Abfolge betonter und unbetonter Silben in einem Vers. Ein Vers ist dabei die Zeile eines Gedichts, Versdramas oder eines anderen Textes (z. B. Versepos). Die kleinste Einheit des Verses ist die Silbe.
Ein Metrum besteht aus mehreren Versfüßen. Die wichtigsten Versfüße im Deutschen sind:

  • Jambus
  • Trochäus
  • Anapäst
  • Daktylus

Das Versmaß steht in Verbindung zu Rhythmus, Struktur und Inhalt eines Textes. Es ist ein wichtiges Merkmal gebundener Sprache. Das Metrum kann die Stimmung oder Wirkung eines Textes beeinflussen. Die Beziehungen des Versmaßes zu anderen Textelementen müssen beschrieben und in ihrer Bedeutung erläutert (interpretiert) werden.

Metrum bestimmen – Vorgehen und Beispiele

Das Versmaß eines Verses wird ermittelt, indem die Abfolge betonter und unbetonter Silben bestimmt wird. Betonte Silben werden auch als Hebung, unbetonte Silben als Senkung bezeichnet.
Zunächst liest man einen Vers – am besten mehrfach und laut. Dabei sollten alle Wörter ganz natürlich betont werden. Die Silben, die man auch im Alltag betonen würde, werden auch im Vers betont und können markiert werden. Silben, die in der Alltagssprache niemals betont werden, werden auch in Versen nicht betont. Das gilt z. B. für Endungen (wie -ung, -en, -er). Häufig sind jetzt aber noch Silben übrig, von denen einige betont sein müssen, auch wenn sie im Alltagsgespräch nicht immer hervorgehoben werden. Dabei hilft es, die wichtigsten Versschemata zu kennen:

Jambus
Der Jambus besteht aus der Silbenkombination unbetont – betont (oder: Senkung – Hebung). Wörter, die eine jambische Silbenfolge aufweisen, sind z. B.:

  • ge-lehrt, Ver-bot, Be-trug, seit-her, Sys-tem, Sym-bol, Bal-lon, ja-wohl

Auch in den folgenden Versen des Gedichts „Abendlied“ von Matthias Claudius liegt ein Jambus vor. Die betonten Silben (Hebungen) sind fett hervorgehoben:

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen

am Himmel hell und klar.

In diesem Beispiel gibt es pro Vers genau drei Hebungen. Deshalb spricht man auch von einem dreihebigen Jambus. Wie viele Hebungen sich in einem Vers befinden, kann aber von Vers zu Vers und von Text zu Text variieren. Es gibt also auch vier-, fünf- oder sechshebige Jamben.

Trochäus
Der Trochäus ist ein Versmaß mit der Silbenkombination: betont – unbetont (Hebung – Senkung). Wörter, die eine trochäische Silbenfolge aufweisen, sind z. B.:

  • träu-men, Och-se, Är-ger, Sor-gen, pas-sen, wach-sam

In den folgenden Versen des Gedichts „Sehnsucht“ von Friedrich Schiller liegt ein vierhebiger Trochäus vor:

Ach, aus dieses Tales Gründen,
Die der kalte Nebel drückt,
Könnt ich doch den Ausgang finden,
Ach, wie fühlt ich mich beglückt!

Anapäst
Der Anapäst ist ein Versmaß mit der Silbenkombination: unbetont – unbetont – betont (Senkung – Senkung – Hebung). Wörter, die eine anapästische Silbenfolge aufweisen, sind z. B.:

  • Pa-ra-dies, Ma-le-rei, ne-ben-bei, An-na-bel, Tol-le-rei

In den folgenden Versen des Gedichts „Schenken“ von Joachim Ringelnatz liegt ein Anapäst vor:

Schenke groß oder klein,
aber immer gediegen.

Daktylus
Der Daktylus ist ein Versmaß mit der Silbenkombination: betont – unbetont – unbetont (Hebung – Senkung – Senkung). Wörter, die eine daktylische Silbenfolge aufweisen, sind z. B.:

  • -ni-gin, Hei-li-ge, Neu-lin-ge, Sin-gen-de, Wan-de-rer, Le-ben-de, ty-pi-sche, lus-ti-ge

Im folgenden Vers des Gedichts „Das Gedicht“ von Novalis liegt ein Daktylus vor:

Himmlisches Leben im blauen Gewande

Wechselnde Versmaße – Verwendung

Innerhalb eines Gedichtes können Versmaße auch wechseln. In Novalis’ Gedicht „Das Gedicht“ ist z. B. der erste Vers im Daktylus, der zweite Vers in einem dreihebigen Trochäus verfasst:

Himmlisches Leben im blauen Gewande
Stiller Wunsch in blassem Schein

Es muss also jeder Vers genau analysiert werden, wenn das Metrum bestimmt werden soll, da nicht immer auf das gesamte Gedicht geschlussfolgert werden kann.

Transkript Das Metrum in Gedichten: Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst

Silencio! 3, 4… Freude, schöner Götterfunken. Stop, stop, stop! Schiller würde sich im Grabe umdrehen! Avi! Du betonst ja völlig FALSCH! Falsch betont? Warum das denn? Dazu müssen wir uns das „Metrum in Gedichten“ einmal genauer ansehen. Sobald du ein Gedicht besonders betont vorliest, merkst du, dass die einzelnen Verse oft ein Betonungsmuster haben. „FREUde, SCHÖner GÖTterFUNken.“ Das liegt an der bestimmten Abfolge von betonten und unbetonten Silben in mehrsilbigen Wörtern. Innerhalb eines Verses sind Wörter demnach oftmals SO angeordnet, dass sich eine wiederkehrende Abfolge der betonten und unbetonten Silben ergibt. So eine Betonungsfolge nennt man Metrum oder Versmaß. Das Metrum beeinflusst die Stimmung und den Klang des Vortrages eines Gedichtes. Man kann es mit Betonungszeichen darstellen. Eine betonte Silbe, auch Hebung genannt, wird oft durch einen Strich gekennzeichnet. Eine UNbetonte Silbe, auch Senkung genannt, wird hingegen durch einen Bogen, ähnlich wie ein „U“, markiert. Alternativ werden Silben auch durch ein x dargestellt. Dabei wird die BETONTE von der unbetonten Silbe mit einem Akut, also einem Strich über dem „x“ unterschieden. Manchmal findest du auch große und kleine „x“, die das Metrum angeben. Das große „x“ steht dann für eine betonte Silbe, das kleine für eine UNbetonte Silbe. In unserem Video verwenden wir diese Betonungszeichen. Eine Einheit von zwei oder drei Silben, von denen EINE betont ist, nennt man Versfuß. Man unterscheidet folgende Versfüße: Den Trochäus, der aus 2 Silben besteht. Du siehst ihn hier am ersten Vers von Friedrich Schillers „Ode an die Freude“. „FREUde, SCHÖner GÖTterFUNken.“ Die Abfolge des Trochäus lautet: betonte Silbe - UNbetonte Silbe. Das hörst du z. B. auch im Wort „HIL-fe“.

Das Gegenstück zum Trochäus ist der Jambus. Er besteht ebenfalls aus zwei Silben, aber die Abfolge des Jambus ist genau umgekehrt wie die des Trochäus. Sie lautet: UNbetonte Silbe - betonte Silbe. Sprich doch mal das Wort „GesPENST“. Hörst du die Betonung? Die erste Silbe ist UNbetont, die zweite Silbe wird betont. Einen Jambus finden wir auch im ersten Vers von Theodor Storms Gedicht „Die Stadt“. „Am GRAUen STRAND, am GRAUen MEER.“ Es gibt auch Versfüße, die aus DREI Silben bestehen. Zum Beispiel der Daktylus. Das Wort selbst ist übrigens auch ein DAK-ty-lus. Wir betonen beim Sprechen die erste Silbe, wobei ty und lus unbetont bleiben. Weil wir im Deutschen häufig die erste Silbe betonen, gibt es viele zusammengesetzte Nomen mit diesem Muster: z. B. ACHterbahn. Auch im ersten Vers von Friedrich Schillers „Würde der Frauen“ finden wir den Daktylus: „EHret die FRAUen! sie FLECHten und WEben“. Wie du sehen kannst, sind hier nur drei daktylische Versfüße vollständig. Da manchmal Versfüße unvollständig sein können, solltest du dir merken, dass man bei einer Gedichtanalyse NICHT auf die Anzahl der vollständigen Versfüße verweist, sondern bei einem durchgängigen Versmaß die einzelnen Hebungen - also die betonten Silben - gezählt werden. Wir haben also einen vierhebigen Daktylus. Das Gegenstück zum Daktylus ist der Anapäst, der auch ein dreisilbiger Versfuß ist. Genau wie beim Daktylus ist bereits das Wort „a-na-PÄST“ eine Eselsbrücke, um sich die Silbenbetonung zu merken. Auf zwei UNbetonte Silben, prallt beim Anapäst eine betonte Silbe. Wenn wir das Wort „Zau-be-REI” deutlich sprechen, fällt uns das auch auf. Der folgende Vers aus Friedrich Schillers „Der Taucher“ wird auch nach dem Muster des Anapäst gelesen: „Da erGREIFTS ihm die SEEle mit HIMmelsgeWALT“ In diesem Vers handelt es sich um einen 1, 2, 3, VIERhebigen Anapäst. Die vier genannten Versfüße solltest du dir unbedingt merken: Trochäus (betont - unbetont), Jambus (unbetont - betont), Daktylus (betont - unbetont - unbetont) und Anapäst (unbetont - unbetont - betont). Zur Kennzeichnung der Silben kannst du dabei unterschiedliche Betonungszeichen verwenden: Betonte Silben, also Hebungen, kennzeichnest du z. B. mit einem Strich. Unbetonte Silben, also Senkungen, werden z. B. durch einen Bogen (ähnlich wie ein „U“) markiert. So und jetzt aber mal RICHTIG! 3, 4 ... Freude, schöner Götterfunken. Upsi.

3 Kommentare

3 Kommentare
  1. Vielen Dank für das tolle Video !
    Es hat mir ziemlich viel geholfen, super und einfach erkärt in nur ca. 7 Minuten !
    Bin jetzt mega gut für meine Klausur vorbereitet ! :)
    Vielen Dank nochmal an die Redaktion und Videomacher,
    macht weiter so ! :)

    Von ♥Rüveyda Gül ♥, vor etwa einem Monat
  2. easy

    Von Leo, vor etwa 2 Monaten
  3. einfach

    Von CheeseLoise, vor etwa 2 Monaten

Das Metrum in Gedichten: Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Das Metrum in Gedichten: Jambus, Trochäus, Daktylus und Anapäst kannst du es wiederholen und üben.
  • Gib die Abfolge der betonten und unbetonten Silben für jedes Metrum an.

    Tipps

    Trochäus und Jambus bestehen aus zwei Silben.

    Daktylus und Anapäst bestehen aus drei Silben.

    Lösung

    Das Metrum ist die Abfolge von betonten und unbetonten Silben. Die kleinste Einheit des Metrums ist der Versfuß, die wichtigsten vier heißen:

    • Trochäus
    • Jambus
    • Daktylus
    • Anapäst

  • Definiere den Begriff Metrum.

    Tipps

    Zeile = Vers
    Versfuß = ◡ –

    Lösung

    Für die Darstellung der Hebungen und Senkungen gibt es unterschiedliche Varianten:

    • – ◡
    • x́ x
    • X x

  • Bestimme das Metrum.

    Tipps

    x = unbetonte Silbe
    x́ = betonte Silbe

    Zähle zuerst die Hebungen, also die ´ über den x. Dann kannst du die Auswahl bereits minimieren und kommst der Lösung näher.

    Lösung

    Merke dir für ein regelmäßiges Metrum innerhalb eines Verses:

    • Du gibst die Anzahl der Hebungen an.
    • Am Ende kann der Versfuß unvollständig sein.

    Man spricht beim Versende auch von Kadenzen. Je nachdem, ob der Vers mit einer betonten oder unbetonten Silbe endet, spricht man von:

    • betonte Silbe: männliche Kadenz x x́
    • unbetonte Silbe: weibliche Kadenz x́ x
    • mehrere unbetonte Silben: reiche Kadenz x́ x x

  • Ermittle die betonten und unbetonten Silben.

    Tipps

    Sprich die Wörter laut aus und trage zuerst die betonten Silben ein.

    Teste alle Varianten der Betonung, wenn du unsicher bist. Wenn du das Wort Freude falsch betonst, wirst du es hören.

    Lösung

    Vertraue bei den Betonungen deiner natürlichen Betonungsweise. Damit liegst du meist richtig.

  • Bestimme das Metrum.

    Tipps

    Die Wörter Ach–ter–bahn, Mist–hau–fen und Zau–be-rei bestehen aus drei Silben. Handelt es sich um einen Daktylus oder Anapäst?

    Lösung

    Besonders in Gedichten wird das Metrum eines ganzen Verses bestimmt. Dabei kann es vorkommen, dass ein Versfuß am Ende unvollständig ist.

    In diesem Fall gibt man die Anzahl der Hebungen an. Zum Beispiel:

    • Eh–ret die Frau–en! sie flech–ten und we–ben → vierhebiger Daktylus
  • Bestimme das Metrum.

    Tipps

    X = Hebung (betonte Silbe)
    x = Senkung (unbetonte Silbe)

    Zerlege die Wörter in Silben:

    • auf (x) dem (x) Land (X)
    Hierbei handelt es sich um einen Anapäst.

    Zur Erinnerung:

    • Trochäus: X x
    • Jambus: x X
    • Daktylus: X x x
    • Anapäst: x x X
    Lösung

    Konntest du alle Versfüße bestimmen? Sprich die Wörter laut aus, dann fällt dir die Bestimmung leichter.
    Beispiele:

    • Trochäus: X x (Liebe)
    • Jambus: x X (verliebt)
    • Daktylus: X x x (Lieblingsfilm)
    • Anapäst: x x X (Galerie)
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