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Springtiden 02:43 min

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Transkript Springtiden

Der Mond erzeugt und kontrolliert die Gezeiten. Seine Anziehungskraft ist so stark, dass sie das Meer nach oben wölbt. Außerdem wird durch die Fliehkraft der gemeinsamen Rotation von Erde und Mond ein weiterer Wasserberg auf der gegenüberliegenden Seite der Erde erzeugt. Bei ihrer Rotation um die eigene Achse dreht sich die Erde unter diesen Flutbergen hinweg. Da die Erde sich alle 24 Stunden einmal um die eigene Achse dreht, liegen zwischen zwei Ebben beziehungsweise zwei Fluten jeweils ungefähr 12 Stunden. Den stärksten Effekt auf die Gezeiten zeigt der Mond bei Vollmond beziehungsweise Neumond. Dann addieren sich die Anziehungskraft von Mond und Sonne und die Gezeiten fallen stärker als normal aus. Diese extrem starken Gezeiten nennt man Springtiden. Da sie bei Voll- und Neumond auftreten, ereignen sich Springtiden ungefähr alle zwei Wochen. Die Größe dieser Springtiden verändert sich mit dem Jahreszyklus. Wo das Wasser während einer Flut ins Inland geschoben wird – wie zum Beispiel hier an der Mündung des Flusses Severn – treten die Effekte noch deutlicher zutage. Dies ist die berühmtberüchtigte Gezeitenwelle des Severn. Mehrmals im Jahr wechselt der Fluss durch eine außergewöhnlich hohe Springtide die Fließrichtung und es entsteht eine sich bewegende Wasserwand von fast zwei Metern Höhe. Jenseits des Atlantiks ereignet sich Ähnliches am Fluss Amazonas, allerdings in weit größerem Maßstab. Die Gezeitenwelle des Amazonas schiebt sich Hunderte von Kilometern den Flusslauf hinauf, rollt über die Ufer der Nebenflüsse hinweg und hinterlässt verheerende Schäden auf ihrem Weg. Die weltweit bemerkenswerteste Gezeitenwelle findet man am chinesischen Qiantang-Fluss, der südlich von Shanghai in den Ozean mündet. Zur Tag-und-Nacht-Gleiche im Herbst kommt es, unterstützt von saisonalen Winden, zu einer gewaltigen Flut, das Wasser türmt sich auf und wird in die Flussmündung geschoben. Dieses jährliche Spektakel zieht viele Zuschauer an. Die Welle ist unter dem Namen „Silberner Drache“ bekannt und hat schon viele Leben gefordert, da früher Krieger in Booten versuchten, auf dem Ungeheuer zu reiten. Davor wegzulaufen ist auch heute noch ein Sport für wagemutige Einheimische. Danach zieht sich Qiantangs wilder „Silberner Drache“ ins Meer zurück. Und all das wird ausgelöst von der Anziehungskraft des Mondes, obwohl er doch fast 400.000 Kilometer von der Erde entfernt ist.